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Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!: Auftakt 2020

Samstag, den 11. Januar 2020
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FR 10.01.2020 | 21.15 Uhr | RTL

Es herrscht mal, und fast wird es ja langsam langweilig, mal wieder Empörung. Denn in Australien brennen die Wälder, und RTL hat nichts Besseres zu tun, als trotzdem sein Dschungelcamp zu eröffnen.
Sogar der SPD-Rentner Karl Lauterbach schaltete sich in die Debatte ein, um uns mitzuteilen, dass er es unmöglich findet, was RTL da mache. Es handele sich um einen Tanz auf dem Vulkan.

Das ist natürlich Unsinn.
Am Freitagabend startete RTL mit der 14. Staffel von “Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!”, und schon lange hatte der Sender nicht mehr so viel PR – noch vor Beginn.
Jeder, der – warum auch immer – was auf sich hält, flutete Facebook und Twitter mit der Empörung darüber, dass es in Australien brennt, und trotzdem in Australien eine Unterhaltungsshow startet.
Dass Australien ein riesiges Land, ein ganzer Kontinent ist, ist viele scheinbar nicht aufgefallen. Auch wenn die Brände verheerend sind, die Dramatik groß ist – nicht das komplette Land ist betroffen. Das Camp liegt in keiner Gefahrenzone, nicht mal ansatzweise.
Das wäre, als wenn man in Berlin in Lethargie verfällt, weil in Italien einen Megabrand gibt. Dabei gibt es selbst im australischen Fernsehen auch in der aktuellen Situation Unterhaltungsprogramme. Lustigerweise läuft dort auch gerade eine neue Dschungelcamp-Staffel – die dort allerdings in Südafrika produziert wird.

Zumal man dem RTL-Team vor Ort nach 14 Jahren durchaus zutrauen sollte, mit der Situation umzugehen. Es gibt viele Australier im Team, und gerade die haben den Deutschen offenbar Mut gemacht, trotzdem weiter zu machen. Weil eine Absage Australien nichts bringt. Weil eine Absage keinen Brand löscht.
Und weil RTL so eher Aufmerksamkeit schafft. Zu Beginn riefen Sonja Zietlow und Daniel Hartwich zu einer Spendenaktion auf. RTL selbst gibt 100.000 Euro, und zum Finale soll es weitere Finanzmittel geben. Allerdings sollte RTL auch innerhalb der Sendung mehr Infos zur Spendenaktion geben und nicht nur aufs Internet verweisen.

Ach ja, und die Stars? Das Potenzial für eine interessante Staffel ist da. Elena aus dem Sommerhaus könnte wieder keifen. Die Ex vom Wendler könnte für Klatsch sorgen, die Witwe von Jens Büchner und die Ex von Ernesto Dingsbums (der mit dem vergrößerten Penis) haben sich gleich am Anfang gezofft. Prince Damien ist ganz locker drauf, ebenso Sven Ottke und Sonja Kirchberger. Nur Professor Doktor Günther Krause war plötzlich wieder weg – aus gesundheitlichen Gründen nach Tag 1 schon wieder ausgeschieden. Da kommt doch sicher ein Nachrücker?

-> Die Sendung bei TV Now

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Das war 2019!

Dienstag, den 31. Dezember 2019
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Das Medienwort des Jahres ist vermutlich 2019 ein Name: Greta. Greta Thunberg ist 16, Schwedin und die wohl bekannteste Umweltaktivistin unserer Zeit. Kommt Greta ins Spiel, dann werden alle nervös. Die Medien, weil sie mit Greta-Artikel wieder Klicks bekommen. Die Fans, weil sie Greta für alles feiern. Die Hasser, weil sie Greta für alles, nun ja, hassen.
2019 ist das Jahr – wie auch 2018 und 2017 und … – der Shitstorms, deren Wellen in immer kürzen Abständen durch das Web rollen. Immer wieder ist irgendwo die Empörung groß, weil irgendwer irgendwas gesagt hat, was irgendwer aus irgendwelchen Gründen ganz schlimm fand.

