FR 18.09.2026 | 20.15 Uhr | WDR
Das ist die wohl größte Medien-Mogelpackung des Jahres. Am Freitagabend feierte der WDR das 50. Jubiläum seiner Talkshow „Kölner Treff“. Und im Gegensatz zum 50. Jubiläum von „extra 3“ gönnte man der Sendung auch einen Primetime-Sendeplatz.
Es scheint aber, dass man das Jubiläum gar nicht so auf dem Schirm hatte. Es war nämlich schon im Januar. Premiere war im Westdeutschen Fernsehen, dem späteren West 3. Gefeiert wurde nun erst im September.
Allerdings: 50 Jahre? Das stimmt und stimmt auch nicht.
Tatsächlich gab es 1976 schon mal einen „Kölner Treff“. Damals wurden Promis und Normalos begrüßt. Dieter Thoma und Alfred Biolek waren die ersten Moderatoren. Elke Heidenreich übernahm später. 1983 aber war Schluss, und dann dauerte es lumpige 23 Jahre, bis die Sendung wiederkam.
2006 kam der „Kölner Treff“ zurück. Mit Bettina Böttinger reihte sich die Sendung in die Freitagstalkshows der Dritten Programme ein. Inzwischen moderieren Micky Beisenherz und Susan Link.
Genau genommen ist der „Kölner Treff“ also eigentlich erst 20 geworden.
In der Jubiläumsausgabe am Freitag waren u.a. Jörg Pilawa, Tommi Schmitt, Senta Berger und Motsi Mabuse zu Gast.
Im Laufe der zwei Stunden kam jeder Gast mal dran, ab und zu plauderten alle, und Live-Musik gab es auch.
Vor allem war diese Sendung aber eines: langweilig. Gibt es eigentlich jüngere Zuschauer, die sich für solche Runden erwärmen können. Zwei Stunden Geplauder, das selten wirklich interessant ist, weil es einfach überhaupt nicht spannend ist, dass in einem Studio ein paar Leute im Kreis sitzen und befragt werden. Zumal man sich ja längst nicht für alle Gäste interessiert. Und Ausschnitte kann man sich auf Youtube ansehen.
Vermutlich ist das kein Format, das eine ewige Zukunft hat.
Und man muss ja sowieso mal fragen, warum eigentlich fast alle Dritten Programme am Freitagabend mehr oder weniger gleichzeitig talken müssen. Der „Kölner Treff“ im WDR, die „NDR Talk Show“, „3 nach 9“ bei radiobremen, das „Riverboat“ im mdr und das „Nachtcafé“ im SWR. Das sind alle Relikte aus einer Zeit, wo die Leute in der Regel nur ihr eigenes Drittes (und vielleicht das des Nachbarbundeslandes) empfangen konnten.
Abgesehen davon, dass solche Shows heute einfach nur schrecklich uninspiriert sind – gleichzeitig muss so was ja nun wirklich nicht auch noch laufen.
Also dann herzlichen Glückwunsch an den „Kölner Treff“ zum irgendwie 50. – aber ich kann mit diesem Format einfach nichts (mehr) anfangen.
-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 18. September 2027)
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