aspekte: Was darf man wo noch singen? Danger Dan und das ZDF

SA 18.07.2026 | 23.50 Uhr | ZDF

Eigentlich sollte Danger Dan gemeinsam mt Igor Levitt am Dienstagabend in der Jubiläumsausgabe von „Die Anstalt“ auftreten. Thema der 100. Sendung ist der Umgang mit dem immer stärker werdenden Rechtsextremismus in Deutschland. In der Sendung sollte auch der Song „Keine Angst“ gespielt werden – mit anschließender Diskussion darüber.
Doch dazu kommt es nicht. Denn Danger Dan ist vom ZDF – nicht vom „Die Anstalt“-Team – kurzfristig ausgeladen worden. Und der Zoff ist groß.

Beim ZDF verweist man auf den Text des Liedes „Keine Angst“. Danger Dan singt darin davon, dass der Rechtsextremismus erstarkt, und dass man sich dagegen erheben und dagegen kämpfen müsse. Die ZDF-Chefetage argumentiert, dass es im Text Stellen gebe, die einen Aufruf zur Gewalt darstellen würden, das würde gegen die Lichtlinien des Senders sein. Am Ende des Liedes werden verurteilte Linksextreme „gegrüßt“.
Das Anstalt-Team hält dagegen, dass das Lied erstens in einem Kontext gesungen worden wäre und dass geplant gewesen sei, über die betreffenden Textstellen diskutiert worden wäre.
Aber das lehnte man in Mainz ab.

Stattdessen versprach man, dass man sich an anderer Stelle journalistisch mit dem Thema befassen werde.
Das war dann auch so, schon am Sonnabend gab es eine „aspekte“-Sondersendung, im linearen ZDF lief sie aber vorsichtshalber sehr versteckt am späten Sonnabendabend. „Was darf man wo noch singen? Danger Dan und das ZDF“ schien ziemlich mit der heißen Nadel gestrickt gewesen sein und wirkt wie ein Reaction-Video auf Youtube.

Ein Rechtsexperte sagte, dass er die Auffassung zum Gewaltaufrufe nicht zwingend teile, ein weiterer wies dann aber durchaus darauf hin, dass man einen solchen Aufruf darin erkennen könne.
Oliver Heidemann, der ZDF-Show-Hauptredaktion, sagte, man hab es sich nicht einfach gemacht, aber man könne … na ja, siehe oben. Woraufhin Moderator Jo Schück die Programmrichtlinien vorlesen ließ.

Jan Fleischhauer, eher rechtskonservativ, wies darauf hin, dass es ein Unterschied sei, wenn ein Talkshowgast Unsinn rede – oder ob man sich offensiv jemanden einlädt, um so einen Song zu singen. Kabarettist Florian Schroeder nannte es einen Debattenbeitrag, Journalist Jens Balzer hätte es eine gute Lösung gefunden, das Stück zu spielen und dann drüber zu diskutieren (was ja geplant war). Woraufhin Fleischhauer sich nicht vorstellen konnte, dass so was gehe. Und beim ZDF konnte man das ganz offenbar auch nicht.
Das „Anstalt“-Team kam übrigens nicht zu Wort – stattdessen zeihte man einen Ausschnitt aus der Sendung vom kommenden Dienstag und eine Zitatkachel.
Frauen kamen übrigens gar nicht zu Wort, so schnell habe man keine finden können, entschuldigte sich Jo Schück.

Eines kann man schon vorwegnehmen: Das Team von „Die Anstalt“ wird in ihrer Sendung zeigen, dass es sehr wohl funktioniert, über so ein Stück zu diskutieren, und dafür haben einige Minuten schon ausgereicht. Aber die ZDF-Chefs haben das ihren Leuten nicht zugetraut. Vielleicht sollten sie ihren Teams einfach mal mehr zutrauen und nicht davon ausgehen, dass sie vollkommen verantwortungslos sind.

In der Tat ist der Text zu „Keine Angst“ diskutabel. Im Kern spricht er aber ein wirklich ernstes Problem an: dass das Erstarken des Rechtsextremismus dazu führt, dass es wieder Angsträume in Deutschland gibt und dass man sich wehren müsse. Absolut richtig. Über das Wie – das ist dann aber die spannende Frage. Und wer am Dienstag „Die Anstalt“ sieht (oder jetzt schon online beim ZDF), wird auch feststellen, warum der Song grundsätzlich dort gut platziert gewesen wäre.
Insofern: Ja, das ZDF ist mutlos. Ja, das ZDF lässt sich offenbar schon vorab einschüchtern. Und ja, das Lied hat problematische Stellen, aber dennoch ist der Rausschmiss unter den gegebenen Voraussetzungen falsch.

-> Die Sendung beim ZDF (bis 17. Juli 2028)


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