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Harry & Meghan

Sonntag, den 20. Mai 2018
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SA 19.05.2018 | 11.00 Uhr | RTL

Oh mein Gott!
Es ist der Wahnsinn!!
Ross Antony war völlig außer sich. Im knallbunten Outfit war er am Rande eines Heulkrampfes. Vor Rührung. Und vor Begeisterung. Um ihn herum standen lauter Leute, die ebenfalls von Sinnen waren. Nur wenige Meter von ihm entfernt – oh mein Gott!! -, fuhr gerade die Kutsche vorbei, in der – kreisch! – Harry und Meghan saßen. Die haben gerade geheiratet und waren nun auf dem Weg zur Party. Ross, selbst Engländer, spürte nun den adeligen Atem seiner monarchischen Vertreter.
Ross kreischte so laut, dass RTL-Klatschtante Frauke Ludowig vermutlich noch ein paar Tage lang an einem Hörsturz leiden wird.

Es war wohl das große Boulevard-Ereignis des Jahres. Prince Harry heiratete seine Meghan. Das konnten sich RTL, ZDF und Co. natürlich nicht entgehen lassen.
Beim ZDF gab man sich am Sonnabend sehr spröde. Bei RTL hatten sie dagegen gar keine Hemmungen, die herrliche Nichtigkeiten zu Sensationen aufzuplustern. Für die Shoppingqueen Guido Maria Kretschmer stand im Mittelpunkt, welches Klamottenmarke denn Meghan nun in die Traukirche schleppen wird. Und welche Farbe das Kleid der Queen haben wird. “Wer Gelb trägt, weiß, ich bin dabei”, war nur eine der aufregenden Weisheiten, die Kretschmer zu verkünden hatte.

Beim ZDF dagegen faselte die Expertin, dass Meghan ja so alt sei, wie Diana, als sie starb. Aua. Dass Meghan afro-amerikanischen Esprit versprüht, fand man total aufregend. Auch, dass Leute wie Meghan früher eher als Personal arbeiteten, musste mal erwähnt werden, und eigentlich wollte man sich als Zuschauer da vor Fremdscham schnell mal einbuddeln.
Übrigens auch, als der Übersetzer bei RTL stur das “I will” von Harry und Meghan als “Ja” dolmetscht.

Aber wenn man vier Stunden auf Sendung ist, muss man eben quasseln, die Zunge qualmt, da war es fast schon eine Wohltat, als beim Trau-Gottesdienst alle mal die Klappe halten mussten.
Na ja, bis auf den Reverend, der meinte, er müsse eine abgefahrene Show abliefern, in dem er minutenlang öde Kalendersprüche rausbrüllte, die Queen vermutlich deshalb schon Rachepläne schmiedete.

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Team Wallraff – Reporter undercover: Pauschalreisen

Mittwoch, den 16. Mai 2018
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MO 14.05.2018 | 20.15 Uhr | RTL

Manchmal fragt man sich ja echt, wie das eigentlich mit den Pauschalreisen funktioniert. Da fliegt man mal fix für wenige hundert Euro nach Griechenland, verbringt zwei Wochen in einem Hoteldorf und darf sich all inclusive morgens, mittags und abends durchfuttern.
Und eigentlich ahnt man ja, wie das funktioniert, aber RTL hat es uns am Montagabend gezeigt. In “Team Wallraff – Reporter undercover” ging es um Pauschalreisen im In- und Ausland.

Da wird über miese Produkte berichtet, die da zusammengemantscht werden. Über schimmliges Brot, das eigentlich noch serviert werden soll. Über Sirupcola, die sehr viel billiger und schlechter ist als richtige Cola oder andere Getränke. Billigfraß eben. Der Barkeeper warnt die Kollegen davor, das pure Wasser aus dem Zapfhahn zu trinken, muss es aber an die Kunden verkaufen.
Reiseleiter werden dazu ausgebildet, ihre Kunden hinzuhalten, teilweise zu belügen und immer so zu tun, als sei alles in Ordnung und als liege die Schuld bei Fehlern (die nie zugegeben werden dürfen) immer woanders. In Deutschland ging es um teure Wohnparks mit runtergekommenen Mobiliar und dreckigem Bad.

