Julius Robert Oppenheimer. Der Vater der Atombombe.
Kann man auf diesen Titel stolz sein?
Die Antwort ist vermutlich: Ja. Und auch: Nein.
Die USA in den 50ern: Dem Physiker J. Robert Oppenheimer (Cillian Murphy) soll seine Sicherheitsfreigabe entzogen werden, was für ihn das Aus in seinem Job bedeuten würde. Nun sitzt er in einer Anhörung, in der es um Oppenheimers Widerspruch gegen diese Entscheidung geht.
In Rückblenden geht es um sein Leben und Schaffen – sein Privatleben und vor allem seine berufliche Laufbahn.
Im Zweiten Weltkrieg wird Oppenheimer die wissenschaftliche Leitung eines Projektes übertragen. Es geht um den Bau einer neuen Nuklearwaffe – der Atombombe. Dafür wird mitten in der Wüste die Stadt Los Alamos aufgebaut. Dort arbeiten er und sein Team an der Megawaffe.
Aber stand und steht Oppenheimer dabei immer an der Seite des Staates?
Und welche Rolle spielt Lewis Strauss (Robert Downey Jr.), der als Handelsminister im Kabinett von Präsident Dwight D. Eisenhower bestätigt werden soll?
Lange war „Oppenheimer“ im Kino erwartet worden. Christopher Nolan erzählt nicht nur die Geschichte eines begabten Physikers, es geht auch und insbesondere um den Bau der Atombombe und dessen Folgen. Wobei man diese Folgen nicht sieht, als die Bomben auf Hiroshima und Nagasaki fallen, erfahren wir das im Film nur aus Erzählungen. Allerdings: Man braucht keine Bilder, um zu wissen, was da passiert ist.
Aber man braucht Sitzfleisch, denn der Film dauert sage und schreibe drei Stunden. Diese wären nicht nötig gewesen, denn im ersten Drittel erzählt der Film fast schon stakkatomäßig Punkte aus Oppenheimers Leben. Es wirkt, als folge Szene auf Szene, fast schon wie Schlaglichter. Das führt dazu, dass einem Oppenheimer nicht nur seltsam fremd bleibt, sondern auch irgendwie egal ist. Hinzu kommt ein oftmals leider sehr nerviger Soundtrack – immer dräut im Hintergrund eine Musik. Da wäre auch weniger mehr gewesen.
Wirklich spannend ist dann nur die Geschichte um den Bau der Atombombe an sich. Der Wettlauf mit der Zeit, durchaus auch Skrupel, der Blick auf die Weltlage – denn der erste Atomtest sollte vor der Potsdamer Konferenz 1945 stattfinden. Das sind beeindruckende, aber auch angsteinflößende Momente, weil die Zerstörungskraft vor Augen geführt wird.
Später geht es noch um die Verhandlungen um Oppenheimer, die er auch deshalb auslöst, weil er später moralische Zweifel äußert. Das ist durchaus interessant, der Zwist mit Strauss hingegen weniger.
Das große Meisterwerk ist „Oppenheimer“ nicht, aber er hat ein oder zwei wirklich spannende Aspekte.
Oppenheimer
USA 2022, Regie: Christopher Nolan
Universal, 181 Minuten, ab 12
5/10
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