Diskussion um Westumfahrung für die B96 in Fürstenberg: Bernhard Hoffmann zeigt im Wald bei Steinförde, wo die Trasse mal langführen könnte – seine Partei plädiert für Strecke nahe der Bahn
MAZ Oberhavel, 1.4.2026
Fürstenberg.
Stille. Ab und zu rauschen Blätter im Wind. Vögel zwitschern. Die Landschaft ist leicht bergig. Der Wald zwischen Fürstenberg und Steinförde ist eine Idylle.
Aber da, wo der Waldweg eine sanfte Schneise zwischen den Bäumen bildet, da soll irgendwann mal die neue B96 an Fürstenberg vorbeiführen. Irgendwann deshalb, weil zwar inzwischen feststeht, dass die B96 westlich an Fürstenberg vorbeiführen soll – aber nicht, wann es losgeht und wann sie fertig sein könnte.
Bernhard Hoffmann kommt aus dem Fürstenberger Ortsteil Steinförde. Er engagiert sich bei Bündnis 90/Grüne in Fürstenberg. Gemeinsam mit der Grünen-Kreissprecherin Anne Schumacher und dem MAZ-Reporter steht er nun in dem Wald, der der B96 teilweise zum Opfer fallen könnte.
„Wir sind hier im Landschaftsschutzgebiet“, sagt er. „Es gehört zum Naturpark Stechlin-Ruppiner Land, und ich finde, das sollte nicht zerstört werden.“
Gerade fahren jedoch mehr Autos als sonst durch den Wald. In Fürstenberg ist die Schleusenbrücke auf der B96 gesperrt. Viele Autos rollen jetzt aus und in Richtung Steinförde, um die Baustelle zu umfahren.
Die Bundes- und die Landesregierung haben sich vor einigen Wochen darauf geeinigt, dass die B96-Ortsumfahrung westlich in einem größeren Bogen an Fürstenberg vorbeiführen soll. Eine Umfahrung östlich der Stadt war schon länger aus dem Rennen. Eine weitere Möglichkeit ist die Verkehrsführung entlang der Bahnstrecke.
Das ist die Variante, die die Grünen immer bevorzugt haben – die allerdings auch in der Stadt selbst immer abgelehnt worden ist. Tatsächlich sei auch die Mittelvariante problematisch, sagt Bernhard Hoffmann. Denn sie führt teilweise immer noch durch die Stadt.
„Für die Leute, die nahe an dieser Strecke wohnen, ist das blöd“, sagt er. Entlang der B96 in der Stadt stehen an verschiedenen Stellen „B96 raus!“-Schilder. „Die Leute sagen: Hauptsache weg.“ Ein Problem sei auch das Wasserwerk.
Aber es gehe ihm auch um den Naturschutz. „Man darf nicht immer mehr zerstören“, sagt er mit Blick auf den Wald, in dem er gerade steht. Das Stichwort lautet: Freiraumverbund. Das sind unbebaute Flächen, Parks, Wälder. Die Westumfahrung führe 6,2 Kilometer lang durch eine solche Freiraumzone, die Mittelvariante aus Sicht von Bernhard Hoffmann gar nicht.
Der Bau der Westumfahrung widerspreche sämtlichen Zielen, die mit der Festlegung des Landschaftsschutzgebietes verfolgt werden, argumentiert er.
Doch nicht nur die Natur wird als Argument gegen die Westvariante genannt. Auch die Zahlen, die besagen, wie viele Fahrzeuge pro Tag in der Region unterwegs seien, würden ihr widersprechen.
5000 bis 6000 Fahrzeuge seien täglich im Süden Fürstenbergs auf der B96 unterwegs. Davon rollen aber gut die Hälfte, etwa 2900 Fahrzeuge laut letzter Zählung, aus und in Richtung Lychen. Bernhard Hoffmann argumentiert, dass diese Fahrzeuge auch weiterhin durch das Fürstenberger Stadtzentrum rollen.
