Was haben wir gelacht

Weißt du noch, damals? Als wir alle vor dem Fernseher saßen? Wenn „Einer wird gewinnen“ lief, und Moderator Hans-Joachim Kulenkampff seine reizende Assistentin begrüßte und sich über ihr sehr schönes Outfit freute. Oder „Dall Dalli“, auch da hatte Hans Rosenthal eine wunderschöne, dezente Assistentin. Oder „Wetten, dass…?“, wenn Thomas Gottschalk sich freute, weil Iris Berben so ein schickes Kleid anhatte und sie bat, doch noch kurz stehenzubleiben.

Ja, „Was haben wir gelacht“! Damals. Heute irgendwie nicht mehr so, weil sich die Zeiten geändert haben. Glücklicherweise.
Ein Blick zurück lohnt sich aber dennoch. Die Doku „Was haben wir gelacht“ macht eine Reise in die Zeit der 80er- bis 2000er-Jahre. Jahre, in denen im Fernsehen die Frau eher Beiwerk war und eigentlich nichts zu sagen hatte. Und wenn sie was zu sagen hatte, dann waren Männer davon gestört.

Hella von Sinnen, Esther Schweins, Maren Kroymann, Bettina Böttinger und Gaby Köster blicken auf die Zeiten zurück, wo Frauen einfach nur schön auszusehen hatten. Sie kommentieren Ausschnitte von damals, in denen sie selbst und andere Frauen zu sehen sind.
Das ist mitunter hart. Männer waren sexistisch, sie rissen mitunter fiese Gags über Frauen, zogen über sie her oder ließen sie einfach nur schön aussehen, weil man dachte, die können eh nicht mehr.
Die Ausschnitte sind heute mitunter schwer zu ertragen – so manche waren auch damals schon umstritten. Dass Gottschalk Frauen antatscht, war auch schon in den 90ern Thema, aber eben am Ende doch nicht so kontrovers.
Vieles lachten sie damals irgendwie weg, weil sie in dem Moment perplex waren oder weil sie sich nicht trauten, Kontra zu geben.
Hella von Sinnen schaffte es mehrfach: In einer Talkshow musste sie sich von einem Karnevalstypen anhören lassen, dass sie ja im Karneval gescheitert sei. Sie wies das zurück, und sie wollte wissen, ob er der Mann sei, der den Kölner Karneval im Fernsehen kommentiere – das sei wirklich sehr dröge. Fand der Herr so semlustig (aber Hella hatte recht).
Esther Schweins musste sich bei „Wetten, dass…?“ gefallen lassen, dass Gottschalk sabbernd die „TV Spielfilm“ hochhielt, die Schweins ziemlich nackt abbildete. Damals hatte sie sich nicht getraut, ein Fass aufzumachen, weil das Foto eine Fälschung war – halsabwärts montierte die Redaktion einfach einen anderen Körper ein.
Legendär und heute schwer zu ertragen: der Toilettenwitz von Harald Schmidt über Bettina Böttinger. Woraufhin sie in seine Sendung kam und ihn hat sitzenlassen.

Die Doku zeigt teils humorvoll, aber auch sehr ernsthaft, worüber in den 80ern und 90ern scheinbar noch Konsens herrschte. Wie Frauen nicht immer, aber sehr oft, kleingehalten wurden, wie man sie im Fernsehen behandelte.
Kommentiert von fünf Frauen, die, jede auf ihre Weise, eine Pionierin war, die Dinge zu ändern. Mit Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und einer Portion Mut und Frechheit.

-> Trailer auf Youtube

Was haben wir gelacht
D 2026, Regie: Eva Müller, Isabel Schneider
Port au Prince Films, 98 Minuten, ab 12
8/10


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