RTZapper

heute: Schweigeminute in Norwegen

Dienstag, den 26. Juli 2011
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MO 25.07.2011 | 12.00 Uhr | ZDF

12 Uhr. In Deutschland beginnt die “heute”-Sendung. Erste Meldung: die neuesten Nachrichten zum Anschlag in Norwegen.
Schalte nach Oslo. Der Reporter vor Ort muss etwas leiser sprechen, da ja gerade die Schweigeminute für die Anschlagsopfer stattfinde, wie er sagt. Dabei wäre an der Stelle eines sehr viel besser gewesen: schweigen.

Wie wäre es mal mit Taktgefühl, liebe ZDF-Nachrichtenheinis?

RTZapper

Tagesschau: Die Anschläge in Norwegen

Sonntag, den 24. Juli 2011
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SA 23.07.2011 | 15.00 Uhr | Das Erste

Der fürchterliche Doppel-Anschlag in Norwegen: Die ARD reagiert flexibel und verlängert am Sonnabendnachmittag die eigentlich dreiminütige “Tagesschau” auf 30 Minuten. Dummerweise müssen diese 30 Minuten aber auch irgendwie gefüllt werden.
Korrespondenberichte, Interviews, Analysen. Okay.

Aber müssen wir jetzt in Deutschland auch wieder Angst haben? Nein, so heißt es in einer Meldung. Aber fragen wir doch besser nochmal den Hauptstadtkorrespondenten. Und auch der sagt: nein. Die Sicherheitslage hat sich nicht geändert. Gut, dass wir da mal nachgefragt haben.
Und weil die 30 Minuten immer noch nicht vorbei waren, mussten dann auch noch Touristen befragt werden, die mit der Fähre aus Norwegen kamen. Als das massaker passierte, waren die zwar auf See, haben damit also eher wenig zu tun, aber fragen kann man sie ja trotzdem mal.

Die Berichterstattung hat wieder mal sehr seltsame Ausmaße. Vielleicht lernt man ja auch bei der ARD, dass Masse nicht mehr gleich Klasse ist.

RT im Kino

Nord

Montag, den 11. Januar 2010
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Schnee. So weit das Auge reicht. Unter anderen Umständen könnte man neidisch sein. Aber direkt vor dem Kino liegt ja auch gerade genug Schnee. Der Film passt also genau in die Zeit.

Jomar (Anders Baasmo Christiansen) liegt auf seiner Pritsche und macht – nichts. Gar nichts. Eigentlich soll er Ticjets für den Skilift verkaufen. Er hat aber keine Lust. Depressiv igelt er sich ein, trinkt und schläft.
Vor einiger zeit hatte er einen Unfall. Vor Jahren spannte ihm sein bester Freund die Frau aus. Und nun erfährt er auch noch, dass er ein Kind hat.
Jomar beschließt, sich sein Schneemobil zu schnappen und in den Norden zu fahren. Durch den Schnee von Norwegen kämpft er sich durch und trifft auf seltsame Leute. Als er schneeblind eine Unterkunft bekommt, geht ihm ein kleines Mädchen auf die Nerven. Später trifft er auf einen einsamen jungen Mann. Und auf einen Rentner in einem Iglu.

Die Sonne kommt selten vor in diesem Film. “Nord” von Rune Denstad Langlo verspricht, ein antidepressiver Film zu sein. Den Anspruch kann er jedoch nicht so wirklich einlösen. Wenn Jumar auf seinem Bett herumdöst, dann löst das nicht wirklich Freude aus. Wenn er mit seinem Schneemobil durchs Nichts fährt, ebenso wenig.
Die Begegnungen erscheinen wie kurze Kapitel, die abgehandelt werden. An der Stelle verschenkten die Autoren sehr viel. Das kleine Mädchen, das ganz frech mit dem Fremden umgeht, hätte sehr viel mehr Potenzial gehabt. Auch die beiden folgenden Geschichten erscheinen nur als zusammenhanglose Abschnitte. Das Ende kommt kurz und schmerzlos.
Ganz klar: “Nord” hätte mehr sein können als der etwas wunderliche, licht depressive Film. Schade.

5/10

aRTikel

Mit dem Feldstecher auf Elchsafari

Sonntag, den 24. Mai 2009
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Norwegen: Rund um das Gudbrandstal spielen die Tiere neben der Romanfigur Peer Gynt eine gewichtige Rolle

MAZ, 23.5.2009

Der Sommer ist recht kurz im norwegischen Süden. Doch interessante Museen, Festspiele und grandiose Natur wirken hier wie ein Magnet.

