Fake-Blitzer an der Bundesstraße

An der B167 in Grieben steht seit einiger Zeit ein Gerät am Gartenzaun, das einem Geschwindigkeitsmesser verdächtig ähnlich sieht – Andreas Stoppe erzählt, wie es dazu kam

MAZ Oberhavel, 14.7.2026

Grieben.
Grieben im Löwenberger Land hat neuerdings einen Blitzer. Er steht an der Dorfstraße an der Bundesstraße B167. Zumindest sieht das Ding aus wie eine Blitzersäule. Autofahrern wird das Gerät sicherlich schon aufgefallen sein. Wer aus Richtung Herzberg nach Löwenberg fährt, wird in Grieben auf der rechten Seite auf diese Geschwindigkeitsüberwachungssäule stoßen. Besser gesagt: auf die mutmaßliche Säule.
Denn bei diesem Gerät handelt es sich gar nicht um Blitzer. Genaugenommen ist es nicht mal ein Gerät. Das aber erkennt man kaum, wenn man nur einfach so auf der Bundesstraße durch den Ort fährt.

Erst bei genauem Hinsehen fällt auf, dass die Säule bemalt ist, die schwarzen Streifen haben keine Bedeutung, und die Antenne oben drauf ist natürlich auch keine.
Stattdessen könnte es sich bei näherer Betrachtung um einen Leuchtturm handeln, der auf einer Mini-Anhöhe im Garten steht. Es gibt eine Steinumfassung, und daneben steht ein lachender Gartenzwerg.

Andreas Stoppe gehört das Grundstück, auf dem der Blitzer, der keiner ist, steht. Als er von der MAZ am Gartentor auf den Hingucker angesprochen wird, lacht er.
Woraus ist das Gerät denn wirklich? „Das ist ein Plasterohr, das haben wir angestrichen.“ Er hatte sich zuvor extra erkundigt, ob er so etwas in seinem Garten aufstellen darf. „Es ist nicht verboten“, sagt der Griebener. Die aufgestellte Säule dürfe eben die roten Kameraaugen nicht haben. Aber ansonsten sieht sie zumindest für Vorbeifahrende durchaus echt aus.

Die ganze Sache hat durchaus eine Vorgeschichte. Denn Andreas Stoppe bemüht sich schon darum, dass in Grieben ein Blitzer aufgestellt wird. Die B167 führt relativ breit und schnurgerade durch das Dorf. An Tempo 50 würden sich längst nicht alle halten.
„Ich war deshalb schon in Löwenberg“, erzählt er. Denn in Löwenberg sitzt die Gemeindeverwaltung, auch die Gemeindevertreter tagen dort. Er habe dort angeregt, in Grieben einen Blitzer aufstellen zu lassen. Aber er habe dort kein Gehör gefunden, erzählt er.
Auch bei der Polizei habe er sich deshalb erkundigt. „Hier in die Hecke, in den Busch müssen sie rein“, sagt Andreas Stoppe über ideale Plätze für eine Geschwindigkeitsüberwachung.

Nun gibt es also den Fake-Blitzer. „Irgendwann im Mai“ habe er ihn aufgestellt, und er scheint zumindest bei einigen Autofahrern etwas zu bringen.
Steht er nun ab und zu in seinem Garten und schaut, ob Autos bremsen? Andreas Stoppe lacht. „Nö, man hört’s ja. Ich sitze hier in der Ecke, da hört man das richtig.“ Nachts, selbst bei geschlossenem Fenster, höre er, wenn Autos bremsen.
Die Nachbarn würden das alle gut finden, sagt der Griebener. „Aber hier müssten noch viel mehr stehen, und zwischendrin müsste ein richtiger Blitzer stehen.“

Ist das auch im Sinne der Polizei? Dazu äußert sich Joachim Lemmel, der Pressesprecher der Polizeidirektion Nord. „Pauschal ist das schwer zu sagen“, erklärte er am Freitag in einem Gespräch mit der MAZ. „Es kommt darauf an, wie es wirkt.“
Wenn der Fake-Blitzer dazu führe, dass Autos an der Stelle abrupt abbremsen, „dann ist das kritisch zu sehen“, so Joachim Lemmel weiter. „Grundsätzlich kann ich mir in den Garten stellen, was ich will. Aber es ist eine zweischneidige Sache, wenn Leute überreagieren, wenn sie Angst haben, geblitzt zu werden.“
Es sei also immer eine Einzelfallentscheidung, wie mit dieser Thematik umgegangen werde. Für Andreas Stoppe hat sich die Aufstellung der Plastiksäule schon gelohnt – bei jedem Auto, das nicht ganz so schnell durch den Ort fährt.


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