Ursula Münchow ist 1921 in Kremmen geboren worden – heute feiert sie ihren 105. Geburtstag an der Kaffeetafel – sie erzählt, wie sie sich so lange fit gehalten hat
MAZ Oberhavel, 21.7.2026
Kremmen.
„Ach ja, 105!“ Hin und wieder muss man Ursula Münchow noch mal daran erinnern, dass sie bereits 105 wird. Aber wenn man erst mal über 100 ist, dann spiele das auch gar keine große Rolle mehr, sagt sie.
Schon am Montag wurde bei ihr zu Hause in Kremmen die Kaffeetafel aufgebaut. „Da kommen so viele Leute, da müssen Sie ja Platz machen“, erzählt sie mit einem Lächeln. „Wie viele Leute kommen, kann ich Ihnen gar nicht sagen.“ Es werden wohl einige, wenn man sich die Kaffeetafel so ansieht. „Sonst habe ich auch den Kuchen gebacken.“ Diesmal aber weiß sie, dass gleich vier Kuchen von den Gästen mitgebracht werden.
Für ihre 105 Jahre ist sie noch recht gut drauf. Sie geht zwar am Stock oder am Rollator, aber sie kann sich noch gut bewegen, das sei die Hauptsache. Das Gedächtnis lässt etwas nach, aber wirklich nur ein bisschen.
Wie wird man so alt, wenn man das überhaupt beeinflussen kann? Ursula Münchow lächelt wieder. „Na ja, ich habe nicht gesoffen, nicht geraucht, keine großen Dummheiten gemacht.“ Auch nur wenig fettiges Fleisch oder Schmalz gegessen. Außerdem geht sie jeden Tag, wenn es geht, aus dem Haus. „Den Graben entlang bis zur Chaussee und wieder zurück.“ Eine gute Stunde lang und natürlich nicht allein. „Ich marschiere noch eine Menge, ich will nicht den ganzen Tag hier sitzen.“
Geboren wurde Ursula Münchow am 21. Juli 1921 in dem Ort, in dem sie bis heute lebt – in Kremmen. „Wir waren glückliche Kinder“, erzählt sie. Gern erinnert sie sich an eine Radfahrt mit ihrem Vater und ihren beiden Schwestern ins Riesengebirge. 14 Tage seien sie unterwegs gewesen. Sie ging in die Schule, die sich damals noch gegenüber der Kirche befand. 1935 hat ihr Vater das Haus gebaut, in dem Ursula Münchow bis heute lebt, also seit inzwischen 91 Jahren.
Acht Jahre besuchte sie die Schule, später arbeitete sie in Berlin bei der AEG. „Mein Vater war dort beschäftigt und hat mich dort untergebracht.“ Sie hat dort vor allem Büroarbeiten erledigt. In Kremmen ist sie vor allem bekannt, weil sie viele, viele Jahre unter anderem Klavier- und Akkordeonlehrerin war. „Mein Vater war Musiker, er war Geigenspieler“, erinnert sich die 105-Jährige. Sie selbst hatte in Berlin Unterricht. Ihre Musikschüler kamen aber fast alle zu ihr nach Hause. Ganze Generationen haben bei ihr ein Musikinstrument gelernt. Sie gründete ein Akkordeonorchester. Auch diese Proben fanden oft in ihrem Wohnzimmer statt.
„Das hat mir immer Spaß gemacht“, sagt sie. „Den Kindern was beizubringen, das ist doch was Schönes.“ Hört man sich in Kremmen bei ehemaligen Musikschülern um, dann heißt es, sie sei streng, aber freundlich gewesen. Ihre Strenge habe zumindest bei den meisten ihrer Schüler nicht dazu geführt, dass sie unbeliebt gewesen sei. „Ich habe eine Schülerin, die mich noch heute besucht“, sagt die Ur-Kremmenerin. „Sie ist 75, damals war sie noch ein Schulkind, als sie bei mir gelernt hat.“
Besuch bekommt Ursula Münchow jeden Tag. Auch wenn sie relativ selbstständig ist, hat sie eine Pflegerin. Aber zum Beispiel auch Ellen Brunner kommt fast jeden Tag vorbei. „Wenn ich mal nicht komme, dann klingelt das Telefon, ob alles in Ordnung ist“, erzählt sie.
Sind Ellen Brunner und Ursula Münchow Freunde? „Wir kennen uns sehr lange, ich hatte bei ihr auch Akkordeonunterricht“, sagt Ellen Brunner. Ursula Münchow nickt und lächelt wieder. Obwohl sich die beiden Frauen ewig kennen: „Wir siezen uns heute noch. Ich nenne sie Frau Brunner“, so die 105-Jährige.
Die Musik begleitet Ursula Münchow immer noch. „Ich spiele, wenn ich kann, jeden Tag Klavier“, erzählt sie. Das Klavier steht im Wohnzimmer. „Ich spiele nach Noten und auch auswendig. Ich habe viel Klassisches gespielt, aber auch Schlager.“
Was wünscht sie sich für ihr 106. Lebensjahr? „Dass es so ist wie dieses Jahr“, da muss die Jubilarin gar nicht lange überlegen.
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