RTelenovela

Von Oslo nach Kiel

Mittwoch, den 8. Mai 2019
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Das Schiff auf unserer Rückfahrt von Oslo nach Kiel ist fast identisch mit dem auf der Hinfahrt. Es hat wohl noch ein paar mehr Kabinen. Anstelle eines Ladens gibt es einen Sushi-Imbissstand. Auch die Farben sind ein bisschen anders. Die Promenade wird von einem Grün flankiert – da hätte man vielleicht auch was anderes Schönes finden können. Aber ansonsten fühlen wir uns gleich heimisch.

Auf einem der vielen Hinweisschilder finde ich ein “Cinema”. Ich fahre ins bestreffende Stockwerk, suche ein wenig, werde aber nicht fündig. Wer weiß, was das für ein geheimnisvolles Kino ist. Und was dort für schmutzige Filmchen laufen.

Auch auf der Rückfahrt gibt es eine Unterhaltungsshow. Diesmal dreht sich alles um New York. Wir sehen Ausschnitte aus der “Westside Story” und auch aktuellere New-York-Hits.
So richtig genießen kann ich das nicht, denn es ist arschkalt. Irgendwie ist es auf dem kompletten Schiff ziemlich kalt – inklusive unserer Kabine.
Dort gibt es eine nichtabschaltbare Klimaanlage. Und selbst wenn wir sie auf “sehr warm” stellen, kommt kühle Luft raus. Damit die Klimaanlage, wenn ich im Bett liege, nicht direkt auf mich pustet, klappen wir das nichtbenutzte Bett über mir aus.
Und auch in der Unterhaltungsarena kommt kalte Luft aus der Klimaanlage. Irgendwas muss da nicht stimmen.

Wir gleiten erneut über das Wasser, das keine Wellen schlägt. Es schaukelt nichts. Alles bleibt ruhig. Auch das Handy, denn wir haben inzwischen den norwegischen Bereich verlassen. Wenn wir draußen an Deck stehen, bekommen wir das schwedische Netz rein, bis zum dänischen dauert es noch.
Wir lassen den Abend wieder in der Bar-Lounge ausklingen. Eine Frau singt, ein Mann spielt Klavier, und es ist schön, ihnen zuzuhören.
Die Nacht. Wir schlafen prima, und wir schlafen diesmal auch etwas länger, weil wir ja wissen, dass die Einfahrt in die Kieler Förde nett, aber nicht zwingend sehenswert ist.

Wir finden uns in Etage 15 ein, dort kann man zum Frühstück eine Kleinigkeit essen und trinken, und man kann wunderbar raus schauen und die Einfahrt nach Kiel beobachten. Kurz vor dem Norwegenkai dreht sich das Schiff, damit es rückwärts einfahren und anlegen kann.

Wie das immer so ist: Seit Ende Juni war klar, dass wir diese Reise machen werden. Anfang Januar haben wir den Termin festgelegt, und jetzt ist schon wieder alles vorbei.
Danke allen, die mir das ermöglicht haben und den Freunden, die mich auf diese schöne Reise begleitet haben!
PS: Die Sache mit dem Motorschaden konnte ich zwischenzeitlich sogar erfolgreich verdrängen…

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RTelenovela

Norwegen (7): Etage 34, in 110 Metern Höhe

Dienstag, den 7. Mai 2019
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(6) -> 6.5.2019

Es ist ein Moment der Stille abseits des Straßenverkehrs in Oslo. Wir laufen in einen Häusertunnel und kurz stutze ich: Ich höre Musik. Es ist sanfte Jazzmusik, die offenbar aus irgendwelchen Lautsprechern kommen. Es wirkt, als ob der Musikteppich den Lärm von draußen abhalten soll.
Am Ende des Tunnels ist ein Hinterhof mit einem kleinen Café. Umgeben von hohen Mauern, aber in sehr schöner Atmosphäre sitzen dort ein paar Leute und entspannen.

Wir haben 26 Stunden in Oslo, und wir nutzen sie für einen Spaziergang durch die Innenstadt. Wir gehen in den Osloer Dom, erbaut zwischen 1694 und 1697, eine weitere Oase der Ruhe. An der Decke hoch oben sind interessante Malereien zu sehen. Ein paar Leute sitzen in den Bänken und gucken herum. Ein Mann läuft zu den Kerzen, die die Leute angezündet haben und sortiert die aus, die schon abgebrannt sind.

