MI 12.08.2026 | 20.15 Uhr | mdr-Fernsehen
Bald sind Wahlen in Sachsen-Anhalt, und sie werden spannend und vielleicht richtungsweisend. Der mdr lässt in den Wochen davor Politiker und Bürger des Bundeslandes zu Wort kommen.
Ein besonders interessantes Format, wenn auch in Ansätzen geklaut, gab es am Mittwochabend. Innerhalb der „exactly“-Reihe lief das Format „6 Stimmen, 1 Land – Das Experiment zur Wahl in Sachsen-Anhalt“.
Sechs Menschen aus dem Land trafen sich in einem Studio und unterhielten über verschiedene Themen, die die beiden Moderatoren vorgaben – sie lasen eine These vor, und auf einer Art Stern konnten sich die sechs Gäste aufeinander zubewegen oder eben nicht.
Wer die sechs Leute sind, blieb auch für die sechs selbst unklar, und auch wir Zuschauer erfuhren erst nach und nach, was diese Leute so machen und welchen Hintergrund sie haben.
Da war die ältere Dame, die wollte, dass der Krieg aufhört und sich jemand zuerst um unsere Probleme kümmert. Ein junger Mann, der deutsch mit Akzent sprach, stellte klar, dass Russland der Aggressor sei, und man deshalb die Sanktionen nicht locker könne. Ein älterer Herr meinte, dass es nach 21 Sanktionspaketen sowieso nichts gebracht habe.
Das Interessante war, dass sowohl die Leute im Studio als auch wir Zuschauer teilweise Vorurteile abbauen mussten. Die ältere Frau sagt, man müsse die Zuwanderung anders regeln, liest aber für Kinder vor, auch und gerade für ausländische, und sie hat vor vielen Jahren zwei schwarze Kinder adoptiert. Sie erklärte, warum sie aber eine solche Meinung vertritt.
Der älterer Herr pflegt seine Mutter, und er macht sich Sorgen ums Magdeburger Stadtbild und befürchtet, keine von denen, die er da so sehe, arbeite. Was er aber nicht wisse, wie er einräumte. Er wählt AfD.
Der junge Mann mit Akzent kam einst als Asylbewerber und tut alles dafür, sich zu integrieren, und er sagt, es sei ein Vorurteil, dass die überwiegende Menge der Asylbewerber sich nicht integrieren wolle – und dass jetzt Angst herrschte über das, was da jetzt kommen könnte.
Der andere junge Mann engagiert sich für CSDs in Sachsen-Anhalt und erklärte, dass es beim CSD eben nicht nur um Partys gehe, sondern um das Gesehenwerden, und er erklärte auch, warum das so ist und dass auch in der Gruppe die Sorgen wieder größer werden. Woraufhin die ältere Frau meinte, dass sie zu wenig Einblicke habe und einige Dinge nun anders sehe, bzw. dass sie sich informieren wolle.
Diese Sendung ist ein Lehrstück darüber, wie wichtig es ist, zu reden, sich auszutauschen, seine Standpunkte zu erklären (wenn man sie denn vernünftig erklären kann), vielleicht Vorurteile abzubauen.
-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 10. August 2031)
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