Pierre Sanoussi-Bliss: Den Rest hab ich verdrängt – Unordentliche Erinnerungen

Dem Fernsehpublikum am, bekanntesten wurde der Schauspieler Pierre Sanoussi-Bliss in der ZDF-Krimi-Serie „Der Alte“. 2025 war er im RTL-Dschungelcamp. Seine erste kleine Kinorolle hatte er 1989 im DDR-Drama „Coming Out“.
Jetzt legte er seine Autobiografie vor. Es sind, wie er es selbst nennt, unordentliche Erinnerungen: „Den Rest hab ich verdrängt“.

Seine Mutter lebte eigentlich in Mittweida, sie wollte aber nicht, dass ihr Kind dort geboren wird. Deshalb ist Pierre Berliner. Sein Vater war aus Guinea in Westafrika, und er studierte in der DDR.
Pierres Hautfarbe spielte zu DDR-Zeiten nie eine große Rolle. In seinem Buch erzählt er davon, was für eine starke Frau seine Mutter war. Sie zogen ins Neubaugebiet nach Hennigsdorf. Er berichtet von einer Lehre als Koch, lernte u.a. in Oranienburg. Er war bei der NVA, auch da als Koch und nutzte das zu seinem Vorteil. Es geht um seine Zeit auf der Schauspielschule und von seinen ersten Theaterrollen. Nach der Wende drehte er auch Filme.

Wer Pierre Sanoussi-Bliss abseits seiner Serien- und Filmrollen erlebt hat, der weiß, dass er eine echte Berliner Schnauze hat und immer sehr locker-lustig redet. Deshalb ist „Den Rest hab ich verdrängt“ nicht nur sehr interessant, sondern auch unterhaltsam.
Die Einblicke in den DDR-Kulturbetrieb, die ihn so nahm, wie er war, sind aufschlussreich. Seine Hautfarbe spielte nach der Wende dann aber durchaus eine Rolle, wenn er bestimmte Typen spielen sollte wie zum Beispiel in „Go Trabi Go 2“, einen Film, der er heute gern vergessen würde.
Ein bisschen zu detailliert erzählt er dann von seinem Rauswurf bei „Der Alte“, er zitiert aus langen Schriftwechseln mit dem ZDF-Intendanten, und als Leser weiß man auch ohne diese ewigen Zitate, welche miese Situation das war.
Dass er andererseits über das Dschungelcamp scheinbar gar nichts zu erzählen hat, verwundert dann aber schon sehr. Das Kapitel wirkt, als habe ihn jemand gezwungen, das noch einzufügen, und er hatte überhaupt keinen Bock. Wie überhaupt die letzten Kapitel seltsam fahrig und oberflächlich wirken.
Wenn man also wegen Pierres Dschungelcamp-Teilnahme zum Buch greift, wird man bitter enttäuscht. Wenn man allgemein etwas über den Menschen Pierre erfahren will, dann ist es eine lohnende Lektüre.

Pierre Sanoussi-Bliss: Den Rest hab ich verdrängt – Unordentliche Erinnerungen
Querverlag, 273 Seiten
7/10


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