Wir laufen weiter, vorbei an einem laut streitenden Paar. Unterdessen haben wir schon mitbekommen, dass Ampeln in Oslo offenbar nur ein Vorschlag sind – zumindest für Fußgänger. Wenn kein Auto kommt, bleibt an der roten Ampel kaum jemand stehen.
Und dann sind wir am Opernhaus Oslo. Die Sonne blendet auf dem hellen Pflaster auf dem Platz davor. Es gibt viel Pflaster an diesem Ort, denn es führt auch zum Gebäude hoch. Die Oper versteckt sich quasi hinter einer Betonwüste. Schön ist anders, aber es gibt Leute, die da irgendwie gut finden.

Später, am frühen Abend, setzen wir uns in den Schlossgarten. Überall auf den Wiesen sitzen Leute in Gruppen und unterhalten sich. Wir machen das auch. Ganz entspannt. Wir haben auch Alkohol dabei, was aber eigentlich nicht so richtig erlaubt ist. Wir machen es trotzdem.
Zwischendurch tauchen immer wieder Menschen auf und klettern ins Beet hinter uns. Dort gibt es offenbar eine Pflanze, die schön aussieht, aber selten ist.
Im hinteren Teil des großen Schlossgartens befinden sich mehrere Skulpturen, die von Schulkinder kreiert worden sind. Ein Regenbogen, ein Fuchs am Wegesrand, eine Schlange – wirklich originell!

Ein tolles Ausflugsziel ist auch die Bar im Hotel Radission Blu. Die “34th Bar” befindet sich in der 34. Etage in 110 Metern Höhe. Von dort hat man einen tollen Blick auf die Stadt – gerade bei und nach Sonnenuntergang ist es ein lohnenswerter Blick. Dazu noch ein Cocktail oder ein anderes Getränk, Lounge-Musik und gute Freunde. Perfekt!

Am nächsten Tag bringt uns ein Taxi zurück zum Hafen. Überraschenderweise bekommen wir das Taxi wirklich, und der Fahrer mosert nicht darüber, dass ihm die Fahrt eventuell zu kurz sein könnte.

Auf der “Colour Fantasy” geht es von Oslo zurück nach Kiel. Wir gönnen uns diesmal ein Upgrade, zahlen 70 Euro drauf, haben dafür aber eine Kabine mit Meerblick. Durch ein überraschend großes Fenster können wir nach draußen schauen – und sehen, wie ruhig die See ist.
Als das Schiff ausläuft, stehen wir wieder an Deck und sehen uns die Landschaft an, die natürlich sehr viel schöner ist als die, wenn man in Kiel ausläuft.

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RTelenovela

Norwegen (6): Auf dem Wasser nach Oslo

Montag, den 6. Mai 2019
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(5) -> 9.9.2008

Wir erwachen gegen 7 Uhr auf der Norwegenfähre. Es war eine ruhige Nacht, und wir haben sehr gut geschlafen. Wellenlos glitten wir Richtung Norden. Inzwischen haben wir den Beginn des Oslo-Fjords erreicht. In gut drei Stunden werden wir in Oslo sein.
Schnell ins Bad, anziehen – und raus auf’s Deck.

Norwegen empfängt uns mit Sonnenschein und tollen Aussichten. Wir sehen schöne Holzhäuser am Ufer und kleine Felseninseln vor der Küste.
Es ist etwa halb acht, und noch ist es an Deck relativ leer. Ein herrlicher Morgen.
Wir suchen uns zwischendurch aber schnell noch was zu essen. In einem der kleinen Cafés an der Promenade kaufen wir ein belegtes Weißbrot mit Ei und Tomate, ein Baguette, Saft und Kaffee – das sind gut 27 Euro. Sollte man nicht drüber nachdenken.

Als wir wieder draußen sind, haben wir den Oslo-Fjord endgültig erreicht. Die Sonne scheint weiter, das Deck füllt sich. Es sind schöne Ausblicke. Wir fahren an kleinen Inselchen vorbei. An großen Felsen und Gebäuden, die mitten im Wasser auf Minifelsen gebaut worden sind.
Die Fahrrinne wird immer schmaler, und unser Schiff hat sich eingereiht in eine kleine Schlange. Das ist dann auch der Moment, in dem man an die Umwelt denkt. An die Orte wie Venedig, die unter den Abgasen leiden. Gestern Abend, als wir gerade auf dem Großen Belt waren, beobachten wir gelbe Wolken im Hintergrund, und wir sind davon ausgegangen, dass unser Schiff sie verursacht hat.
Ich gebe zu, dass das schwierig ist, denn natürlich ist man sich der Umweltproblematik einer Schiffsreise bewusst.

