Im November 1990 bezauberte „Arielle, die Meerjungfrau“ erstmals die deutschen Kinozuschauer. Der Zeichentrickfilm gehört bis heute zu den beliebtesten aus dem Disney-Universum. Deshalb ist die Frage durchaus berechtigt, wieso es überhaupt eine reale Neuverfilmung braucht.
Die Geschichte – sie basiert auch hier auf Hans-Christian Andersens „Die kleine Meerjungfrau“ – ist weitgehend bekannt.
Arielle (Halle Bailey), die Meerjungfrau ist König Tritons (Javier Bardem) Lieblingstochter. Auch wenn sie ihm mit ihrer Eigensinnigkeit gehörig auf den Keks geht. Sie will sich einfach nicht an die Regeln ihres Vaters halten. Eine besagt beispielsweise, dass sie nicht an die Meeresoberfläche schwimmen darf.
Tut sie aber doch. Und bekommt mit, wie ein Schiff in Seenot gerät. Es ist das Schiff, mit dem Prinz Eric (Jonah Hauer-King) unterwegs ist. Es sinkt, und es ist Arielle, die den Menschen vor dem Ertrinken rettet. Als sie ihn am Strand in die Augen schaut – der Prinz ist noch bewusstlos -, da funkt es gewaltig. Sie will ihm nahe sein, kann es aber nicht. Als er wach wird, erinnert er sich an ihre liebliche Stimme – und ist ebenfalls verliebt. Unbekannterweise.
Arielle will an Land, und es ist ausgerechnet die Meereshexe Ursula (Melissa McCarthy), die ihr dabei helfen will. Allerdings nicht uneigennützig. Sie will als Pfand Arielles Stimme. Und wenn es ihr innerhalb von drei Tagen nicht gelingt, dass der Prinz sie in Liebe küsst, muss Arielle zurück ins Meer und sich der Meereshexe unterwerfen.
Ganz grundsätzlich bietet der Film für alle, die das Original kennen, kaum Überraschungen. Alle bekannten Songs aus dem Zeichentrickfilm finden sich auch in dieser Realverfilmung wieder. Dennoch war es für die Filmemacher um Regisseur Ron Marshall sicherlich eine große Herausforderung, die liebenswürdigen Figuren und die furchteinflößende Meereshexe in die reale Welt zu holen.
Das ist mit Halle Bailey als Arielle sehr gelungen. Melissa McCarthy spielt die Hexe, die ein paar Gags hat, ansonsten aber sehr schlecht gelaunt ist – wie es sein soll. Sehr schön in die Realwelt geholt worden sind auch zwei der tierischen Begleiter. Die Krabbe Sebastian (Stimme: Tobias Schmitz) hat einen guten Wortwitz, der Vogel Scuttle (Maria Hönig) ist an sich schon lustig. Verloren hat nur der Fisch Fabius (Joshua Nath), der in diesem Film kaum zur Geltung kommt, weil ein Fisch im Realen nun mal kaum sichtbare Regungen zeigen kann.
Aber ganz klar: Der Film ist gute Unterhaltung. Er bietet Spannung, Fantasy, Witz und Romantik. Wenn die stimmlose Arielle und Prinz Eric in ihrer Kennenlernphase sind, herrscht sogar ein Hauch „Bridgerton“, der Film liegt also voll im Adelsserientrend. Und selbst wenn man ja eigentlich weiß, wie es ausgeht – zwischendrin fiebert man dann doch mit.
Es hat diesen Film nicht wirklich gebraucht – und dennoch ist er sehenswert und kurzweilig.
PS: Und weil sich ja viele seltsame Leute darüber aufregen, dass Arielle eine dunkle Hautfarbe hat: Es ist, wenn man sich den Film ansieht, schlicht nicht relevant.
Arielle, die Meerjungfrau
USA 2022, Regie: Rob Marshall
Disney, 136 Minuten, ab 6
7/10
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