Schlimm findet die CDU im Jahr 2019 das Internet aber auch. Ein gewisser Rezo ist es, der auf Youtube vor der Europawahl von der “Zerstörung der CDU” spricht. Bis Jahresende hat das Video 16,49 Millionen Klicks, darin zählt Rezo die Versäumnisse der Politik auf, gerade in Sachen Umweltbelange. Man solle doch nicht die CDU wählen, und die SPD eigentlich auch nicht, die AfD ebenfalls nicht.
Das schlägt Wellen, nicht nur bei dem Wahlergebnis. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer spricht danach davon, dass es ja nicht sein könne, dass Youtuber auf diese Weise Wahlen beeinflussen wollen.
Die CDU will mit einem Antwortvideo kontern. Philipp Amthor soll es richten, und das Video wird so geil, dass es danach nicht veröffentlicht wird. PR-Desaster. Genau wie das Monate danach gestartete Youtube-Format “CSYou”.
Aber mit PR-Desaster kennt sich Annegret Kramp-Karrenbauer aus. Ende Februar tritt sie beim SWR im “Stockacher Narrengericht” als Klofrau auf – wie jedes Jahr. Mit Witzen über das dritte Geschlecht – “Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen.” – sorgt sie für Zoff. Darf sich eine so hohe Politikerin so über Randgruppen lustig machen? Das ist die Frage.

Und worüber dürfen sich eigentlich Komiker noch lustig machen? Über Frauen mit Doppelnamen jedenfalls nicht. Kramp-Karrenbauer. Bernd Stelter bekommt beim “Karneval in Köln” jedenfalls Besuch auf der Bühne. Eine Zuschauerin teilt ihm Auge in Auge mit, dass sie seine Doppelnamen-Gags irgendwie doof findet. Nur eine Woche später stürmt eine Frau die Bühne des “Moma-Cafés” des ZDF-Morgenmagazins. Sie wollte wissen, ob denn hier eigentlich alle einen anlügen, sie sprach von Lügenpresse, Lügenfresse und wollte fragen, ob bei ihr die Mainzelmännchen zu Hause seien. Alles ganz wichtige Fragen, die dringend geklärt werden müssen.

Oh, Moment: Greta hat wieder was gesagt. Sie fordert mehr Panik. Wichtige Sondermeldung. Es folgen Lob und Empörung.

Apropos Empörung: Rammstein hat sich was Dolles geleistet. In einer Vorschau für den Song und das Video zu “Deutschland” werde der Holocaust relativiert. Heißt es. War dann aber nicht so, der Shirtstorm rollte trotzdem durchs Twitterland.
Sat.1 löst seine Shitstorms lieber im Ausland aus: in Thailand. Ach was, ein Krieg steht im Raum! Im Frühstücksfernsehen reißen sie blöde Witzchen über den thailändischen König. Der und angeblich ganz Thailand finden das empörend, und bei Sat.1 schmeißt man sich in den Staub und entschuldigt sich untertänigst. Fast fließen Tränen. Ohje. Wird Sat.1 etwa zur Strafe zum thailändischen Regierungsfernsehen?
ARD und ZDF in Deutschland sind diesem Vorwurf auch 2019 immer wieder ausgesetzt. Dabei zeigen Formate wie “Die Anstalt”, “heute show” und “Extra 3” dass das nun wirklich nicht sein kann. Und auch Magazine wie “Report”, “Kontraste” oder “Frontal 21” decken Skandale auf, die der deutschen Politelite sicherlich nicht gefallen haben.

Achtung, Greta hat wieder was gemacht. Mit einem Schiff reist sie über den Atlantik in die USA. Jubel von den Fans. Kritik von den anderen, und überhaupt, das ist ja aus Gründen gar nicht so umweltfreundlich, wie alle sagen.