Olympia, Elche, Peer Gynt. Drei Stichworte zum Thema Norwegen. Das vierte ist neu: die Grand-Prix-Eurovision-Gewinnernation. Nicht nur im Winter, wenn die Skipisten rund um das Gudbrandstal zum Fahrspaß einladen, lohnt es sich, in das skandinavische Land zu reisen. Die atemberaubenden Landschaften, die gewaltigen Panoramen entlang des Flusses Gudbrandsdals-Lågen lösen bei Wanderern, Radlern und Paddlern wohlige Schauer aus. Die Berge rund um das Tal erstrecken sich in eine Höhe bis zu 1500 Metern.

Peer Gynt empfängt die Touristen in Form einer Statue gleich am Bahnhof von Vinstra. Die von Henrik Ibsen erschaffene literarische Figur des Peer Gynt spiele genau dort, im Gudbrandstal nordwestlich von Oslo, eine entscheidende Rolle. Straßen tragen seinen Namen, Schulen und sogar Einkaufszentren. 1867 veröffentlichte Ibsen sein Werk.
Seit 1928 finden in der Region jährlich die Peer-Gynt-Festspiele statt. Die Norweger kommen im Juli und August zur Freilichtbühne in der Nähe des Dorfes Gålå. Für die Aufführungen spielt die Natur eine große Rolle. Während die Zuschauer die Schlachten beobachten, kommen die Schauspieler per Schiff vom Wasser auf die Bühne. Die untergehende Sonne ist Teil des Spiels. Ein Naturschauspiel. Idyllisch liegt die Bühne direkt am See. Während der Ruhepause außerhalb des Sommers grasen dort die Schafe, die in Norwegen scheinbar überall frei rumlaufen. Seit 1989 wird „Peer Gynt“ am Gålåsee aufgeführt, inzwischen gibt es beim Festival drei Freilichtbühnen. Es ist das Sommerspektakel der Norweger. Am zwölftägigen Festival sind 120 Künstler und 300 Freiwillige beteiligt. Die Eintrittskarten sind begehrt. 2008 kamen etwa 25 000 Besucher. Wenn der Vorverkauf am 1. Oktober jeden Jahres beginnt, werden schon mal 18 000 Tickets innerhalb von nur drei Stunden verkauft.

Über die Europastraße 6, die sich von Süd nach Nord durch Norwegen erstreckt, geht es weiter nach Lillehammer, immer am Gudbrandsdals-Lågen entlang. Wenn die Sonne in einem bestimmten Winkel ins Tal scheint, bildet sich so mancher tiefhängender Regenbogen. Zum Zugreifen nah.
In Lillehammer fällt der Blick auf die Skischanze Lysgårdsbakkenedie – das Symbol der Olympischen Spiele von 1994. Die Anlage thront über der kleinen 20 000-Einwohner-Stadt. Sportler, die oben den Abflug wagen, haben jedoch kaum Sinn für den tollen Ausblick.
Ein paar Schritte vom Skisprungzentrum entfernt steht das Olympische Museum. In der Håkons Hall wurde 1994 auch das Eishockeyturnier ausgetragen. Heute nutzen Handballer, Volleyballer und Badmintonspieler die Arena. In den Fluren sind Schautafeln aufgestellt, auf denen über alle bisher stattgefundenen Olympischen Spiele der Neuzeit erzählt wird. Liebevoll gestaltet, aus norwegischer Sicht und auch für Touristen erkenntnisreich: So wird darüber informiert, dass Berlin 1916 die Winterspiele austragen wollte. Wegen des Ersten Weltkrieges wurde die Veranstaltung abgesagt. Auch die Spiele von 1994 in Lillehammer finden dort ihren Platz – mitsamt der Geschichte des Carrigan-Harding-Eislaufskandals, dem Zickenkrieg der Eisläuferinnen. Die Norweger lachen heute drüber.

