DI 15.09.2026 | Spotify
Zählt man heute die großen Schauspielerinnen und Schauspieler in der DDR auf, dann könnte es sein, dass sie gar nicht genannt wird.
Jedoch zu unrecht. Denn Walfriede Schmitt, heute 85 Jahre alt, gehörte zu den bekannten Gesichtern des DDR-Fernsehens und auch einiger Kinofilme. Ein bisschen war sie die Mutter der Nation – denn immer wieder spielte sie Mütter: In „Moritz in der Litfaßsäule“, in „Das Schulgespenst“, in „Coming out“. Die Liste ihrer Einsätze ist lang. Auch nach der Wende war sie noch mehr als 30 Jahre immer wieder im Fernsehen präsent.
Jetzt war sie im Podcast „Muckefuck & Fernsehfunk“ von der Super Illu. Man kann ihn u.a. bei Spotify hören.
Die Moderatoren Jürgen Karney und Stefanie Heidrich plauderten mit der Schauspielerin, und offenbar waren sie zu Gast bei ihr zu Hause.
Walfriede „Wally“ Schmitt hatte ein bewegtes Berufsleben, aber auf seltsame Weise wirkt sie, als sei alles eher… nun ja… scheiße gewesen. Immer musste sie Mütter spielen, die DEFA wollte sie nicht (was nicht stimmt, denn sie spielte ja auch in DEFA-Filmen mit). Und später, nach der Wende, als sie bei der Sat.1-Serie „Für alle Fälle Stefanie“ mitspielte, sei das auch schlimm gewesen. Weil: so langweilig. Immer wieder habe sie angeregt, mehr Aufregung ins Buch zu schreiben – aber es habe nichts gebracht. Es muss schlimm gewesen sein, diesen Job zu haben.
Irgendwann kamen sie auch auf die Wende und den Mauerfall zu sprechen. Wally erzählte von der Premiere des Films „Coming out“, die am 9. November 1989 im Kino International stattfand. Michael Gwisdek habe auf der Bühne die Maueröffnung verkündet, und irgendwie fand Wally das doof, weil die Stimmung hätte kippen können. Später sei sie in einer Gaststätte gewesen, und sie wollte nichts mitbekommen. Sie sei nicht begeistert gewesen, dass die Mauer gefallen ist.
Das war einmal mehr ein sehr spannender Moment. Dem hätte man auf den Grund gehen können. Aber Jürgen Karney und Stefanie Heidrich lachten die Erzählung scheinbar leicht verschämt weg und wechselten einfach das Thema. War das zu unangenehm? Mich hätte schon mal interessiert, was sich Wally Schmitt stattdessen gewünscht hat, denn schlecht ist es ihr ja offenbar nicht gegangen. Aber wahrscheinlich mussten die beiden Fragesteller einfach ihre Fragenliste abhaken. Wirklich schade.
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