Bloß keine Schwäche zeigen. Nicht immer gelingt das. Ein Bundestagsabgeordneter bricht am Rednerpult zusammen, live übertragen von phoenix und dem Parlamentsfernsehen. Vorher machen sich die AfD-Leute noch lustig über ihn, als er beginnt zu stocken. Bei einem Auftritt stolpert Peter Altmeier nach einer Rede und fällt von einer Treppe. Das sieht böse aus. Gleich mehrere Male bekommt Kanzlerin Angela Merkel Zitteranfälle. Es beginnt das große Rätseln über eine mögliche Krankheit. In allen drei Fällen verbreitet sich über das Netz auch eine Welle der Häme. Politiker haben keine Schwäche zu zeigen, immerhin bekommen die doch so viel Kohle und tun dafür nichts, so wird, nun ja, debattiert.
Vor einem Millionenpublikum kollabiert “Tagesschau”-Sprecher Jan Hofer. Er wirkt fahrig, seine letzte Ansage kann er nicht mehr machen, die Sendung wird abgebrochen. Tage zuvor war er noch von morgens um kurz vor 10 bis nachts nach 23 Uhr in jeder Nachrichtensendung on Air. Bei der ARD will man von Überarbeitung nicht sprechen.

Ein bisschen flottere Arbeit wünscht man sich dagegen von der “Tagesschau” an dem Abend, als in Paris Notre Dame brennt. Eine kurze Sondersendung im Ersten und später eine hektisch zusammengestellte Live-Übertragung bei tagesschau24 lösen die Debatte über die Schnelligkeit der Nachrichtenübermittlung aus. Ob die stundenlangen Mutmaßungen und Kameraschwenks über die brennende Kathedrale bei ntv besser sind, ist unklar.
Legendär sind dagegen die stundenlangen Übertragungen aus dem britischen Parlament. Stichwort 1: Brexit. Stichwort 2: Order!

Greta! Jetzt bekommt sie auch noch die Goldene Kamera! Das Mädchen haut wieder eine Rede für den Klimaschutz raus, und kurz danach bekommt die Schauspielnewcomerin einen SUV geschenkt. Glückwunsch!

Schalten wir besser mal nach Österreich. Dort heißt das Wort des Jahres nicht “Greta”, sondern “Ibiza”. FPÖ-Rechtspopulist Hans-Christian Strache lässt sich von einer versteckten Kamera reinlegen. Auf Ibiza trifft er sich mit einer angeblichen Oligarchin. Es geht um Investitionen in Österreich und um Gefälligkeiten, die die Pressefreiheit aushebeln. Aus für die FPÖ in der Regierung. Pressekonferenzen. Neuwahl. Mega-Quoten für den ORF2.
In Deutschland dagegen sorgen die Rechtspopulisten der AfD immer wieder für Schlagzeilen. Bjö…, äh, Bernd, äh, Björn Hocke bricht ein Interview mit dem ZDF ab, weil er emotional aufgewühlt sei. Und er werde nie wieder ein Interview mit dem Journalisten führen, was er bedauern könnte, wenn Höcke mal eine wichtige politische Persönlichkeit sei.
Der mdr dagegen setzt Uwe Steimle gleich ganz ab. Oder besser: beschäftigt ihn nicht weiter. Darüber ist Uwe Steimle empört. Er würde gern vom mdr, den er für einen Staatsfunk hält und der regierungsnah sei und rückständig, weiterarbeiten. Der mdr sieht das anders. Der Arbeit- und Geldgeber mag es nicht, beschimpft zu werden. Uwe Steimle, das Opfer. Findet Uwe Steimle. Er redet von einem Berufsverbot. Seine Auftritte sind ausverkauft. Dort erzählt er dann von seinem Berufs, … ähm. Merken Sie selbst, oder?
Dieter Nuhr soll übrigens auch neurechts sein. Er äußert sich kritisch zu “Fridays for Future” und zu Greta. Dass er sich auch kritisch zur AfD äußert, scheint egal zu sein. Meinungsfreiheit gegen die Forderung, Dieter Nuhr abzusetzen.

