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Zahltag! Ein Koffer voller Chancen

Freitag, den 20. Juli 2018
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DI 17.07.2018 | 20.15 Uhr | RTL

Bei RTL ist man am Dienstagabend scheinbar aus Versehen aus dem Sommerschlaf erwacht. Statt der einschläfernden Vier-Folgen-am-Stück-Dosis von “Bones – Die Knochenjägerin” lief ein deutscher Sozialporno: “Zahltag! Ein Koffer voller Chancen”.
In der dreiteiligen Reihe geht es um zwei Familien, die von Hartz IV leben. RTL stellt ihnen einen Koffer mit dem Geldbeitrag vor die Haustür, den sie im ganzen Jahr bislang als Hartz-IV-Satz ausgezahlt bekommen haben. Also um die 25.000 Euro.
Im Studio sitzen unterdessen Felix Thönnessen, Ilka Bessin (Ex-Cindy aus Marzahn) und Heinz Buschkowsky und schauen sich an, was die beiden Familien mit der Kohle machen.

“Zahltag!” ist genauso interessant wie unangenehm. Denn was RTL als Sozialexperiment betitelt, ist in Wirklichkeit eine Vorführung von Menschen, die das nicht mal bemerken, weil sie viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind.
Beide Familien melden sich erst mal beim Jobcenter ab – und beide Familien machen dabei den Eindruck, als sei so ein Jobcenter grundsätzlich das allerletzte. Dass der Ex-Politiker Buschkowsky an der Stelle anmerkt, dass man das ja bittesehr auch anders sehen könnte – weil ja Menschen dafür Steuern zahlen, dass anderen Menschen geholfen werden kann, und dass in anderen Ländern niemand da sei, der sie finanziell unterstützt -, ist durchaus richtig. Aber den “Kandidaten” dieser Hartz-IV-Show tut man damit keinen Gefallen, denn man setzt sie einer Öffentlichkeit aus, die in solchen Fällen gern alles andere als zimperlich ist.

Während die eine Familie aus Niedersachsen – allein erziehende Frau mit fünf Kindern – das beste draus macht und einen Imbiss eröffnen will, gibt es da noch die Familie aus Sachsen. Eigentlich wollten sie einen Second-Hand-Shop eröffnen. Aber die Hälfte der 25.000 Euro verdonnern sie in drei Wochen erst mal für Fressorgien, für Einläufe im Bau- und Möbelmarkt. Erstmal neue Möbel. Ganz toll. Der Mann in der Familie findet es einfach geil, mit so viel Kohle rumzulaufen und alles auszugeben. Er schnallt es einfach nicht.

Aber was ist nun schlimmer? Dass die sächsische Familie die Klischees der ach so faulen Hartz-IVer bedient, die ihr gewonnenes Geld kopflos ausgeben? Dass man das bei RTL geschehen lässt? Dass die Experten sich das wasserschlürfend und kopfschüttelnd ansieht? Dass man diese Familie so der Öffentlichkeit aussetzt?
Das ist es, was einen Sozialporno ausmacht. Wenn sich Menschen daran ergötzen und erregen, wie bestimmte Leute handeln. Wenn Menschen eigentlich Hilfe brauchen, man sie aber wurschteln lässt – weil es ja die perfiden Regeln sind.

Und nächste Woche: Klappt das mit dem gebraucht gekauften Imbisswagen bei der niedersächsischen Familie? Bekommt der faule Sachse noch die Kurve – und vor allem: Was wird aus dem sächsischen Ehekrach, der ja auch noch ausgebrochen ist. Das sehen wir nächste Woche beim RTL. “Zahltag!” ist nämlich auch eine Seifenoper – und wir die Voyeure.

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Das Sommerhaus der Stars – Kampf der Promipaare

Donnerstag, den 12. Juli 2018
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MO 09.07.2018 | 20.15 Uhr | RTL

Zweimal im Jahr RTL verwandelt sich RTL zum Promiquälfernsehen. Im Winter geht es ins Dschungelcamp, nun wieder ins “Sommerhaus der Stars”. Wobei das ja auch nicht ganz stimmt: Denn Promis werden eigentlich nicht wirklich im “Sommerhaus der Stars” gesichtet.
Einige sind sogar so unbekannt, dass die anderen Bewohner erst mal nachfragen, was die eigentlich so machen. Stepahnie und Julian zum Beispiel, die kennt man nicht vom “Love Island”, einer ziemlich eklig prolligen RTL-II-Verkuppelshow. Jetzt machen sie wohl irgendwas auf Youtube.

