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Der Nächste, bitte!

Mittwoch, den 17. Oktober 2018
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MO 15.10.2018 | 11.00 Uhr | RTL

Bei RTL ist ihnen scheinbar aufgefallen, dass ihr Tagesprogramm eigentlich nur noch aus schrottigen Dokusoaps besteht. Und dass das auf Dauer fürs Senderimage nicht ganz so dufte ist.
Mit “Der Nächste, bitte! will man nun ein bisschen Niveau ins Vormittagsprogramm bringen. Am Montag lief die erste Folge.

In der Reihe geht es um Ärzte und ihre Patienten. Um Krankheiten und um Tipps, wie man so loswird oder verhindert. Das ist für RTL-Verhältnisse ein erstaunlich pädagogischer Ansatz, und ob der honoriert wird, bleibt abzuwarten. Bei der Premiere waren bloß 390.000 Menschen dabei.

Gezeigt worden sind Fälle aus mehreren Arztpraxen. Da gab es die Landpraxis im reichen Bayern, die Arztpraxis in München und die Abnehmpraxis in Berlin-Charlottenburg.
Eine Frau will sich ein Magenband legen lassen, um Pfunde zu verlieren, und die OP kommt erstaunlich fix – ganz ohne Beratung. Die wäre vielleicht doch zu langweilig gewesen für RTL. Ein anderer Herr lässt sich seine Haut überprüfen.

“Der Nächste, bitte!” guckt sich so weg. Für ein Ratgebermagazin gibt es zu wenig Ratgeber oder nur extrem oberflächlich. Auch ist zumindest in Folge 1 die schwierige Ärztesituation kein Thema. Stattdessen sehen wir eine Ärztin, die im Wohlstand lebt, eine Landpraxis, in der es dufte läuft, und wo alle zufrieden und glücklich sind.
Stress? Volle Wartezimmer? Ärztemangel auf dem Land? Ausgereizte Budgets? Sind bislang kein Thema in der RTL-Reihe. Kommt ja vielleicht noch. Aber vielleicht wäre das dann doch zu lebensnah. Man möchte ja die Zuschauer nicht verschrecken.

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Werbung: Schau HD TV

Donnerstag, den 11. Oktober 2018
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SO 07.10.2018 | 2.44 Uhr (Mo.) | RTL

Hach, Fernsehen ist ja so toll. Und bei RTL sind sie ja immer so emotional. In einem Werbespot wird das HD-Fernsehen angepriesen – vor allem, weil die Leute extra dafür zahlen müssen, wenn sie RTL und Co. in HD sehen wollen.
Fußball, Formel 1 und Musikshows – solche Glücksmomente könne man nur in HD genießen.

Nun ja. Vielleicht meint RTL ja die Glücksmomente bei den “25 bizarrsten Alltagssituationen, in denen auch Sie morgen landen könnten”. Das kann man sich ja nur in total scharfem HD antun. Auch Chris Tall und seine Haha-Gags funktionieren nur in HD. Die “Exclusiv”-Klatschnews kann man auch nur ertragen, wenn sie wenigstens in HD gezeigt werden. Das Jugendgericht, Strafgericht und Familiengericht bei RTLplus gehen natürlich auch nur in HD.

Vielleicht könnte RTL ja zur Abwechslung mal besseres Fernsehen machen, dann müsste man nicht mehr so viel über Bild-, sondern könnte über die Programmqualität sprechen. Aber für die wenigen Shows, die man bei RTL noch ohne Brechreiz sehen kann, auch noch extra zahlen, um die Brechmittel noch schärfer sehen zu können?
Och nö.

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Der Deutsche Comedypreis 2018: Werbung

Mittwoch, den 10. Oktober 2018
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SO 07.10.2018 | 2.43 Uhr (Mo.) | RTL

Es gab mal eine Zeit, da wurde man wenigstens in der Nacht auf den Privatsendern von Reklame verschont. Dann kam die Epoche der Telefonsex-Spots, wo einem sieben Minuten eine Telefonnummer nach der anderen um die Ohren gehauen worden ist. Bei RTL ist diese Zeit vorbei. Allerdings ist keine wirklich Bessere eingetreten.

In der Nacht zu Montag wiederholte RTL den “Deutschen Comedypreis 2018″. Der bot in der Erstausstrahlung zur Primetime eine Fülle von Werbepausen, die auch in der Nacht-Wiederholung irgendwie bedient werden mussten.
Blöderweise immer wieder mit den immer selben Werbespots.

Eine Zahnklinik in Ungarn bietet billige Behandlungen an, auf einer Internetseite gibt es Klatsch und Tratsch, beim hauseigenen Streaminganbieter kann man “Gute Zeiten, schlechte Zeiten” bis zum Erbrechen sehen, einen SMS-Chat hat RTL auch noch zu bieten, Werbung für RTL in HD, Reklame für den weiteren Streaminganbieter gibt es auch noch, gefolgt von einer Casino-Internetseite.
Gut 20 Minuten später dann der nächste Werbeblock. SMS-Chat, GZSZ-Streaming, Zahnklinik, HD, Klatschseite, Casino, noch mehr Streaming.
Weitere 20 Minuten später hatte der Werbeblock Folgendes zu bieten: Klatschseite, Streaming, HD, Casino, SMS-Chat, Zahnklinik, Casino, GZSZ-Streaming.