Inzwischen waren wir noch mal in unseren Kabinen – packen. Aber nun laufen wir in Oslo ein. Pünktlich!Wir verlassen das Schiff, zeigen nochmal unsere Bordkarten, und schon betreten wir norwegisches Festland.
Ein Teil der Passagiere macht nun eine Stadtrundfahrt. Wir bleiben einen Tag in Oslo. Ein bisschen schwierig scheint die Busanbindung zu sein. Wir finden zwar eine Bushaltestelle, aber der nächste Bus fährt in vier Stunden. Ein Taxifahrer hatte auch nicht so richtig Lust auf uns – die Fahrt war ihm zu kurz. Dabei hätte sie auch mehr als 20 Euro (umgerechnet) gekostet.
Schließlich laufen wir, was aber auch machbar war.

Schnell fällt auf: In Oslo wird an jeder Ecke gebaut. An vielen Stellen gibt es riesige Baustellen, auf denen neue Häuser gebaut werden. An anderen Stellen sind Häuser eingerüstet. Oslo scheint zu boomen.
Wir laufen am Rande des Schlossgartens vorbei uns erreichen unser Hotel. Da es mit unserer Schiffstour kombiniert ist, dürfen wir schon um 11 Uhr einchecken und müssen am nächsten Tag erst 12 Uhr auschecken. Perfekt.
Es wird höchste Zeit, Oslo zu erkunden.

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RTZapper

heute: Schweigeminute in Norwegen

Dienstag, den 26. Juli 2011
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MO 25.07.2011 | 12.00 Uhr | ZDF

12 Uhr. In Deutschland beginnt die “heute”-Sendung. Erste Meldung: die neuesten Nachrichten zum Anschlag in Norwegen.
Schalte nach Oslo. Der Reporter vor Ort muss etwas leiser sprechen, da ja gerade die Schweigeminute für die Anschlagsopfer stattfinde, wie er sagt. Dabei wäre an der Stelle eines sehr viel besser gewesen: schweigen.

Wie wäre es mal mit Taktgefühl, liebe ZDF-Nachrichtenheinis?

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RTZapper

Tagesschau: Die Anschläge in Norwegen

Sonntag, den 24. Juli 2011
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SA 23.07.2011 | 15.00 Uhr | Das Erste

Der fürchterliche Doppel-Anschlag in Norwegen: Die ARD reagiert flexibel und verlängert am Sonnabendnachmittag die eigentlich dreiminütige “Tagesschau” auf 30 Minuten. Dummerweise müssen diese 30 Minuten aber auch irgendwie gefüllt werden.
Korrespondenberichte, Interviews, Analysen. Okay.

Aber müssen wir jetzt in Deutschland auch wieder Angst haben? Nein, so heißt es in einer Meldung. Aber fragen wir doch besser nochmal den Hauptstadtkorrespondenten. Und auch der sagt: nein. Die Sicherheitslage hat sich nicht geändert. Gut, dass wir da mal nachgefragt haben.
Und weil die 30 Minuten immer noch nicht vorbei waren, mussten dann auch noch Touristen befragt werden, die mit der Fähre aus Norwegen kamen. Als das massaker passierte, waren die zwar auf See, haben damit also eher wenig zu tun, aber fragen kann man sie ja trotzdem mal.

Die Berichterstattung hat wieder mal sehr seltsame Ausmaße. Vielleicht lernt man ja auch bei der ARD, dass Masse nicht mehr gleich Klasse ist.

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RT im Kino

Nord

Montag, den 11. Januar 2010
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Schnee. So weit das Auge reicht. Unter anderen Umständen könnte man neidisch sein. Aber direkt vor dem Kino liegt ja auch gerade genug Schnee. Der Film passt also genau in die Zeit.

Jomar (Anders Baasmo Christiansen) liegt auf seiner Pritsche und macht – nichts. Gar nichts. Eigentlich soll er Ticjets für den Skilift verkaufen. Er hat aber keine Lust. Depressiv igelt er sich ein, trinkt und schläft.
Vor einiger zeit hatte er einen Unfall. Vor Jahren spannte ihm sein bester Freund die Frau aus. Und nun erfährt er auch noch, dass er ein Kind hat.
Jomar beschließt, sich sein Schneemobil zu schnappen und in den Norden zu fahren. Durch den Schnee von Norwegen kämpft er sich durch und trifft auf seltsame Leute. Als er schneeblind eine Unterkunft bekommt, geht ihm ein kleines Mädchen auf die Nerven. Später trifft er auf einen einsamen jungen Mann. Und auf einen Rentner in einem Iglu.

