Regionalbahn statt S-Bahn bis Schönholz?

Werner Hoffmann aus Hennigsdorf hat eine Idee für eine Alternative zur S25-Verlängerung bis Velten – Bahn hält sich bedeckt – Experte sieht große Probleme, hat aber auch Vorschläg

MAZ Oberhavel, 24.2.2026

Hennigsdorf.
Auf dem Bahnhof Hennigsdorf müsste eigentlich folgende Ansage aus den Lautsprechern ertönen: „Die S25 nach Velten verzögert sich um weitere zehn bis 15 Jahre. Wir bitten um ein wenig Geduld.“ Wann die S25 tatsächlich mal von Hennigsdorf aus weiter bis Velten fährt, ist derzeit vollkommen unklar – vermutlich irgendwann zwischen 2035 und 2040 könnte es so weit sein, eventuell.

Werner Hoffmann aus Hennigsdorf-Nord ist jetzt 78 Jahre alt und ihn treibt die große Sorge um, dass er es nicht mehr erleben wird, dass die S25 weiter nach Velten fährt.
Dem ehemaligen SPD-Stadtverordneten geht es vor allem um die Zwischenstation Hennigsdorf-Nord, die gebaut werden soll, wenn das S25-Projekt wirklich mal angegangen werden sollte. Dabei geht es nicht um den alten, stillgelegten Bahnhof. Stattdessen ist ein neuer Haltepunkt nahe der Reinickendorfer Straße geplant. „Die Bahnverbindung ist wichtig, dass sich ein Bahnhof Hennigsdorf-Nord auch rechnet“, sagt er. „Aber i2030 verschiebt sich ins Unendliche.“

i2030 heißt das Motto der vielen Bauprojekte, die Berlin und Brandenburg, der Verkehrsverbund und die Bahn in der Region planen. Im Fall der S25 wird die Jahreszahl 2030 jedoch nicht mehr erreicht. Aber Werner Hoffmann macht sich Gedanken darüber, wie es vielleicht doch schneller möglich sein könnte, Hennigsdorf-Nord und Velten besser anzubinden. Von Hennigsdorf bis Berlin-Schönholz fährt die S-Bahn vorwiegend auf einer eingleisigen Strecke. „Wobei man das sicher auch mit einem anderen Zug erledigen könnte.“
Er denkt an eine Verlängerung der Regionalbahn RB55 nach Berlin-Schönholz. Ab Hennigsdorf könnte der Zug aus seiner Sicht auf den Gleisen der S-Bahn fahren. Dazu müssten im Bahnhof Hennigsdorf die unterbrochenen Gleise der Regional- und S-Bahn wieder miteinander verbunden werden.
Das sei aus Sicht von Werner Hoffmann für die Veltener bequemer und die Menschen in Hennigsdorf-Nord hätten einen Bahnhof. „Es muss uns gelingen, die Landesregierung zu einer Bestellung einer solchen Linie zu bringen“, sagt er. Allerdings müsste das Land Berlin ebenfalls ins Boot geholt werden.
„Aber da fehlt einfach die Lobby“, sagt der 78-Jährige. „Das merke ich ja immer wieder, wenn ich versuche, das Thema anzustoßen.“
Er könne sich sogar vorstellen, dass so ein Zug am Ende bis zum Flughafen BER nach Schönefeld durchfahren könnte. Da aber dieselbetriebene Züge nicht in den Flughafentunnel fahren dürfen, ist diese Idee hinfällig.

Die Deutsche Bahn hält sich bei dem Thema zurück. „Uns erreichen öfter Ideen oder Äußerungen zum Schienenpersonennahverkehr, deren Überprüfung und Bewertung von Realisierungschancen genauestens sowie zeit- und personalintensiv durch Fachleute erfolgen müssen, um zu einem fundierten Urteil zu kommen“, erklärt ein Bahnsprecher auf MAZ-Nachfrage.
„Es werden Machbarkeitsstudien und Fahrgastpotenzialerhebungen benötigt. Last but not least: das liebe Geld! Alles Wünschenswerte muss mach- und finanzierbar sein. Die Finanzierung ist immer Dreh- und Angelpunkt.“
Die Deutsche Bahn entscheide und begutachte dies alles nicht allein. „Da der Nahverkehr seit der Bahnreform durch die Länder bestellt und finanziert wird, spielt in diesem Fall der VBB eine immens wichtige Rolle.“ So oder so müsste vermutlich der Bahnhof Velten dafür schon ausgebaut und der Haltepunkt Hennigsdorf-Nord neu gebaut werden.