Klar, man staunt. Aber andererseits: So richtig überrascht ist man nicht. Außer vielleicht, dass nun mal wirklich aufgedeckt und bewiesen wird, wie getrickst wird. Wie die Kunden verarscht werden. Wie die Kunden gern mal als die eigentlichen Feinde angesehen werden, weil sie ja Fehler erkennen und monieren könnten.
Aber andererseits zahlen wir gerade bei Pauschalreisen in die Türkei, nach Griechenland oder andere Länder inzwischen so wenig Kohle, dass man sich schon fragen muss, wo es denn herkommen soll, das Geld für gutes Essen und guten Service.
Anders in Deutschland: Da zahlt man in einigen Markenparks so viel Geld und bekommt einen Standard, der einfach nur noch mies ist, weil nicht investiert wird.

Vielleicht sorgen Günter Wallraff und sein Team dafür, dass Reiseveranstalter in Zukunft genauer hingucken, was sie den Kunden anbieten. Aber auch, dass die Kunden genauer hinsehen, was sie denn da eigentlich buchen – und ob man nicht anderswo etwas mehr Geld zahlen will und dafür hoffentlich einen besseren Service bekommt.

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Spiegel TV Magazin: 30 Jahre Spiegel TV

Dienstag, den 15. Mai 2018
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SO 13.05.2018 | 22.45 Uhr | RTL

Peter Kloeppel, der RTL-Nachrichtenmann sagt, RTL brauche ein Magazin wie “Spiegel TV” ganz dringend, weil sich Kollegen die Zeit nehmen können, am Sonntagabend über Krisen und Politik berichten zu können.
Bei RTL findet man, dass RTL am Sonntagabend ganz dringend Spielfilme und Shows senden muss, deshalb wollte man das “Spiegel TV Magazin” eigentlich auch ganz gern loswerden, weil die Quoten nicht gut genug sind. Deshalb sendet das Magazin demnächst auch nicht mehr sonntags, sondern erst montags um 23.25 Uhr.

1988 ging “Spiegel TV beim damaligen RTL plus auf Sendung – aber nicht weil RTL ein journalistisches Magazin senden wollte, sondern weil sie mussten. “Spiegel TV” sendet bei RTL, weil der Privatsender Sendezeiten an Fremdanbieter abgeben muss. Ging es nach RTL, gäbe es “Spiegel TV” so vermutlich gar nicht.

Dennoch waren auch RTL-Stars am Sonntagabend voller Bewunderung über die 30 Jahre Spiegel TV. Zur Jubiläumssendung äußerten sich Peter Kloeppel, Ulrike von der Groeben, Birgit Schrowange und weitere über Berichte der Sendung.
Dafür hat das “Spiegel TV”-Team die besten Hochglanz-Reportagen noch mal rausgekramt. Flüchtlingswelle, Mauerfall, Unruhen, Pegida, unbequeme Reportagen, Gesellschaftsbeobachtungen.
Hat man das alles gesehen, konnte man den Eindruck haben: Wow, was hat RTL da für eine Perle im Programm. Und in der Tat gab und gibt es diese Perlen in dem Magazin auch. Aber eben leider auch viel Boulevardschrott, mitunter hämische Promibeiträge und Fremdschämreportagen, die von der zimtzickigen Moderatorin mit heuchlerisch angewidertem Gesichtsausdruck angesagt werden. Aber davon haben sie in der Jubiläumssendung nichts gezeigt. Aber klar: Schrott vergräbt man.

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Der Chef bekommt die Quittung

Freitag, den 4. Mai 2018
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MI 02.05.2018 | 20.15 Uhr | RTL

Ach, waren die bei RTL aber wieder hammermäßig gut drauf! Alle! Das Publikum belachte jeden Gag lautstark und applaudierte ständig. Ebenso die Kandidaten, die alles unfassbar lustig fanden. Und der Moderator sowieso.
Alles tutti also bei RTL.

