App sagt Schließzeiten voraus

Die neue Internet-Anwendung „Schrankenprognose“ könnte in Borgsdorf dabei helfen, herauszufinden, wie lange man am Bahnübergang noch warten muss

MAZ Oberhavel, 16.10.2026

Borgsdorf.
An den Schranken des Borgsdorfer Bahnüberganges kann es schon mal länger dauern. Innerhalb von einer guten Viertelstunde fahren sechs oder sieben Züge durch.
Wenn sich die Schranken in der Bahnhofstraße schließen, dann weiß niemand so genau, wie lange die Wartezeit diesmal sein wird. Lohnt sich die lange Umfahrung über Briese?

Neuerdings gibt es allerdings die Möglichkeit, zumindest ungefähr zu erfahren, wie lange der Bahnübergang geschlossen sein wird. Auf www.schrankenprognose.de ist einsehbar, wie lange voraussichtlich die Schließ- und Öffnungszeiten der Schranke in Borgsdorf sein werden.
Dabei handelt es sich um das Werk von Marius Fetzberger. Er hat die Seite, die es inzwischen auch als Handy-App gibt, programmiert. Dort lassen sich die Daten von inzwischen vielen Bahnübergängen ablesen. „Ich habe heute gerade Nummer 71 eingerichtet“, erzählte er am Montagabend im Gespräch mit der MAZ. Marius Fetzberger lebt im hessischen Dreieich, südlich von Frankfurt/Main. Dort hat die Geschichte der Schrankenprognose auch begonnen.
Seine Tochter Emilia muss sehr oft über einen Bahnübergang in Dreieich – auch dort besteht das Problem, dass die Schranken oft und lange geschlossen sind. Eines Tages ist sie dadurch fast zu spät zu einem Fototermin ihrer Fußballmannschaft gekommen. „Daraufhin hat meine Tochter angefangen, Fahrpläne zu studieren“, erzählt er. „Am Bahnübergang hat sie dann runtergezählt, bis sich die Schranken öffneten.“
Da er ein großes Interesse an Technologien und KI hat, begann er, sich ebenfalls mit dem Thema zu befassen. Eigentlich arbeitet er bei einem großen Gesundheitskonzern. „Ich baute ihr eine App“, erzählt er. Dafür nutzte er die Daten, die die Bahn über den laufenden Verkehr dafür zur Verfügung stellt.
„Eigentlich habe ich das nur für meine Tochter gemacht“, sagt Marius Fetzberger. Er teilte dann aber die Seite in einer Nachbarschaftsgruppe. So nahm die Geschichte ihren Lauf. Die Lokalpresse berichtete, auch die „Hessenschau“ vom Hessischen Rundfunk. Die Schrankenprognose wurde in Hessen und darüber hinaus bekannter.

Dahinter steckt allerdings kein kommerzielles Interesse. „Ich habe keinen größeren Plan damit. Was mich antreibt, ist die Begeisterung der Menschen“, sagt er. „Viele haben mir geschrieben und sich gefreut, dass wir ein jahrzehntealtes Problem angegangen sind.“ Die Reaktionen seien „unfassbar toll“.
Klar sei aber auch: „Eine App ersetzt keine strukturellen Lösungen“, erklärt er. Rettungswege, barrierefreie Querungen, langfristige Entlastungen könne sie nicht bieten. „Sie kann Anwohnerinnen und Anwohnern aber im Alltag helfen, Wartezeiten besser einzuschätzen – parallel zu den Bemühungen von Stadt, Land und Bürgerinitiative.“
Eine Einschränkung aber gibt es: Güter- und Werkstattzüge kann die App in der Regel nicht erkennen, denn die Daten dafür sind nicht öffentlich verfügbar.

Kerstin Türk von der Bürgerinitiative (BI) Bahnübergang Borgsdorf kennt die App bereits. Sie lobt das Engagement von Marius Fetzberger, der von sich aus auf die Situation in Borgsdorf aufmerksam geworden war.
„Es ist keine grundsätzliche Lösung, aber eine gute Hilfestellung“, sagt die Borgsdorferin. Da auf der Nord-Süd-Strecke aber auch viele Güterzüge fahren und gelegentlich auch einzelne Werkstattloks, kommt es schon mal vor, dass die App das nicht anzeigt. „Die App hat in Borgsdorf eine Genauigkeit von 67 Prozent.“
Das ist erst mal noch ein recht niedriger Wert, aber die Nutzer der App können helfen, diesen zu verbessern. Jeder Nutzer hat die Möglichkeit, in der App einzugeben, ob die Angaben stimmen oder ob sich die Schließzeit wegen eines Güterzuges verlängert.

Warum aber kann eigentlich die Bahn selbst nicht einen solchen Service bieten und auf ihren Webseiten und in den Apps integrieren? Seitens der Bahn gibt es darauf keine konkrete Antwort – außer eben: Es gehe nicht. „Das ist wirklich schade“, sagt Kerstin Türk. „Die Bahn setzt auf Datenschutz“, glaubt Marius Fetzberger. „Aber sie hätten die Daten, das wäre kein Problem.“ Vielleicht sei seine App aber eine Inspiration für den Konzern.

In der Hohen Neuendorfer Stadtverwaltung ist die App auch bereits bekannt, wie Sprecher Daniel Dinse auf MAZ-Nachfrage erklärte.
Wird die Stadt das private Projekt unterstützen? Es sieht nicht danach aus. „Eine Verwaltung macht grundsätzlich keine Werbung“, so der Sprecher weiter. „Ob die App sinnvoll ist, entscheiden die Anwenderinnen und Anwender.“

Noch bis zum 16. Oktober ist der Bahnverkehr auf der Strecke, die durch Borgsdorf führt, eingeschränkt. Bis dahin fahren nur die S-Bahnen und einige Baustellenzüge, danach wird die Belastung wieder höher sein. „Dadurch ist unsere Testphase unterbrochen“, sagt Kerstin Türk von der BI. „Wir wollen die App aber weiter testen.“

Die Infos zum Borgsdorfer Bahnübergang gibt es unter: www.schrankenprognose.de/borgsdorf.


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Kommentare

Ein Kommentar zu „App sagt Schließzeiten voraus“

  1. Daggi

    Böte die Bahn so eine App an, würde sie Millionen kosten und vielleicht zu 71% zuverlässig arbeiten, also wahrscheinlich ganz gut, dass sie es nicht macht. Eine lokale Lösung für besondere Härtefälle wie in Borgsdorf wird ja auch nicht gemacht, obwohl das relativ simpel umzusetzen wäre und im Vergleich zum sinnlosen Bus auch fast nichts kosten würde. Der Grund dafür ist aber wohl kaum der Datenschutz (es geht ja um Güterzüge) sondern, dass niemand die Bahn dazu zwingen kann.
    Maximal dämlicher Kommentar des Sprechers übrigens, was für ein Haufen Unsympathen sitzen dort in Hohen Neuendorf nur am Ruder…

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