RTelenovela

Rügen 2012 (3): Lauter Oldies auf der Insel

Samstag, den 19. Mai 2012
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(2) -> 12.2.2012

Meine Überfahrt auf die Insel Rügen klappt reibungslos. Nach nur wenigen Minuten Warten in Stahlbrode öffnen sich die Schranken für die Rügenfähre nach Glewitz. Der Wellengang auf dem Strelasund ist ordentlich, aber die Fähre kämpft sich fast ohne zu schwanken übers Wasser.

Nichts für schwache Gemüter ist jedoch eine Szene, die sich auf der B196 kurz vor Lancken-Granitz abspielt: Am Straßenrand steht ein kleiner Lieferwagen, die hintere Tür steht offen. Davor sind zwei Männer, die etwas aus den Büschen hervorziehen und wohl ins Auto legen wollen. Erst denke ich: Oh, ein toter Hund. Aber das Etwas ist größer. Es ist ein Wildtier, und es hört im Bereich der Rippen auf. Die Männer müssen es ausgenommen haben, denn ich als Autofahrer sehe in ein großes Loch.
Glücklicherweise bin ich schon daran vorbeigefahren, bevor ich noch genauer hinsehen kann.

Das lange Wochenende verbringen wir diesmal in Göhren. Anlass: Der Oldtimerclub Oberhavel veranstaltet eine Rallye auf der Insel.

Zehn alte Autos machen sich am Freitagmorgen von Göhren aus auf den Weg. Wer einen Oldtimer fährt, der ist es gewöhnt, angestarrt und fotografiert zu werden. Immer wieder stehen Leute auf den Gehwegen, verharren, gucken blöd, lachen oder winken. Oder alles in der Reihenfolge.
Schon in Göhren verlieren wir einen der Teilnehmer.
An der Tankstelle in Sellin sorgen wir für das erste Verkehrschaos, als wir den Parkplatz des Discounters blockieren. Wir müssen die Einfahrt frei machen – und verlieren bei der Abfahrt den Anschluss an die anderen. Diesmal sind wir es, die verloren gehen.
Erst kurz vor Bergen erblicken wir das Ende der OHV-Oldieschlange. Was nicht heißt, dass wir den Anschluss halten, ab Bergen sind wir völlig auf uns allein gestellt. Glücklicherweise wissen wir, wo es hingehen soll. Als wir an der Wittower Fähre ankommen, sind wir tatsächlich die ersten. Wir haben die anderen eiskalt überholt, ohne sie überholt zu haben.

Mitten auf der Landstraße in Fährhof legen wir den nächsten unplanmäßigen Halt ein. Nicht alle von uns sind auf unserer Fähre mitgekommen. Wir überbrücken die Wartezeit mit Kuchen und Getränken. Die anderen, noch Fehlenden, haben davon nichts mitbekommen.

Auf dem Rügenhof in Putgarten zücken die Leute wieder ihre Fotoapparate, wir setzen und inzwischen in die Bäderbahn nach Vitt.
Vitt ist eine echte Entdeckung, dort war ich bislang noch nie. Das kleine Fischerdorf liegt unweit vom Kap Arkona, und es wirkt, als ob die Zeit lange nicht vorangeschritten ist. Eine wirkliche Straße gibt es nicht, nur einen schmalen Schotterweg, der einen Berg hinab zum Dorf führt. Die kleinen Häuschen mit ihren Reetdächern stehen eng beieinander. Bei Sturm muss es hier ziemlich ungemütlich sein.

Gern hätten wir in Putgarten noch ein Käffchen getrunken, aber der Aufbruch ist dann doch unerwarteter als gedacht.
Dafür haben wir einen prominenten Zuschauer – jedenfalls glaube ich, dass er es ist: Am Straßenrand von Putgarten steht der Schauspieler Jaecki Schwarz (”Schmücke” im “Polizeiruf 110″) und bestaunt unsere Autos.
Nur wenige Minuten stoppen wir in Glowe, weil der Fahrer des ersten Autos der Rallye der Meinung war, jetzt könnten wir ja vielleicht bei „Lila“ ein Käffchen trinken. Nun ja.
Und immerhin gibt es noch eine Fahrerin unserer Tour, die Jaecki Schwarz am Straßenrand erblickt hat.
Nach Sassnitz geht es eine malerische Straße über Berge und durch Wald entlang: der Nationalpark Jasmund. Ein wunderschönes Fleckchen Erde.
Auf Hafen in Sassnitz treffen wir auf die Teilnehmer der „Rügen-Classics“, einer weit größeren und schon traditionsreichen Oldtimerrallye auf Rügen. Fast 50 alte Autos rollen die Straße am Hafen entlang. Allerdings sind ziemlich viele Porsches dabei, was dann doch ein wenig langweilig ist.

Weit mehr als neun Stunden sind wir an diesem Tag unterwegs – einmal quer über die Insel. In Göhren ist unterdessen Straßenfest, und eine Gruppe Musiker spielt „We will rock you“, unterstützt von einem Playback, auf Akkordeons. Das klingt erstaunlich gut!

