Tagesschau: Zu spät und doppelt

DI 07.07.2026 | 20.02 Uhr | tagesschau24

Am Dienstag liefen fast parallel zwei einerseits identische, aber dennoch unterschiedliche Ausgaben der Tagesschau. Der Fußball war schuld.

In der Senderegie von ARD aktuell muss am Dienstagabend eine hohe Nervosität geherrscht haben. Denn im Ersten ist man ein hohes Risiko eingegangen. Das Fußball-WM-Achtelfinalspiel zwischen Argentinien und Ägypten wurde um 18 Uhr angepfiffen. Erfahrungsgemäß erfolgt der abpfiff der WM-Spiele etwa zwei Stunden später. Also rund um 20 Uhr.
Nun ist es erstaunlich, dass die ARD das Spiel zeigt und keinerlei Nachberichterstattung einplant. Aber niemand wusste, um wirklich 20 Uhr Schluss sein würde. Oder vielleicht erst 20.02 Uhr.

Das könnte egal sein, wenn nicht noch fast die ganze ARD mit den Dritten Programmen, mit 3sat, phoenix und tagesschau24 dranhängen würde. Denn die 20-Uhr-Tagesschau läuft dort ja auch.
Tatsächlich war das Fußballspiel um 20 Uhr noch nicht zu Ende. Die Nachspielzeit sollte eigentlich gegen 20.01 Uhr zu Ende sein.

Auf allen Tagesschau-Sendern musste nun Zeit überbrückt werden. Der rbb zeigte Berlin live von der Dachkamera. Der SWR zeigte Impressionen. Bei tagesschau24 waren Wetterkarten zu sehen. Und so weiter.
Und das Spiel im Ersten lief immer noch.

In der Regie musste man nun offenbar entscheiden, wie lange man warten würde, wie lange also bei rbb, 3sat und Co. Füllprogramme gezeigt werden mussten.
Das WM-Spiel im Ersten nahm kein Ende. Und in der Senderegie hatte man eine Entscheidung getroffen.

Um 20.02 Uhr begann im BR, SWR, SR, hr, WDR, NDR, RB, rbb, bei 3sat, phoenix und tagesschau24 die Tagesschau. Allerdings nicht die reguläre Sendung. Sondern man sendete aus dem tagesschau24-Studio, Tim Berendonk war der Sprecher – er war vorher auch schon im tagesschau24-Einsatz.

Das Fußballspiel im Ersten zog sich tatsächlich dahin. Erst um 20.07 Uhr begann dort die Tagesschau – und hier war Susanne Daubner die Sprecherin. Es waren dieselben Meldungen, die fünf Minuten zuvor in der zweiten Tagesschau verlesen wurden.

Das wirft Fragen auf: Sollte es nicht technisch möglich sein, eine Sendung zeitversetzt auszustrahlen? Susanne Daubner hätte bereits mehr oder weniger pünktlich um 20 Uhr auf Sendung gehen können, in den Dritten und Co.
Im ersten hätte die Sendung dann einfach zeitversetzt laufen können, also fast live. Technisch geht das, man hätte nur den Vorspann mit der Live-Uhr austauschen müssen.
Warum macht man sich stattdessen den Aufwand, zweimal dieselbe Sendung fast parallel zu produzieren? Inklusive Reporterschalten, die zweimal dasselbe gefragt werden, im Fünf-Minuten-Abstand.
Es ist eine sehr merkwürdige Art der Verschwendung.
PS: Die Daubner-Tagesschau aus dem Ersten ist weder in der ARD-Mediathek noch auf Youtube.

-> Die Sendung (20.02 Uhr-Version) in der ARD-Mediathek


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