Douglas Stuart: John of John

Zurück in die Heimat. Cal kehrt nach Harris zurück, auf der kleinen schottischen Insel ist er groß geworden. Es ist aber auch eine Flucht, mit Edinburgh ist er nie wirklich warm geworden.
Jetzt ist es ein familiärer Notfall, weshalb er nach Hause kommen sollte. Sein Vater John hat ihn gebeten, man könnte auch sagen: beordert. Allerdings muss Cal feststellen, dass nicht so wirklich ein familiärer Notfall vorliegt.
Nun taucht er also wieder ein in sein heimatliches Leben. Er webt Schafswolle.
Sein Vater ist streng, und richtig nah scheinen sich John und Cal auch nicht zu stehen.
Dass er auf Männer steht, könnte Cal seinem Vater niemals sagen. Allerdings sucht er die Nähe von Innes, dem besten Freund seines Vaters. Was Cal nicht weiß: Innes ist über seinen, nun ja, besten Freund ziemlich verzweifelt.

„John of John“ heißt der dicke Roman von Douglas Stuart („Shuggie Bain“). Er entführt uns auf eine Insel in Schottland, wo sich der Alltag noch sehr streng darstellt. In der Kirche wird gebetet, die Ansichten sind sehr konservativ. Alle beäugen sich gegenseitig. Alle sind sie irgendwie unglücklich, weil sie scheinbar nicht das Leben leben können, das sie sich wünschen. Cals Familie scheint ein oberflächliches Verhältnis zueinander zu haben, aber im Inneren zerrüttet. Zugleich muss sich Cal mit seiner jugendlichen Vergangenheit auf der Insel befassen.
Der Roman hat mehr als 550 Seiten, aber der Autor nimmt sich gute 200 Seiten Zeit, um überhaupt mal auf den Kern der Geschichte zu kommen.
Romane mit „Überbreite“ müssen in der Regel beweisen, dass diese auch berechtigt ist. In diesem Fall hätte man gute 100 Seiten einkürzen können, weil sich Douglas Stuart anfangs sehr in Nebensächlichkeiten verzettelt. Übergenau werden Dinge beschrieben oder Begebenheiten erzählt. Der Anfang ist ziemlich langatmig und baut kaum Spannung auf. Das ändert sich erst, wenn Stuart mal endlich zum Punkt kommt.
Der Roman hätte Potenzial zu etwas wirklich Großem gehabt, aber das erste Drittel ist leider eher zermürbend.

Douglas Stuart: John of John
Hanser Berlin, 559 Seiten
5/10


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