RTelenovela

Die Liberalen haben die Größten

Mittwoch, den 24. April 2019
Tags: , ,

Bald sind Wahlen. Die Europawahl und in Brandenburg auch Kommunalwahl.
Wer auf der B96 in Hohen Neuendorf unterwegs ist, könnte das eventuell schon mitbekommen haben. Denn dort sind vor lauter Plakaten die Laternenpfähle gar nicht mehr zu sehen. An allen Laternen sind auf der kompletten Pfhallänge Poster aufgehangen. Da herrscht ein echtes Gedrängel.

Vermutlich wird es auf der Strecke bald ein Tempolimit geben, weil der Autofahrer mit dem Lesen der Informationen (wenn denn nennenswerte drauf stehen) überfordert sein könnte.
Richtig nötig hat es offenbar die FDP im Ort. Deren Wahlplakate sind mit Abstand die Größten. Im Vergleich zu den anderen riesig. Und weil das eine Riesige (zigmal im Laufe der Strecke) nicht reicht, gibt es weitere FDP-Plakate.

Mit vier solchen Pappen ist der Pfahl voll. Und meistens sind schon welche kaputt, zerknickt, weil sie runterrutschen. Sieht dann nur leider aus wie ein großer Müllhaufen. Vielleicht kann ja ab und zu mal jemand vorbeifahren und den Kram einsammeln, der da teilweise schon unter der Laterne liegt.

Die Schlacht geht Ende Mai zu Ende. Dann haben wir einen guten Monat Ruhe – und im Juli geht es von vorn los. Dann beginnt schon der Countdown zur Landtagswahl.

Hits: 80

RTZapper

Die Anstalt: Fertig machen zur Energiewende

Freitag, den 12. April 2019
Tags: , , , ,

DI 09.04.2019 | 22.15 Uhr | ZDF

Regierungsfernsehen? Irgendwas muss ich da am Dienstagabend verpasst haben. Denn wer im ZDF “Die Anstalt” gesehen hat, kann beim besten Willen nicht davon ausgehen, das ZDF sei Regierungsfernsehen.
Denn die Kabarettshow las den Politikern in Deutschland und der Welt gehörig die Leviten. Und wieder sorgte die Show dafür, dass man als Zuschauer hellhörig wurde – und durchaus wütend darüber, was wir erfahren haben. Oder besser: Was wir eigentlich wissen könnten, aber entweder verdrängt haben oder uns so noch nicht gesagt worden ist.

Die Frage ist, was kann eigentlich für die Umwelt getan werden. Natürlich können wir da alle was tun, und natürlich kann man auf den Jugendlichen rumhacken, weil sie demonstrieren und vielleicht selber nicht immer umweltbewusst sind. Dabei geht es doch erst mal darum, dass die Politik Fakten schafft und Politiker den Arsch in der Hose haben, Entscheidungen zu treffen, die vielleicht unpopulär sind, aber die nächsten Generationen ein besseres Leben schenken. Und eventuell der Wirtschaft weh tun.
Entscheidend für die Einhaltung den 1,5-Grad-Ziels sei es, die Treibhausgasemissionen so schnell wie möglich stark zu reduzieren. Und da sind Entscheidungen nötig. Denn 2015 schon haben wir wohl die 1-Grad-Marke schon erreicht.

“Die Anstalt” zeigte am Dienstagabend auf, wie groß der Einfluss der Wirtschaft ist und wie sich Politiker eher nach der Wirtschaft richten. So ging es auch um den Braunkohleausstieg.
Es heißt immer, man könne so schnell nicht raus aus der Kohleproduktion. Wegen der Wirtschaft. Wegen der Arbeitsplätze. Dass aber die großen Stromunternehmen unfassbar viel Geld dafür bekommen, wenn man die Kohlekraftwerke abschaltet, weiß kaum jemand. Dass sie die Kraftwerke extra länger laufen lassen als mal geplant, damit sie das Geld abgreifen können, auch. Dass in zehn Jahren nur noch 6000 Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen sind – wegen der Rente – und nicht mehr im mittleren fünfstelligen Bereich, wird auch gern verschwiegen.
Das macht so unfassbar wütend, wenn man hört, wie Politiker agieren und wie nicht. Wie sie könnten, wenn sie nur wollten. Aber stattdessen geht es um viel Geld für die Wirtschaft.

Da muss erst wieder eine Kabarettshow kommen, um Zusammenhänge zu erklären. Da Schlimme ist nur, dass es vermutlich nur wenig ändern wird. Andererseits wird man noch mehr Verständnis für die Jugendlichen haben, die freitags auf die Straße gehen.

