FR 30.10.2026 | 0.05 Uhr (Sa.) | 3sat
Was wurde nicht alles rumgeschwurbelt über das „Journal Deluxe“. Das ZDF wolle eine neue Comedyshow, die so ein bisschen mehr rechts sein solle. Wo dann auch schon mal Alice Weidel zu Gast sein könnte. Und wo man Witze machen könne über die Grünen und die Linken. Weil das ja sonst keiner mache. (Es ist ja nicht so, dass sich zum Beispiel die „heute show“ natürlich auch darüber lustig macht.)
Die Sendung war noch nicht mal aufgezeichnet, schon zerriss sich die Medienmeute das Maul über Florian Schroeder und das, was er da vorhatte. Nachdem die Süddeutsche Zeitung aus einem angeblichen Konzeptpapier des ZDF zitierte, war der Stempel gesetzt.
Niemand wusste wirklich Genaues, aber dennoch gab es eine breit angelegte Diskussion darüber, dass das ZDF ja nun nach rechts abdrifte und Schroeder sowieso.
Der äußerte sich nicht dazu – allerdings befeuerte er die Diskussionen mit einem Auftritt beim „radioeins Kommentatoren Talk“ im rbb, wo er sehr streng und ziemlich übertrieben über die Linken herzog.
Zusätzlich stand die Tatsache im Raum, dass ja Schroeder der Nachfolger von Jan Böhmermann sei.
Denn die Nachricht, dass Florian Schroeder eine Show namens „Journal Deluxe“ beim ZDF bekomme, kam kurz nach der Nachricht, dass Böhmermann das „ZDF Magazin Royale“ beenden wird.
Ob es überhaupt einen Zusammenhang gibt, weiß keiner – auch wenn die Namensähnlichkeit auffällt. Als Test laufen wohl erst mal vier Folgen, die zweiwöchentlich am sehr späten Freitagabend bei 3sat laufen, am sehr späten Dienstagabend im ZDF wiederholt werden und natürlich online beim ZDF zu sehen sind.
In der Premierensendung kam dann die Ernüchterung. Nicht weil das „Journal Deluxe“ irgendwie langweilig ist. Sondern weil es nichts von dem war, was vorher rumdiskutiert worden ist. Schroeder selbst machte sich in seinem Anfangsmonolog darüber lustig, und das durchaus zurecht.
Die SZ fragte danach, ob das jetzt der Satire-Rechtsruck des ZDF gewesen sein soll. Was hochgradig blödsinnig ist, weil ja die SZ diesen Rechtsruck überhaupt erst ins Spiel brachte und wir gar nicht genau wissen, ob jemals beim ZDF von einem gewollten Rechtsruck die Rede war. Die SZ befeuert vielleicht eine Debatte, die vor allem die Medien führen.
Dennoch ist die Frage: Was soll es sein, das „Journal Deluxe“. Schroeder redete anfangs über sich, seine Show und das, was SZ und Co. schon vorher daraus gemacht haben. Dann begrüßte der Ricarda Lang von den Grünen, die durchaus einiges Kluges zu sagen hatte und Florian Schroeder mit seinen Spitzen auflaufen ließ.
Dann sprach er über den neuen Mann und den rechten Mann, die keine Frauen bekommen. Das wirkte ein wenig in der Art wie in Böhmermanns Show.
Später waren Roman Steinke von der Süddeutschen Zeitung und Dorothea Schupelius vom Nachrichtensender Welt zu Gast, die über Rechts und Links diskutierten und auch über die aktuelle Politik.
Durchaus interessant, weil die beiden die Diskussion über rechte und linke Standpunkte bereicherten. Aber es ist jetzt auch nichts, was es nicht schon in anderen Talkformaten zu sehen gibt.
Das „Journal Deluxe“ ist keine ganz schlechte Sendung, aber es fehlt an Profil. Ein weiteres Talkformat braucht es nicht wirklich, und in Sachen beißender Satire hat Florian Schroeder eigentlich mehr drauf.
Aber die vorherige merkwürdige Berichterstattung der SZ sorgte nun dafür, dass alle enttäuscht und sauer sind. Die einen über Schroeders angeblichen Rechtsruck und die anderen über Schroeders nicht stattgefundenen Rechtsruck.
Aber wie auch immer: Am „Journal Deluxe“ muss noch gearbeitet werden.
-> Die Sendung beim ZDF (bis 29. Oktober 2028)
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