In Oberhavel könnte der Zuschuss für die Schülerbeförderung bald viel geringer ausfallen: Familie Wilsky aus Seilershof müsste dann beispielsweise weit mehr als das Doppelte wie bislang dafür zahlen
MAZ Oberhavel, 25.4.2026
Oberhavel.
Jeden Morgen müssen sie von Seilershof zum Gymnasium nach Gransee. Und jeden Nachmittag wieder zurück. Familie Wilsky lebt in Seilershof. Das Dorf liegt zwischen Gransee und Fürstenberg.
Wer dort lebt, ist entweder auf ein Auto angewiesen oder auf den Bus, der in die nächste Stadt fährt. Luisa geht in die 9. Klasse des Granseer Strittmatter-Gymnasiums, ihr Bruder Tom in die 7. Klasse.
Ihre Mutter Diana finanziert ihnen ein Busticket, das sie jeden Monat für beide bezahlt. Das jedoch könnte nun erheblich teurer werden, falls der Kreistag das am 29. April beschließen sollte.
So läuft der Alltag für die beiden Schulpflichtigen ab: „Die Kinder verlassen in der Regel das Haus gegen 6.40 Uhr“, erzählt Diana Wilsky. Um 6.55 Uhr fährt der Bus an der Seilershofer Hauptstraße los.
„Wir haben noch relativ viel Glück mit der Fahrtzeit“, sagt sie. Um 7.20 Uhr kommt der Bus am Gymnasium in Gransee an. „Da kann ich nichts gegen sagen, der hält auch direkt vorm Gymnasium.“ Aber ist er auch verlässlich? Da überlegt die alleinerziehende Mutter kurz: „Jain“, sagt sie dann.
„Wir hatten da schon einige Vorfälle“, erinnert sie sich. Dass es ständig wechselnde Busfahrer gebe, sei durchaus ein Problem. Da habe es schon Tage gegeben, an denen die Kinder dem Busfahrer sagen mussten, wo er denn jetzt genau langfahren müsse, und wo schon mal eine Haltestelle übersehen worden sei.
In der Regel reichen die Plätze im Bus aus. „Meine Kinder gehören zu den letzten, die in diesen Bus einsteigen.“ Da wird es schon mal eng, „aber das ist Gewohnheit“. Auf dem Weg zurück nach Hause sei dagegen alles wunderbar.
Auf dem Rückweg gebe es dagegen ein anderes Problem: „Der Bus fährt um 12.55 Uhr, aber der Unterricht ist erst um 13 Uhr zu Ende“, erzählt Diana Wilsky. „Der nächste Bus fährt dann erst eine Stunde später, und so zieht sich das bei den anderen Stunden auch weiter.“
Tom nimmt dann schon mal einen Umweg, in dem er den Bus nach Neulögow nutzt und dann in den Menzer Schulbus umsteigt, der fahre über Seilershof.
99 Euro zahlt Diana Wilsky pro Kind und Schuljahr für den Bus, dafür gibt es das Vier-Waben-Ticket. Eigentlich sind es mehr, aber der Landkreis bezuschusst das Ticket. Allerdings könnte dieser Zuschuss bald geringer ausfallen. Der Landkreis muss sparen, kürzlich war von einer Haushaltssperre die Rede, die Landrat Alexander Tönnies (SPD) ausgesprochen hatte.
In der Vorlage für den Kreistag schlägt der Landrat vor, dass allen anspruchsberechtigten Schülerinnen und Schülern im Zeitraum August 2026 bis Juni 2027 für das von ihnen gewählte Ticket folgender monatlicher Zuschuss zusteht. Für das Deutschlandticket sowie für das Zwei- oder Vier-Waben-Ticket sollen 30 Euro dazugegeben werden. Für das Oranienburger Stadtlinienticket sollen es 17,70 Euro sein.
Ein Beispiel: Das Vier-Waben-Ticket, das die Wilskys nutzen, kostet derzeit laut VBB-Tarif 51,30 Euro im Monat. Nutzer in Oberhavel müssen momentan aber nur 9 Euro im Monat selbst zahlen, das sind am Ende für elf Monate 99 Euro.
Wenn der Landkreis künftig 30 Euro pauschal dazugibt, muss die Familie für das Vier-Waben-Ticket künftig 21,30 Euro selbst zahlen. Das wären für die elf Monate nicht mehr 99 Euro, sondern 234,30 Euro. Das ist ein Anstieg in Höhe von nicht ganz 136 Prozent, also weit mehr als das Doppelte.
Diana Wilsky zahlt jetzt für ihre beiden Kinder 198 Euro, künftig wären das 468,60 Euro.
Für sie ist das ein großer Batzen Geld. „Aber die Kinder müssen ja mit dem Bus fahren“, sagt sie. Sie ärgert sich trotzdem. Sie habe sich schon viel und oft aufgeregt, erzählt sie. Zudem: Die Grenze zum Nachbarlandkreis Ostprignitz-Ruppin ist nicht weit. „Da fahren die Kinder ganz umsonst, da frage ich mich schon, warum es dort geht und hier nicht.“
Sie kann nicht verstehen, dass an Kindern gespart wird: „Das ist nun wirklich ein Thema, bei dem ich nie aufhören werde, mich aufzuregen.“
Hat sie eine finanzielle Schmerzgrenze? „Da habe ich mir noch keinen Kopf gemacht.“ Zumal es ja keine Alternative gebe. Jeden Tag mit dem Auto ist teurer: „Der Bus ist immer noch günstiger.“
Sie überlegt, stattdessen das Deutschlandticket zu kaufen. Dieses kostet normalerweise 63 Euro im Monat. Der Eigenanteil der Eltern liegt in Oberhavel gerade bei 18 Euro und würde dann 33 Euro betragen. Der Jahresbetrag (für elf Monate) würde von 198 auf 363 Euro steigen.
Das ist noch mehr als für das Vier-Waben-Ticket. Jedoch würden keine weiteren Kosten anfallen, falls Klassenfahrten mit der Bahn gemacht werden, überlegt Diana Wilsky. Zudem habe die Tochter so auch die Gelegenheit, mit der Bahn nach Berlin zu fahren, wenn sie das möchte.
Nach Angaben der Kreisverwaltung nutzen in diesem Schuljahr rund 11.700 Schülerinnen und Schüler die verschiedenen Tickets, das seien nahezu 50 Prozent der Zielgruppe.
Mit der neuen Regelung „wäre die Schülerbeförderung nach aktueller Kenntnis finanziell prognostisch auf Dauer darstellbar und insbesondere nicht von weiterer Anpassung der Ticketpreise beim Deutschlandticket beziehungsweise im VBB abhängig“, so heißt es in der Vorlage der Kreisverwaltung.
Für besonders finanzschwache Familien sei für die Zahlung des Eigenanteils für die Schülerbeförderung eine Antragstellung nach dem Bildungs- und Teilhabepaket möglich.
Neu wäre auch, dass Auszubildende künftig keine Zuschüsse mehr vom Landkreis bekämen. Sie bekämen ab dem 1. August 2026 mit dem Azubi-Ticket des VBB bereits ein subventioniertes Deutschlandticket, das mit einem verbleibenden Eigenanteil von 37,80 Euro nutzbar sei.
Der Kreistag kommt am Mittwoch, 29. April, um 16 Uhr in der Oranienburger Havelstraße 3 zusammen.
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