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Dieter Bührig: Mauerriss

Dienstag, den 24. September 2019
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Wismar und die Insel Poel, 1989: Es ist das Jahr, in dem die Ära DDR zu Ende gehen wird. Im Frühjahr weiß das aber noch niemand. Noch immer versucht die Staatsmacht zu sichern, was sie meint, sichern zu müssen.
Die Geschichte beginnt jedoch zehn Jahre zuvor in Gotha: Aus einem Museum werden teure Gemälde gestohlen. Von Wismar aus sollen sie in alle Welt verkauft werden – für harte Devisen.
Doch die Zahlen scheinen sich zu ändern. 1989 wird der Wind rau, und die Bilder liegen immer noch in einem Lagerhäuschen auf Poel. Dort wächst der Widerstand gegen die SED, besonders als nach der Kommunalwahl im Mai, als klar war, dass die Ergebnisse manipuliert worden sind.
Es beginnt eine Jagd auf die Bilder, der Schriftsteller Christian und seine Frau suchen nach ihnen. Er führt auch nach Mühlenbeck, wo die Kunst und Antiquitäten GmbH, ein Außenhandelsbetrieb der DDR, ein großes Lagerhaus hatte. Aber auch der Kampf um die Meinungsherrschaft in der DDR spielt eine immer größere Rolle.

Der Roman “Mauerriss” wird leider erst in der zweiten Hälfte wirklich interessant. Der Anfang ist seltsam dröge, auch wird überhaupt nicht klar, worin eigentlich genau der Kriminalfall bestehen soll. Der Roman ist auf dem Cover als “Kriminalroman” angekündigt – aber eigentlich ist er das gar nicht.
Viel mehr beleuchtet der Roman das Wendejahr 1989 rund um Wismar. So ist der Roman zwar keine Dokumentation, er hat aber dokumentarische Momente. So wird durchaus realistisch erzählt, wie die DDR-Polizei einschritt, wenn es “Zwischenfälle” gab, wie die Kommunalwahlen abliefen und wie die ersten Friedensgebete abliefen. Es geht um Korruption und das Ende der Stasi.
Wenn auch der Krimi-Aspekt stark zu vernachlässigen ist, so ist “Mauerriss” aber ein ziemlich interessanter Wende-Roman.

Dieter Bührig: Mauerriss
Gmeiner, 273 Seiten
7/10

Hits: 140

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Katharina Peters: Todeshaff

Sonntag, den 8. Juli 2018
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(1) -> 31.5.2018

Der zweite Fall für Emma Klar in Wismar und Umgebung. In einer Urlaubsanlage an der Ostsee wird eine grauenvolle Entdeckung gemacht. Zwei ältere getötete Männer sind schlimm zugerichtet worden.
Die Ermittlungen ergeben einen Zusammenhang zur DDR-Geschichte. Dort gab Jugendwerkhöfe, wo junge Leute hinkamen, die Straftaten begangen haben oder schwer erziehbar waren. Wie dort mit den Jugendlichen umgegangen ist, sorgte für Erschütterung, als das ans Licht kam. Die Getöteten haben dort einst gearbeitet.
Das Team um Emma Klar muss unterdessen einen Christoph Klausen observieren. Bald stellt sich heraus, dass auch er eine Verbindung zum Fall der Getöteten hat. Aber hat er auch mit diesen konkreten Morden zu tun?

Katharina Peters rollt mit ihrem zweiten Ostsee-Krimi-Fall ein Stück DDR-Geschichte auf. Denn die Jugendwerkhöfe gab es wirklich, und nach der Wende gab es darum und um die dort arbeitenden Menschen viel Wirbel.
Insofern ist dieser Fall recht interessant, auch wenn sich die Spannung erst nach und nach ergibt.
Was das Buch nicht erfüllen kann, ist der PR-Spruch auf der Rückseite. Denn im Gegensatz zu den Rügen-Krimi gelingt es Katharina Peters bislang in der Ostsee-Krimi-Reihe nicht wirklichen Lokalkolorit zu verbreiten – und schon gar kein versprochenes Inselflair. Das bloße Aufzählen von Orten, durch die jemand fährt um von A nach B zu gelangen, macht noch kein Lokalkolorit aus.

Katharina Peters: Todeshaff
aufbau taschenbuch, 307 Seiten
7/10

Hits: 61

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Katharina Peters: Todesstrand

Donnerstag, den 31. Mai 2018
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Katharina Peters schreibt seit einigen Jahren die meistens sehr gut geschriebenen Rügen-Krimis. 2017 begann sie eine weitere Romanreihe, die diesmal hauptsächlich in und um Wismar angesiedelt ist. Könnte man zumindest meinen. Betitelt ist die Reihe als “Ostsee-Krimi”.
Die Story ist stark.

