Mitten im Wald bleibt das Auto stehen. Der Ausflug ins Sommerhaus an der Ostsee fängt ja gut an. Leon (Thomas Schubert) und sein bester Freund Felix (Langston Uibel) müssen den Rest laufen. Im Haus stellen sie fest, dass sie nicht allein sind. Felix‘ Mutter scheint sich geirrt zu haben, wie er frustriert nach einem Telefonat feststellt.
Allerdings ist Nadja (Paula Beer) anfangs nur zu hören. Nachts beim Sex mit ihrem Flirt Devid (Enno Trebs) oder wenn sie morgens mit dem Rad wegfährt.
Leon muss an seinem Roman arbeiten, Felix an seiner Fotomappe für die Uni-Bewerbung, aber Felix lässt es schleifen – und Leon ist genervt. Er will nicht baden, er nölt Devid voll.
Und dann ist da auch noch der Waldbrand, ganz in der Nähe, der droht, sich dem Haus zu nähern.
„Roter Himmel“ heißt der Film von Christian Petzold. Er beginnt als Komödie, hat später dramatische Züge – und ist vor allem eine spannende Charakterstudie.
Da ist Leon, der geheimnisvolle. Er ist verschlossen, er ist von allem genervt, und man weiß nicht genau warum, was in ihm vorgeht, was ihn umtreibt. Ist es der Frust, dass sein Buch scheinbar nicht gut geworden ist? Sind es unterdrückte Gefühle? Leon scheint seine Umgebung kaum wahrzunehmen, er ist in einem Tunnel, alles dreht sich um ihn selbst. Felix dagegen nimmt alles leicht, er geht schwimmen, repariert das Hausdach, überlegt nebenher aber auch, wie seine Bewerbung aussehen kann – und beginnt einen Flirt.
Dazwischen steht Nadja, die bemerkt, dass mit Leon etwas nicht stimmt, die auslotet, was da los ist. Und Devid, der das Gefüge durcheinanderbringt. Und auch Leons Lektor, gespielt von Matthias Brandt, wird für Verwerfungen sorgen.
Diese fünf Darsteller sind auf ganz hohem Niveau, jede(r) für sich, es ist toll, ihnen zuzusehen.
Rein von der Geschichte und den Darstellenden ist es ein unfassbar guter Film. Aber es gibt Abzüge für das Waldbrand-Setting, das leider schlecht umgesetzt ist. Erstens, würde ein verheerender Waldbrand unweit dieses Hauses lodern, dann wäre die Gegend nicht so ruhig und dann würde auch nicht hin und wieder ein (!) Löschhubschrauber durch die Gegend fliegen. Zweitens, gibt es hin und wieder etwas alberne Szenen, in denen plötzlich am Bildrand das Feuer lodert – das ist vor allem dann unglaubwürdig, weil sie die Szenen ja erst recht unweit des Hauses abspielen. Später gibt es Szenen in einer Klinik, in der schlicht nichts los ist – am Rande eines Katastrophengebietes. Auch das: leider sehr unglaubwürdig. Das trübt das Gesamterlebnis dann leider doch ein wenig.
Roter Himmel
D 2022, Regie: Christian Petzold
Piffl Medien, 103 Minuten, ab 12
8/10
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