Die Teilnahme am “Sommerhaus” ist durchaus lukrativ, denn es winkt ein wirklich exquisiter Titel: Die Gewinner werden “DAS Promi-Paar des Jahres”. Wow. Die, ähm, Promis dürfen nämlich ihre Partner mitbringen. Ihre aktuellen.
So hat man den Eindruck, dass Patricia Blanco und ihr Nico (18 Jahre jünger), eher eine frische Geschäftsbeziehung führen. Auch das Nacktmodell Micaela Schäfer und ihr Felix wirken wie gute Geschäftsfreunde, aber nicht wie ein Liebespaar. Wobei ja im Titel der Sendung nur von “Promipaaren” die Rede ist. Was sie zu Paaren macht, dazu gibt es ja keiner näher genannten Regeln.

Am normalsten kommen lustigerweise die rüber, die man gern für Deppen hält. Nämlich der Bauer Uwe mit seiner Frau Iris. Bauer fand Frau. Mit seiner dunklen Stimme kommt (und seiner erschreckend großen Nase) kommt Uwe sehr bodenständig und durchaus weise daher.
Ein bisschen Weisheit und Ruhe braucht man vermutlich auch, um ins Sommerhaus einzuziehen. Nur Minuten bis zum ersten Zickenkrieg vergehen. Der Olle von der Shawne Fielding (wer?) beleidigte die Gattin von Malle-Jens. Malle-Jens zofft sich mit seiner Gattin, weil er ihr nicht beisteht. Und die anderen zoffen sich auch. Und das noch in den nächsten Wochen.

Nun ist man schon kein echter Promi, und dann wird man von RTL mit seiner Sendung bestraft. Die Gage muss einigermaßen okay sein, sonst würde das doch keiner freiwillig mitmachen…

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10 vor 11: Jeder Zirkus hat ein Ende

Freitag, den 29. Juni 2018
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MO 25.06.2018 | 0.30 Uhr (Di.) | RTL

Der Geist der Bienen.
Der dreißigjährige Krieg.
Ein Dämon namens atomare Gewalt.
Schirachs Tabu.
Die Erde vor Milliarden Jahren.
Die Pyramiden, eines der sieben Weltwunder.
Die Teleskope von Hawaii.
Der Propeller der Saturnmonde.
Jesus und Pilatus.
Der Kampf der Wagen und Gesänge.
Leibnitz und die Mathematik der Schlangen.

Das sind alles Titel von ausgestrahlten Kultursendungen. Und erstaunlicherweise liefen sie nicht bei arte oder 3sat – sondern bei RTL. Seit 1989 gab es jeden Montagabend das Magazin “10 vor 11″. Dort beschäftigte sich Alexander Kluge eine gute halbe Stunde lang mit nicht immer ganz leicht verdaulichen Themen. drei Jahrzehnte Hochkultur auf dem Privatsender, auf dem sonst Bauern Frauen suchen oder Familien im Brennpunkt sind.

Bei RTL hätte man auch ein bisschen stolz sein können, dass solche hochkulturellen – und manchmal auch durchaus bekloppten – Sendungen laufen, wenn auch im Nachtprogramm. Aber RTL strahlte “10 vor 11″ nie freiwillig aus. Stattdessen lief die Sendung über als Drittsendeformat. Unter dem Namen dctp hatte Alexander Kluge seit Ende der 80er das Recht, bestimmte Sendezeiten von RTL zu besetzen – eine Besonderheit im deutschen Medienrecht. Sender oder Sendergruppen, die mehr als zehn Prozent Marktanteil erreichen, müssen bestimmte Sendezeiten an Fremdanbieter abgeben. Wegen der Meinungsvielfalt. Am 1. Juli 2018 beginnt eine neue Lizenzperiode, und nach 30 Jahren hat dctp diese Lizenz verloren.

Mit einer 90 Minuten langen Abschiedssendung verabschiedete sich “10 vor 11″ am sehr späten Montagabend von den wenigen RTL-Zuschauern: Jeder Zirkus hat ein Ende. Stattdessen laufen ab nächsten Montag gefälligere Reportagen von neuen Fremdlizenz-Inhabern. Ein bisschen schade ist das schon. Aber andererseits – wie oft hast du eigentlich dieses Magazin in den vergangenen Jahrzehnten gesehen?

