Parteien streiten um B96

Diskussion um geplante Westumfahrung in Fürstenberg: Frank Bommert wirft den Grünen Blockade vor – Anne Schumacher vermisst aufseiten der CDU Gegenargumente

MAZ Oberhavel, 19.3.2026

Fürstenberg.
Eigentlich ist in Sachen B96 in Fürstenberg alles klar. Bund und Land haben sich im Januar darauf geeinigt, dass die Ortsumfahrung westlich der Stadt vorbeigeführt wird. Bündnis 90/Grüne favorisieren jedoch eine andere Variante. Darüber ist zwischen CDU und Grünen in Oberhavel nun ein Streit entbrannt. Die Grünen sind nach eigenen Angaben vor allem besorgt, dass durch die neue Ortsumgehung der Naturpark Stechlin-Ruppiner Land Schaden nehmen könnte.

„Für uns Grüne ist der Schutz unserer Umwelt ein hohes Gut“, erklärt Anne Schumacher, die Sprecherin des Grünen-Kreisverbands Oberhavel.
„Wir setzen uns dafür ein, dass der Naturpark Stechlin-Ruppiner Land so weit wie möglich erhalten bleibt“, sagt sie. Deshalb wollen die Grünen statt der jetzt angestrebten Westumfahrung den Bau „einer bahnparallelen, zweistreifigen B96 direkt westlich der Bahn“.
Auf dieser Straße solle die Höchstgeschwindigkeit innerhalb des Stadtgebietes für drei Kilometer auf Tempo 50 begrenzt werden. Es gäbe drei Anschlüsse an die Stadt – zur Rheinsberger Straße (L15 Süd) mit Verbindung zum Einkaufszentrum, außerdem eine Anbindung zum Bahnhof und zur Ravensbrücker Dorfstraße (L15 Nord).
Anne Schumacher erläutert zudem: „Nur mit einer stadtnahen Trasse ist eine vernünftige Verkehrsberuhigung im Stadtzentrum – Brandenburger Straße und Markt – möglich, weil dann etwa zwei Drittel des Verkehrs die Umfahrung benutzen kann.“ Dann könne nicht nur der Fernverkehr zwischen Gransee und Neustrelitz die Umfahrung nutzen, sondern auch der Verkehr von und nach Lychen, zum Einkaufszentrum Feldmark mit Edeka und Aldi und zum Bahnhof.

Unabhängig von den Begründungen der Grünen sagt Frank Bommert, der CDU-Chef in Oberhavel: „Die Grünen in Oberhavel und ihre ganzen Vorfeld-NGOs zeigen einmal mehr, worum es ihnen in Wahrheit geht: nicht um praktikable Lösungen für die Menschen, sondern um ideologische Rechthaberei“, erklärt er. „Wer jahrelang unter dem Verkehr leidende Städte und Gemeinden weiter hinhalten will, indem er unnötige neue Diskussionsfelder eröffnet, der verweigert sich der Realität“, so Frank Bommert weiter.
Die CDU Oberhavel stehe klar zur angestrebten und favorisierten Westvariante der Ortsumfahrung und begrüße, dass nun endlich Bewegung in das Projekt gekommen sei. „Jetzt braucht es keine neuen politischen Nebelkerzen und keine ideologischen Rückzugsgefechte, sondern Verlässlichkeit, Planungssicherheit und Tempo.“

„Leider geht Herr Bommert mit keinem Wort auch nur auf ein einziges unserer Argumente ein“, antwortet Anne Schumacher von den Grünen. „In seiner Pressemitteilung verwendet Herr Bommert zur Charakterisierung unserer Position allein das Wort ‚ideologisch‘ sechsmal“, sagt sie. „Wir Grünen blockieren keine Lösung, sondern setzen uns für eine bessere Lösung ein, die zudem auch schneller umsetzbar ist“, so Anne Schumacher. „Mit unserem Einsatz für eine bahnparallele Variante setzen wir uns für den Erhalt unserer Heimat und für das Wohl der Menschen in Fürstenberg ein.“ Frank Bommert dazu: „Wir stehen an der Seite der Bürgerinnen und Bürger, die eine echte Entlastung wollen – und an der Seite von Uwe Feiler, der sich über Jahre hinweg mit Nachdruck für dieses Ziel eingesetzt hat.“
Anne Schumacher verwahrt sich gegen Bommerts Kritik: „Selbstverständlich muss man unsere Ansicht nicht teilen und kann anderer Auffassung sein“, sagt sie. „Das gehört zum Wesen unserer Demokratie. Aber uns als politischem Gegner einfach nur ideologische Blockadepolitik und ideologische Rechthaberei vorzuwerfen, ohne sich auch nur mit einem einzigen unserer Argumente inhaltlich auseinanderzusetzen, entspricht keiner sachlichen demokratischen Auseinandersetzung.“

Die B96 in Fürstenberg ist – auch aufgrund der Enge im Stadtzentrum – überlastet. Seit Jahrzehnten wird um eine Ortsumfahrung gerungen. Es gab drei Varianten: Eine führte östlich an der Stadt vorbei, eine zweite entlang der Bahn und eine dritte westlich der Stadt.
Fürstenbergs Bürgermeister Robert Philipp (parteilos) hatte bei einem Treffen mit Brandenburgs damaligem Verkehrsminister Detlef Tabbert (parteilos) erklärt, dass in der Stadt immer mehrheitlich die Westumfahrung favorisiert worden sei. „Die Stadtverordnetenversammlung war immer klar für die Westvariante.“ Auch die Mehrheit der Menschen in der Stadt würde sich über die Variante am meisten freuen, erklärte er. Aus Sicht des Bürgermeisters würde die Variante, die die Grünen bevorzugen, die Menschen in Fürstenberg kaum entlasten.


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