RT liest

Yassin Musharbash: Jenseits

Dienstag, den 11. Dezember 2018
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Wo ist Gent Sassenthin? Der junge Rostock ist spurlos verschwunden. Das dachten jedenfalls seine Eltern. In Wirklichkeit hat er sich schon längere Zeit radikalisiert und hat sich dem Islamischen Staat angeschlossen. Als IS-Kämpfer ist er nach Rakka in Syrien gereist.
Doch plötzlich bekommen eine Eltern eine E-Mail. Gent will zurück, aber er hat Bedingungen.
Sowohl das Bundesamt für Verfassungsscutz, das Terrorismusabwehrzentrum, als auch die Journalistin Merle Schwalb von der Zeitung “Globus” setzen alles in Bewegung, um herauszufinden, ob an der Mail was dran ist.
Will Gent wirklich zurück, und will er wirklich auspacken? Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Und auch die Frage des Vertrauens spielt eine Rolle.

Yassin Musharbash hat einen sehr aktuellen Roman geschrieben. Das Spannende ist, dass er das Geschehen aus sehr vielen interessanten Blickwinkeln beleuchtet.
Da ist Gent Sessenthin, den der Leser nach Syrien begleitet, und in dessen Innenleben wir schauen und erleben, was er tut. Was ihn aber nicht weniger geheimnisvoll macht. Es geht außerdem um die deutschen Behörden und darum, wie sie arbeiten. Aber auch um die Presse, die mit allen Mitteln über solche Fälle berichten will – auch im Hinblick auf den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt 2016.
Es gibt zwar hier und da einige Längen in diesem Politthriller, aber durch die vielen Perspektivwechsel liest sich der Roman sehr flüssig – und er bleibt spannend bis zuletzt.
Ein bisschen langweilig ist dagegen das Buchcover, das macht leider wenig neugierig, und gerade im Buchladen ist es eher kein Hingucker. Das Buch hätte was Besseres und dem Thema mehr Entsprechendes verdient gehabt.

Yassin Musharbash: Jenseits
Kiepenheuer & Witsch, 316 Seiten
7/10

KeineWochenShow

#101 – Total Rock

Sonntag, den 9. Dezember 2018
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Wieder Alltag. Nach der großen Jubiläumsshow im “Kellerkind” gibt es nun die 101. Ausgabe von KeineWochenShow. Diese haben wir bereits am Mittwochabend aufgezeichnet. Deshalb reden wir zwar über den CDU-Parteitag, wissen aber nicht, dass es Annegret Kramp-Karrenbauer ist, die das Rennen um den Parteivorsitz gemacht hat.

Außerdem geht es um das Besserwissen. In Hannover standen sich viele Minuten ein Bus und ein Auto gegenüber, weil keiner in der Engstelle den Rückzieher machen wollte oder konnte.
Wir sprechen auch über die Zukunft des Rocks – also der Rockmusik. Wird es in Zukunft noch solche Rockstars geben, wie es sie in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten gegeben hat?

Wir wollen ebenfalls wissen, wie es ist, Mario Götze zu sein, sprechen über 25 Jahre Landkreis Oberhavel und vieles mehr – in KeineWochenShow #101 auf Youtube.

RTZapper

Wir müssen reden – Der phoenix-Bürgerabend

Freitag, den 7. Dezember 2018
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MI 05.12.2018 | 21.45 Uhr | phoenix

In der Regel erinnern sich die Fernsehsender immer nur vor großen Wahlen daran, dass man ja mal Diskussionssendungen veranstalten könnte, in denen Otto-Normal-Bürger eventuell mit Politikern ins Gespräch kommen können. Inzwischen gibt es solche Formate hin und wieder auch mittendrin in den Dritten Programmen. Am Mittwochabend hatte der Bürgerabend unter dem Motto “Wir müssen reden” bei phoenix Premiere.

In Leipzig trafen etwa 60 Zuschauer auf eine Handvoll Entscheider. Ein sächsischer CDU-Mann war da. Gesine Schwan, die ja inzwischen so was wir eine Ost-Versteherin ist, und ein Redakteur einer Zeitung.
Und weil ja zwar drei Themenblöcke geplant waren, aber ansonsten alles dem Zufall überlassen wurde, nahm die 75-minütige Sendung einen eher unberechenbaren Ablauf.

phoenix ging damit raus aus der Komfortzone. Stattdessen: Hin zu den Leuten und ihnen zuhören. Die Kamera folgte den beiden Moderatoren, und keiner wusste, was nun kommt.