So zog sich das durch die halbe Nacht. Danach kann ich sagen: Trotz Reklameterrors werde ich trotzdem nicht nach Ungarn reisen, nicht im Casino zocken, nicht klatschen, nicht streamen, auf GZSZ verzichten und keine SMS verschicken.
Da können die ihre Spots noch so preiswert und im großen Paket für eine 254-fache Ausstrahlung verkaufen.

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RTL News

Dienstag, den 9. Oktober 2018
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SO 07.10.2018 | 1.08 Uhr (Mo.) | RTL

Armer Maik Meuser! Der Moderator der “RTL News” hat am späten Sonntagabend bis nach 1 Uhr ausharren müssen, bis die Nachrichtensendung begann – unangekündigt und mitten in der Werbepause der Wiederholung des Deutschen Comedypreises.
Er begrüßte die Zuschauer, raschelte ein bisschen mit seinen Blättern und kündigte einen Nachrichtenüberblick an.
Dann folgte besagter Nachrichtenüberblick, bestehend aus einer Abfolge von filmischen Kurzbeiträgen und der Wetterkarte.
Schließlich kam Maik Meuser wieder ins Bild, raschelte wieder mit seinen Blättern und verabschiedete sich.

Die Frage darf erlaubt sein: Was soll das? Wozu muss Maik Meuser im Studio sitzen, so tun, als würden auf seinen Blättern Nachrichten stehen, wenn er dann doch nur “Guten Tag” und “Auf Wiedersehen” sagen darf? Wozu brauchen die “RTL News” diese merkwürdige Umrahmung?
Diese Ansage – was anderes ist es ja nicht – ist dann sicherlich um 1.08 Uhr auch nicht live gewesen. Aber kann man sie sich dann nicht gleich ganz sparen und eben nur die Filmchen senden?

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Freundinnen – Jetzt erst recht

Dienstag, den 28. August 2018
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MO 27.08.2018 | 17.00 Uhr | RTL

Drei Freundinnen sitzen in einem Café und machen sich ganz große Sorgen. Denn die vierte Freundin ist gestern bei einer Schlagerparty von einem Typen abgeschleppt worden, und jetzt meldet sie sich nicht. Oh Schreck, und, ähm, oh wie spannend!

Viel mehr passiert in Folge 1 der neuen RTL-Dailysoap “Freundinnen – Jetzt erst recht” (FJER?) nicht. Soll auch gar nicht, denn man möchte die Zuschauer vermutlich um 17 Uhr zum Feierabend nicht mit Inhalten belasten.
Am Montagnachmittag hatte die vierte tägliche Serie bei RTL Premiere, und wir dürfen gespannt sein, wann wieder Schluss damit ist.

Vorher lief auf dem Sendeplatz die Dokusoap “Betrugsfälle”. Jetzt der Genrewechsel, den man den “Freundinnen” aber kaum ansieht. Denn auch diese Serie wirkt wie eine Dokusoap mit eher viertklassigen Schauspielern. Man kann zuschauen, aber eigentlich kann man es auch sein lassen. RTL ist das wurscht, und man gibt das sogar zu: “Im Gegensatz zu einer klassischen Daily sind die Zuschauer nicht gezwungen, jede Folge zu sehen, um der komplexen Handlung inhaltlich folgen zu können. Bei ‘Freundinnen’ muss niemand Angst haben, am nächsten Tag nicht wieder reinzukommen”, sagte Executive Producerin Christiane Ghosh im Interview mit DWDL.de. Heißt: Ob der Zuschauer nun jeden Tag einschaltet, ist egal. Im Grunde ist die ganze Serie egal, Hauptsache irgendjemand schaltet irgendwann aus purer Langeweile zufällig mal RTL an, um sich berieseln zu lassen.

Für Serienschöpfer ist das nichts anderes als eine Bankrotterklärung. Man hat also keine Lust, wirkliche Spannungsbögen aufzubauen. Und das merkt man “Freundinnen” an. Ob man Teil 1 nun gesehen hat oder nicht, ist herzlich egal. Aber ob Menschen herzlich egale Serien ein zweites Mal einschalten?

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Denn sie wissen nicht, was passiert – Die Jauch-Gottschalk-Schöneberger-Show

Mittwoch, den 22. August 2018
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SA 18.08.2018 | 20.15 Uhr | RTL

Es ist einfach anstrengend. Warum müssen Shows in Deutschland drei oder sogar vier Stunden dauern? “Schlag den Henssler” auf ProSieben dauerte am Sonnabend auf ProSieben bis in die Nacht. “Gefragt – Gejagt” im Ersten lief parallel – werbefrei – bis 23.30 Uhr. Und auch die neue RTL-Show “Denn sie wissen nicht, was passiert”, musste bis Mitternacht aufgebläht werden.

