Grundschulkind schläft im Bus ein – in Altlüdersdorf sollte es abgeholt werden, stattdessen kommt es zu einem Drama – nun werden von der OVG Konsequenzen gefordert
MAZ Oberhavel, 5.6.2026
Altlüdersdorf.
Absolut inakzeptabel nennt Linda Manzel das, was ihr und ihrem Sohn mit einem Linienbus der Oberhavel-Verkehrsgesellschaft (OVG) passiert ist. Sie sei enttäuscht und verärgert. Die Mutter eines Zweitklässlers wollte am 28. Mai 2026 um 16.03 Uhr am Friedhof in Altlüdersdorf ihren Sohn vom Bus abholen. Der Bus jedoch stoppte nicht, obwohl sie erkennbare Zeichen gegeben hatte.
Was genau ist da passiert? Linda Manzels Sohn besucht die Theodor-Fontane-Grundschule in Menz. Von dort kam auch der Bus, als er in Altlüdersdorf ankam. Das Problem: „Mein Kind war nach der Schule im Linienbus eingeschlafen und konnte deshalb die Stopptaste nicht drücken“, erzählt die Mutter und ergänzt: „Was man ja einem Kind in diesem Alter nach einem langen Tag auch nicht verübeln kann.“
Linda Manzel und eine Freundin standen jedoch an der Bushaltestelle am Friedhof in Altlüdersdorf. Der Bus kam in ihr Blickfeld, aber er hielt nicht an. Er fuhr an der Haltestelle vorbei, „obwohl meine Freundin und ich deutlich sichtbar dort standen und auf den Bus warteten.“
Linda Manzel sei „schockiert und sprachlos“ gewesen. Zumal das nicht das erste Mal passiert war. Am 20. Januar 2026 hielt der Bus schon mal in Altlüdersdorf nicht an, obwohl sie an der Haltestelle gewartet hatte. „Ich erzählte sogar meiner Freundin kurz davor noch von dem letzten Vorfall und warum wir uns lieber dort hinstellen sollten“, erinnert sich die Altlüdersdorferin. „Auf einmal geschah genau das Gleiche wieder.“
So, wie Linda Manzel diesen Vorfall schildert, scheint er recht dramatisch gewesen zu sein. „Ich musste dem Bus etwa 250 Meter schreiend hinterherrennen, um überhaupt auf uns aufmerksam zu machen“, erzählt sie. „Mein Glück war nur die rote Ampel, wo der Bus anhalten musste.“ Ihr Kind im Bus sei durch die Schreie der Mutter wachgeworden „und war natürlich total verängstigt, weil es bereits mehrfach Zwischenfälle mit dem Busunternehmen gab.“
Für Linda Manzel hatte das Folgen: „Durch das Rennen und Schreien gleichzeitig und die aufgeregte Situation erlitt ich im Anschluss sogar einen Kreislaufkollaps.“ Sie ist erschüttert: „Dass Eltern in eine solche Situation gebracht werden, ist für mich absolut unverständlich und nicht akzeptabel.“ Besonders empörend für sie sei anschließend das Verhalten des Fahrers gewesen.
„Statt Einsicht oder Entschuldigung zeigte er sich frech und diskussionsbereit. Er behauptete lediglich, er habe das schlafende Kind nicht gesehen.“ Aber das ändere nichts an der Tatsache, dass sie und ihre Freundin „deutlich sichtbar an der Bushaltestelle standen.“
Es handelt sich um einen Linienbus mit der Nummer 851, er müsste also an jeder Haltestelle stoppen, wo Menschen auf einen Zustieg warten. Während der Diskussion habe sich der Fahrer zudem geweigert, seinen Namen zu nennen. „Dieses Verhalten empfinde ich als respektlos und völlig unangemessen“, so die Mutter aus Altlüdersdorf. „Bereits nach dem ersten Vorfall hatte ich eine Beschwerde beim Busunternehmen eingereicht“, erzählt Linda Manzel. „Damals wurde mir versichert, dass so etwas nicht noch einmal vorkommen würde. Offenbar wurden daraus keinerlei Konsequenzen gezogen.“
Die MAZ hat die Oberhavel Verkehrsgesellschaft (OVG) mit dem Vorfall konfrontiert. „Die OVG bedauert den Vorfall und ist bereits dabei, den Sachverhalt transparent und zügig zu klären“, antwortet Sabine Fussan, die Sprecherin des Unternehmens. Weiter erklärt sie: „Das beschriebene Verhalten entspricht in keiner Weise unserem Serviceanspruch und den internen Richtlinien für unser Fahrpersonal.“
Derzeit kümmere sich das OVG-Beschwerdemanagement um die Aufarbeitung dieses Falls. „Dabei wird auch der Busfahrer angehört. Die OVG wird ferner ihre Schulungsmaßnahmen überprüfen, damit sich ein solcher Vorfall nicht wiederholt.“ Zu möglichen arbeitsrechtlichen Maßnahmen gegenüber einzelnen Mitarbeitern wolle sie sich aber aus Gründen des Datenschutzes nicht äußern.
„Ich erwarte von dem Unternehmen endlich ernsthafte Konsequenzen und keine weiteren leeren Versprechungen“, erklärt Linda Manzel. „Hier geht es nicht um eine Kleinigkeit, sondern um die Sicherheit eines Grundschulkindes und um die Verantwortung der Fahrer gegenüber Fahrgästen und insbesondere Kindern.“
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