-> Die Sendung in der ZDF-Mediathek (bis 16.4.2020)

Hits: 114

RTZapper

Wildes Herz

Dienstag, den 9. April 2019
Tags: , , , ,

SO 07.04.2019 | 23.35 Uhr | Das Erste

Die Band Feine Sahne Fischfilet steht schon seit einiger Zeit im Brennpunkt.
Bei den Rechten, weil sich die Band sehr gegen Rechtsextremismus und den allgemeinen Rechtsruck engagiert.
Bei den Medien, weil jede Meldung über die Band im Internet Klicks bringt.
2017 kam eine Doku über Frontmann Jan „Monchi“ Gorkow ins Kino. Charly Hübner hat ihn und seine Band dazu sehr lange und immer wieder begleitet.
Am Sonntagabend lief die Doku “Wildes Herz” im Ersten – interessanterweise als Programmänderung, denn ursprünglich sollte an dieser Stelle das Justizdrama “Betty Anne Waters” laufen.

Natürlich war die Wut bei bestimmten Leuten über die Ausstrahlung des Filmes groß. Dabei spricht überhaupt nichts dagegen, weil man ja als Zuschauer selbst einen Kopf zum Denken hat und sich ein Urteil über die Band und deren Ansichten bilden kann. Diesen Raum lässt diese Doku nämlich durchaus.

Die Doku erzählt, wie sich Jan Gorkow politisierte. Er wuchs in Jarmen in Mecklenburg-Vorpommern auf, war Teil der Ultra-Szene von Hansa Rostock und lieferte sich in der Zeit auch Polizeischlachten. Dass er in dieser Zeit auch mal ein Polizeiautos angezündet hat, erzählt er auch. Und dass er da auch nicht zwingend stolz drauf sei, auch wenn es nicht das Schlimmste gewesen sei, was je getan habe.
Mit Feine Sahne Fischfilet engagiert er sich gegen Rechtsextreme. Gegen NPD und AfD. Weil ihnen “Antistaatlichkeit” vorgeworfen ist, kamen sie im Verfassungsschutzbericht des Landes vor. Etwas, was die Rechten bis heute gegen die Band verwendet.

Man muss nicht alles gut finden, was die Band macht. Man muss auch die Musik nicht gut finden und schon gar nicht alle Texte. Aber dieser Kampf gegen den Rechtsextremismus – der übrigens normal sein sollte und nicht linksextrem ist – ist aller Ehren wert. Wie die Musiker sich diesem Hass stellen, das ist mutig.
Wenn man “Wildes Herz” sieht, weiß man aber auch, warum der Band ein so großer Gegenwind von rechts ins Gesicht weht, warum entsprechende Kampagnen – als Gegenkampagnen der Band – gestartet werden.

Hits: 96

KeineWochenShow

#118 – Herr Grindel, wo ist die Friedenstaube?

Sonntag, den 7. April 2019
Tags: ,

Das war ja wieder eine aufregende Woche! Reinhard Grindel tritt als Chef des DFB zurück, und die Goldene Kamera gibt sich voll umweltbewusst – außer wenn es um den Sponsor dieser Sause geht.
Wir wundern uns über die SPD, die der Meinung ist, dass die Bundeswehr nicht in der Schule für sich werben darf. Und über die Bahn, die nach einem Zugunfall in Birkenwerder offenbar keinen Ersatzzug auf die Strecke bringen kann.

Da kann man doch nur die “Kleine weiße Friedenstaube” besingen. Denn Frieden wollen wir doch alle! Das und mehr in KeineWochenShow #118 auf Youtube.

Hits: 277

RTZapper

Markus Lanz: Klima-Diskussion

Samstag, den 6. April 2019
Tags: , , ,

DO 04.04.2019 | 23.15 Uhr | ZDF

“Ich finde politisches Engagement von Schülerinnen und Schülern toll. Von Kindern und Jugendlichen kann man aber nicht erwarten, dass sie bereits alle globalen Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle und das ökonomisch Machbare sehen. Das ist eine Sache für Profis.”
Christian Lindner, 10. März 2019, Twitter

Eskalation! Zoff! Hasselhoff vs. Lindner. Die Medien kannten am Freitag nur ein Thema: dass sich David Hasselhoff bei “Markus Lanz” mit Christian Lindner angelegt hat. Dass er sich zum Klimawandel äußerte. Dass Politiker nichts tun würden. Das brachte Klicks.
Ein wenig vernachlässigt wurde dabei, dass es am Donnerstagabend im ZDF ganz allgemein eine sehr spannende Diskussion zum Klimawandel gab und zur Frage, was wir denn nun tun können und welche Rolle die Politik spielt und spielen sollte.

Und es war vermutlich nicht der beste Abend von FDP-Chef Christian Lindner. Er traf in der Talkshow auf Luisa Neubauer, eine der wichtigen, jungen Klimaschutzkämpferinnen aus Deutschland. Natürlich musste er sich seinen Twitter-Tweed vorhalten lassen.
Lindner relativierte, was er am 10. März schrieb, aber Neubauer ließ das nicht gelten. Man müsse kein Klimaexperte sein, um demonstrieren zu gehen. Worauf Lindner meinte, er habe das auch so nicht gemeint. Ahja.
Die Politiker müssten weg davon, im Kampf um das Klima parteipolitisch zu agieren. Es reiche den Menschen. Sie wollen die Kämpfe nicht mehr sehen, das Austeilen gegen andere Parteien, die Streitigkeiten, die polemischen Debatten. Handeln sollen sie, die Politiker.
Lindner kam mit seinen Abwiegelungen kaum durch, und das war sehr interessant, zu beobachten. Ein Politiker wurde aus seiner Komfortzone geschubst.