Am Mittwochabend lief die erste Folge der neuen Show “Der Chef bezahlt die Quittung”. Mitarbeiter einer Firma spielen gegen den Chef, und der darf am Ende den Gewinn zahlen. So weit so okay.
Der Chef wusste am Anfang natürlich noch nichts davon, er dachte, RTL dreht in der Firma ein Porträt. Da klopften sich schon alle auf die Schenkel. Immer wieder gab es im Hintergrund laute Publikumslacher.

Aber irgendwie muss RTL im Schnitt ganz schön nachgeholfen haben. Anders ist es nicht zu erklären, dass man hin und wieder Leute klatschen sah, aber nicht klatschen hörte. Oder dass Leute zu hören waren, die klatschten, aber im Bild alles still saßen. Oder dass mittendrin plötzlich irgendwelche Lacher kamen, und man am Tonunterschied schon hörte, dass der reingeschnitten war. Mitunter saßen Leute im Publikum, die Sekunden später plötzlich als Kandidaten auf der Bühne standen.
Moderator Ralf Schmitz wirkte den ganzen Abend wie aufgezogen, wie ein angestrengter Clown, der alles dafür tut, dass man denke könnte, irgendwas sei zum Schreien komisch.

Mal abgesehen davon, dass es zwar nett ist, bei einer Firmenfeier zuzusehen, aber eben auch nicht besonders spannend – die aufgesetzte gute Stimmung war sehr anstrengend. Und wenn versucht wird, eine Show auf Biegen und Brechen auf Lustig zu schneiden, dann erreicht man zumindest bei mir das Gegenteil.

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Deutschland sucht den Superstar: Halbfinale 2018

Montag, den 30. April 2018
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SA 28.04.2018 | 20.15 Uhr | RTL

Auch 2018 wird Deutschland keinen Superstar bekommen. Jedenfalls keinen, der in der RTL-Castingshow “Deutschland sucht den Superstar” gefunden wird.
Das kann man nach dem Halbfinale 2018, das am Sonnabend über die Bühne ging, schon mal sagen.

Staffel 15 neigt sich dem Ende entgegen, am kommenden Sonnabend läuft das große Finale. Und ich bin immer noch dabei, bin dem Format treu. Ich mag die Castingphase, weil da in kurzer Zeit recht viele Leute an der Jury vorbeigeschleust werden, und immerhin verarscht RTL seine Kandidaten nicht mehr so übel wie früher.
Aber: Es bleibt nichts haften. Oder eher: Es bleibt niemand haften.

Vier Leute haben es ins Finale geschafft, und das Problem ist: Eigentlich sind mir diese vier Leute ziemlich wurscht. Ich weiß nicht mal mehr die Namen. Von den vier können zwei bis drei ganz gut singen, aber es sind keine spannenden Charaktere dabei. Es sind weichgespülte Dings, die keine Ecken und Kanten haben, die eigentlich nicht wirklich herausragen, die auch in den vergangenen Wochen keinen Wow-Auftritt hingelegt haben. Wie es überhaupt lange keinen echten Wow-Auftritt in der jüngeren DSDS-Vergangenheit gab.

Einer der vier Finalisten wird also “Superstar”, aber alle sind sie verwechselbar, sie haben nichts, woran man sich fünf Minuten nach Sendungsende noch erinnern könnte.
Deshalb werde ich mir das Finale sicherlich ansehen. Ein Highlight wird es aber nicht, wer gewinnt, werde ich irgendwie wahrnehmen. Wenn er oder sie Glück hat, ist der Gewinnersong einigermaßen Ohrwurm-tauglich. Aber längerfristig wird das nichts.

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Raus aus den Schulden – Promi-Spezial

Dienstag, den 24. April 2018
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MO 23.04.2018 | 20.15 Uhr | RTL

35.000 Euro hätte Naddel, die nicht mehr Naddel genannt werden möchte, auf Mallorca verdienen können. Eine Saison lang wäre sie zweimal pro Woche auf einer Party aufgetreten. Aber Nadja Abd el Farrag hatte leider keine Lust auf Mallorca. Da kennt sie doch keinen, und das für zwei Auftritte pro Woche. Was soll sie denn in der restlichen Zeit machen?
Kein Wunder, dass Peter Zwegat schon wieder zu Naddel-Nadja eilen musste, um mit ihr über ihre Schulden zu sprechen. Zwei Stunden lang in der RTL-Primetime ging es um die Schulden einer Frau, die man eigentlich nur noch bemitleiden kann.

