Die Menschen streiten sich. Die Menschen hören sich nicht mehr zu. Die Menschen lassen immer weniger Zwischentöne zu – stattdessen zählt oder schwarz oder weiß. Menschen werden immer aufmerksamer, wenn es um Minderheiten geht. Menschen werden aber auch immer empfindlicher.
Die Gesellschaft driftet auseinander, und „Extrawurst“ ist der passende Film dazu. Er leuchtet in die Gesellschaft rein, und das anhand des Beispiels rund um einen Tennisclub und seine Mitglieder.
Heribert (Hape Kerkeling) ist der Vorsitzende des Tennisvereins, und gerade wurde er einstimmig wiedergewählt. Jetzt steht noch ein wichtiger Punkt auf der Tagesordnung. Eine Lappalie, denkt Heribert. Für das Sommerfest soll ein neuer Grill angeschafft werden.
Fix beschlossen, denkt Heribert. Aber als der Vorschlag gemacht wird, doch auch an Erol (Fahri Yardım) zu denken, der das einzige muslimische Clubmitglied ist, eskaliert alles. Er solle doch einen separaten Grill bekommen, weil er ja kein Schweinefleisch essen darf. Und obwohl Erol immer wieder betont, dass das ja nicht nötig sei, entwickelt sich eine Diskussionsspirale.
In dieser Diskussionsspirale kommen alle Punkte auf den Tisch, die in so einer Gruppe aufkommen können. Vorurteile, latenter Rassismus, Ignoranz, Sexismus – und so weiter.
Im Laufe des Films von Marcus H. Rosenmüller werden so ziemlich alle Punkte besprochen, die als Gesellschaft in der Diskussion stehen. Warum ist es nötig, sich um andere Gedanken zu machen? Warum kann nicht alles so bleiben, wie es war? Warum kann man nicht mal neue Dinge probieren?
Keiner will nachgeben, und alle reagieren sie pikiert, wenn sie scheinbar oder tatsächlich unmittelbar beleidigt werden.
In „Extrawurst“ wird das natürlich sehr überspitzt dargestellt. Aber selbst in der Überspitzung gibt es keine Sequenz, die genau so in Diskussionen eintreten könnten.
Die Trailer wirkten seltsam betulich, und manchmal ist der Film das auch. Aber er kann auch Debatten anstoßen und vor allem Denkanstöße geben. Ob damit die entsprechenden Adressaten erreicht werden, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Den Vorwurf, der Film sei zu „woke“ (was auch immer das ist), kann man „Extrawurst“ interessanterweise aber nicht machen. Im Gegenteil: Manchmal ist er ziemlich schonungslos.
Extrawurst
D 2025, Regie: Marcus H. Rosenmüller
Studiocanal, 98 Minuten, ab 12
8/10
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