Und, ach ja. Greta. Dieter Nuhr hat wieder was Böses über Greta gesagt. Bringt Schlagzeilen. Bringt Klicks. Lob und Hass, na, Sie wissen schon.

2019 hat auch Comebacks parat. Jörg Kachelmann feiert seine Rückkehr in die ARD. Er darf wieder das “Riverboat” im mdr moderieren, wo auch gleich die Quoten steigen. Der Deutsche Fernsehpreis kommt mit einer Gala zurück, in den vergangenen Jahren wurde eher spartanisch gefeiert. Die Rettungsschwimmer aus Malibu sind wieder da – und das auch noch in HD. “Baywatch” auf Nitro jetzt noch schärfer. Die Youtube-Star-Zwillinge, die Lochis, verkünden das Ende ihrer gemeinsamen Karriere. Jahrelang haben sie klickstarke Videos und am Ende auch Songs produziert. Durch die Jugend geht ein Ruck. Zlatko kehrt ins “Big Brother”-Haus zurück. 2000 war er schon mal drin, 2019 als “Promi”. Sat.1 jazzt das zum Comeback des Jahres hoch. Es erweist sich als laues Lüftchen. Domian meldet sich mit einer Talkshow im WDR zurück – ganz ohne Telefon. Pittiplatsch ist wieder da – fast 30 Jahre nach dem Aus im DFF. Und auch Jürgen Kuttner macht wieder den “Sprechfunk” – allerdings erstmal nur im Internet auf radioeins.de.
Ein Comeback – also zumindest für 30 Minuten – hat auch ein gewisser Ernesto. Ihn kennt man als Ex-Mann von einer Ex-Anwältin in einer RTL-Trashshow. Nun tritt er in einer RTL-II-Trashshow auf. Nackt. Aber: Sensation! Nach einer Penis-Vergrößerungs-OP! Das schauen wir uns doch mal genau an. Und, ähm, ein bisschen, nun ja, haben wir uns da schon mehr…. ähm… also…

Das irritierendste Comeback 2019: tm3. Der Sender Family.TV nennt sich in tm3 um. Die Rechte am Markennamen waren frei, mit dem tm3 von damals hat das aber nichts zu tun. Doch das Glück hält nicht lange, Wochen später wird der Sender abgeschaltet. Immer wieder gibt es Lizenzprobleme, der Betreiber von Family.TV/tm3 zeigt Sendungen im Programm, an denen er gar keine Rechte hat. Zwangs-Aus.
Unfreiwillig und mit großem Knall endet auf radioeins die freitägliche Comedy “radiozwei”. Als sich Tommy Wosch und Martin “Gotti” Gottschild live on Air ernsthaft zoffen, ist es aus. Erst im Herbst kehrt Wosch allein mit einem neuen Format zurück.
Abschied nehmen heißt es auch vom “Neomagazin Royale”. Jan Böhmermann verlässt zdf neo, um im Herbst 2020 mit neuer Show beim ZDF weiterzumachen.
Nächtliche Spitzeneinschaltquoten erzielt Sky mit der letzten Staffel von “Games of Thrones”. Doch viele Fans sind enttäuscht darüber, wie die Serie endet.
Der langsame Abschied von der “Lindenstraße” geht dagegen weiter. Am 20. Dezember ist Drehschluss. Noch drei Monate. Ende März 2020 ist dann auch im Fernsehen Schluss.

