Pillion

Als Colin (Harry Melling) in einem Pub mit seinem kleinen Männerchor ein Konzert gibt, taucht auch Ray (Alexander Skarsgård) in der Kneipe auf, und es besteht sofort eine Faszination. Ray hinterlässt Colin eine Telefonnummer. Sie werden sich Weihnachten treffen.
Colin wohnt mit Mitte Dreißig (die sieht man ihm absolut nicht an) noch bei seinen Eltern, und sie geben ihm vorher noch Datingtipps.
Das Date ist ein Erfolg, irgendwie. Colin lässt sich darauf ein, dass er Ray gehorchen soll, sich ihm unterwerfen soll. Tage später lädt Ray ihn zu sich nach Hause ein. Ungefragt soll Colin dort die Rolle des Bedienenden einnehmen. Kochen, Getränke bringen, sich sexuell zur Verfügung stellen, vor dem Bett auf dem Boden schlafen.
Ray ist der Dominante, Colin ordnet sich unter. Er lernt auch Rays Freunde kennen, und er fühlt sich richtig wohl in diesem Umfeld.
Auch bei Ray fühlt er sich wohl, zumal Ray ein Hauptgewinn ist. Und dennoch gibt es Dinge, die Colin fehlen. Aber kann er seine Bedürfnisse durchsetzen?

 „Pillion“ bedeutet so viel wie „Beifahrersitz“ auf einem Motorrad – und in der BDSM-Szene steht das Wort für den devoten Part in einer Beziehung.
Wer mit dieser Szene noch nie etwas zu tun hatte, für den ist „Pillion“ erst mal schwer verdaulich. Denn wir beobachten eine Beziehung, die keineswegs auf Augenhöhe ist – und zumindest wenn es nach Ray geht, auch gar nicht sein soll. Eigentlich sucht auch Colin nach einer solchen Beziehung, will aber dennoch eigene Regeln durchsetzen. Es entsteht eine Art Machtkampf – mit überraschendem Ausgang.
Dass Harry Melling im Film wie Anfang/Mitte Zwanzig wirkt, ist allerdings ein bisschen kontraproduktiv, weil man denken könnte, dass zum Machtgefälle auch ein sehr großer Altersunterschied hinzukomme, der aber kleiner ist, als man denkt.
„Pillion“ ist erstaunlich, spannend, in Teilen sogar lustig und absurd. Auch spielt er ein wenig mit den Erwartungen der Zuschauer, eil man meinen könne, als handele es sich um durchgehend zur Gewalt und Kälte neigenden Menschen. Aber gerade in der Gruppe zeigt sich viel Liebe und Sympathie. Weshalb sich Colin dort auch so wohlfühlt – und merkt, dass es möglich sein kann, auch eigene Bedürfnisse aushandeln zu können.
Aber er zeigt auch das Unverständnis der Menschen, die mit solchen Beziehungen nichts anfangen können – Colins Mutter legt sich an einer Stelle mit Ray an.
So ist „Pillion“ ein Liebesfilm der sehr anderen Art über eine Gruppe von Menschen, über die nur sehr selten ernsthafte Kinogeschichten erzählt werden.

-> Trailer auf Youtube

Pillion
GB 2025, Regie: Harry Lighton
Weltkino, 107 Minuten, ab 16
8/10
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