Zuckerschlampen an der Stadtmauer

Nach Wittstock im vergangenen Jahr, führte uns unser diesjähriger 1.-Mai-Ausflug nach Bernau. Es ist erst zwei Jahre her, dass ich überhaupt das erste Mal in unserer Nachbarstadt war.

Bernau hat so einiges, was Oranienburg nicht hat: Ein richtiges Zentrum und eine Stadtmauer.
Direkt am Mühlentor befindet sich das Café Mühle. Dort kann man sehr schön draußen sitzen. Dort gibt es Sandwiches, gegrillt-belegte Toasts, diverse andere Snacks und auch Eisbecher. Während ich mir einen Thunfisch-Toast und Rührei gönnte, griffen meine Freunde zu Eisbrechern. Da gibt es zum Beispiel die Zuckerschlampe, mit gleich drei verschiedenen Soßen. Was aber dramatischer klingt als es ist, der Eisbecher schwimmt trotzdem nicht weg.

Auf der anderen Seite befindet sich die St. Marienkirche, ein schöner weitläufiger Bau mit tollen Kunstwerken. Sie entstand bereits 1270.
Wir spazierten über den Marktplatz, und uns fiel einmal mehr etwas auf: In sehr vielen Straßen gibt es einen merkwürdigen Alt-Neu-Kontrast. Auf der linken Seite stehen Altbauten, dem gegenüber DDR-Plattenbauten. Selbst gegenüber der Kirche. Da scheinen die DDR-Verantwortlichen damals einfach kein Gespür gehabt zu haben. Und das, obwohl die Stadt im Zweiten Weltkrieg weitgehend von Zerstörungen verschont blieb, ganz anders als in Oranienburg.

Aber ähnlich wie in Oranienburg auch, als in den 70ern weitere Altbauten abgerissen wurden, kam der Frevel in Bernau später. In den 80ern ließ der Rat der Stadt große Teile der Altstadt abreißen, viele Fachwerkhäuser waren darunter. Stattdessen kam der DDR-Plattenbau. Die Sanierung war zu teuer. Dennoch muss man aus heutiger Sicht sagen, dass das an ein Verbrechen grenzt, was der Stadt da angetan wurde.

Die Stadtmauer stammt aus dem 13./14. Jahrhundert. Wir kamen an einem kleinen Spielplatz vorbei, dahinter hing Wäsche an der Leine. Der Wäscheplatz gehört zu dem kleinen Häuserblock dahinter.
Wir kommen an einem Denkmal vorbei, das an die Opfer der Hexenprozesse in der Stadt erinnert. Das Henkerhaus war gerade geschlossen. Weiter ging es am Mühlentor vorbei.

Auffallend in der Stadt sind die Verbotsschilder mit einem merkwürdig strengen Ton, der an DDR-Zeiten erinnert: In alter Schrift steht da „Bürger! Schont und schützt Eure Anlagen“. Mit so einem leicht anklagenden Ton.
Weiter ging es zum Katzenellenbogen, die Stelle wo die schmale Straße an der Stadtmauer einen Bogen macht. Bald trifft man auf die Panke, an der man auch schön spazieren oder sich auf Bänke setzen kann.

Vier Stunden verbrachten wir in der Bernauer Altstadt, und es war ein wirklich sehr gelungener Ausflug.


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