Auch viele bekannte Menschen sind nicht mehr da. Abschied für immer. Bruno Ganz, Hannelore Elsner, Doris Day, Billie Zöckler, Lisa Martinek, Ursula Karusseit, Luke Perry, Wolfgang Winkler, Jan Fedder, Rudger Hauer, Gerd Baltus, Helmut Krauss, Peter Fonda, Max Wright und Ken Kercheval werden als Schauspieler fehlen. Die Sportler Rudi Assauer, Matti Kykänen und Niki Lauda. Die Musiker Marie Fredriksson, Peter Schreier, Karel Gott, Costa Cordalis, Wiglaf Droste, Keith Flint, Gus Backus, Alphonso Williams und Mark Hollis. Die Moderatoren und Journalisten Wilhelm Wieben, Wiebke Bruhns, Manina Ferreira-Erlenbach, Franziska Pigulla, Michael Jürgs, Werner Doyé und Walter Freiwald. Die Politiker Manfred Stolpe, Jörg Schönbohm, Robert Mugabe, Klaus Kinkel, Jacques Chirac und Anke Fuchs. Weltraumfahrer Sigmund Jähn, Autorin Rosamunde Pilcher, Kabarettist Werner Schneyder, Produzent Artur Brauner, Comiczeichner Guillermo Mordillo, Unternehmer Ferdinand Piech, Weltenbummlerin Heidi Hetzer, Designer Luigi Colani und Modeschöpfer Karl Lagerfeld.

Vor dem Aus gerettet wird dagegen der Berliner Verlag. Dran hängen unter anderem die Berliner Zeitung und der Berliner Kurier. Das Berliner Unternehmerpaar Silke und Holger Friedrich kauft den Verlag von der DuMont-Mediengruppe. Freude und Misstrauen. Immerhin sind die beiden kaum medienerfahren. Und dann kommt auch noch raus, dass bei Holger irgendwas mit der Stasi ist. Was er zunächst verheimlicht. Die Euphorieblase platzt.

Bei den Sendern platzen 2019 diverse Hoffnungen. RTL landet mit der Daily-Soap “Herz über Kopf” einen Flop. VOX versucht es mal wieder mit der schon öfter gefloppten Actionshow “Survivor” – und scheitert. Das ZDF hat kein Glück mit “Mein Lied für dich” und “Sorry für alles”.
Richtig gut läuft es dagegen weiter für den “Tatort” aus Münster. Der Fall “Spieglein, Spieglein” erreicht 14,01 Millionen Menschen. Quotenrekord 2019.

Und Greta? Müsste die nicht bald mal auf dem Schiff wieder in Lissabon angekommen? Nachrichtensender zeigen live und eine halbe Ewigkeit, wie ein Schiff aus dem Atlantik in Portugal anlegt.

Wird über Greta vor allem im Netz geredet, spielt sich auch das Mediengeschehen selbst zunehmend im Netz ab. Das herkömmliche analoge Fernsehen ist weiter auf dem Rückmarsch. Netflix begeistert mit Serien wie “Wir sind die Welle”, “Die Patchwork-Familie”, “How to sell Drugs online (fast)” oder “Sex Education”. Amazon Prime mit “Pastewka”. Außerdem geht Joyn an den Start, TV Now der RTL-Gruppe bietet unter anderem mit “Prince Charming” exclusiven Content. Und natürlich Youtube mit unendlich vielen Videos sowie diversen Funk-Formaten wie “Druck”.
Das Fernsehen muss sich anstrengen, wenn es weiter Aufmerksamkeit will. Das gelingt zum Beispiel mit “24h Europe” (arte), “Chez Krömer” (rbb), “Die Geschichte eines Abends” (NDR), “Käthe und ich” (Das Erste), “Die Unsichtbaren” (Das Erste) oder “Der Club der singenden Metzger” (Das Erste).

Was gab es sonst so? Thomas Gottschalk moderiert beim BR eine Literatursendung. Ja, wirklich! Bei Lanz zoffen sich Hasselhoff und Lindner. Hasselhoff gewinnt. Ja, echt! Böhmermann sagt was im ORF, und die Moderatorin distanziert sich. Ja, mei! Luke Mockrige prankt den “ZDF-Fernsehgarten” und ist … ähm, irgendwer fand das sicher lustig. Bei Funk gibt es eine 72-stündige Talkshow. Live! Und danach drei Tage Tiefschlaf. Die EU hat ein neues Urheberrecht. Und Youtube stirbt. Oder so ähnlich.
Achso, und: “I’m sorry! Zero Points!”