Ein echter Sport ist auch die Elchsafari, zu der die Touristen in den Bergen über Lillehammer starten können. Durch das Gebiet führen schmale Privatstraßen, für die eine Maut von 150 Kronen (20 Euro) berappt werden muss. Im Winter ist alles dicht, dann verlaufen dort die Skiloipen. Peter, der dänische Fahrer und Elchexperte, sieht der Safari gelassen entgegen: Von 25 Fahrten mit Touristen sei nur eine elchfrei geblieben. Bis zu 980 Meter hoch in die Berge führt der Weg. Die Elche hätten keine Angst vor den Autos, sagt Peter. „Wenn wir einem begegnen, müssen wir im Bus bleiben.“
In Norwegen leben etwa 200 000 Elche. Etwa 10 000 sterben jährlich bei Unfällen mit Autos oder der Bahn. Peter ist in seinem Element, hat viel zu erzählen: „Während Olympia 1994 sind die Elche ein echtes Problem gewesen. Alle zwölf Minuten fuhr ein Zug von Oslo nach Lillehammer. 15 000 Soldaten sind als Streckenposten an den Gleisen eingesetzt worden.“ Ein Zusammenprall zwischen einem Zug und einem Elch kostet wertvolle Fahrtzeit. „Das hätte ein Chaos ausgelöst“, sagt Peter. „So ist aber nichts passiert.“
Noch eine Anekdote: „Am Tag vor der Olympia-Eröffnung sind in Lillehammers Hauptstraße drei Elche gesichtet worden. Die Reporter haben das für einen Gag gehalten.“ Peter lacht: „Es war aber keiner.“ So weit also die Geschichten. Und wo sind die Elche? Der Bus tuckert weiter über die Bergstraßen. Eine weite Prärie mit Nadelbäumen, Wiesen und Hügeln am Wegesrand. Aber kein Elch. Zwischenstopp. Mit Feldstechern beobachten die Touristen die Gegend. Nichts. Immer noch kein Elch. Nur Schafe.
Weiter geht’s. Es ist ruhig geworden im Kleinbus. Alle starren raus. Links, rechts. Nervös, gespannt, ruhig. Peter hält erneut an, lugt durch seinen Feldstecher. Immer noch nichts. Weites Feld.
Nach zweistündiger Safari ist keines der Tiere zu sehen. Das ist dann wohl Fahrt Nummer zwei ohne Elch. Bei Svartseta stoppt der Wagen an einer Almhütte, in der Peters Frau ein Abendbrot herrichtet. Aber eine Elchsafari ohne Elch? Nein, nicht ganz. Auf dem Almhüttengrundstück stellt Peter einen zweiten Feldstecher auf, ein gewaltiges Fernrohr. Und da hinten – ganz in der Ferne, nur durchs Glas erkennbar: ein äsender Elch. Der Beweis. Es gibt sie. Irgendwo da draußen.

Nach dem Abendbrot dann der einstündige Rückweg durch die inzwischen eingebrochene Dunkelheit nach Lillehammer. Kein Elch im Scheinwerferlicht. Nur Insekten. Wenn wir das nächste Mal nach Norwegen kommen, sind die Elche hoffentlich kooperativer.

RTelenovela

Norwegen (5): Mein linker, linker Platz ist leer

Dienstag, den 9. September 2008
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(4) -> 7.9.2008

Regen. Ganz fein kommt er vom Himmel, ein bisschen Schnee ist auch dabei. Das Wetter heute Morgen in Nordseter ist bescheiden. Aber das kann uns wurscht sein, denn heute reisen wir ab.
Je weiter wir mit unserem Bus – Klaus fährt uns wieder, diesmal ohne seine Enk…, äh, Töchter – runter nach Lillehammer kommen, tauchen wir mehr und mehr in eine Nebelsuppe ein. Schietwetter in Lillehammer. Ganz klar: Lillehammer ist traurig über unseren Abgang.

Auf dem Osloer Flughafen komme ich diesmal störungsfrei durch die Sperren. Wahrscheinlich hat sich rumgesprochen, dass bei mir nichts zu holen ist. Außer dreckige Klamotten und kiloweise Prospekte.
Der Flug von Oslo nach Frankfurt/Main ist gemütlich, die Hälfte der Sitze bleibt leer. Die 105 Minuten nutzen wir, die deutschen Zeitungen zu studieren. Ausführliche Berichte zum SPD-Chaos in der Frankfurter Rundschau (die ich übrigens sehr lesenswert finde).
Die Sicht ist phänomenal. Zumal man kurz vor der Landung fast in die Fenster der Häuser gucken kann. Und da die A5 direkt neben dem Beginn der landebahn liegt, kann man dort sogar die Schilder lesen. Sonst habe ich nur die Flugzeuge von der A5, also von unten aus, gesehen.

Der Flieger von Frankfurt/Main nach Berlin ist ausgebucht, es gibt sogar eine Warteliste. Nur ein Platz bleibt leer: der links neben mir. Das nenne ich mal Glück. Oder gab es einen grund dafür, den ich noch nicht weiß?

Norwegen – das wars, und schön wars. Vielleicht gibt es ja mal ein Wiedersehen, eine Rückkehr zu Peer Gynt oder den Schneepisten. Oder zu den Fjorden, die wir ja nun nicht gesehen haben. Oder nach Finnmark, wo ein Schneemannpark entsteht. Oder… oder…

PS: 56 Fotos im meinVZ.

