Angela Krupskin (57) führt seit 2006 die Henrietten-Apotheke in Oranienburg – schon ihr Vater hatte denselben Beruf – montags kümmert sie sich um ein besonderes Hobby
MAZ Oberhavel, 9.8.2023
Oranienburg.
Eine Apotheke zu führen, das wurde ihr quasi in die Wiege gelegt. Schon ihr Vater hatte eine Apotheke. Ende 2006 eröffnete Angela Krupskin im Oranienburger Louise-Henriette-Center die Henrietten-Apotheke. „Wir haben sehr klein angefangen“, erinnert sie sich. „Und das erste halbe Jahr war schwer.“ Zwei Angestellte mussten wieder gehen, so dass Angela Krupskin allein mit ihrem Mann weitermachte. „Die Leute hatten ihre Apotheke. Das Geschäft ist stark stammkundengebunden und hängt auch davon ab, ob die Leute in der Nähe wohnen.“
Aber es wurde besser. Auch weil sich an der Lehnitzstraße baulich viel getan hat, das Dialysezentrum befindet sich in der Nähe. Inzwischen sind sie zu fünft. „Als Apotheke ist man total abhängig von den Rezepten“, sagt die heute 57-Jährige. Hinzu komme die große Konkurrenz aus dem Internet. Deshalb sei es für eine Apotheke sehr wichtig, einen Standort in der Nähe von Arztpraxen zu haben.
Früher habe es in Oranienburg gerade mal zwei Apotheken gegeben – heute zählt Angela Krupskin 13. „Damals haben die Leute Schlange gestanden.“ Andererseits habe es in der DDR meistens für jedes Präparat eine Firma gegeben. „Da war noch nicht so viel auszuwählen.“ Jetzt stecke oft mehr Arbeit und Recherche dahinter. Zum Beispiel, wenn das gewünschte Medikament gerade nicht zu haben ist. Das kommt momentan häufiger vor.
Angela Krupskin zählt auf, woran es gerade mangelt. Antidiabetika, „da haben wir Wartelisten.“ Oder auch verschiedene Erkältungsmedikamente oder Schilddrüsen-Kombinationspräparate und Cholesterinmittel. „2019 gab es auch schon mal einen Engpass, aber nicht so schlimm wie jetzt.“ Die Rohstoffe würden meist im Ausland produziert, „da muss es halt billig sein.“ Hinzu komme, dass solche Medikamente aber wiederum in anderen Ländern mehr kosten würden und dementsprechend eher dorthin verkauft würden.
Und was passiert, wenn ein Medikament nicht zu haben ist? „Da wird dann recherchiert. Wir suchen nach Alternativ-Präparaten mit dem gleichen Wirkstoff.“ Es komme auch vor, dass sie direkt beim Hersteller anrufe, der dann direkt etwas schicken könne. Wenn nichts mehr gehe, dann müsse Rücksprache mit dem Arzt gehalten werden.
Das kommt gut an. Die Oranienburgerin Monika Schubert ist Stammkundin in der Henrietten-Apotheke. „Die reden nicht viel, die versuchen dort, alles ranzuholen, was man braucht“, erzählt sie. „Wir sind dort sehr zufrieden.“ Angela Krupskin lächelt. „Schön, so ein Feedback zu bekommen, auch wenn ich nicht glaube, dass wir besser sind als die anderen.“
Ihr Abitur machte die Oranienburger an der damaligen Runge-EOS – im heutigen Gebäude der Lindenschule. „Aber ich habe dann keinen Studienplatz bekommen.“ Sie machte eine Ausbildung als Apothekenfacharbeiterin. Dass sie in diese Richtung will, war lange klar. „Papa war auch Apotheker, da war das eben so. Was anderes hatte ich nicht im Sinn.“ Wenn die Wende nicht gekommen wäre, dann wäre sie vermutlich auf diesem Stand geblieben. „Ich hätte dann zum Beispiel keine Apotheke leiten können.“
Sie studierte dann aber an der Berliner Humboldt-Universität Pharmazie, „vier Jahre und ein Praktikumsjahr.“ 1997 war sie damit fertig. Sie arbeitete dann beim Vater. „Er hatte die Adler-Apotheke in der Havelstraße“, erzählt sie. Zwischenzeitlich bekam sie eine Tochter.
„Eigentlich wollte ich die Apotheke meines Vaters übernehmen.“ Immerhin führte ihr Vater das Geschäft seit 1965. Aber in den 2000ern sei immer klarer geworden, dass sie dort keine Zukunft haben würde. „Sie hatte Treppen und die Ärzte sind weggezogen, es wurde da immer schlechter.“ Bald habe sie keinen Gewinn mehr abgeworfen. Es fiel die Entscheidung, selbst eine neue Apotheke zu eröffnen. So kam es dann auch, Ende 2006. Im Jahr 2013 wurde die Adler-Apotheke geschlossen.
Angela Krupskin ist jetzt 57, und so langsam macht auch sie sich Gedanken über eine Nachfolge. „Ich bin nicht sehr optimistisch, dass ich jemanden finde“, sagt sie.
„Wir kommen über die Runden, und es macht auch Spaß.“ Aber für die heutigen jungen Leute sei die Arbeit wenig attraktiv. „Wenn man sich mit Kollegen unterhält: Keines der Kinder studiert Pharmazie. Die Kinder wollen das scheinbar nicht mehr. Es ist eine aussterbende Spezies.“ Ein Problem gebe es mit der Honorierung durch die Krankenkassen. „Die reicht nicht aus, da gab es auch fast 20 Jahre schon keine Anpassung.“
Die Kosten würden steigen, die Honorierung aber nicht. Dazu ausufernde Bürokratie und die Lieferengpässe. Auch die Henrietten-Apotheke beteiligte sich im Juni am Protest, schloss für einen Tag. „Da haben wir uns alle in Berlin zur Demo getroffen“, sagt Angela Krupskin.
Die Apotheke nimmt einen großen Teil im Leben der Oranienburgerin ein. Aber da ist noch etwas, was ihr ganz große Freude bereitet. „Ich spiele im Orchester Geige“, erzählt sie.
Immer am Montagabend probt sie mit dem Kammerorchester Weißensee in Berlin. Schon als Kind spielte sie das Instrument. Zwischenzeitlich war sie auch in der Musikwerkstatt Eden. Zweimal im Jahr hat sie einen Auftritt mit dem Weißenseer Kammerorchester. „Das ist das, was Spaß macht, was man auch braucht als Ablenkung“, sagt sie. „Da ist man einfach weg, ganz woanders.“
Schreibe einen Kommentar