Schauen wir ein letztes Mal zu Greta: Die war auf dem Klimagipfel. Der war enttäuschend. Aber, bitte: Was war das denn?! Greta im ICE! Auf dem Boden sitzend! Wo sie doch 1.-Klasse-Tickets hatte!!! War dann zwar alles ein bisschen anders, aber da rollte der Shitstorm schon. Ist ja eh alles wurscht. Hauptsache Greta.

Nicht vergessen dürfen wir zu guter Letzt aber noch diese Feststellung. Enissa Amani ist eine Komikerin.
Echt!
Alles Gute für die 20er-Jahre.

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Prince Charming

Donnerstag, den 28. November 2019
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DI 26.11.2019 | 0.00 Uhr (Mi.) | TV Now

Dass die spannendste Datingshow des Jahres, von RTL produziert, gar nicht bei RTL läuft, ist bemerkenswert. Andererseits ist völlig verständlich, dass die RTL-Gruppe ihren Streamingdienst TV Now irgendwie nach vorn bringen muss und will. Das geht nur mit exclusiven Inhalten. Dennoch hätte “Prince Charming” ein größeres Publikum verdient.

“Prince Charming” wird von RTL als “Deutschlands erste schwule Datingshow” bezeichnet. Das kann ich mir zwar kaum vorstellen, dass es so was noch nicht gegeben haben soll, aber es klingt für die PR natürlich sehr gut.

Die achtteilige Reihe – immer in der Nacht zu Mittwoch kommt die neue Folge – funktioniert im Grunde wie der “Bachelor”. Nur eben ausschließlich mit Männern. Nicolas ist Prince Charming, und in Folge 1 hatte er es mit gleich 20 Männern zu tun, die um ihn buhlen. Wie bei “Big Brother” und anderen Formaten beobachten wir das Geschehen auf dem Gelände, es gibt Spiele und Einzeldates, und am Ende geht es nicht um Rosen, sondern um Krawatten. In Folge 1 wurden Krawatten verteilt, die müssen die Männer nun von Folge zu Folge verteidigen.

Inzwischen sind fünf Folgen gelaufen, und es ist erfreulich, wie sich die Reihe entwickelt. Nun ist “Prince Charming” natürlich kein intellektuelles Fernsehen, aber doch tiefgründiger, als man hätte denken können.
Wenn 20 schwule Männer aufeinandertreffen, dann sind das auch viele verschiedene Typen. Vom Macho und Proll, über Models bis zum “Jungen von nebenan”. In der Szene am bekanntesten ist wohl Lars aus Düsseldorf, der den Podcast “Schwanz & Ehrlich” betreibt.

Natürlich gibt es untereinander Zickereien und Zoff, aber auf die großen Gay-Klischees wird in der ganzen Reihe weitgehend verzichtet – zumal eventuelle Vorurteile gegenüber den Kandidaten auch beim Zuschauer abgebaut werden, und Prince Charming ist ebenfalls erfreulich vielschichtig. Er ist kein Proll, sondern erfreulich sympathisch und fast schon zurückhaltend.
Und natürlich macht RTL es auch spannend. Weniger und gar nicht durch ein Skript, aber es zeichnet sich auch nach Folge 5 noch nicht so richtig ab, für wen sich Prince Charming am Ende entscheiden könnte. Hat er ein romantisches Einzeldate, turtelt er wenig später mit anderen Kandidaten.
Ganz klar: Mit “Prince Charming” macht RTL viel richtig. Denn diese Datingshow ist viel weniger freakig und trashig als so manche Hetero-Datingshows.

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RTL Fußball: Deutschland – Argentinien

Samstag, den 12. Oktober 2019
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MI 09.10.2019 | 20.25 Uhr | RTL

“Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche…”
“Halt die Fresse!”

