1917. Lionel (Paul Mescal) kommt an das Musikkonservatorium nach Boston zum Studium. Er ist in Kentucky aufgewachsen, draußen auf dem Land. In einer Kneipe lernt er David (Josh O’Connor) kennen, der am Klavier sitzt und spielt. Als er ihn da so spielen sieht, ist gleich klar, dass es da eine gewisse Faszination gibt. Sie landen im Bett, und sie wollen sich wiedersehen.
Doch als David in den Krieg ziehen muss, kommt es zur Trennung.
Sie sehen sich erst wieder im Winter 1920. Sie reisen gemeinsam durch Maine. Sie wollen bei den Menschen traditionelle Volkslieder sammeln und aufnehmen, um sie zu bewahren. Es ist eine intensive Zeit – und danach trennen sie sich erneut.
David reagiert nicht mehr auf die Post von Lionel. Der Kontakt bricht ab.
Erst 1980 erfährt Lionel warum das so war.
Dies ist der langerwartete gemeinsame Film mit Paul Mescal und Josh O’Connor, zwei echten Shootingstars. Angekündigt war „The History of Sound“ als Filmische Romanze für die Ewigkeit.
Das ist sie – und das ist sie auch nicht.
Denn leider kratzt der ganze Film auf seltsame Weise nur an der Oberfläche. Er zeigt weder, wie es dazu kam, dass sie die beiden Männer verliebten. Er zeigt auch nur selten die innige Beziehung, sie bleibt viel mehr eine Behauptung. Es sind Schlaglichter, die wir erleben.
Selbst die titelgebende „History of Sound“ wird relativ oberflächlich abgehandelt. Später mäandert Lionel durchs Leben, er zieht nach Italien, hat dort offenbar eine Beziehung, aber nach ein paar Filmminuten ist das schon erledigt, und er geht nach England. Dort lernt er eine Frau kennen, auch das wird oberflächlich angekratzt. So berührt es auch nicht, als es schnell wieder zur Trennung kommt.
Weil das alles fast schon stichpunktartig erzählt wird, ist für Emotionen kaum Zeit. Die kommen erst zum Ende, da packt der Film dann plötzlich all diese Emotionen aus, die er die ganze Zeit vermissen ließ. Erst im Rückblick erfahren wir, wie tief diese Liebe auf ihre Art war.
Leider hat sich Oliver Hermanus (Regie und Drehbuch) an dieser eigentlich tollen Geschichte vollkommen verhoben. Es fehlt an einem wirklichen Fokus.
Der Stoff hätte sich vermutlich für eine Serie sehr viel besser geeignet – so ist das hier leider vollkommen verschenkt. Das Potenzial ist absolut da – schauspielerisch wie inhaltlich – leider wurde es weitgehend liegengelassen.
The History of Sound
USA 2024, Regie: Oliver Hermanus
Universal, 129 Minuten, ab 6
6/10
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