Areal soll barrierefrei werden – doch die konkreten Umbaupläne der Deutschen Bahn stoßen auf Kritik – Gleis direkt am Bahnhofsgebäude soll wegfallen
MAZ Nordbrandenburg, 6.6.2026
Fürstenberg.
Treppen steigen. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht, um den Mittelbahnsteig des Bahnhofes in Fürstenberg zu verlassen. Der Weg zum Vorplatz führt durch einen Tunnel. Einen Fahrstuhl oder eine Rampe gibt es nicht.
Bis heute ist der Bahnhof Fürstenberg nicht barrierefrei. Aber nach dem Willen der Deutschen Bahn könnte er es bald werden. Allerdings gibt es seitens der Bahn und der Menschen in Fürstenberg unterschiedliche Auffassungen darüber, wie das gelingen könnte.
Die aktuellen Pläne der Bahn für die Organisation des Bahnverkehrs auf den Fürstenberger Gleisen, mit einem neuen Tunnel und einer Rampe sorgen in der Stadt für Diskussionen. Bernhard Hoffmann aus Steinförde und Wolfgang Waldorf aus Fürstenberg engagieren sich in der Bürgerinitiative „Bürgerinitiative barrierefreier Bahnhof“ (BBB). Sie freuen sich zwar darüber, dass die Bahn an der Barrierefreiheit arbeiten will – aber sie freuen sich nicht darüber, wie das geschehen soll.
Nach dem Umbau des Bahnhofes sollen die Züge laut den Plänen der Deutschen Bahn ausschließlich am Mittelbahnsteig halten, also auf den derzeitigen Gleisen 2 und 3. Für Pendler würde das bedeuten, dass sie immer durch den Tunnel müssen, um zu den Zügen in Richtung Norden oder Süden zu gelangen.
Das ist momentan anders. Die Züge – in Fürstenberg hält der Regionalexpress RE5 – nach Stralsund oder Rostock halten am sogenannten Hausbahnsteig. Er heißt so, weil sich am Bahnsteig das Bahnhofsgebäude befindet. Wer vom Vorplatz zum Bahnsteig kommt, steht direkt am Gleis. Geplant ist zudem, die Unterführung um 59 Meter nach Süden an das Ende des Bahnsteigdaches zu verlegen. Auch das bedeutet, dass die Pendler längere Wege überwinden müssen, um zum Zug zu kommen. Es werden außerdem für mobilitätseingeschränkte Personen hinter dem neuen Tunnel zwei Rampen gebaut, die zusammengerechnet 185 Meter lang sind. Wer also sowieso schon in der Bewegung beeinträchtigt ist, muss künftig am Fürstenberger Bahnhof viele längere Wege einplanen.
Die Deutsche Bahn argumentiert mit dem Denkmalschutz. Das Dach auf dem Mittelbahnsteig dürfe nicht verändert werden, heißt es. Bernhard Hoffmann zweifelt daran und zeigt auf das Dach des Hausbahnsteiges. „Das Dach wurde ja auch renoviert, und da drüben soll das angeblich nicht gehen.“
Tatsächlich habe das Denkmalamt zugestimmt, dass die Dachhaut des Bahnsteigdaches bereichsseitig saniert werden dürfe. Am Bahnhofsgebäude sei diese Maßnahme am Dach bereits durchgeführt worden.
Eigentlich sah die Planung auch mal ganz anders aus. 2014 wollte die Deutsche Bahn eigentlich zwei Außenbahnsteige bauen. Zwischen den beiden Gleisen sollte ein weiteres, 740 Meter langes Gleis für den Güterverkehr gelegt werden.
Es hätte für die Züge in Richtung Norden wieder einen Hausbahnsteig gegeben, die Personenunterführung hätte etwa an der gleichen Stelle gelegen wie bisher.
Allerdings: Damals wollte die Deutsche Bahn sowohl sämtliche Dächer abreißen als auch sie durch sogenannte „Bushaltestellenunterstände“ ersetzen. Dagegen hatte sich in der Stadt Protest geregt. Die Folge: Die obere Denkmalschutzbehörde stellte das Bahnhofsgebäude, die Bahnsteigdächer und die Personenunterführung einschließlich des „Treppenpavillons“ 2017 unter Denkmalschutz. Die Bahn musste neu planen – bis 2023. Im Herbst fand eine „Veranstaltung zur frühzeitigen Bürgerbeteiligung“ statt. Nun wurde mit dem Mittelbahnsteig geplant. „Schon auf dieser ersten und einzigen Veranstaltung der Bahn zum Bahnhof Fürstenberg erhob sich wegen der langen Wege lauter Protest“, erinnert sich Bernhard Hoffmann. „Ein offizielles Protokoll der Veranstaltung ist uns unbekannt. Es wurde nicht in den Planfeststellungsunterlagen veröffentlicht.“ Die Initiative macht einen Gegenvorschlag, und mit diesem ist sie nicht allein. Er stützt sich auf den Vorschlag, den 2014 auch der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) schon befürwortet und 2021 konkretisiert hatte.
Demnach solle das jetzige Gleis am Hausbahnsteig zurückgebaut werden. Der Mittelbahnsteig wird zum Hausbahnsteig mit entsprechender Zuwegung. Wer also weiter nach Norden fahren will, könnte einfach vom Vorplatz dorthin laufen. Das „Überholgleis“ würde zwischen den beiden Bahnsteigen liegen.
Dahinter, also westlich davon, würde ein neuer Außenbahnsteig gebaut werden. Der Tunnel bliebe, wo er ist. Es kämen ein Fahrstuhl und eine Rampe dazu.
Das Ziel sei klar: „Es müssen kürzere Wege für die Fußgänger geschaffen werden“, sagt Wolfgang Waldorf, der Sprecher der Initiative.
Nach Angaben der Bürgerinitiative haben mehr als 100 Fürstenberger eine individuelle Einwendung erhoben, weitere 350 Bürger beteiligten sich an einer Unterschriftensammlung. Eine Reaktion mit konkreten Antworten der Deutschen Bahn blieb bislang aus. Klar ist aber: Sie beharrt auf ihre Pläne. Am Montag und Dienstag fand in Fürstenberg ein Erörterungstermin des Eisenbahnbundesamtes statt – im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens.
Bernhard Hoffmann und Wolfgang Waldorf hoffen, dass nun endlich Bewegung in die Sache kommt. Ebenso wie Fürstenbergs Bürgermeister Robert Philipp (parteilos). Er hofft vor allem auf mehr Tempo bei der Barrierefreiheit für den Bahnhof Fürstenberg. „Wir haben Touristen und Radfahrer, das ist erst mal das Oberziel.“ Weiter sagt er: „Wir müssen zu zeitnahen Lösungen kommen.“ Es müssten aber Lösungen sein, die bezahlbar seien. Er geht davon aus, dass der Bau eines neuen Tunnels „große Summen“ kosten würde. Wenn es darum gehe, eine Rampe aus Richtung Bahnhofsplatz zum Tunnel zu bauen, dann würde sich die Stadt entsprechenden Grundstücksverkäufen nicht entgegenstellen.
Schreibe einen Kommentar