Neue Waggons für den Ostsee-Express

Stadler präsentiert in Hennigsdorf Doppelstockwagen für die RE3-Strecke – Bahn plant mehr Verbindungen und teilweise längere Züge zur Küste – Auslieferung ein Jahr später

MAZ, 13.7.2026

Hennigsdorf.
Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2026 sollen sich die Bahnverbindungen zur Ostsee verbessern. Der Regionalexpress RE3 wird dann stündlich zwischen Lutherstadt Wittenberg, Berlin, Bernau und Stralsund unterwegs sein.
Die Deutsche Bahn will dann mit dem neuen Netz Nord-Süd an den Start gehen – mit mehr Verbindungen und auch neuen Doppelstockzügen. Wobei die neuen Züge erst im Dezember 2027 eingesetzt werden können.
Bei einem Pressetermin dieser Tage beim Schienenfahrzeughersteller Stadler in Hennigsdorf ist der neue Zug aber schon mal präsentiert worden, ebenso wie das neue Bahnnetz, das vier Bundesländer miteinander verbindet.

Zu den Linien im Nord-Süd-Netz gehören der Regionalexpress RE3 von Stralsund über Bernau, Berlin und Jüterbog nach Lutherstadt Wittenberg, der RE4 aus Stendal über Rathenow, Berlin nach Falkenberg und der RE5 von Rostock oder Stralsund über Oranienburg und Berlin nach Ludwigsfelde.
Neu für den RE3 ist der stündliche Anschluss bis Stralsund. Die zweistündlichen Fahrten nach Schwedt entfallen. Wer dorthin will, muss dann in Angermünde umsteigen.
Beim RE5 ändert sich, dass der Zug nicht mehr in Berlin-Südkreuz endet, sondern in Ludwigsfelde. Bedeutet aber auch, dass dann die aktuelle direkte Verbindung zum Flughafen BER wieder Geschichte ist.

In Hennigsdorf ist aber vor allem der neue Doppelstockzug präsentiert worden. Der „Kiss“ soll auf der Strecke des RE3 eingesetzt werden. Er soll mehr Kapazität bieten.
Die fünfteiligen Doppelstockwagen bieten Platz für knapp 1150 Menschen, davon sind 28 Sitzplätze in der 1. Klasse, 378 in der 2. Klasse sowie 169 Klappsitze. 84 Fahrräder sollen in die neuen Züge hineinpassen.
Zum Komfort sollen mobilfunkoptimierte Fenster gehören sowie induktive Ladestellen für Smartphones. Auch W-Lan ist im Zug zu haben, ebenso Steckdosen.
Der Zug konnte in Hennigsdorf schon besichtigt werden. Er roch innen noch ganz neu. Die Sitzplätze sind durchaus gemütlich. Auf Monitoren ist zu sehen, wo der Zug ist, welche die nächsten Haltepunkte sind und ob der Zug pünktlich ist.
Nicht wirklich gelöst worden ist das Gepäckproblem. Im oberen Abteil des Doppelstockwagens ist für großes Gepäck – gerade für Reisende an die Ostsee – kaum Platz, die Ablageflächen über den Sitzen sind sehr schmal, und man stößt sich daran gern mal den Kopf.

Der eigentliche Wermutstropfen bei den zwölf bestellten neuen Zügen von Stadler ist jedoch, dass sie noch nicht im Dezember 2026 auf den Schienen unterwegs sein werden – sondern wohl erst im Dezember 2027.
Josef Köcher, CEO von Stadler in Deutschland, erklärte das mit einem Problem bei den Lieferketten. „Wenn die ins Wanken kommen, dann ist das nicht gut.“ Bei einem Lieferanten für Wagenkästen habe es eine Überschwemmung gegeben, deshalb kommt es zu diesen Verzögerungen. Bis dahin sollen ein Jahr lang Ersatzfahrzeuge auf der RE3-Strecke eingesetzt werden.

Beim RE5, der von Berlin aus über Oranienburg und Fürstenberg zur Ostsee fährt, wird es zwar keine neuen Waggons geben, „aber die Fahrzeugausstattung wird besser“, sagte Carsten Moll, der Vorsitzende von DB Regio Nordost. Es würden „topmodernisierte Fahrzeuge“ unterwegs sein.
Auch erklärte Carsten Moll, dass sich die Kapazitäten im Winter verbessern würden. „Im Winter fuhren bislang nur vier Wagen.“ Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2026 fahren dann, wie sonst auch, fünf Doppelstockwagen.

Brandenburgs Verkehrsminister Robert Crumbach (SPD) sagte in Hennigsdorf, dass ihm jede Angebotsverbesserung am Herzen liege. Auch wenn der RE3 künftig stündlich nach Stralsund fahre, räumte er auch ein, dass Schwedt damit nicht mehr am Regionalexpress-Netz hänge. Dorthin fährt ab Dezember die Regionalbahn RB61.
„Es ist aber auch eine Verbesserung“, sagte er außerdem. Er gehe davon aus, dass sich die Zuverlässigkeit der Züge verbessern würde. „Durch die klare Strukturierung des RE3 entsteht erstmals ein stabiler Nord-Süd-Stundentakt, von dem viele Regionen profitieren“, erklärte er zudem in einem vorab abgegebenen Statement.
Die Schwedter sehen das jedoch anders, die befürchten, dass sie künftig in Angermünde öfter auf dem Bahnsteig warten müssten, wenn sich der RE3 verspäte oder falls er mal ausfalle.

Auch für Berlin seien die neuen Anschlüsse eine „Riesenverbesserung“, sagte die Berliner Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU). Sie sieht spürbare Fortschritte für die Pendler. In Hennigsdorf sagte sie: „So gelingt die Verkehrswende.“
Pendler sind jedoch eher von vielen Bauarbeiten genervt. Wobei der insbesondere der RE4 auch im kommenden Jahr noch von den diversen Strecken-Sanierungen betroffen sein könnte. So ist für den Herbst 2027 eine Sperrung des Bahnhofes Berlin-Spandau angekündigt.


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