Vor dem Fußball-Freundschaftsspiel von Deutschland und Argentinien sollte es am Mittwochabend eine Schweigeminute geben. In Dortmund sollte an die Ereignisse von Halle gedacht werden – und vor allem an die Opfer des rechtsextremen Amokschützen, der einen Angriff auf das jüdische Leben in Deutschland starten wollte.

RTL übertrug das Spiel und somit auch die Schweigeminute. Es ist nicht einfach, in einem großen Stadion für echte Ruhe zu sorgen.
Ein Typ fand es ganz offenbar schrecklich lustig und geistreich, die Nationalhymne zu singen. Ob er rechtsextrem, abgrundtief dämlich oder beides ist, kann man nur vermuten. Jemand anderes brüllt ihn jedenfalls nieder.
Dass eine Schweigeminute mit Jubel und Gelächter endete – auch Nationalspieler Serge Gnabry musste lachen – ist, nun ja, ungewöhnlich, aber in dieser Situation sicherlich nicht zu ändern gewesen.
Dass es jemanden gab, der Zivilcourage hatte und einfach mal dazwischenzubrüllen, ist gut. Man hätte vielleicht danach kurz mal überlegen sollen, einfach die Schweigeminute zu verlängern, gern auch nach einer weiteren kurzen Ansage. So von wegen: Nationalhymne singen wir später. Wenn es passt.

-> Die Szene auf Youtube

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Darf er das? Live! Die Chris Tall Show

Montag, den 16. September 2019
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FR 13.09.2019 | 23.05 Uhr | RTL

Als Chris Tall mit Schokokuss-Sahne im Gesicht in seinem Studio stand, schien er ein bisschen verwirrt und angepisst. Und deshalb hat er offenbar auch kurz vergessen, dass seine Show ja noch lange nicht zu Ende ist. Und vor allem, dass sie erstens live und zweitens immer noch auf Sendung waren.
So was geht nur live. Wenn die Show ausgestrahlt wird, wenn sie entsteht. Aufgezeichnet wäre das sicherlich rausgeschnitten worden.

Am Freitagabend stellte RTL Mal wieder die Frage “Darf er das?” Die Chris Tall Show ist wieder da, und das Besondere ist: Alle Folgen werden offenbar live produziert. Und das tut der Show gut, wie ja überhaupt auch das Privatfernsehen wieder mehr und mehr das Live-Event als Erfolgsgarant sieht.

So schaltete Chris Tall in einen Hamburger Späti, wo sich Leute einfinden konnten zum Schokokuss-Schnellessen. Sinnfrei, aber trotzdem lustig. Gleichzeitig konnten die Zuschauer per WhatsApp Ideen für einen neuen Namen für Die Lochis suchen.
So was geht nur live. Das Publikum zum Mitmachen zu bewegen, live Entwicklungen zu verfolgen und auch, wenn mal etwas in die Hose geht.

Die Show ist gute und kurzweilige Unterhaltung, und dass sie live produziert wird, tut ihr sehr gut. Bitte mehr davon und bitte mehr live!

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Das Sommerhaus der Stars – Das große Wiedersehen

Freitag, den 6. September 2019
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DI 03.09.2019 | 21.15 Uhr | RTL

RTL.de meldet: Elena Miras und Mike Heiter sind DAS Promipaar 2019.
Die Antwort ist ganz klar: Nein.

“Das Sommerhaus der Stars” bei RTL war 2019 eine Abfolge von Tiefpunkten und niveaulosen Aussetzern. Das Finale war da die absolute Minus-Krönung: Denn am Ende gewann besagte Elena mit ihrem Mike, und noch nie, nie, nie in einer solchen Promiquälshow habe ich einem, ähm, Promi diesen Sieg so sehr missgönnt.
Wobei in dieser Sendung nicht die Zuschauer das Wort hatten. Die Bewohner selbst wählten, wer fliegt. Aber ganz am Ende entschied ein einfaches Autoeinparken-Spiel, wer die Sause gewinnt.
Mit Elena hat allerdings die mit Abstand schlimmste Kandidatin gewonnen. Komplett respektlos, Ich-bezogen und ohne Manieren pöbelte sie sich durch diese Show. Sie beleidigte ihre Mitbewohner (ja, auch andere beleidigten, aber sie setzte dem ganzen die Krone auf), sie schrie und akzeptierte keine Widerworte. Eine Frau, der man eigentlich lieber nicht begegnen möchte. In keinster Weise hat sie sich diese 50.000 Euro verdient.

