Irgendwann werden wir uns alles erzählen

In der DDR, 1990. Das Land ist noch nicht wiedervereinigt, aber der Umbruch ist längst da.
Maria (Marlene Burow) ist fast 17, und sie ist mit Johannes (Cedric Eich) zusammen, der gerade sein Abi macht. Gemeinsam leben sie auf dem Hof seiner Eltern, den Brendels. Zu Hause, bei ihrer Mutter Hannah (Jördis Triebel) ist sie nur selten.
Auf dem Hof ist viel zu tun, auch daran beteiligt sich Maria eher ungern. Lieber liest sie. Eines Tages lernt die Henner (Felix Kramer) kennen. Er hat seinen Hof unweit von dem der Brendels. Von Anfang an knistert es gewaltig – beiderseits. Und das, obwohl Renner sehr rau ist, scheinbar kaum Liebe in sich hat. Sein Sex ist mechanisch, hart. Aber Maria ist fasziniert. Während sie sich ihm hingibt, ist er unsicher – schon wegen des Altersunterschiedes. Und er hat Angst, wegen dieser Beziehung noch mehr gecancelt zu werden…

„Irgendwann werden wir uns alles erzählen“, heißt der Film von Emily Atef. Und das sagen sich vermutlich auch einige der Menschen in diesem Film. Denn natürlich ist es eine heimliche Affäre. Marias Freund Johannes ahnt nichts, ist immer noch schwer verliebt in seine Freundin, die aber zunehmend abwesend ist – körperlich, aber auch gefühlsmäßig.
Der Film beschreibt nicht nur eine Liebe auf dem Land. Vom Hadern, von der Angst, von einem Gefühl, das eigentlich so nicht ein soll. Nebenher erzählt der Film aber auch das Lebensgefühl der Menschen in der DDR-Provinz zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung. Die ersten Reisen in den Westen, Fahrten nach München, die Illustrierte, die man kauft. Aber auch die wirtschaftlichen Sorgen und die Frage, was denn aus der familiären Landwirtschaft wird.
Felix Kramer spielt den gefühlsverwirrten Henner, und diese Angst, diese Liebe, die er aber erst nicht zeigen kann, spielt er sehr wahrhaftig. Aber auch die anderen Darsteller sind sehenswert.
Es kommt nicht die ganz große Spannung auf, manchmal herrscht ein wenig Leerlauf, aber zum Ende hin wird es dann auch fesselnder.
Und über allem steht die Frage: Kann so eine Liebe eine Zukunft haben? Ganz klar: Irgendwann werden wir uns alles erzählen. Irgendwann, später.

-> Trailer auf Youtube

Irgendwann werden wir uns alles erzählen
D 2022, Regie: Emily Atef
Pandorafilm, 133 Minuten, ab 16
7/10


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