Als der damalige Verkehrsminister Detlef Tabbert (parteilos) im Januar in Fürstenberg war, hatte er anders argumentiert. Er ging davon aus, dass auch Autofahrende, die in Fürstenberg nach Lychen abbiegen, vorher die Westumfahrung nutzen und vom Norden aus wieder nach Fürstenberg hereinfahren.
Bernhard Hoffmann bezweifelt das sehr, denn der Umweg wäre riesig, selbst wenn man davon ausgeht, dass auf der Umfahrung schneller gefahren werden dürfte. „Es ist einfach viel weiter.“ Bedeute für Fürstenberg: „Das ergäbe keine große Änderung“, sagt er.
Er geht davon aus, dass die B96 in Fürstenberg selbst zur Landesstraße L15 umgewidmet werden würde. Denn die L15 endet bislang an der Rheinsberger Straße kurz vor der Schleusenbrücke, werde auf die B96 geführt und beginne dann wieder an der Ravensbrücker Dorfstraße.
Auf einer Trasse, die parallel zur Bahn entlangführe, sähe das anders aus. Dort könnten aus Sicht der Grünen große Teile des Verkehrs nach Lychen, zum Bahnhof und zum Einkaufszentrum entlangrollen. Deshalb gebe es nur mit einer stadtnahen Ortsumfahrung eine reale Chance auf eine Verkehrsberuhigung im Fürstenberger Zentrum.
Wenn aber die neue B96 zwar am Zentrum vorbei, aber immer noch durch die Stadt führe, wäre dann nicht der Lärm trotzdem noch vorhanden? Es gebe die Möglichkeit, das Tempolimit im Stadtbereich auf 50 km/h zu senken. „Für den Durchgangsverkehr auf der B96 gibt es bei Tempo 50 auf einer Länge von drei Kilometern keine zeitlichen Nachteile gegenüber der Westvariante“, schreibt Bernhard Hoffmann in einer ausführlichen Stellungnahme zur B96 des Arbeitskreises „Lebendiges Fürstenberg“ ans Verkehrsministerium.
Noch mehr Lärm könnte durch einen Tunnelbau unter der Havel reduziert werden, aber da macht sich der Steinförder keine Illusionen. Das Geld dafür ist nicht da.
Der Arbeitskreis fordert eine aktuelle Verkehrszählung mit Kennzeichenerfassung, um eine belastbare Prognose ableiten zu können, wie viel Verkehr die verschiedenen Varianten nutzen werden. Das Gesamtverkehrsvolumen in Fürstenberg müsse realistisch eingeschätzt werden.
Die Grünen stehen mit ihren Argumenten scheinbar ziemlich allein da. Fürstenbergs Bürgermeister Robert Philipp (parteilos) erklärte bei einer Pressekonferenz im Januar zur B96: „Die Stadtverordnetenversammlung war immer klar für die Westvariante.“ Auch die Mehrheit der Menschen in der Stadt würde sich über die Variante am meisten freuen. Die Mittelvariante an der Bahntrasse würde die Menschen in Fürstenberg kaum entlasten.
Laut Bernhard Hoffmann habe sich nur Bündnis 90/Grüne in Fürstenberg für die Mittelvariante ausgesprochen.
Auch die CDU steht zur Westvariante, wie der Kreisvorsitzende Frank Bommert unlängst bekräftigte. Den Grünen wirft er vor: „Wer jahrelang unter dem Verkehr leidende Städte und Gemeinden weiter hinhalten will, indem unnötige neue Diskussionsfelder eröffnet werden, der verweigert sich der Realität.“
Aber auch die Idylle des Waldes und der Natur ist eine Realität. Bernhard Hoffmann führt den MAZ-Reporter noch zur Havel, nahe Steinhavelmühle. Ende März ist es dort sehr ruhig. Neben dem Wasser erstrecken sich weite Wiesen. Er zeigt über die Havel. „Ungefähr hier lang wird die Trasse der B96 führen“, sagt er. Heute kaum vorstellbar.
Wann es denn zum Bau der B96-Ortsumfahrung kommt, ist derzeit offen. Wird es dagegen zu einer Klage kommen? Das kann Bernhard Hoffmann heute noch nicht sagen. Aber es ist wohl davon auszugehen.
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