Straßenbau steht auf der Kippe

Fahrbahnsanierung in Lehnitz und Groß-Ziethen: Haushaltssperre in Oberhavel könnte Projekte gefährden – Ortsvorsteherin Astrid Braun findet sehr deutliche Worte

MAZ Oberhavel, 18.4.2026

Oberhavel.
Die von Landrat Alexander Tönnies (SPD) verhängte Haushaltssperre für den Landkreis Oberhavel könnte auch mehrere Straßenbauprojekte betreffen.
In der Ankündigung über die geplanten Straßenbauarbeiten des Landkreises Oberhavel für 2026 sind beispielsweise die Erneuerung der Ortsdurchfahrt in Groß-Ziethen und der Birkenwerderweg, also die Ortsdurchfahrt in Lehnitz, genannt worden.

Mit der Haushaltsperre herrscht darüber nun Unklarheit. Bei einem Pressegespräch erklärten Landrat Alexander Tönnies und Finanzdezernent Matthias Kahl: Oberhavel muss für 2026 geplante Projekte und Investitionen streichen oder verschieben. Dazu gehören insbesondere auch Bauvorhaben. Welche das sind, werde jedoch ab sofort erst noch gemeinsam mit den Kreistagsabgeordneten beraten.
Tönnies und Kahl haben vorgeschlagen, dafür einen sogenannten Haushaltsbegleitausschuss einzuberufen, um Projekte zu priorisieren und Sparvorschläge auszuarbeiten.
Mit der Politik solle beraten werden: „Was können wir uns an Investitionen leisten, was ist nicht möglich und was ist verschiebbar?“, so Landrat Alexander Tönnies.
Kreissprecherin Mandy Oys teilte am Donnerstag auf nochmalige Nachfrage zum Straßenbau mit: „Alle Ausgaben und geplanten Investitionen werden aufgrund der angespannten Haushaltslage aktuell auf den Prüfstand gestellt.“
Der Haushaltsbegleitausschuss solle zudem direkt an der Haushaltsaufstellung des Kämmerers für die kommenden Jahre mitwirken, so der Landrat. Der Kreistag entscheidet über diesen Vorschlag am 29. April.

In Groß-Ziethen sorgt die momentane Lage für Frust. Seit gut zehn Jahren warten die Menschen im Ort darauf, dass die Ortsdurchfahrt saniert wird. Legendär war 2017 das Schlagloch-Golf, das für bundesweite Aufmerksamkeit gesorgt hatte.

Eigentlich war klar, dass im Frühsommer die Sanierung der Alten Dorfstraße starten sollte. Abgesagt ist sie noch nicht, aber sie steht auf der Kippe. Das ärgert Ortsvorsteherin Astrid Braun – vor allem wegen fehlender Informationen.
„Die Nachricht, dass der dringend notwendige Ausbau unserer Ortsdurchfahrt aufgrund leerer Kassen auf der Kippe steht, ist mehr als nur eine verkehrspolitische Randnotiz“, sagte sie am Donnerstag. „Sie ist ein Schlag ins Gesicht aller Bürger vor Ort“, erklärt sie und wird deutlich: „Wir brauchen keine Vertröstungen mehr, sondern Taten.“
Eine funktionierende Ortsdurchfahrt sei kein Privileg, so die Groß-Ziethenerin weiter. „Nach der Präsentation durch den Landkreis Oberhavel, die anlässlich unserer Anwohnerversammlung im November stattfand, war ich ganz fest davon überzeugt, dass der Ausbau stattfinden wird. Es sind bereits Gelder in die Planung geflossen, Mitarbeiter der Kremmener Verwaltung haben bereits viel Zeit und Arbeit investiert.“
Jetzt fehle es vor allem an Kommunikation. „Offiziell hat weder die Kremmener Verwaltung, noch der Groß-Ziethener Ortsbeirat auf Nachfrage beim Landkreis eine Antwort zum aktuellen Stand erhalten. Das finde ich beschämend, und ich bin bitter enttäuscht. So wird es wohl auch den meisten Anwohnern gehen.“

Tatsächlich herrscht in der Kremmener Verwaltung auf Nachfrage Schulterzucken. „Wir haben zu diesem Thema keine neuen Informationen aus dem Landkreis erhalten“, sagte Bürgermeister Sebastian Busse (CDU). „Daher gehen wir davon aus, dass der Prozess der Ausschreibung weiterhin in Vorbereitung ist.“ Mehr könne er dazu nicht sagen.

Auch in der Oranienburger Verwaltung wird das jetzt laufende Prozedere genau beobachtet. Denn auch die Sanierung der Lehnitzer Ortsdurchfahrt wäre betroffen. Die Fahrbahn des Birkenwerderweges ist im Bereich des Gutsplatzes, des Bahnhofes und weiter bis zum Ortsausgang Richtung Borgsdorf durch die Bombensuche beschädigt. Die Sanierung soll eigentlich bald stattfinden. „Die Ortsdurchfahrt Lehnitz ist ein wichtiger und viel befahrener Straßenabschnitt“, sagte Eike-Kristin Fehlauer, die Sprecherin der Verwaltung, am Donnerstag.
„Die Sanierung ist schon seit Jahren erforderlich und wurde wiederholt verschoben“, erklärt sie weiter. „Uns ist bewusst, dass der Landkreis unter Konsolidierungsdruck steht, wir hoffen aber, dass sich noch ein Weg findet, die Sanierung vorzunehmen.“
Die Sanierung sei wichtig, denn: „Während des Neubaus der Havelhausener Brücke soll die Straße als Umleitungsstrecke dienen“, so Eike-Kristin Fehlauer. „Aufgrund der Vorschäden würde sie dabei weiteren Schaden nehmen, was zu noch größeren Investitionskosten führen würde. Insofern wäre es sicher ratsam, die Sanierung möglichst vorher vorzunehmen.“


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