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Die größten Fernsehmomente der Welt

Sonntag, den 17. Juni 2018
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SA 16.06.2018 | 20.15 Uhr | RTL

Bei RTL haben sie am Sonnabend zur besten Sendezeit vier Stunden mit einer Fernseh-Schnipselparade gefüllt. Und diese gleich danach einfach noch mal gesendet.
Präsentiert wurden “Die größten Fernsehmomente der Welt”. Und wer diese verfolgt hat, der weiß nun: Diese Castingshows weltweit sind ja wirklich wahnsinnig aufregend. Denn ein Großteil der angeblich größten Fernsehmomente spielten sich scheinbar bei “Das Supertalent” und Co. ab.

Da war zum Beispiel der Typ, der in einem verschlossenen Wasserbad tauchte und unter 20 Schlüssel den richtigen finden musste. Oder das Paar, bei dem er Messerwerfer war und sie an der Wand stand – und die Tricks immer irrwitziger und gefährlicher wurden. Bis dann in der Probe wirklich was schief ging. Große Fernsehmomente, aber auch irrsinnig gefährlich. Man fragt sich, was passiert wäre, wenn es zum Unfall gekommen wäre und es vor auch kindlichem Publikum Tote gegeben hätte.

Oder der total witzige Augenblick, wo in einer asiatischen Karaokeshow ein Mann singen musste, während er von mehreren abgerichteten Hunden gebissen wurde. Der Mann hatte zwar einen entsprechenden Anzug an – aber man fragt sich trotzdem, ob die eigentlich noch alle zu retten sind.
Ob das nun wirklich die größten Fernsehmomente der Welt sind? Oder doch eher die haarsträubendsten?

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Harry & Meghan

Sonntag, den 20. Mai 2018
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SA 19.05.2018 | 11.00 Uhr | RTL

Oh mein Gott!
Es ist der Wahnsinn!!
Ross Antony war völlig außer sich. Im knallbunten Outfit war er am Rande eines Heulkrampfes. Vor Rührung. Und vor Begeisterung. Um ihn herum standen lauter Leute, die ebenfalls von Sinnen waren. Nur wenige Meter von ihm entfernt – oh mein Gott!! -, fuhr gerade die Kutsche vorbei, in der – kreisch! – Harry und Meghan saßen. Die haben gerade geheiratet und waren nun auf dem Weg zur Party. Ross, selbst Engländer, spürte nun den adeligen Atem seiner monarchischen Vertreter.
Ross kreischte so laut, dass RTL-Klatschtante Frauke Ludowig vermutlich noch ein paar Tage lang an einem Hörsturz leiden wird.

Es war wohl das große Boulevard-Ereignis des Jahres. Prince Harry heiratete seine Meghan. Das konnten sich RTL, ZDF und Co. natürlich nicht entgehen lassen.
Beim ZDF gab man sich am Sonnabend sehr spröde. Bei RTL hatten sie dagegen gar keine Hemmungen, die herrliche Nichtigkeiten zu Sensationen aufzuplustern. Für die Shoppingqueen Guido Maria Kretschmer stand im Mittelpunkt, welches Klamottenmarke denn Meghan nun in die Traukirche schleppen wird. Und welche Farbe das Kleid der Queen haben wird. “Wer Gelb trägt, weiß, ich bin dabei”, war nur eine der aufregenden Weisheiten, die Kretschmer zu verkünden hatte.

Beim ZDF dagegen faselte die Expertin, dass Meghan ja so alt sei, wie Diana, als sie starb. Aua. Dass Meghan afro-amerikanischen Esprit versprüht, fand man total aufregend. Auch, dass Leute wie Meghan früher eher als Personal arbeiteten, musste mal erwähnt werden, und eigentlich wollte man sich als Zuschauer da vor Fremdscham schnell mal einbuddeln.
Übrigens auch, als der Übersetzer bei RTL stur das “I will” von Harry und Meghan als “Ja” dolmetscht.

Aber wenn man vier Stunden auf Sendung ist, muss man eben quasseln, die Zunge qualmt, da war es fast schon eine Wohltat, als beim Trau-Gottesdienst alle mal die Klappe halten mussten.
Na ja, bis auf den Reverend, der meinte, er müsse eine abgefahrene Show abliefern, in dem er minutenlang öde Kalendersprüche rausbrüllte, die Queen vermutlich deshalb schon Rachepläne schmiedete.

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Team Wallraff – Reporter undercover: Pauschalreisen

Mittwoch, den 16. Mai 2018
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MO 14.05.2018 | 20.15 Uhr | RTL

Manchmal fragt man sich ja echt, wie das eigentlich mit den Pauschalreisen funktioniert. Da fliegt man mal fix für wenige hundert Euro nach Griechenland, verbringt zwei Wochen in einem Hoteldorf und darf sich all inclusive morgens, mittags und abends durchfuttern.
Und eigentlich ahnt man ja, wie das funktioniert, aber RTL hat es uns am Montagabend gezeigt. In “Team Wallraff – Reporter undercover” ging es um Pauschalreisen im In- und Ausland.

