Zehdenick: AfD-Wahlsieg ist auch ein Versagen der anderen

Zehdenick hat gewählt. Gleich im ersten Wahlgang der Bürgermeisterwahl gab es eine absolute Mehrheit. Zehdenick wird einen AfD-Bürgermeister bekommen. Es ist der erste gewählte hauptamtliche Bürgermeister von der AfD in Brandenburg.
Eine gute Nachricht ist das ganz sicher nicht. Die AfD gilt in Brandenburg als rechtsextrem. Ist Zehdenick nun rechtsextrem, weil 58,4 Prozent der Bürger so gewählt haben?

So einfach ist das nicht. Nicht nur, weil nur etwa 52 Prozent überhaupt wählen waren.
Der AfD-Sieg in Zehdenick ist auch ein Totalversagen der meisten anderen Parteien. Gegen den AfD-Gewinner trat nur ein FDP-Mann an, der nicht mal in Zehdenick wohnt. Dazu ein Mann von einer Kleinstpartei und ein Parteiloser.
SPD? Fehlanzeige. CDU? Fehlanzeige. Linke? Fehlanzeige. Grüne? Fehlanzeige. Irgendeine Gegenwehr der anderen Parteien? Nicht vorhanden. Kein Personal. Müdes Schulterzucken.

Weshalb auch zum Beispiel der SPD-Landtagsabgeordnete Björn Lüttmann angesichts der AfD-Premiere in Brandenburg in seiner Reaktion am Sonntag nicht so richtig „draufhauen“ will. Gab es doch schließlich auch von seiner eigenen Partei in Zehdenick kein Zucken mehr.

Aber noch ein Sonderfall plagt Zehdenick. Bei der Bürgermeisterwahl 2025 gewann jemand, der sich Tage nach Amtsantritt krank meldete. Und krank blieb. Und es nicht für nötig befand, sich mal an die Menschen in der Stadt zu wenden. Bis heute. Auch wenn er krank ist, die Wut und die Enttäuschung der Zehdenicker auf ihn ist verständlich.
Der Vorgänger war auch dauerkrank und nur kurz im Amt. Auch dessen Vorgänger war nach kurzer Zeit gescheitert.
Es herrschte Resignation, vermutlich besonders auch bei denen, die nun keine Alternative zur Alternative mehr bekamen.
Die Wahl am Sonntag ist das Ergebnis all dieses Frustes. Nun wird Zehdenick zum Testlabor.


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