Katersitter

Wenn Bernd etwas Abenteuerliches geträumt hat, dann zuckten seine Pfötchen, dann bebte sein ganzer Körper. Es kam auch schon mal vor, dass er ganz plötzlich wach wurde und maunzte. Ruckartig stand er auf, streckte sich, kaum zu mir gelaufen, mauzte noch einmal. Erst nachdem ich ihn kurz gestreichelt und ein paar liebevolle Worte zukommen ließ, lief er zurück zu seinem Schlafplatz, um sein nächtliches Nickerchen fortzusetzen. Als ob nichts passiert wäre.

Bernd ist ein Kater. Zehn Tage lang war ich Katersitter, passte auf Bernd und Oskar auf, fütterte sie, sprach mit ihnen, diente als Schlafunterlage.

Katzen haben ihren eigenen Kopf. Wenn sie etwas nicht mögen, dann ist das so. In den zehn Tagen haben sie eigentlich alles gefressen, was ich ihnen vorgesetzt habe. Außer das Senior-Futter für Katzen „8+“. Das haben sie verschmäht. Als ich ihnen ihre beiden Schälchen mit dem Zeug vorsetzte, rümpften beide ihre Näschen und sahen mich vorwurfsvoll an. So nach dem Motto: „Was soll das denn?“ Das ließ ich nicht auf mir sitzen. Im Laufe des Tages führten wir einen Kampf: fressen oder nicht fressen. Auch am Nachmittag wollten sie das Zeug nicht. Am frühen Abend fügte ich ein bisschen Trockenfutter dazu, um sie auszutricksen. Hätte ich mir sparen können: Mit spitzer Zunge fischten sie das Zeug heraus und ließen das „8+“-Futter weiter links liegen. Am Abend gab ich auf: Ich haute das Zeug weg und gab ihnen was anderes. Sie haben ihren Dickkopf durchgesetzt.

So bald ich abends auf dem Sofa das Fernsehprogramm verfolgte oder am Laptop saß, platzierte sich Oskar neben mich und sah mich erwartungsvoll an. Sein Plan: sich auf mich legen und pennen. So lange ich noch am Computer saß, war der Schoß für ihn gesperrt, beleidigt legte er sich hinter mich. Aber sobald ich mich nach hinten zurücklehnte oder mich ganz aufs Sofa legte, war Oskar zur Stelle. Ganz vorsichtig tappte er auf meinem Bauch herum. Ich, kitzlig, musste allerdings immer lachen, aber das hat Oskar wohl nicht weiter interessiert. Irgendwann hat er dann die richtige Position gefunden, um zu schlafen. Oder er setzte sich einfach auf meine Brust und begann, sich zu putzen. Und dann war ich gefangen, war bewegungsunfähig und konnte nicht mal in der Sat.1-Werbepause umschalten, denn die Fernbedienung hatte ich unvorsichtigerweise auf dem Tisch liegen gelassen.


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