Marwitzer fühlen sich im Stich gelassen

Am 20. Juli beginnt die Sanierung der L17 im Ort – auf konkrete Informationen zu Bauabschnitten oder der Möglichkeit, zu den Grundstücken zu gelangen, warten sie bislang vergebens

MAZ Oberhavel, 16.7.2026

Marwitz.
Am Mittwochmittag sind in der Breiten Straße in Marwitz die Halteverbotsschilder aufgestellt worden: Ab dem kommenden Montag, 20. Juli, tritt das Verbot um 6 Uhr in Kraft. Das ist der Tag, ab dem die Ortsdurchfahrt in Marwitz gesperrt werden soll. Viel mehr als diesen bloßen Fakt wissen die Menschen im Ort allerdings auch noch nicht. Fünf Tage vor Beginn der großen Bauarbeiten stehen die Anwohner und Gewerbetreibenden scheinbar vollkommen im Dunkeln.

Wie kommen die Leute an ihre Grundstücke? Wie kommen die Kunden zum Friseur oder in die Werkstatt? Wo parken die vielen Besucher, die am letzten Sonnabend des Monats in die Beat-Fabrik wollen? Bislang stehen diese Fragen im Raum, auf die es noch keine Antworten zu geben scheint.

Seit vielen Jahren ist die Marwitzer Ortsdurchfahrt – also die Breite Straße und die Berliner Straße – marode. Nach dem Winter bricht die Fahrbahn regelmäßig an vielen Stellen auf, und es bilden sich teilweise tiefe Schlaglöcher. Im ganzen Ort ist deshalb auf den Hauptstraßen nur Tempo 30 erlaubt.
Doch nun wird die Ortsdurchfahrt, die Landesstraße 17, saniert, vom Ortseingang aus Richtung Eichstädt kommend bis zum Ortsausgang in Richtung Marwitzer Kreisel.

„Anwohnerinfos sind noch nicht raus“, sagt Susan Beastoch von der Marwitzer Beat-Fabrik. Erkundigungen beim Landesbetrieb Straßenwesen seien ins Leere verlaufen.
„Wir wissen noch gar nichts“, sagte Manuela Warnke, die Chefin vom Marwitzer Friseurteam an der Breiten Straße. Sie schaue auf der Internetseite der Gemeinde, „aber irgendwie wird man da auch nicht schlau draus“. Dass es verschiedene Bauabschnitte gebe, seien Gerüchte, „aber wie viele, das weiß ich nicht, und auch, was überhaupt gemacht werden soll.“
Manuela Warnke hätte zumindest erwartet, dass Zettel in die Briefkästen verteilt werden. „Wir haben ja vor allem ein älteres Publikum im Laden, und die können ja nicht an der Turnhalle parken und dann zu uns laufen. Heute ist Mittwoch, und ich hätte gedacht, dass wir da schon mehr Infos haben. Ich fühle mich im Stich gelassen.“
Ähnliches ist in der Motorenschmiede nebenan zu hören. Die Leute von der Autowerkstatt an der Breiten Straße sind darauf angewiesen, dass es eine Zufahrt zu ihrem Hof gibt. „Null. Wir wissen nichts“, sagte Werkstattchefin Liza Marie Schumacher. „Hätten wir nicht Zeitung gelesen oder Social Media, dann wüssten wir bis heute nicht mal, dass überhaupt gebaut werden soll.“ Es herrsche Unsicherheit. „Wir wissen nicht, was wir unseren Kunden und Lieferanten sagen sollen.“ Insbesondere die Zufahrt für Lkw könnte schwierig werden. „Wir haben hier ja frisch angefangen, da steht bei einem solchen Eingriff unsere Existenz auf dem Spiel. Ich hätte zumindest erwartet, dass man uns informiert.“
Discobetreiber Tom Wittenbecher bekam immerhin erste Infos aus der Gemeindeverwaltung Oberkrämer in Eichstädt. „Ich weiß, dass es vier Bauabschnitte geben wird“, erzählte er am Mittwoch im Gespräch mit der MAZ.

Allerdings ist auch diese Information schon wieder überholt. Während bei der Ortsdurchfahrt Vehlefanz das Bauamt in Oberkrämer tonangebend war, ist die Gemeindeverwaltung bei der Sanierung in Marwitz auch nur Zuschauer. Auf Nachfrage beim Landesbetrieb Straßenwesen, gibt es auch nur eine allgemeine Antwort.
„Während der Sanierung der Ortsdurchfahrt Marwitz bleibt die gesamte Strecke voll gesperrt“, antwortet Sprecherin Dorothée Lorenz auf die Fragen der MAZ. Ansonsten verweist sie auf die schon bekannte Pressemitteilung, die im Detail aber auch Fragen offen lässt.

Oberkrämers Bauamtsleiter Dirk Eger versucht, auf alle Fragen eine Antwort zu geben. „Der neueste Stand ist, dass es zwei Bauabschnitte geben wird“, so Dirk Eger am Mittwoch. Los geht es demnächst in der Berliner Straße am Ortseingang, vom Marwitzer Kreisel kommend.
Der erste Bauabschnitt erstreckt sich von dort bis etwa zur Kirche. Das bedeutet, dass die Anwohner der Marwitzer Heide zunächst noch nicht von der Vollsperrung betroffen sein werden.
Der zweite Bauabschnitt reiche etwa von der Kirche bis zum Ortsausgang in Richtung Eichstädt. Zumindest ist das der Stand vom Mittwoch. Für den Donnerstag sei eine interne Runde zur Bauablaufplanung angesetzt, erklärte Dirk Eger.

Nicht wenige im Ort zweifeln daran, dass die Bauarbeiten innerhalb von vier Wochen über die Bühne gehen. Eigentlich soll zum 24. August der Schulbus wieder fahren, insgesamt ist von einer Sperrung bis 3. September die Rede. „Wir sind überzeugt davon, dass die in vier Wochen nicht durch sind“, sagte Manuela Warnke. Was am Untergrund der Straße liege.
Auch Bauamtsleiter Dirk Eger sieht durchaus Herausforderungen. „Wir wissen nicht, wie der Unterbau aussieht.“ Gemeint ist das, was die Fräsmaschine freilegt, wenn der alte Asphalt der L17 im Ort verschwindet.
„Der Unterbau ist nicht homogen“, erklärte er. „Da liegen verschiedenste Schichten drunter. Das sind sowohl Pflastersteine, aber es kann auch alter Ziegelschutt sein. Wir sind schlauer, wenn die Fräse durchgefahren ist. Aber das alles macht die Sache sehr herausfordernd.“ Klar sei, dass Anliegern ermöglicht werden müsse, zu ihren Grundstücken zu gelangen. Immerhin hat ein Teil der Breiten Straße eine Art Nebenstrecke. Dort solle die Einbahnstraßenregelung während der Bauarbeiten aufgehoben werden.

Wenn am heutigen Donnerstag die Bauablaufberatung gelaufen ist, dann kommt hoffentlich Licht ins Marwitzer Dunkel.


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