Emma Klar arbeitet als Privatdetektivin in Wismar. Sie ist die Neue in der Stadt – und eigentlich ist alles neu, auch an ihr selbst. Sie war früher eine Polizistin. Aber ein Einsatz gegen Mädchenhändler geriet aus dem Ruder, sie wurde überfallen und lange gefangen gehalten. Ihre Peiniger gingen davon aus, dass sie tot ist.
Ist sie aber nicht. Und nun untergetaucht. Mit neuer Identität fängt sie in Wismar neu an. Ihre Detektei ist allerdings ein Vorwand, um verdeckt zu ermitteln.
Bald meldet sich ein Mann bei ihr: Seine 16-jährige Tochter soll Selbstmord begangen hat – er glaubt das aber nicht. Als rauskommt, dass es weitere ähnliche Fälle gibt, wird daraus das ganz große Ding – und auch Emma selbst gerät in einen gefährlichen Strudel.

“Todesstrand” heißt das 1. Buch der Ostsee-Krimi-Reihe. Inhaltlich ist die Story mitunter sehr spannend. In bewährter Art schafft es Katharina Peters alles sehr lebendig zu erzählen. Durch die ständigen Ortswechsel, nimmt sie wieder wieder die verschiedenen Handlungsstränge auf. Lange tappt man als Leser im Dunkeln, ziemlich geschickt tarnt die Autorin die Auflösung, die am Ende allerdings recht schnell kommt.
Schade sind zwei Dinge: Es fehlt an echtem Lokalkolorit. ja, vieles spielt in Wismar. Aber die Handlung erstreckt sich weiter bis Rostock und Sachsen. Die Ostsee spielt eigentlich keine große Rolle, der Roman könnte überall spielen. Es wirkt, als habe einer fertige Story in der Schublade gelegen, und man hat sie dann in eine neue Ostsee-Reihe gepresst.
Und Nummer zwei: der Titel. Selbst als Fan der Reihe verliert man durch die lapidaren, wahllos wirkenden Titel den Überblick, welches Buch man denn schon gelesen hat. Todesstrand. Teil 2 heißt “Todeshaff”. Die Rügen-Romane heißen Hafenmord, Dünenmord, Klippenmord – und so weiter. Richtige Titel mit vernünftiger Kennung der Serie wäre irgendwie spannender.
Dass der Roman schnell gelesen ist – das bleibt aber Fakt.

Katharina Peters: Todesstrand
aufbau taschenbuch, 254 Seiten
8/10

Hits: 45

RTelenovela

Vier-Kirchen-Tour

Mittwoch, den 4. Januar 2017
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Kirchen sind faszinierende Gebäude, ich schaue sie mir gern an und sauge die feierliche Stimmung darin regelrecht ein.
Wer in der Altstadt von Wismar spazieren geht, kann sich gleich vier Kirchen ansehen: Die St.-Georgen-Kirche, die Marienkirche, die Nikolaikirche, die Heiligen-Geist-Kirche.
Wie haben den Neujahrstag genutzt, um diese kleine Tour zu machen.

Das Besondere an Marienkirche: Nur noch der Kirchturm steht, der Rest ist im zweiten Weltkrieg zerbombt worden. Dort wo das Gebäude einst stand, sieht man noch die Umrisse.
Beeindruckend fand ich die riesige St.-Georgen-Kirche, die ebenfalls in den 40ern schwer zerstört worden ist. Nach 1990 begann der Wiederaufbau, und viele Backsteine sind seitdem dort verbaut worden. Dort gibt es sogar einen modernen Fahrstuhl, damit man oben auf dem Dach einen Blick auf Wismar werfen kann.
In der ebenfalls großen Nikolaikirche spielte gerade eine Frau an der Orgel. Es war kein echtes Konzert, es saß kein Mensch in den Bänken. Sie spielte einfach so. Wenigstens zwei Minuten wollte ich mir Zeit nehmen, um ihr zuzuhören.

Hits: 26

RTelenovela

Der Wismarer Störtebeker-Fake

Montag, den 2. Januar 2017
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Für unseren Jahreswechsel 2016/17 hatten wir uns zufällig und scheinbar einen besonderen Ort ausgesucht. In Wismar wohnten wir in der Speicherstraße, und direkt im Haus daneben erblickten wir draußen ein Schild. Es besagt, dass dort der berühmte Störtebeker geboren worden ist. Dolles Ding.
Aber ein Fake.

Unsere Freunde nahmen Silvester an einer Störtebeker-Tour durch die Wismarer Altstadt teil – sie führte allerdings nicht durch die Speicherstraße. Und das hatte seinen Grund.
Es handelt sich nämlich nicht um das Geburtshaus. Angeblich war wohl Alkohol im Spiel, als ein paar Freunde beschlossen, dort dieses Schild zu befestigen. Es ist frei erfunden.
Niemand weiß nämlich so genau, wo Störtebeker geboren worden ist. In der Speicherstraße in Wismar jedenfalls nicht, auch wenn es auf dem Schild steht und man auf diversen Internetseiten das auch so lesen kann.

Hits: 32