Als dann auch noch David Hasselhoff in die Diskussion einstieg und Lindner die Politiker-Untätigkeit vorwarf und sich in Rage redete, da war Lindner endgültig auf verlorenem Posten.

Sicher, auch solche Diskussion ändern das Klima nicht. Aber sie rütteln vielleicht den einen oder anderen wach. Wobei da bei den allermeisten Politikern wenig Hoffnung besteht.

-> Der Teil der Sendung von “Markus Lanz” auf Youtube.

Hits: 141

RT liest

RT Zapper: Wir sind empört! Sex, Politik und andere Skandale. Und wie das Fernsehen sie noch ein bisschen schlimmer macht – Kolumnen 2016 bis 2018

Donnerstag, den 4. April 2019
Tags: , , , , ,

(1) -> 12.6.2016

Das Fernsehen könnte so gut sein. Wenn es nicht so oft so schlecht wäre.
Wie war das eigentlich, als das ZDF aus Versehen einen Horrorfilm im Kinderprogramm sendete? Und als Jan Böhmermann wegen seines Erdogan-Zoffs plötzlich in der Tagesschau war? Als wir über den Nachbarn Boateng diskutierten? Und die Reporter plötzlich inmitten der G20-Krawalle in Hamburg standen?
Masturbierende Promis im Big-Brother-Haus, ein lieblos durch die Meere gleitendes Traumschiff und Nachrichten im Breaking-News-Modus. Es waren drei aufregende Medienjahre.

Nach dem 20-Jahre-Überblick kommt nun das zweite Buch mit weiteren Medienkolumnen von RT Zapper. Es sind 230 Texte aus den Jahren 2016 bis 2018.
Es geht um Fernsehskandale, um tolle Sendungen, um Sendungen zum Vergessen, um denkwürdige Augenblicke und darum, wie Themen von den Medien zunehmend skandalisiert werden. Und natürlich, wie Populisten das ausnutzen.
Diese 230 Texte sind auch so was wie ein Rückblick auf drei Medienjahre.

RT Zapper: Wir sind empört! Sex, Politik und andere Skandale. Und wie das Fernsehen sie noch ein bisschen schlimmer macht – Kolumnen 2016 bis 2018
Books on Demand, 312 Seiten
10000/10

Hits: 128

RT liest

Martin Sonneborn: Herr Sonneborn geht nach Brüssel – Abenteuer im Europaparlament

Dienstag, den 2. April 2019
Tags:

184.709. Das ist eine wichtige Zahl, die man kennen muss, wenn man das neue Buch von Martin Sonneborn liest. So viele Leute haben nämlich 2014 das Kreuz bei der Partei “Die Partei” gemacht. Das sind 0,6 Prozent der abgegebenen Stimmen, und das reichte für einen Sitz im Europaparlament.
Seitdem ist Martin Sonneborn Abgeordneter in eben jenem Europaparlament.
Nun könnte man sagen: Die Partei ist doch sowieso nur Satire und Reklame für das “Titanic”-Magazin. Ein wenig stimmt das vielleicht auch. Aber völlig abseits der Satire sorgt Martin Sonneborn auch immer wieder dafür, dass der Finger in die europäischen Wunden gelegt wird.

Über seine erste Legislatur in Brüssel (und Strasburg), über die “Abenteuer im Europaparlament” hat Martin Sonneborn nun ein Buch herausgegeben.
Auf sehr unterhaltsame Weise schildert er, was im Parlament abgeht, und was nicht. Wie er sich im Plenium mit den Neonazis abgeben muss, wie die deutschen Abgeordneten versuchen, eine größere Hürde einzuführen, damit kleine Parteien nicht mehr ins Parlament einziehen. Sonneborn berichtet über Martin Chulz, der später nach Deutschland abgeschoben und dort nicht Kanzler wird. Wir erfahren, wie alten Hasen wie Elmar Brocken (Brok) gerne mal zu cholerischen Anfällen neigen. Wie Beatrix von Strolch von der AfD oder Udo Voigt (NPD) auch noch da sind und wie überhaupt der manchmal etwas merkwürdige Alltag vonstattengeht.

Nun könnte man auch zu diesem Buch sagen: Satire! Aber nein, das ist es nicht. Sonneborn schildert relativ genau, was ihn stört. Die Momente, die ihm Freude machen, die Augenblicke, wo er in der Tat merkwürdig-lustige Reden hält und wie die alten Hasen auf ihn reagieren.
Das ist sehr erhellend. Auf kurzweilige Art demontiert Sonneborn dieses Parlament. Gleichzeitig ist es aber ein Plädoyer, es doch bitte endlich mal besser zu machen.
Deshalb ist dieses Buch durchaus auch eine Wahlwerbung für Die Partei.

Martin Sonneborn: Herr Sonneborn geht nach Brüssel – Abenteuer im Europaparlament
Kiepenheuer & Witsch, 427 Seiten
8/10

Hits: 149