Labskaus zum 60. Jubiläum

Norbert Stolley lebt in Grünefeld und betreibt in Kremmen das Restaurant „Coldehörn“ – seit 60 Jahren arbeitet er in seinem Beruf – er zeigt eines seiner Lieblingsrezepte

MAZ Oberhavel, 10.4.2026

Kremmen.
Seit 60 Jahren steht er nun schon am Herd – seit April 1966. Macht es noch so viel Spaß wie am ersten Tag? Norbert Stolley sitzt in seinem Restaurant „Coldehörn“ im Kremmener Scheunenviertel und überlegt. „Ob es mir am ersten Tag Spaß gemacht hat, kann ich gar nicht mehr sagen. Ich weiß noch, ich wollte meine Kochhose über meine Jeans ziehen. Mit 14 ist man noch naiv, da weiß man ja noch nicht alles.“ Klar sei aber: „Es macht mir noch Spaß“, sagt er. „Es macht Spaß, den Leuten etwas auf den Teller zu bringen.“

Gefragt, was er denn besonders mag, antwortet er: „Labskaus.“ Der gehört in seinem Restaurant zu den bei seiner Kundschaft geschätzten Speisen. Deshalb wollte die MAZ von ihm wissen, wie er den herstellt.
Aber was ist Labskaus überhaupt? „Das ist ein norddeutsches Seemannsgericht. Es ist gepökeltes Rindfleisch, Kartoffeln, Zwiebeln und Rote Beete gekocht“, zählt er auf. „Ich komme ja von da oben, bin zur See gefahren, da gab es das öfter mal“, erinnert sich Norbert Stolley. „Es schmeckt einfach ganz toll.“ Ist seins speziell? „Ich mache nichts anderes als das, was normal ist“, sagt er. „Früher hat man den Fisch mit durchgedreht. Was ich anders mache, ist, dass ich einen Matjes dazugebe anstatt eines Rollmopses.“

Er erklärt sein Rezept für den original Seemanns-Labskaus für etwa vier Personen:
■ 600 Gramm Rindfleisch (Gulasch) mit einem Liter Wasser und 50 Gramm Nitrit-Salz werden etwa 48 Stunden eingelegt.
■ Das Fleisch abspülen und in Salzwasser mit Lorbeerblatt, Piment und Wacholder garen.
■ Kurz bevor das Fleisch gar ist, 500 Gramm geschälte Kartoffeln, eine große Metzgerzwiebel und 500 Gramm geschälte rote Beete dazugeben und garen.
■ Alles auskühlen lassen und ohne die Gewürze durch die grobe Scheibe des Fleischwolfs lassen und mit etwas Sud in einen Topf geben. Es muss eine Püree-ähnliche Masse werden. Nach Geschmack mit Salz und Pfeffer würzen.
■ Serviert wird das Labskaus mit Gewürzgurke, Matjes oder Rollmops und Spiegelei.
Und in der Tat: Norbert Stolleys Labskaus kann sich sehen lassen. Für das Spiegelei verwendet er ein spezielles Förmchen, sodass das Eiweiß eine schöne runde Form bekommt.

Dreieinhalb Tage pro Woche öffnet der 74-Jährige sein Lokal in Kremmen. „Ich habe gute Reservierungen“, sagt er. Seine Gäste bleiben ihm treu. Koch werden wollte er schon als Kind. Schon mit sieben habe er Pudding und Milchreis gekocht und Spiegeleier und Bratkartoffeln gebraten.

Im Kölner „Weinhaus Hugo Wolff“ begann er am 1. April 1966 seine Lehre „Damals haben wir noch Schläge bekommen in der Ausbildung“, erinnert er sich heute. „Eine Ohrfeige war da schon mal üblich. Es war eine strenge Lehre.“ Nicht mal die Beschwerde seines Vaters hatte daran etwas geändert, heute wäre das undenkbar.
Nach der Lehre arbeitete er in einem Kölner Hotel sowie in Wertheim am Main. Mit knapp 18 ging er nach Hamburg, heuerte als Matrose an, kochte auf dem Schiff. Norbert Stolley war zehn Jahre auf See.
In Wilhelmshaven fing er danach als Koch im „Coldehörn“ an, übernahm das Geschäft wenig später – machte ihn aber nicht endgültig zufrieden. Nach weiteren Stationen als Küchendirektor wurde er Küchenchef im bekannten Mövenpick-Café Kröpcke in Hannover. Nach dem Mauerfall wechselte er ins Europacenter in Berlin.
Später übernahm er Schulungen. Er beriet unter anderem das Cliff-Hotel in Sellin auf Rügen sowie Hotels in Berlin. In den 2000ern kam er mit seiner damaligen Frau Charlotte nach Eichstädt. Sie eröffneten das „Coldehörn Steak und Fisch“. Am Ende landeten sie im Kremmener Scheunenviertel. Auch dieses Geschäft benannten sie nach dem Lokal, das Stolley einst in Wilhelmshaven gehörte. Der Name „Coldehörn“ bedeutet: kalte Ecke.

2020 ist seine Frau Charlotte gestorben. „Die Coronazeit und der Tod meiner Frau, dazu noch der Unfall meiner Bedienung“, erinnert er sich. „Da habe ich überlegt, ob ich hier Schluss mache, ich war hier wirklich alleine. Da kommt man ins Grübeln.“ Aber er machte weiter. Als er wegen der Pandemie nicht öffnen durfte, verkaufte er seine Speisen außer Haus. „Gute Freunde und Gäste haben mir durch die schwere Zeit geholfen“, sagt er.
Auch eine neue Liebe hat er inzwischen gefunden. Mit seiner jetzigen Frau, einer Wissenschaftlerin vom Berliner Virchow-Klinikum, lebt er im Schönwalder Ortsteil Grünefeld. „Wir sind jetzt drei Jahre verheiratet“, erzählt er. „Sie hat ihren Mann auch durch Krebs verloren. Es ist gut, wenn man nicht alleine ist.“

Im kommenden Jahr feiert er das nächste Jubiläum – dann ist das Coldehörn in Kremmen 20 Jahre alt. „Da machen wir bestimmt auch was“, sagt Norbert Stolley.
Jetzt aber wird erst mal das 60. Berufsjubiläum gefeiert. Die Party steigt am Sonnabend, 11. April, von 14 bis 18 Uhr im Coldehörn im Scheunenweg 30 in Kremmen. Vor Ort sind dann auch Live-Musiker wie Hans, die Geige. „Es kann kommen, wer will“, sagt Norbert Stolley. Er bittet um eine Anmeldung unter 033055/2 00 04.


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