FR 25.09.2026 | 22.20 Uhr | Das Erste
Es ist wohl eines der teuersten Projekte, das die ARD in diesem Jahr produziert hat: die 5. und letzte Staffel von „Babylon Berlin“. Bis zu Staffel 4 war Sky mit an Bord, die die Serie mitfinanzierten und auch zuerst im Pay-TV gezeigt haben. Inzwischen stellt Sky keine eigenen Serien mehr her, also musste die ARD für Staffel 5 das Ding alleine stemmen.
Deshalb ist es schon merkwürdig, dass selbst für diese Prestige-Serie im Ersten nicht durchweg gute Sendeplätze freigeräumt werden. Die letzten vier Folgen liefen am späten Freitagabend im Ersten, Folge 8, das Finale, begann um 0.30 Uhr. 760.000 Menschen schauten da noch zu, immerhin.
Die ARD erhofft sich stattdessen, dass sich besonders viele Leute die Serie in der Mediathek ansehen.
Staffel 5 spielt im Jahr 1933. Es ist das Ende der Weimarer Republik. Reichspräsident Paul von Hindenburg übergibt Adolf Hitler die Macht, ernennt ihn zum Reichskanzler.
Wir erleben, wie sich Berlin innerhalb von wenigen Wochen radikal wandelt. Politische Gegner werden verschleppt, Schlüsselstellen der Macht werden schnell von den Nazis besetzt.
Ermittlerin Charlotte Ritter sieht sich mit diesen Umbrüchen konfrontiert. Zugleich ermittelt sie gegen einen Psychiater, es gab mysteriöse Todesfälle. Und einen Zusammenhang zu einem Lazarett in Pasewalk, in dem 1918 auch Hitler behandelt wurde.
Historiker bemängeln, dass „Babylon Berlin“ an vielen Punktes von der wahren Historie abweicht. Dabei ist die Serie vor allem Fiktion vor dem Hintergrund wahrer Ereignisse. Vielleicht führt es ja auch dazu, dass sich mehr Menschen mit dieser Zeit und ihren Ereignissen befassen.
Es ist in der Tat auch das Interessanteste und Spannendste an dieser Staffel: zu sehen, was da 1933 in Berlin passiert ist. Ganz nebenbei auch gespiegelt zu bekommen, dass es durchaus Parallelen zur heutigen Zeit gibt: der Unglaube, dass es so schlimm werde wie befürchtet. Die Zuspitzung des Kampfes zwischen Rechts und Links (und nein, Alice Weidel, Hitler war nicht links). Oder die Szene, in der auch ein hochrangiger schwuler Nazi in einer Travestieshow sitzt, und alle gehen davon aus, wenn es auch Schwule unter den Nazis gibt, dann können ihnen nichts passieren.
Davon abgesehen kann die Krimihandlung nicht durchgehend überzeugen. Die Staffel beginnt spannend, verliert sich aber ein wenig in den vielen Ereignissen, die erzählt werden. Der Kriminalfall selbst verliert im Laufe der Staffel ein bisschen an Bedeutung, so dass man als Zuschauer eher auf das Geschichtliche achtet und weniger auf den Kriminalfall.
Dennoch gibt es tolle Momente: Wenn die französische Sängerin Zaho de Sagazan als Madame Libertine in einem Pariser Club „Zu Asche zu Staub“ singt. Wenn Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) mit Reinhold Gräf (Christian Friedel) im Dragkostüm singen und tanzen. Die Momente, in denen bekannte Figuren einfach festgenommen werden.
Mit Staffel 5 endet die Serie, was schade ist, denn es hätte ganz sicher noch viel erzählt werden können. Die Serie endet quasi mit einem Vorausblick – und der ist, wie kann es anders sein, ziemlich niederschmetternd.
-> Die Serie in der ARD-Mediathek (bis 10. September 2027)
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