SO 29.03.2026 | 21.45 Uhr | Das Erste
Es wurde mal wieder ein großes Fass aufgemacht. Als bekannt wurde, dass Caren Miosga in „Caren Miosga“ am Sonntagabend Collien Fernandes zu Gast haben würde, war der Aufschrei groß. Und dass auch Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) in der Sendung sein würde, hat die EMPÖRUNG perfekt gemacht.
Das Thema der virtuellen Gewalt ist durch den Fall Fernandes/Ulmen in den vergangenen Tagen sehr groß geworden. Vor allem in konservativen, rechtspopulistischen und rechtsextremen Kreisen wird eine Täter-Opfer-Umkehr betrieben. Es werden Zweifel und Hass gesät, weil eine Frau es wagt, Missstände anzuklagen, die sie auch selbst betreffen.
Ulmens Anwalt hat öffentlichkeitswirksam verlauten lassen, dass die Miosga-Redaktion es abgelehnt habe, ihn einzuladen. Was natürlich aus Sicht von Ulmens Anwalt ein Skandal ist, aber in Wirklichkeit auch zur allgemeinen Stimmungsmache dazugehört, die die Gegenseite schürt.
Zudem sei es ein großer Skandal, dass die Ministerin gemeinsam mit Fernandes auftrete, wo das ja ein schwebendes Verfahren sei, und deshalb dürfe sich eine Ministerin nicht dazu äußern oder Partei ergreifen.
Aber es kam ganz anders. In „Caren Miosga: Digitale Gewalt – Wie können Frauen besser geschützt werden?“ am Sonntagabend im Ersten trafen Fernandes und Hubig vor der Kamera gar nicht aufeinander. Es handelte sich vielmehr um zwei getrennte Gespräche. Mit Collien Fernandes sprach Caren Miosga einzeln, es folgte dann noch eine Gesprächsrunde.
Die Hass-Bubble hat sich also vollkommen umsonst aufgeregt.
Das heißt aber nicht, dass die Sendung nicht kritikwürdig ist. Denn die zweite Gesprächsrunde, in der neben der Ministerin auch der Journalist Ronen Steinke und die von digitaler Gewalt betroffenen Theresia Crone, hatte ein Problem: Alle waren sich weitgehend einig. Es gab fast keine Kontroversen, und das ist am Ende nicht so wirklich erhellend.
Nun ist es natürlich nicht die Aufgabe einer ARD-Talkshow Leute einzuladen, die sagen, dass ja Fernandes selbst schuld sei und es keine digitale Gewalt gebe (und dass ja niemand mehr über echte Vergewaltigungen rede). Auch das wäre nicht zielführend gewesen. Aber was Details bei dem Thema betrifft, wenn es um neue Gesetze geht, dann hätte durchaus auch mal eine Kontra-Meinung in die Sendung geholt werden können. Ein Talk ist dazu da, dass Meinungen aufeinanderprallen – und nicht unbedingt dafür, dass alle einer Meinung sind. Zumindest würde es ihn interessanter machen.
Wie man es nicht macht, zeigte neulich Servus TV in Österreich. Da luden sie zu diesem Thema Stefan Homburg ein. Der ist Experte. Er ist nämlich Professor für Öffentliche Finanzen. Und wenn du jetzt fragst, was er mit dem Fernandes-Thema zu tun hat – dann ist das eine sehr gute Frage. Auch er gehört zu den alten Männern, die in Sendungen und bei X-Twitter Zweifel säen, Zwietracht schüren, missinterpretieren und Falschinfos verbreiten. Eine weitere Gästin musste ihm mehrfach widersprechen, weil der Moderator nicht in der Lage war, über richtige Fakten aufzuklären.
-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 29. März 2028)
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