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Rügen 2009 (8): Zwischen den Jahrzehnten

Freitag, den 1. Januar 2010
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(7) -> 20.8.2009

Der Blick aus dem Fenster: Schnee! Dicke Flocken fallen über Oranienburg. Und das an dem Tag, an dem wir auf die insel Rügen wollen. Aber stattdessen warten bis es aufhört? Nein, wir fahren los.
Es ist Mittwochvormittag, und wir treten mal wieder den Weg an die Ostsee an. Jahreswechsel in Binz.
Und es war eine gute Entscheidung, gleich loszufahren: Die schwierigste Strecke war die bis zur Autobahn A11 bei Wandlitz. In der Uckermark hatte sich der Schnee dann ganz erledigt. Auch Rügen war noch schneefrei. Noch.

Herrlich. Der Song von Peter Fox wurde für uns zur Wirklichkeit. Wir wohnten im “Haus am See”. Am Schmachter See in Binz. Mit Seeblick. In einer ruhigen Seitenstraße. In der Idylle. Und dennoch unweit zur Seebrücke und zum Strand – und zum Laden mit der besten Waffel dieses Universums.
Freunde von uns hatten zwar ein Apartment direkt an der Strandpromenade, und auch noch mit Seeblick, wir waren dennoch zufrieden.

Silvester. Ausflug zum Kap Arkona. Dem nördlichsten Punkt der DDR. Schon vor Putgarten werden die Autos rausgewunken, um auf dem zentralen Parkplatz viel Geld zu bezahlen. Der Tourist darf dann entweder mit einer wieder kostenpflichtigen Bahn zum Kap fahren – oder laufen. Drei Kilometer. Am letzten Tag des Jahrzehnts artete der Rügenurlaub in echten Sport aus. Die drei Kilomter. Dann die 164 Stufen auf den Leuchtturm. Und schließlich noch die schiefen Stufen die Steilküste runter zum Ostseeufer. Uff! Ich habe mich entschlossen, den Rückweg mit dem Bähnlein zurückzulegen, um dann auf die anderen zu warten.

Der Jahreswechsel wird in Binz bereits um 18 Uhr eingeläutet. Weil um Mitternacht die diversen Hotels eigene Feuerwerke starten und ja auch die meisten Leute Böller und Raketen dabei haben, veranstaltet die Gemeinde das große Feuerwerk eben schon am frühen Abend.
So voll sind Kurplatz, Seebrücke und Strand auch im Sommer nur selten. Zehn Minuten dauern die prachtvollen Lichterspiele. Und danach, es war zwar erst 18.10 Uhr, hatten wir irgendwie das Gefühl, 2010 schon erreicht zu haben. Wir standen gewissermaßen zwischen den Jahren. Zwischen den Jahrzehnten.

Schon im September (!) hatten wir unseren Tisch beim Italiener an der Hauptstraße bestellt. Die Kneipe, zu der wir eigentlich wollen, war zu diesem Zeitpunkt sogar schon ausgebucht.
Für die Keller war dieser Silvesterabend wahrscheinlich der pure Stress. Ausnahmslos jeder Tisch war besetzt, alle verdammt gut drauf und ganz viele miese Witze auf den Lippen. Hoffentlich gab es wenigstens ordentlich Trinkgeld.

23 Uhr. Eine Stunde bis 2010. Das Binzer Zentrum füllt sich. Schon jetzt knallen Böller und gehen Raketen in die Luft. Von einer Wirtschaftskrise kann keine Rede sein. Die Leute müssen Unmengen Geld für den Müll ausgegeben haben.
Unotibiert und gelangweilt ließen sie ihre Raketen steigen – gern auch von ihrer Hand aus. Oder gern auch mal dorthin, wo Leute standen. Manchmal waren wir uns nicht sicher, ob vielleicht nicht doch schon Mitternacht war.
Fast wäre es übrigens zu einer privaten Tragödie gekommen: Eine an dieser Stelle nicht näher benannte junge Frau, hatte nette Knaller. Sie schmiss sie auch gelangweilt auf den Boden, wo sie tatsächlich Puff machten. Irgendwie sah das verdammt unmotiviert aus. Aber dann – oh weh – gingen die Streichhölzer nicht mehr. Die Stimmung drohte, umzukippen. Erst im Laufe des Abends fand sich dann in der Verpackung doch noch ein Ersatz zum Anzünden. Die tolle Knallerei konnte weitergehen.

23.45 Uhr. Vom Kurplatz liefen wir runter zum Strand. Wir wollten 2010 direkt am Ostseeufer begrüßen. Schon vor 12 schmissen die Leute ihre Böller überall hin. Wir hofften, dass wir den Countdown mitbekommen würden. Doch selbst um 23.59 Uhr ahnten wir noch nicht, was um Mitternacht auf uns zukommen würde.
Fünf. Vier. Drei. Zwei. Eins.