Die Eröffnung eines alternativen Buchladens in Berlin gerät kurzzeitig außer Kontrolle. Eine Gruppe Aktivisten zerstört die Scheibe des Geschäftes. Die Betreiberin, Karolin Schönwald, soll den Laden mit Hilfe einer Erbschaft ihres Opas finanziert haben – und der Opa sei bei den Nazis aktiv gewesen. Steckt also Nazigeld in diesem Geschäft?
Das weisen die Schönwalds empört zurück. Karolins Bruder Chris leistet sich auf Instagram ein Rededuell mit den Initiatoren – in Wirklichkeit weiß er allerdings gar nicht so viel über seinen Opa.
Wie überhaupt die Schönwalds wenig darüber wissen, was in ihrer Familie so los ist, was die Mitglieder beschäftigt.
Das aber dröselt der Autor Philipp Oehmke in seinem Roman „Schönwald“ ziemlich genau auf. Nach und nach tauchen wir ein in diese Familie.
Chris, der seine Professorenstelle in den USA nicht mehr hat und sich irgendwie aus Versehen der MAGA-Bewegung von Trump angeschlossen hat.
Benni, der als Jugendlicher schwerkrank war, sich die Freundin seiner Schwester geangelt hat, jetzt aber in einer Ehe lebt, die nicht sehr glücklich ist.
Und dann sind da noch die Eltern Harry und Ruth, die den wahren Lebenskonflikten aus dem Weg gehen. Hatte Ruth zudem vor Jahren mal eine Affäre?
Wir tauchen tief – denn Philipp Oehmke gräbt tief in der Familiengeschichte. Wir begleiten Chris in die USA, erleben das Kennenlernen von Benni und seiner Frau, erfahren, warum Ruth vor Jahren einfach aus ihrer Ehre flüchtete.
Das ist immer wieder interessant, erfordert aber auch ein wenig Geduld, weil die Geschichte durch die vielen Rückblenden nur schwer aus dem Tritt kommt. Da werden dann viele Schleifen gedreht, manchmal entstehen auch Längen, und am Ende kommt es doch anders. Die Geduld lohnt sich aber, weil wir ein Familienbild zusammenpuzzeln, das je weiter wir lesen, ein Bild ergibt. Und am Ende gibt es ein dann auch auch fesselndes Finale, eine familiäre Eskalation.
Philipp Oehmke: Schönwald
Piper, 544 Seiten
7/10
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