Durch die Wildnis von Oberhavel

Alexander Hubitsch und Woodshock Adventures bieten bei Zehdenick spezielle E-Bike-Touren an – urige Waldwege statt Asphalt an der Landesstraße

MAZ Oberhavel, 10.10.2026

Neuhof.
Der idyllische Bahnhof Neuhof bei Zehdenick sieht nicht so aus, aber dort kann ein echtes Naturabenteuer starten. Direkt hinter dem Bahnhof, keine fünf Minuten zu Fuß entfernt, wartet Alexander Hubitsch mit seinen E-Bikes.
Der 49-Jährige vermietet aber nicht einfach nur E-Bikes, sondern er stellt auch ganze Touren durch die Wälder der Region zusammen. Die erste Saison von Woodshock Adventures, ein „erweiterter Testbetrieb“, wie Alexander Hubitsch sagt, geht demnächst zu Ende. Aber auch im Winter seien Touren möglich. Sein Gedanke dabei: „Ich wohne in Berlin, da gibt es viel Beton und viele Menschen, und hier kann man die Natur erleben und spüren. Das ist mein Produktversprechen“, sagt er.

Wer bei ihm eines der E-Bikes mit den besonders dicken Reifen leiht, bekommt eine durchchoreografierte Tour dazu, wenn die Kunden das möchten. „Es gibt schöne asphaltierte Wege an der Landesstraße“, erzählt der Unternehmer. Aber um diese Strecken geht es ihm dabei gar nicht so sehr.
Alexander Hubitsch ist in den Wäldern rund um Zehdenick unterwegs und hält Ausschau nach geeigneten Strecken. Mit den dicken Reifen der E-Bikes lassen sich auch Wege befahren, bei denen normale Fahrräder nicht durchkommen. „Das sind zum Beispiel Feinsandstrecken, wie die nach Burgwall. Mit den fetten Reifen geht das.“ Er sucht nach Routen, „die mit anderen Rädern keinen Spaß machen“.

Im vergangenen Jahr hatte sich Alexander Hubitsch entschlossen, eine Firma zu gründen. Er legte sich elf E-Bikes zu, um seinen Kunden ein Brandenburg-Erlebnis bieten zu können. „Aber es sollte eben kein klassischer Fahrradverleih sein.“ Die Räder sind quasi eines der Erlebnismodule, die er anbietet.
„Ich habe die verschiedenen Touren extra für diese Bikes entwickelt. Sie sind expeditionsmäßig“, erzählt er. Genutzt werden auch Wege, bei denen Google Maps sagt, da gebe es gar keine. „Ich kenne mich hier besser aus als der Förster“, sagt der 49-Jährige mit einem Lächeln.

Melden sich Touristen bei ihm an, gibt er im Vorfeld schon eine Tourberatung. „Neulich waren zwei Jungs hier, die haben eine Nacht im Wald gepennt.“ Möglich war das in einem drei Hektar großen Waldstück bei Wesendorf, das Alexander Hubitsch selbst gehört. Allerdings sei das eine Ausnahme gewesen.
Er will sowohl Menschen aus der Region ansprechen als auch Touristen, die aus Orten der weiteren Umgebung oder aus Berlin kommen. Möglich seien auch Team-Events.

Wer sich die Bikes mietet, bekommt vorher ein Tourbriefing. Alle Räder haben ein Navi. Auf der „Kraft des Waldes“-Tour beispielsweise ist es möglich, im firmeneigenen Waldstück ein Bäumchen zu pflanzen.
„Der Bereich ist zoniert, ich zeige den Leuten, wo sie pflanzen können.“ Das Bäumchen kommt in einen Behälter am Lenker. Auch ein Badestopp ist unterwegs möglich.
Bei den Fahrrädern handelt es sich um Cruising-Bikes. Sie haben zehn Zentimeter breite Reifen. „Das sind keine Mountainbikes, sie sind nicht für aggressives Fahren geeignet. Aber man kann damit durch Tiefschnee und Feinsand fahren.“
Mit normalen E-Bikes dürfte man nicht einfach so in den Wald hinein. „Hier sind es genaugenommen Fahrräder mit Tretunterstützung.“

Drei verschiedene Touren werden derzeit angeboten. Eine heißt „Wenn der Wald ans Wasser rückt“: 27 Kilometer lang und eine Mischung aus Offroad-Abenteuer und Naturmomenten – über „urige Wege und sandige Pisten“, wie es in der Ankündigung heißt.
Eine 25 Kilometer lange Tour heißt „Brandenburg unplugged“. Sie ist „die wildeste unserer Touren – holprig, sandig und mit dem Gefühl, ziemlich weit draußen zu sein“, so lautet der Begleittext dazu. Eher Radsport als Spazierfahrt.
„Eine vierte und fünfte Tour entwickle ich gerade“, erzählt Alexander Hubitsch. Eine könnte länger werden, 70 bis 100 Kilometer. „Häufig bauen sich die Leute die Touren auch zusammen. Am Ende steht immer die Frage: ‚Worauf haben sie Lust?‘“ Die Touren sind halbtägig möglich, aber auch ganztägig oder sogar über zwei Tage. „Es gibt auch Biwak-Plätze in der Gegend.“

Alexander Hubitsch lebt in Berlin-Mitte, ursprünglich stammt er aus Wiesbaden. „Ich bin über Google Maps hier gelandet“, sagt er und schmunzelt. „Ich war früher Pfadfinder, und ich gehe sehr gerne mit meiner Frau auf La Palma wandern.“
Lange hat er für einen US-IT-Konzern gearbeitet, inzwischen verdient er sein Geld als Account-Manager. Woodshock Adventures ist noch ein Nebengeschäft.
2019 mietete er sich eine Garage in Neuhof, auf dem Gelände, das wohl mal eine Lagerstätte des VEB war. „Jedes Jahr kam dann mehr dazu. Erst die Garage, dann das Stück Wald, dann eine Baracke.“
Am Ziel ist er, „wenn ich das hier mal als meinen Haupterwerb machen könnte“, sagt er. Er hofft, dass immer mehr Leute „die Versuchung der Natur entdecken“.

Mehr Informationen zu den Rädern und den Touren ab Neuhof bei Zehdenick gibt es auf woodshock.org.


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