Was bringt einen bloß zu, seine tiefgreifenden Lebensprobleme derart im Fernsehen auszubreiten. Einer breiten Öffentlichkeit vorzuführen, wie unfähig man ist, ein geregeltes Leben zu führen? Zu präsentieren, wie man einen Job nach dem anderen zu versemmeln? Wobei ja Nadja davon ausgeht, dass sie nie schuld hat an ihrer Situation.

Nervös wirkt sie, fahrig, ständig zappelt sie, greift sich ins Gesicht und in die Haare. Sie sieht schlecht aus, ihr Gesicht ist fleckig. Sie muss vor Zwegat den Alkoholtest machen, weil alle Welt denkt, sie saufe sich um ihr Leben. So wirkt sie leider. Das Atemalkoholgerät zeigt einen Wert von 0,0. Das ist hoffentlich nicht gefaked. Wäre Naddel Alkoholikerin, wäre ein Wert von 0,0 Promille undenkbar. Stattdessen hat sie eine Erwachsenen-ADHS. Muss man dann wohl glauben.

Die Sendung heißt zwar “Raus aus den Schulden”, aber so richtig schafft selbst Peter Zwegat das nicht. Ein wenig wirkt er, als verzweifele er an seiner prominenten Kundin. Wenn sie keinen Bock auf ihre Jobs hat (oder, ja, es wegen ihrer ADHS irgendwie nie so richtig hinbekommt), dann kann sie auch kein Geld in die Kasse bekommen.

Ob man das als Zuschauer eigentlich alles wissen will oder muss, sei mal dahin gestellt. Aber die Naddel-Schulden-Sause war ein ziemlich unangenehmer Sozialporno.

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Hebammen im Einsatz

Donnerstag, den 12. April 2018
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DI 10.04.2018 | 11.00 Uhr | RTL

RTL ist ausnahmsweise mal auf der Höhe der Zeit. Also, so ganz grundsätzlich. Dort ist diese Woche eine neue Dokureihe angelaufen. Es geht um Hebammen.
Der Beruf der Hebamme war kürzlich verstärkt in den Medien präsent. Wegen der extrem teuren Versicherung, die Hebammen zu zahlen haben – und die diesen Beruf kaum noch einträglich machen, was natürlich ein Skandal ist.
Darum geht es in der RTL-Dokureihe. Nicht.

“Hebammen im Einsatz” dreht zwar in der Tat um den Beruf der Hebamme. So wird eine Familie besucht, die sich Ratschläge für den richtigen Umgang mit dem Baby sucht. Über das richtige Baby-Bäuerchen. Auch eine werdende Mutter ist ein Thema, und die Hebamme untersucht die Frau und ihren Bauch.

Gut und schön. Aber eigentlich viel zu wenig RTLig. Da muss doch noch ein bisschen Krawall her. So eine Familie am Abgrund.
In der Folge am Dienstagvormittag ging es deshalb um eine junge Frau und ihren Freund. Das Baby wurden ihnen weggenommen. Nun war die Hebamme da, um zu klären, wie es weiter gehen soll. Das Bad war zugemüllt, die Wanne als Abwaschbecken missbraucht, das Geschirr und Wasser daran schon faulig. Die Küche ist nicht zu gebrauchen. Da kann kein Baby leben.
Die Hebamme versucht zu retten, was zu retten ist, aber die Frau war bockig. Schimmel? Ach was, gestern hat sie noch in der Wanne gebadet, das könne ja nicht sein, dass der Dreck schon länger da drin liegt. Und jetzt aufräumen? Da mache sie sich ja dreckig. Das könne sie doch morgen noch. Als die Hebamme widersprach, hatte die Frau ohne Baby erst recht keinen Bock mehr.
Endlich Krawall! So kennen wir RTL! Wäre doch sonst viel zu langweilig im Vormittagsprogramm!