FR 29.05.2026 | 19.00 Uhr | ARD-Mediathek
Immer wieder habe ich an dieser Stelle den Wunsch geäußert, dass man doch den Deutschen Filmpreis prominenter und vor allem live ausstrahlen sollte.
Am Freitag ist die Lola 2026 vergeben worden – live übertragen in der ARD-Mediathek.
Zum ersten Mal habe ich die Show live gesehen, und jetzt weiß ich: Auf gar keinen Fall kann man das in der Primetime und live im linearen Fernsehen zeigen.
Und fast möchte ich sagen: Der Filmbranche ist es herzlich egal, ob da Leute zusehen, denn die Show dient einzig und allein der Branche selbst, die sich dort feiert und einen Abend der Selbstbefriedigung feiert. Als Zuschauer ist das mitunter kaum zu ertragen.
Während die zeitversetzte Übertragung im Ersten um 22.20 Uhr begann, startete die Live-Show um 19 Uhr in der ARD-Mediathek.
Aber kurz nach acht kam es zu einem Zwischenfall.
Gerade war Edin Hasanovic dabei, den Preis für den besten Nebendarsteller anzusagen, als Moderator Christian Friedel ihn unterbrach – und dann stoppt die Übertragung. Es gehe gleich weiter, stand dann auf einer Hinweistafel. Für gute 35 Minuten.
Danach ging es weiter, der Preis ist dann vergeben worden.
Eine kurze Ansage, was denn los war? Aber nicht doch. Wozu denn so was? Der Pöbel zu Hause kann doch froh sein, dass man beiwohnen darf, da kann man doch nicht erwarten, dass mal gesagt wird, was denn die Ursache für die Störung war.
Tatsächlich schien es, als habe es einen Zwischenfall gegeben, als Friedel die Show unterbrach. Als Zuschauer wurde man nun vollkommen allein gelassen. Die dpa schrieb zwischenzeitlich, dass eine Leinwand im Saal defekt gewesen sei, sie habe repariert werden müssen. Das Publikum sollte den Saal verlassen.
Selbst in der Halle habe man erst mal nicht informiert. Wie es heißt, hätten einige erst an eine Bombendrohung gedacht, und wieso muss wegen einer Reparatur der Saal geräumt werden?
Scheinbar war den Verantwortlichen der Show nicht klar, dass sie auch Live-Zuschauer hatten. Dass es da angebracht gewesen wäre, ein paar Worte zu verlieren. Stattdessen machte man einfach weiter – und in der Aufzeichnung im Ersten war davon gar nichts zu merken.
Aber auch sonst drehte sich alles um die Zunft selbst. Wo Shows wie der Oscar vor allem unterhaltend sind (da wären in diesem Jahr allerdings auch ein paar kritische Anmerkungen zum Politgeschehen schön gewesen), da war die Lola immer sehr ernst. Alle nahmen sich wirklich schrecklich ernst. Verloren immer wieder ernste Worte. Eine der Laudatorinnen vergaß scheinbar zwischendurch, was ihre Aufgabe ist und musste erst mal über einige Dinge sprechen, die ihr wichtig waren.
Überhaupt die Laudatoren. (Fast) null Witz und Esprit. Am schlimmsten war Leander Haußmann, der minutenlang selbstreferenzielles, wirres Zeug quatschte, anstatt sich seiner eigentlichen Aufgabe zu widmen – und dann kannte er nicht mal die richtige Aussprache des Namens eines er Nominierten. Um genau das dann ach noch anzumerken und auf der Bühne zu überlegen, wie denn der Mann richtig ausgesprochen wird. Das war alles so peinlich, dass das Publikum (also seine Kollegen) langsam unruhig wurde, und es gab vereinzelte Rufe.
In der im Ersten gesendeten Aufzeichnung fehlte der Haußmann-Teil komplett. Alles rausgeschnitten, man sendete einfach nur die Nominierungs-MAZ, dann durfte Haußmann nur noch einen Umschlag öffnen.
Aber eigentlich ist Leander Haußmann und sein (im Ersten ungesendetes) sinnfreies Geseiere geradezu ein Sinnbild für diese dröge Preisverleihung.
So sehr Christian Friedel auch ein sympathischer Typ, ein guter Schauspieler und Musiker ist – der Show drückt er einen sehr nüchternen Stempel auf. Wo bleiben der Humor und die Leichtigkeit, wie ihn zum Beispiel Edin Hasanovic rüberbrachte, als er die Show moderierte? Klar muss es auch ernste Momente in einer solchen Show geben, aber die Lola wirkt, als sei sie in eine tiefe Depression gefallen.
Gleich zehn Auszeichnungen gingen an „In die Sonne schauen“. Mit gut 360.000 Zuschauern immerhin mal ein Film, den auch ein paar Leute gesehen haben. Dass aber zum Beispiel Bruno Alexander für „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ keinen Filmpreis gewonnen hat, ist sehr schade. Aber man musste den Preis da leider mal wieder für eine Zweiter-Weltkrieg-Rolle vergeben, an August Diehl, der den KZ-Arzt Josef Mengele spielte (50.000 Zuschauer).
Abzüglich der Unterbrechung dauerte diese Show etwas mehr als unsägliche vier Stunden. Selbst als Filmfan ist das eine Zumutung – aber wie gesagt: Ich hatte nicht den Eindruck, dass die Show für mich als Zuschauer gemacht war. Im Ersten wurde die Show später immerhin um gute 40 Minuten gekürzt. Und die hat sicher keiner vermisst.
-> Die Show (gekürzte Aufzeichnung) in der ARD-Mediathek (bis 5. Juni 2026)
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