Der Aufwand wäre also auch nicht klein, der finanzielle schon gar nicht. Ausführlicher äußert sich aber Ben Hennig, Nahverkehrsexperte aus Berlin-Frohnau. „Ich finde die Idee grundsätzlich gar nicht schlecht“, sagte er. Er erinnert an die S-Bahn S19 von Hennigsdorf nach Oranienburg. Diese Linie fuhr Mitte der 90er-Jahre von Oranienburg bis Birkenwerder als normale S-Bahn.
„Am Bahnhof Birkenwerder wurde dann der Stromabnehmer für die Stromschiene eingefahren und der Dieselmotor aktiviert. Persönlich finde ich es sehr schade, dass es diese Linie heute nicht mehr gibt.“
Bei der Idee von Werner Hoffmann sieht er allerdings größere Probleme. „Bis heute gibt es leider keine Kehranlage in Schönholz. Wenn man dort am Bahnhof entlangfährt, erkennt man die große Freifläche zwischen den beiden Gleisen. Diese war ursprünglich für eine Kehranlage vorgesehen, wurde jedoch nie gebaut und ist nach aktuellem Stand auch künftig nicht geplant.“ Da auf der Nordbahn – zusätzlich zur S25 – bereits ein 7/7/6-Minuten-Takt bestehe, sei es nahezu unmöglich, einen Zug in Schönholz am Bahnsteig kehren zu lassen.
„Die nächstmögliche Kehranlage befindet sich somit am Nordbahnhof, da die Kehranlage in Gesundbrunnen nur in Richtung Norden befahrbar ist. Dadurch müssten die Züge in den Nord-Süd-Tunnel einfahren.“
Der sei aber nur für S-Bahnen zu befahren, nicht für Regionalzüge. „Aus diesen Gründen sehe ich derzeit leider keine realistische Möglichkeit, einen Regionalzug von Velten aus über die S-Bahn-Strecke weiter in die Stadt zu führen“, ist das Fazit von Ben Hennig.

Er hat jedoch alternative Ideen – zum Beispiel einen S25-Express. „Ein Regionalzug könnte von Velten kommend über die Kremmener Bahn bis Alt-Reinickendorf fahren. Kurz vor dem Bahnhof Schönholz würde der Zug auf die Fernbahngleise wechseln und bis Gesundbrunnen weiterfahren.“
Für eine Übergangszeit könnte die S25 als RB25 von Gesundbrunnen bis Velten verkehren und dabei alle Halte auf der Kremmener Bahn bedienen. „Diese Variante hätte viele Vorteile der vorgeschlagenen Idee. Allerdings würden die Reinickendorfer ihre direkte S-Bahn-Anbindung in die Innenstadt verlieren. Eine mögliche Lösung wäre jedoch, die RB25 durch den Fernbahntunnel bis zum Hauptbahnhof zu führen.“ Möglich sei aus seiner Sicht auch eine Neuauflage der S-Bahn-Linie S19. „Wie früher könnte man einen S-Bahn-Triebzug mit einem Dieselmotor oder – zeitgemäßer – mit Batterietechnik ausstatten.“
Die damaligen Fahrzeuge der S19 in den 90er-Jahren wurden nachträglich mit Dieselmotoren versehen und später wieder zurückgebaut. „Es wäre zu prüfen, ob eine solche Umrüstung auch bei einer der heutigen Baureihen der S-Bahn Berlin technisch möglich wäre.“

Beide Ideen seien interessant. „Die erste Variante erscheint mir jedoch deutlich realistischer, da sie mit vergleichsweise geringem Aufwand umsetzbar wäre – auch wenn sie für Reinickendorf kleinere Nachteile gegenüber der heutigen Situation mit sich bringen würde“, so Ben Hennig.


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