Da wird über miese Produkte berichtet, die da zusammengemantscht werden. Über schimmliges Brot, das eigentlich noch serviert werden soll. Über Sirupcola, die sehr viel billiger und schlechter ist als richtige Cola oder andere Getränke. Billigfraß eben. Der Barkeeper warnt die Kollegen davor, das pure Wasser aus dem Zapfhahn zu trinken, muss es aber an die Kunden verkaufen.
Reiseleiter werden dazu ausgebildet, ihre Kunden hinzuhalten, teilweise zu belügen und immer so zu tun, als sei alles in Ordnung und als liege die Schuld bei Fehlern (die nie zugegeben werden dürfen) immer woanders. In Deutschland ging es um teure Wohnparks mit runtergekommenen Mobiliar und dreckigem Bad.

Klar, man staunt. Aber andererseits: So richtig überrascht ist man nicht. Außer vielleicht, dass nun mal wirklich aufgedeckt und bewiesen wird, wie getrickst wird. Wie die Kunden verarscht werden. Wie die Kunden gern mal als die eigentlichen Feinde angesehen werden, weil sie ja Fehler erkennen und monieren könnten.
Aber andererseits zahlen wir gerade bei Pauschalreisen in die Türkei, nach Griechenland oder andere Länder inzwischen so wenig Kohle, dass man sich schon fragen muss, wo es denn herkommen soll, das Geld für gutes Essen und guten Service.
Anders in Deutschland: Da zahlt man in einigen Markenparks so viel Geld und bekommt einen Standard, der einfach nur noch mies ist, weil nicht investiert wird.

Vielleicht sorgen Günter Wallraff und sein Team dafür, dass Reiseveranstalter in Zukunft genauer hingucken, was sie den Kunden anbieten. Aber auch, dass die Kunden genauer hinsehen, was sie denn da eigentlich buchen – und ob man nicht anderswo etwas mehr Geld zahlen will und dafür hoffentlich einen besseren Service bekommt.

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Spiegel TV Magazin: 30 Jahre Spiegel TV

Dienstag, den 15. Mai 2018
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SO 13.05.2018 | 22.45 Uhr | RTL

Peter Kloeppel, der RTL-Nachrichtenmann sagt, RTL brauche ein Magazin wie “Spiegel TV” ganz dringend, weil sich Kollegen die Zeit nehmen können, am Sonntagabend über Krisen und Politik berichten zu können.
Bei RTL findet man, dass RTL am Sonntagabend ganz dringend Spielfilme und Shows senden muss, deshalb wollte man das “Spiegel TV Magazin” eigentlich auch ganz gern loswerden, weil die Quoten nicht gut genug sind. Deshalb sendet das Magazin demnächst auch nicht mehr sonntags, sondern erst montags um 23.25 Uhr.

1988 ging “Spiegel TV beim damaligen RTL plus auf Sendung – aber nicht weil RTL ein journalistisches Magazin senden wollte, sondern weil sie mussten. “Spiegel TV” sendet bei RTL, weil der Privatsender Sendezeiten an Fremdanbieter abgeben muss. Ging es nach RTL, gäbe es “Spiegel TV” so vermutlich gar nicht.

Dennoch waren auch RTL-Stars am Sonntagabend voller Bewunderung über die 30 Jahre Spiegel TV. Zur Jubiläumssendung äußerten sich Peter Kloeppel, Ulrike von der Groeben, Birgit Schrowange und weitere über Berichte der Sendung.
Dafür hat das “Spiegel TV”-Team die besten Hochglanz-Reportagen noch mal rausgekramt. Flüchtlingswelle, Mauerfall, Unruhen, Pegida, unbequeme Reportagen, Gesellschaftsbeobachtungen.
Hat man das alles gesehen, konnte man den Eindruck haben: Wow, was hat RTL da für eine Perle im Programm. Und in der Tat gab und gibt es diese Perlen in dem Magazin auch. Aber eben leider auch viel Boulevardschrott, mitunter hämische Promibeiträge und Fremdschämreportagen, die von der zimtzickigen Moderatorin mit heuchlerisch angewidertem Gesichtsausdruck angesagt werden. Aber davon haben sie in der Jubiläumssendung nichts gezeigt. Aber klar: Schrott vergräbt man.