Die Sonne kommt selten vor in diesem Film. “Nord” von Rune Denstad Langlo verspricht, ein antidepressiver Film zu sein. Den Anspruch kann er jedoch nicht so wirklich einlösen. Wenn Jumar auf seinem Bett herumdöst, dann löst das nicht wirklich Freude aus. Wenn er mit seinem Schneemobil durchs Nichts fährt, ebenso wenig.
Die Begegnungen erscheinen wie kurze Kapitel, die abgehandelt werden. An der Stelle verschenkten die Autoren sehr viel. Das kleine Mädchen, das ganz frech mit dem Fremden umgeht, hätte sehr viel mehr Potenzial gehabt. Auch die beiden folgenden Geschichten erscheinen nur als zusammenhanglose Abschnitte. Das Ende kommt kurz und schmerzlos.
Ganz klar: “Nord” hätte mehr sein können als der etwas wunderliche, licht depressive Film. Schade.

5/10

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aRTikel

Mit dem Feldstecher auf Elchsafari

Sonntag, den 24. Mai 2009
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Norwegen: Rund um das Gudbrandstal spielen die Tiere neben der Romanfigur Peer Gynt eine gewichtige Rolle

MAZ, 23.5.2009

Der Sommer ist recht kurz im norwegischen Süden. Doch interessante Museen, Festspiele und grandiose Natur wirken hier wie ein Magnet.

Olympia, Elche, Peer Gynt. Drei Stichworte zum Thema Norwegen. Das vierte ist neu: die Grand-Prix-Eurovision-Gewinnernation. Nicht nur im Winter, wenn die Skipisten rund um das Gudbrandstal zum Fahrspaß einladen, lohnt es sich, in das skandinavische Land zu reisen. Die atemberaubenden Landschaften, die gewaltigen Panoramen entlang des Flusses Gudbrandsdals-Lågen lösen bei Wanderern, Radlern und Paddlern wohlige Schauer aus. Die Berge rund um das Tal erstrecken sich in eine Höhe bis zu 1500 Metern.

Peer Gynt empfängt die Touristen in Form einer Statue gleich am Bahnhof von Vinstra. Die von Henrik Ibsen erschaffene literarische Figur des Peer Gynt spiele genau dort, im Gudbrandstal nordwestlich von Oslo, eine entscheidende Rolle. Straßen tragen seinen Namen, Schulen und sogar Einkaufszentren. 1867 veröffentlichte Ibsen sein Werk.
Seit 1928 finden in der Region jährlich die Peer-Gynt-Festspiele statt. Die Norweger kommen im Juli und August zur Freilichtbühne in der Nähe des Dorfes Gålå. Für die Aufführungen spielt die Natur eine große Rolle. Während die Zuschauer die Schlachten beobachten, kommen die Schauspieler per Schiff vom Wasser auf die Bühne. Die untergehende Sonne ist Teil des Spiels. Ein Naturschauspiel. Idyllisch liegt die Bühne direkt am See. Während der Ruhepause außerhalb des Sommers grasen dort die Schafe, die in Norwegen scheinbar überall frei rumlaufen. Seit 1989 wird „Peer Gynt“ am Gålåsee aufgeführt, inzwischen gibt es beim Festival drei Freilichtbühnen. Es ist das Sommerspektakel der Norweger. Am zwölftägigen Festival sind 120 Künstler und 300 Freiwillige beteiligt. Die Eintrittskarten sind begehrt. 2008 kamen etwa 25 000 Besucher. Wenn der Vorverkauf am 1. Oktober jeden Jahres beginnt, werden schon mal 18 000 Tickets innerhalb von nur drei Stunden verkauft.