Wer aber meint, dass es nicht schlimmer geht, der musste nur dran bleiben, denn direkt nach dem Finale begann am Dienstagabend “Das große Wiedersehen”. Dort trafen sich noch mal alle Bewohner.
Elena keifte mal wieder rum und rühmte sich, dass sie ja nun gewonnen hat. Johannes zoffte sich mit Willi, ersterer warf dem zweiten vor, ein falsches Spiel zu spielen, obwohl ersterer es nicht besser machte.
Kate und Benjamin haben sich nach dem Sommerhaus-Trip getrennt, und Sabrina orakelte, ob denn Benjamin Boyce schwul sein könnte. Der wies das zurück, und irgendwie war es nur peinlich, auch weil völlig unklar war, was Sabrina damit bezwecken wollte.
Alle keiften sich an, und man kann gar nicht beschreiben, wie furchtbar das alles war. Man musste nur die Moderatorin Angela Finger-Erben beobachten, die nicht mal einen Monat nach der Geburt ihres Kindes diesen Trash leiten musste. Sie schaute, sie würde sie es einfach nicht fassen können, ihr Gesicht sagte: Ich will hier raus!

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20 Jahre “Wer wird Millionär?” Das große Jubiläums-Special

Donnerstag, den 5. September 2019
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MO 02.09.2019 | 20.15 Uhr | RTL

Lange haben wir darauf gewartet, aber jetzt gibt es eine neue Antwort auf die Frage “Wer wird Millionär?”: Jan Stroh hat am Montagabend die Million gewonnen. Aber seltsamerweise blieb die Euphorie komplett aus. Da war eher Schweigen und Unglaube.

Am 3. September 1999 lief die allererste Ausgabe von “Wer wird Millionär?” mit Günther Jauch bei RTL. 20 Jahre gibt es die Rateshow immer noch, und das ist am Montag gefeiert worden.
Anders war, dass in dieser Sendung Fragen gestellt wurden, die anderen Kandidaten schon mal gestellt worden sind. Immer wurde dazu eingeblendet, aus welchem Jahr die Frage stammt, und immer wieder mal gab es auch eine Geschichte dazu – wenn zum Beispiel ein Kandidat grandios daran gescheitert war.

Und dann kam Jan Stroh. Der ist seit 20 Jahren Fan der Show, und der kennt die meisten Fragen. Weil er sich so was sehr gut merken kann. Und so machte er am Montag den Durchmarsch, wusste Antworten teilweise schon, bevor die vier Möglichkeiten eingeblendet worden sind – oft wusste er sogar, wann die Frage wem gestellt worden ist.
Alles ging fix, am Ende stellte Günther Jauch die Eine-Million-Euro-Frage, an die ich mich sogar erinnern konnte: Nämlich, welches Grimm-Märchen nicht mit “Es war einmal…” beginnt. A: Rumpelstilzchen; B: Hans im Glück; C: Die Sterntaler; D: Rotkäppchen.
Stroh konnte sich zwar erinnern, musste aber trotzdem zocken, um die Frage beantworten zu können. Und er gewann. Aber so richtig Stimmung aufkommen wollte nicht, als er die Million knackte. Ganz anders, als am 2. Dezember 2000 die Million das allererste Mal geknackt worden ist.
Das lag einfach daran, dass sich andere Leute, die Million ganz anders erquizzt haben – hier war es eher ein Erinnerungsspiel.

Dass das so verwässert wurde, ist einerseits reizvoll, andererseits schade. Weshalb der Millionär wohl vielleicht als spezieller Bonus-Millionär in die Geschichte der Show eingeht.

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