ZAPPER VOR ORT: Marcus & Martinus in Berlin

DO 12.02.2026 | Berlin, Huxley’s neue Welt

19 Uhr. Ich habe, ehrlich gesagt, auf diese Anfangszeit nicht viel gegeben. Für ein Konzert ist 19 Uhr als Beginn extrem früh. Aber vielleicht kommt ja da noch eine Vorgruppe. Dachte ich.
Das Konzert begann jedoch ziemlich pünktlich um sieben.

Marcus & Martinus hatten ihren großen internationalen Auftritt 2024 beim Eurovision Song Contest. Sie sind Stars in Skandinavien. Die Gunnarsen-Zwillinge kommen eigentlich aus Norwegen, traten aber für Schweden beim ESC an, nachdem sie zwei Monate zuvor das Melodifestivalen gewonnen hatten. Sie schafften den 9. Platz beim Song Contest.
Schon im Jahr davor, 2023, waren sie beim schwedischen Musikfest dabei und belegten den Platz 2, mussten sich nur Loren geschlagen geben. Ich weiß nicht mehr genau, ob ich die beiden Musiker zu dem Zeitpunkt kennengelernt habe oder ob ich sie schon vorher kannte.

Gerade sind sie Teil der Show „Sing meinen Song“ im norwegischen Fernsehen. Sie performen dort Songs anderer dort ebenfalls anwesender Künstler und haben dort teilweise richtig tolle Cover-Lieder hervorgebracht.

Zumindest einmal wollte ich Marcus & Martinus live sehen. Das neue Album „The Room“, das auf der Europa-Tour promotet wird, habe ich erst auf der Fahrt zum Konzert einmal durchgehört.
Es ist allenfalls okay, und oft denke ich beim Hören, dass die Jungs mehr könnten als den oft leider ziemlich belanglosen Radiopop. Das beweisen sie bei „Sing meinen Song“ in Norwegen, aber da ist auch die Zielgruppe eine andere, vermutlich sehr viel älter.

Das Konzert in „Huxley’s neue Welt“ an der Berliner Hasenheide begann tatsächlich pünktlich – und ich vermute, auch das hat mit der Zielgruppe zu tun. Das Publikum war sehr jung, teilweise kamen Eltern mit ihren Kindern.
Ich bin ja vor allem durch den ESC auf die beiden gestoßen, und ich freue mich immer, wenn der Musikwettbewerb dazu führt, dass Bands europaweit bekannt werden. Ob diese Leute im Publikum Marcus & Martinus auch durch den ESC kennen, weiß ich nicht. Bei den sehr jungen Leuten ist es vielleicht TikTok.

Dass die Songs eher so lala sind, ahnte ich ja schon nach dem Hören des Albums. Nichtsdestotrotz sind die beiden Zwillinge sympathisch, wie sie immer wieder bewiesen haben.
Immer wieder hatten sie nette Botschaften für ihr junges Publikum in Berlin. Sie gedachten der Oma, die nicht mehr da ist und widmeten ihr einen Song.
Ihre Bühnenshow wirkt stellenweise etwas ungeplant, weil Marcus und Martinus öfter mal scheinbar unkoordiniert über die Bühne latschen.

Die beiden 24-Jährigen sind Zwillinge, sie sind sich durchaus ähnlich, aber im Wesen doch recht unterschiedlich. Martinus hat mehr Rockstar-Vibes. Er geht mehr aus sich raus, macht größere Gesten, er hat eine natürliche, lockere Art. Wenn er plötzlich oben ohne da steht, dann kreischen die Mädels.
Marcus macht so was gar nicht. Er wirkt schüchterner, etwas verschlossener.

Aber auch das Publikum ist spannend, und man erlebt bei solchen Konzerten eine komplett neue Generation von Konzertbesuchern.
Heute wird zum Beispiel bei Konzerten kaum noch geklatscht. Weder während der Songs rhythmisch begleitend, noch später als Applaus. Denn die Jugend hat ein Handy in der Hand und filmt. Sie schauen das Konzert durch die Handykamera. Manchmal wird gekreischt. Applaus wird durch Kreischen kenntlich gemacht.
Deshalb wirkte das Konzert manchmal auch seltsam steril, weil das Publikum reserviert schien. Früher hätte man da gesagt: Es gefällt ihnen nicht, deshalb ist es so still. Aber den Leuten im Saal hat’s eindeutig gefallen, sie zeigen es nur anders.

Ganz am Ende spielten Marcus & Martinus auch „Unforgettable“ ihren ESC-Hit von 2024, in einer Rock-Version, die zwar nicht so knallt wie das Original, aber auch Spaß machte.

Und so früh habe ich in meinem Leben noch kein Konzertende erlebt. Es war 20.31 Uhr, als das Licht an ging. Normalerweise haben da die guten Hauptacts noch gar nicht zu spielen begonnen.
Also, früher.


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