Über die Europastraße 6, die sich von Süd nach Nord durch Norwegen erstreckt, geht es weiter nach Lillehammer, immer am Gudbrandsdals-Lågen entlang. Wenn die Sonne in einem bestimmten Winkel ins Tal scheint, bildet sich so mancher tiefhängender Regenbogen. Zum Zugreifen nah.
In Lillehammer fällt der Blick auf die Skischanze Lysgårdsbakkenedie – das Symbol der Olympischen Spiele von 1994. Die Anlage thront über der kleinen 20 000-Einwohner-Stadt. Sportler, die oben den Abflug wagen, haben jedoch kaum Sinn für den tollen Ausblick.
Ein paar Schritte vom Skisprungzentrum entfernt steht das Olympische Museum. In der Håkons Hall wurde 1994 auch das Eishockeyturnier ausgetragen. Heute nutzen Handballer, Volleyballer und Badmintonspieler die Arena. In den Fluren sind Schautafeln aufgestellt, auf denen über alle bisher stattgefundenen Olympischen Spiele der Neuzeit erzählt wird. Liebevoll gestaltet, aus norwegischer Sicht und auch für Touristen erkenntnisreich: So wird darüber informiert, dass Berlin 1916 die Winterspiele austragen wollte. Wegen des Ersten Weltkrieges wurde die Veranstaltung abgesagt. Auch die Spiele von 1994 in Lillehammer finden dort ihren Platz – mitsamt der Geschichte des Carrigan-Harding-Eislaufskandals, dem Zickenkrieg der Eisläuferinnen. Die Norweger lachen heute drüber.

Ein echter Sport ist auch die Elchsafari, zu der die Touristen in den Bergen über Lillehammer starten können. Durch das Gebiet führen schmale Privatstraßen, für die eine Maut von 150 Kronen (20 Euro) berappt werden muss. Im Winter ist alles dicht, dann verlaufen dort die Skiloipen. Peter, der dänische Fahrer und Elchexperte, sieht der Safari gelassen entgegen: Von 25 Fahrten mit Touristen sei nur eine elchfrei geblieben. Bis zu 980 Meter hoch in die Berge führt der Weg. Die Elche hätten keine Angst vor den Autos, sagt Peter. „Wenn wir einem begegnen, müssen wir im Bus bleiben.“
In Norwegen leben etwa 200 000 Elche. Etwa 10 000 sterben jährlich bei Unfällen mit Autos oder der Bahn. Peter ist in seinem Element, hat viel zu erzählen: „Während Olympia 1994 sind die Elche ein echtes Problem gewesen. Alle zwölf Minuten fuhr ein Zug von Oslo nach Lillehammer. 15 000 Soldaten sind als Streckenposten an den Gleisen eingesetzt worden.“ Ein Zusammenprall zwischen einem Zug und einem Elch kostet wertvolle Fahrtzeit. „Das hätte ein Chaos ausgelöst“, sagt Peter. „So ist aber nichts passiert.“
Noch eine Anekdote: „Am Tag vor der Olympia-Eröffnung sind in Lillehammers Hauptstraße drei Elche gesichtet worden. Die Reporter haben das für einen Gag gehalten.“ Peter lacht: „Es war aber keiner.“ So weit also die Geschichten. Und wo sind die Elche? Der Bus tuckert weiter über die Bergstraßen. Eine weite Prärie mit Nadelbäumen, Wiesen und Hügeln am Wegesrand. Aber kein Elch. Zwischenstopp. Mit Feldstechern beobachten die Touristen die Gegend. Nichts. Immer noch kein Elch. Nur Schafe.
Weiter geht’s. Es ist ruhig geworden im Kleinbus. Alle starren raus. Links, rechts. Nervös, gespannt, ruhig. Peter hält erneut an, lugt durch seinen Feldstecher. Immer noch nichts. Weites Feld.
Nach zweistündiger Safari ist keines der Tiere zu sehen. Das ist dann wohl Fahrt Nummer zwei ohne Elch. Bei Svartseta stoppt der Wagen an einer Almhütte, in der Peters Frau ein Abendbrot herrichtet. Aber eine Elchsafari ohne Elch? Nein, nicht ganz. Auf dem Almhüttengrundstück stellt Peter einen zweiten Feldstecher auf, ein gewaltiges Fernrohr. Und da hinten – ganz in der Ferne, nur durchs Glas erkennbar: ein äsender Elch. Der Beweis. Es gibt sie. Irgendwo da draußen.

Nach dem Abendbrot dann der einstündige Rückweg durch die inzwischen eingebrochene Dunkelheit nach Lillehammer. Kein Elch im Scheinwerferlicht. Nur Insekten. Wenn wir das nächste Mal nach Norwegen kommen, sind die Elche hoffentlich kooperativer.

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