Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße

Es ist das Jahr, in dem 30 Jahre Mauerfall gefeiert werden. 2019 betreibt Michael Hartung (Charly Hübner) die vermutlich letzte Videothek Berlins. Sein laden steht kurz vor dem Aus, er ist hoffnungslos überschuldet.
Da kommt ihm der Journalist Alexander Landmann (Leon Ullrich) vom Magazin „Fakt“ gerade richtig. Er bietet ihm viel geld für eine Story an.
Angeblich soll Michael 1984 für eine „Massenflucht“ von Ost- nach West-Berlin verantwortlich sein, weil er in der Nacht eine Weiche am Bahnhof Berlin-Friedrichstraße so umgestellt hat, dass ein Zug nach West-Berlin rollen konnte und so weit mehr als 100 Leute in den Westen konnten.
Die Story erscheint und schlägt hohe Wellen – nur: Sie ist nicht wahr, jedenfalls nicht so richtig. Aber Michael gelingt es nicht, den Wirbel darum zu beenden – denn die Geschichte ist einfach zu gut, um nicht erzählt zu werden…

Es ist Wolfgang Beckers letzter Film. Der Regisseur hatte mit „Good Bye, Lenin!“ seinen größten Erfolg. Hier konnte er noch die Dreharbeiten abschließen, ehe er im Dezember 2024 gestorben ist. In „Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße“ hat er sogar noch einen letzten Auftritt vor der Kamera.
Einmal mehr spielt Charly Hübner einen gutmütigen Typen, der ein wenig naiv in sein Unglück tappst. Das macht er gewohnt gut. Zudem sind in vielen Nebenrollen bekannte Gesichter zu sehen. Christiane Paul spielt eine der Frauen, die 1983 in der S-Bahn saßen. Leonie Benesch spielt Michaels Tochter. Daniel Brühl hat eine spezielle Rolle: Er ist der Schauspieler, der Michael in einer Verfilmung seiner Story spielen soll. Jürgen Vogel ist dabei, Dani levy und so einige andere mehr.
Erzählt wird einerseits, die es Medien immer wieder gelingt, Geschichten aufzubauschen, an denen eventuell gar nichts alles so stimmt, wie es erzählt wird. Aber ein wenig geht es auch um DDR-Melancholik, und um die Frage, wie man denn auf dieses Land zurückblicken soll. Und auch, dass es einen Unterschied macht, ob jemand, der in der DDR lebte über das Land spricht, oder ob es jemand ist, der sie nur von außen erlebt hat.
Dennoch kommt die ganz große Faszination nicht auf. Der Film nach dem Roman von Maxim Leo zieht sich etwas, hat kaum emotionale Höhepunkte und hat in der Hinsicht sein Potenzial leider ein wenig verschenkt.

-> Trailer auf Youtube

Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße
D 2025, Regie: Wolfgang Becker, Achim von Borries
X-Verleih, 113 Minuten, ab 6
6/10


, der Besitzer einer wirklich hoffnungslos überschuldeten Videothek, hat sein ganzes Leben lang offenbar auf das falsche Pferd gesetzt. Als ein ehrgeiziger Journalist ihn dann auch noch mit den Ergebnissen seiner Recherche konfrontiert, ändert sich für den charmant-melancholischen Micha auf einen Schlag alles. Denn der unnachgiebige Journalist behauptet, dass Micha vor mehr als drei Jahrzehnten als Angestellter der damaligen Reichsbahn die größte Massenflucht aus der DDR mit organisiert habe. Angeblich gibt es einschlägige Beweise in den archivierten Stasi-Akten und sogar einen dokumentierten Gefängnisaufenthalt, gefolgt von einer Zwangsversetzung in den Braunkohle-Tagebau. Von einer verlockenden Gage verführt, bestätigt Micha die Geschichte, obwohl nur wenige Bruchstücke davon der Wahrheit entsprechen.


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