Da war zum Beispiel der junge Mann, der sagte, dass wir uns um die Bildung kümmern müssten, und dass wir deshalb keine Kapazitäten für (weitere) Asylbewerber oder Migranten hätten. Gesine Schwan sprach dagegen, sie sagte, man müsse auch mit diesen Leuten für die Zukunft investieren.
Die beiden wurden kurzerhand in die Mitte geholt, sie standen sich nun direkt gegenüber und tauschten Argumente aus. Sie kamen nicht zwingend auf einen Nenner, dennoch gaben sie sich am Ende die Hand. Eine wichtige und gute Geste: im Gespräch bleiben, auch wenn man nicht einer Meinung ist.

Interessant ist die Debatte darüber, dass der Osten immer noch hinterhinke, dass die Einheit auch nach 29 Jahren nicht komplett erreicht sei. Man müsse ordentlich Geld in den Osten pumpen, meinte ein Mann.
Dabei ist es ja inzwischen auch der Westen, der leidet. Auch im Westen sind marode Straßen und Betriebe, das wird im Osten gern ausgeblendet, dass in Sachen Wirtschaft und Armut das Ost-West-Gefälle nicht mehr zwingend da ist, sondern sich verlagert hat.

“Wir müssen reden” sollte bei phoenix in Serie gehen. Dem Volk aufs Maul zu schauen, kann jedenfalls niemals schaden!

RTZapper

zdf@bauhaus: Feine Sahne Fischfilet

Donnerstag, den 6. Dezember 2018
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SA 01.12.2018 | 23.30 Uhr | 3sat

Feine Sahne Fischfilet.
Mich nervt diese Band inzwischen. Die Sache ist nur: Die Band selbst kann gar nichts dafür.

Die Diskussionen um den Auftritt der Band im Dessauer Bauhaus war groß. Weil man beim Bauhaus Schiss hatte, dass die Rechten ihnen die Bude einrennen, wenn Feine Sahne Fischfilet bei ihnen auftritt, sagte man den Gig ab. Die Rechten bezeichnen die Band als linksradikal, weil sie mal vom Verfassungsschutz beobachtet werden ist. Da sich die Beobachtung aber längst erledigt hat, kann ja wenig dran gewesen sein, dass da irgendwas Linksradikales ist.
Aber die rechten Meinungsmacher haben es geschafft, dass die Diskussion um die Band den Mainstream erreicht hat.
So wird inzwischen jeder Pups zu Feine Sahne Fischfilet in den Medien geteilt. Überall Feine Sahne Fischfilet. Muss nicht sein, bringt aber offenbar Klicks im Internet. Auch Hass bringt Klicks.

Die rechte Diskussion hat in Dessau Eindruck hinterlassen. Das ZDF ließ dort, im Bauhaus, bereits viele Folgen der Musikreihe “zdf@bauhaus” drehen – nun musste sich das Team eine neue Location suchen, weil die Bauhaus-Leute tatsächlich kalte Füße bekommen haben – und am Ende kam nur noch ein R dazu. Das Konzert fand im Brauhaus in Dessau statt.
Am Sonnabend ist das Konzert auf 3sat gezeigt worden, und erstaunlicherweise ist es sehr ruhig geblieben, obwohl die Ausstrahlung im Grunde ja ein wenig der Showdown nach der Konzertaufzeichnung war.

Das Erstaunlichliche an der Diskussion um Feine Sahne Fischfilet ist letztlich vor allem, wie sehr es den Rechten gelungen ist, den Diskurs zu bestimmen. Wie sieht es eigentlich mit Diskussionen um Rechtsrockbands aus? Werden die eigentlich noch geführt?

KeineWochenShow

#97 – Martini und das Meer im Nebel

Sonntag, den 11. November 2018
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Wie ist es eigentlich im November in Binz an der Ostsee? Diese Frage klären wir in der neuen Ausgabe von KeineWochenShow. Auch mit dem Riesenrad auf dem Neuruppiner Martinimarkt werden wir fahren. Wir sind also ein bisschen unterwegs.

Ausführlich sprechen wir aber auch über Oliver Polak, der Jan Böhmermann vorwirft, ein Antisemit zu sein. Ein Vorwurf, der uns sehr verwundert, zumal die Umstände dieses Vorwurfes mehr als merkwürdig sind.
Welche Bedeutung der 9. November für Deutschland hat, ist ebenso ein Thema wie die Football Leaks und die “Sing meinen Song”-Teilnehmer für 2019.

Natürlich gibt es auch wieder ein Probierbier, Promi-Geburtstage und einen CD- und Buchtipp. Das alles und mehr in KeineWochenShow #97 auf Youtube.

