SO 03.07.2022 | 20.15 Uhr | Das Erste
Weg vom Schema X. Der „Polizeiruf 110“ stand schon früher dafür, Krimis anders zu erzählen. Dass es weniger oder nicht um die Tätersuche geht, sondern um das Warum. Und es funktioniert, weil es nicht weniger spannend ist als die übliche Tätersuche. Vielleicht ist es oft sogar spannender.
Das hat am Sonntagabend zumindest sehr eindrucksvoll der Magdeburger „Polizeiruf 110: Black Box“ gezeigt.
Die Zugfahrt war eigentlich ganz entspannt, Adam hat mit seinem Freund Tomi ein paar gute Tage verbracht. Doch dann kommt ein Fremder ins Abteil, er telefoniert, und er ist laut. Christoph Oschmann ist barsch zu seinem Gesprächspartner. Und plötzlich steht Adam auf, nimmt sich einen Gegenstand und schlägt auf den Fremden ein. Adam bringt ihn um.
Was ist da passiert? Warum ist das passiert? Wurde Adam von irgendetwas getriggert? Gab es einen Auslöser? Adam gibt die Tat zu, aber Kommissarin Brasch ahnt schnell: Da steckt etwas ganz anderes dahinter.
Und rauszufinden, wieso es zu dieser Tat gekommen ist – darum ging es in diesem Krimi. Warum reagieren Adams Eltern so seltsam? Warum fließen Bestechungsgelder, damit Tomi im Sinne der Eltern aussagt? Was wissen Adams Eltern über mögliche Ereignisse in dessen Kindheit?
Was dort ans Licht kommt, ist erschütternd und der traurige Höhepunkt dieses Krimidramas. Die Kommissarin muss hier keinen Mörder finden. Sie muss sein Motiv ermitteln, seine Hindergründe beleuchten. Wir blicken als Zuschauer tief in die Seele eines Menschen.
Ein Film muss also nicht weniger spannend sein, wenn man schon weiß, wer der Mörder ist. Stattdessen macht der Krimi etwas, was viel zu selten geschieht: Urteilen, ohne die Hintergründe, die Lebensgeschichte zu kennen. Denn manchmal wird etwas in ein ganz anderes Licht getaucht, wenn man mehr darüber weiß.
-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 3. Januar 2023)
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