SO 06.09.2026 | 20.00 Uhr | Welt
Wahlergebnisse sind immer auch ein Stück Wahrheit. Es ist der Tag, an dem das Volk spricht. Und die Parteien müssen sich vorbereiten, darauf reagieren zu müssen. Vermutlich sitzen die Verantwortlichen am Nachmittag schon zusammen. Was sagen wir? Wie werden wir unsere Wahlniederlage kommunizieren? Auf diese Weise entsteht vermutlich ein Reaktionsbaukasten, den man im Laufe des Abends bei den Fernsehsendern runterleiern kann.
Nur leider geht das manchmal ordentlich nach hinten los.
Wiebke Winter ist Mitglied des CDU-Bundesvorstandes. Am Sonntagabend saß sie im Studio des Nachrichtensenders Welt, um sich der Frage zu stellen, warum die CDU in Sachsen-Anhalt in den Abgrund gestürzt ist. Nur leider wirkte sie dabei wie in kaputter Leierkasten, der ein bisschen daherplaudert, aber um Gottes Willen keine Frage konkret beantwortet. Selten war das auf so bestürzende Weise deutlich geworden.
Man wolle das Ergebnis morgen in den Gremien aufarbeiten, sagte sie. Und es ist das, was Wahlverlierer an so einem Abend immer sagen. Nur dass der Moderator fragte, arum das erst morgen geschehe. Woraufhin Wiebke Winter meinte, man müsse jetzt erst mal abwarten, wie das Endergebnis aussehe. Damit man wisse, ob die AfD die absolute Mehrheit habe oder nicht.
Aber es sei auch klar, dass das Ergebnis sie ansporne, nächstes Mal noch besser zu werden.
Noch besser, aha. Noch besser als mehr als die Hälfte der Stimmen und Sitze zu verlieren? Da lief dann auch Paul Ronzheimer, der ebenfalls in der Runde saß, die Galle über. „Das sind doch jetzt alles Floskeln“, meinte er richtigerweise. Das höre man den ganzen Abend, dabei sei das ein Votum gegen die Regierung und Friedrich Merz.
Auf die Frage, welche Konsequenz zu ziehen sei, begann Wiebke Winter erst mal ziemlich angespannt, wieder ihre Baukasten-Antworten abzuspulen.
Also so weiter wie bisher?, fragt Ronzheimer. Und die Floskelei geht weiter. Man müsse sich das Ergebnis anschauen, und es stehe ja auch noch nicht fest. Woraufhin dann auch Moderatorin Nummer 3 der Kragen platzte. Es sei doch egal, ob die CDU 18,2 oder 18,3 Prozent habe, die Niederlage sei krachend, auf welche Zahlen warte sie?
Wiebke Winter stand sichtlich unter Druck, und in ihrem Kopf schien es sehr zu rattern, welche Floskel sie als nächstes rausholt, nur um nicht auf den schmerzhaften Punkt zu kommen. Sie faselte von Verantwortung übernehmen, und so weiter. Ob man denn dennoch den Ministerpräsidenten stellen wolle?, war dann die Frage, woraufhin Wiebke Winter noch mal betonte, dass man ja das Endergebnis noch nicht kenne.
Fast wollte man Mitleid mit der CDU-Frau haben. Sie war mit ihrer Floskelei vollkommen am Ende, aber leider war es das Interview da noch nicht lange nicht.
Also weiter so mit Sven Schulze? Und Wiebke Winter: Es gehe darum, dass es für die Menschen in Sachsen-Anhalt gut weitergehe und eine Regierung bekommen würden, die funktioniere.
Was vielleicht passende Antworten gewesen wären, wenn die AfD knapp unter 40 Prozent und die CDU bei 25 Prozent gelandet wären. So kam es dann aber nicht.
Dieses Interview könnte zum Standardwerk taugen, wenn man zeigen möchte, wie sich Politiker am besten nie und nimmer äußern, wenn sie es vermeiden wollen, Floskeln zu verwenden. Aber vermutlich waren das alles auch pure Verzweiflungsfloskeln.
Vielleicht sollte man diese überflüssigen Nicht-Analysen der Politiker an Wahlabenden einfach weglassen.
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