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Dietrich Faber: Hessen zuerst! Hexit jetzt

Sonntag, den 11. November 2018
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Hessen zuerst! So heißt eine neue Partei, in der sich Protestler sammeln, um gegen Flüchtlingsheime und Ausländer zu protestieren.
Ex-Kommissar Henning Bröhmann erfährt von dieser Partei, als er mit Freunden und Bekannten im Vogelsberg wandern ist. Rüdi ist Hennings Vermieter, und ausgerechnet der engagiert sich in der Partei, die zur Wahl antritt und mit 20 Prozent in den hessischen Landtag einziehen könnte.
Es werden nicht nur Plakate aufgehangen, auch im Flüchtlingsheim im Ort fließt bald Blut. “Hessen zuerst!” nutzt das für sich aus, die Forderung, angeblich kriminelle Ausländer auszuweisen, wird immer lauter. Henning bekommt es plötzlich auch mit Gewalttätern zu tun, und dass Rüdi dahinter steckt, macht die Sache noch schlimmer.

Dietrich Faber gilt in Hessen als Krimistar, und tatsächlich ist “Hessen zuerst! Hexit jetzt” der fünfte Roman mit Henning Bröhmann.
Faber schildert sich eine manchmal merkwürdig lustige und ernte Art, wie die Stimmung in Deutschland ist. Denn die Story um die Protestpartei ist zwar ausgedacht, aber natürlich gibt es große Parallelen zur tatsächlich bestehenden Faktenlage im Land.
Insbesondere die ersten Kapitel – die Wanderung im Vogelsberg – wirken außerhalb Hessens ziemlich albern. Die machen leider wenig Lust auf das restliche Buch, kommen bei Lesungen in Hessen selbst aber vermutlich gut an. Die Wanderungsbeschreibung ist übertrieben im Detail beschrieben, die Mundart hat einen hohen Nervfaktor. Die Ernsthaftigkeit der Geschichte bildet sich erst später heraus. Da kommt dann stellenweise auch ein wenig Spannung auf. Zumal die Story eine interessante Wendung hat.

Dietrich Faber: Hessen zuerst! Hexit jetzt
Rowohlt Polaris, 268 Seiten
5/10

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Bundestag live: Gedenkstunde zum 9. November

Sonntag, den 11. November 2018
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FR 09.11.2018 | 9.00 Uhr | Parlamentsfernsehen

Patriotismus. Den gibt es. Den muss es geben. Und der ist sogar gut.

Der 9. November ist für Deutschland ein Schicksalstag. Im Guten und im Schlechten. 1918 rief Philipp Scheidemann die Weimarer Republik aus. 1938 starteten die Nazis in Deutschland endgültig die Jagd auf die Juden – mit der Reichspogromnacht. 1989 der Mauerfall in Berlin.
Es ist ein Tag wie kein anderer, der für unsere Demokratie im Land steht. In Momenten, in denen sie verteidigt und mit Füßen getreten worden ist.

Der Bundestag lud am Freitagvormittag zu einer Gedenkstunde – u.a. das Parlamentsfernsehen übertrug live. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hielt dort eine hervorragende Rede, die sich genau darum drehte – um unsere Demokratie und den Gefahren, die sie ausgesetzt ist.
Wer heute glaube, die Demokratie sei mittlerweile eine Selbstverständlichkeit und der Bundestag ein “Alltagsgegenstand, ganz wie ein altes Möbelstück”, der solle auf das Jahr 1918 blicken, so Steinmeier in seiner etwas mehr als 30-minütigen Rede. Das Parlament sei keine Selbstverständlichkeit und erst recht keine Nebensache. Es sei eine historische Errungenschaft. Das heißt: “Für diese Errungenschaft, für dieses Erbe müssen wir streiten.”

Und da sind wir auch wieder beim Patriotismus, den die Rechtsextremen gern für sich beanspruchen und den sie allen anderen abstreiten. Steinmeier warb für einen demokratischen Patriotismus, für einen aufgeklärten Patriotismus. Der sei kein wohliges Ruhekissen, sondern ein beständiger Ansporn. Nationalisten würden die Vergangenheit vergolden und eine heile Welt beschwören, die es so nicht gegeben habe. Wo die Sprache des Hasses greifen, müssten wir eingreifen. Wir sollen nicht zulassen dürfen, dass einige wenige für sich beanspruchen, alleine für das wahre Volk zu sprechen.

Eine große Rede, die auch zeigt, warum es so wichtig ist, an diesem 9. November nicht nur den Mauerfall zu feiern, sondern auch den anderen Ereignissen zu gedenken. Sie gehören zur deutschen Geschichte.

-> Die Gedenkstunde im Bundestag mit der Steinmeier-Rede (ab 26:20) im Parlamentsfernsehen auf YouTube.