Da schafft es RTL die drei großen Showmoderatoren wieder in eine Sendung zu holen: Günther Jauch, Thomas Gottschalk und Barbara Schöneberger. Aber irgendwie ist es nicht gelungen, daraus etwas ganz Großes zu machen.
Die Idee ist schön. Die drei kommen in die Sendung und wissen nichts. Nicht mal, wer moderiert. Das wird – von wem auch immer – dann bestimmt. Am Sonnabend war es der Herr Jauch, der dann unwissend durch den Abend führte.

Nun war auch “Die 2″ schon eine Art Kindergeburtstag. Da spielten aber Jauch und Gottschalk immer zusammen, die Schöneberger moderierte. Das waren klare Verhältnisse und immer wieder lustig, wie sie die beiden irgendwie in Schach halten musste.
In der neuen Show funktioniert das nicht so ganz. Auch, weil ein zweites Promipaar dazu kam, mit dem sich die eigentlichen Stars duellieren müssen. Und: Die Spiele sind oft langwierig, es fehlt an Pepp und an wirklich guten Ideen.
Kann man nicht mal wieder ein kurzes und knackiges Konzept entwickeln, das in zwei Stunden durchgespielt ist?

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Zahltag! Ein Koffer voller Chancen

Freitag, den 20. Juli 2018
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DI 17.07.2018 | 20.15 Uhr | RTL

Bei RTL ist man am Dienstagabend scheinbar aus Versehen aus dem Sommerschlaf erwacht. Statt der einschläfernden Vier-Folgen-am-Stück-Dosis von “Bones – Die Knochenjägerin” lief ein deutscher Sozialporno: “Zahltag! Ein Koffer voller Chancen”.
In der dreiteiligen Reihe geht es um zwei Familien, die von Hartz IV leben. RTL stellt ihnen einen Koffer mit dem Geldbeitrag vor die Haustür, den sie im ganzen Jahr bislang als Hartz-IV-Satz ausgezahlt bekommen haben. Also um die 25.000 Euro.
Im Studio sitzen unterdessen Felix Thönnessen, Ilka Bessin (Ex-Cindy aus Marzahn) und Heinz Buschkowsky und schauen sich an, was die beiden Familien mit der Kohle machen.

“Zahltag!” ist genauso interessant wie unangenehm. Denn was RTL als Sozialexperiment betitelt, ist in Wirklichkeit eine Vorführung von Menschen, die das nicht mal bemerken, weil sie viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind.
Beide Familien melden sich erst mal beim Jobcenter ab – und beide Familien machen dabei den Eindruck, als sei so ein Jobcenter grundsätzlich das allerletzte. Dass der Ex-Politiker Buschkowsky an der Stelle anmerkt, dass man das ja bittesehr auch anders sehen könnte – weil ja Menschen dafür Steuern zahlen, dass anderen Menschen geholfen werden kann, und dass in anderen Ländern niemand da sei, der sie finanziell unterstützt -, ist durchaus richtig. Aber den “Kandidaten” dieser Hartz-IV-Show tut man damit keinen Gefallen, denn man setzt sie einer Öffentlichkeit aus, die in solchen Fällen gern alles andere als zimperlich ist.

Während die eine Familie aus Niedersachsen – allein erziehende Frau mit fünf Kindern – das beste draus macht und einen Imbiss eröffnen will, gibt es da noch die Familie aus Sachsen. Eigentlich wollten sie einen Second-Hand-Shop eröffnen. Aber die Hälfte der 25.000 Euro verdonnern sie in drei Wochen erst mal für Fressorgien, für Einläufe im Bau- und Möbelmarkt. Erstmal neue Möbel. Ganz toll. Der Mann in der Familie findet es einfach geil, mit so viel Kohle rumzulaufen und alles auszugeben. Er schnallt es einfach nicht.

Aber was ist nun schlimmer? Dass die sächsische Familie die Klischees der ach so faulen Hartz-IVer bedient, die ihr gewonnenes Geld kopflos ausgeben? Dass man das bei RTL geschehen lässt? Dass die Experten sich das wasserschlürfend und kopfschüttelnd ansieht? Dass man diese Familie so der Öffentlichkeit aussetzt?
Das ist es, was einen Sozialporno ausmacht. Wenn sich Menschen daran ergötzen und erregen, wie bestimmte Leute handeln. Wenn Menschen eigentlich Hilfe brauchen, man sie aber wurschteln lässt – weil es ja die perfiden Regeln sind.

Und nächste Woche: Klappt das mit dem gebraucht gekauften Imbisswagen bei der niedersächsischen Familie? Bekommt der faule Sachse noch die Kurve – und vor allem: Was wird aus dem sächsischen Ehekrach, der ja auch noch ausgebrochen ist. Das sehen wir nächste Woche beim RTL. “Zahltag!” ist nämlich auch eine Seifenoper – und wir die Voyeure.