RTelenovela

Norwegen (4): Auf den Spuren Olympias

Sonntag, den 7. September 2008
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(3) -> 6.9.2008

Der Sonntagmorgen beginnt recht kühl. In Lillehammer sind nur 2 Grad, bei uns in den Bergen, in Nordseter, schon ein paar mehr: Das Thermometer vor unserem Hotel zeigt 8 Grad an. Die Sonne scheint.
Sport, Geschichte und Kultur lauten unsere heutigen Stichworte.

Ein Besuch des Freilichtmuseums Maihaugen sollte auf jeden Fall auf dem Programm stehen. Hier werden 300 Jahre Geschichte im Gudbrandsdal veranschaulicht. Man kann sich eine kleine Kirche ansehen, die ursprünglich etwa 1200 gebaut wurde, jedoch noch ein paarmal umzog. Bauernhöfe und Almhütten aus dem 18. Jahrhundert. Wie haben die Bauern damals gelebt? Wo haben sie geschlafen?
Ein paar Meter weiter ist die Einkaufsstraße von Lillehammer aufgebaut – wie sie vor 100 Jahren aussah.
Dann – und so etwas habe ich eigentlich in noch keinem Museum gesehen: Häuser und Wohnungen aus dem 20. Jahrhundert. Man kann sich ganze grundtücke und Häuser mit ihren Inneneinrichtungen ansehen – wie sie in den 1930ern, 50ern, 60ern und in den weiteren Jahrzehnten aussahen. Im 80er-Jahre-haus fällt dann natürlich im Mädchenzimmer das Heft mit dem Patrick-Swayze-Foto auf. Oder die jane-Fonda-Fitness-Zeitschrift. Möbel aus der jeweils damaligen Zeit, Geräte – komplett eingerichtete Häuser. Eine echte Zeitreise – unglaublich interessant.

Weiter nach Bjerkebæk. Dabei handelt es sich um das Anwesen der Schriftstellerin Sigrid Undset. Sie erhielt 1928 den Literatur-Nobelpreis. Das Haus, das ihr in Lillehammer gehörte, ist weitgehdn im Zustand aus den 40ern erhalten geblieben.
Okay, unsere deutschsprachige Führerin war ein wenig irritiert, dass wir so gar nichts über Sigrid Undset wussten. Auf die Frage, welche Bücher wir denn von ihr kennen würden, ernetete sie nur ein Schulterzucken. Ja ja, wir hätten uns besser vorbereiten können.

Was wäre ein Besuch von Lillehammer, ohne etwas über die Olympischen Spiele mitzukommen? Nachdem wir ja gestern schon mal die Skisprungschanze besichtigt hatten, sahen wir uns heute im Norwegischen Olympischen Museum um. Es befindet sich in dem Gebäude, in dem bei Olympia 1994 auch Eishockey gespielt wurde. Heute wird die Håkons Hall für Handball, Volleyball und Badminton genutzt. Zumindest waren diese Sportarten auf dem Partkett aufgebaut.
Über alle bisher stattgefundenen Olympischen Spiele der Neuzeit kann man sich im Museum informieren – natürlich aus norwegischer Sicht. Aber trotzdem extrem interessant. Mir war zum Beispiel neu, dass Berlin die Winterspiele 1916 austragen sollte. Wegen des Ersten Weltkrieges entfiel die Veranstaltung jedoch.
Natürlich – wie sollte es anders sein – auch die Spiele von Lillehammer 1994 werden ausführlich dargestellt – mitsamt des Carrigan-Harding-Eislaufskandals.

Und dann war da noch Klaus, unser heutiger Fahrer, der seine beiden Töchter dabei hatte (wir hielten sie fälschlicherweise für seine Enkeltöchter). Sie hatten großen Spaß an der hügeligen Fahrt von Lillehammer nach Nordseter und kommentieren jedes Auf und Ab der Straße mit Jubel.

Vorschau auf morgen: Mit dem Minibus nach Lillehammer. Mit dem Zug nach Oslo. Mit dem Flieger nach Frankfurt/Main. Mit dem nächsten Flieger nach Tegel. Mit dem Auto nach Oranienburg.

RTelenovela

Norwegen (3): Auf den Spuren der Elche

Samstag, den 6. September 2008
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(2) -> 5.9.2008

Der Morgen in Kvitfjell. Ich könnte schwimmen gehen, noch vor dem Frühstück. Aber wer wohl schon schwimmen gehen, noch vor dem Frühstück? Ich jedenfalls nicht.
Wir erfahren weitere Details über Kvitfjell: Bis zum Ende der 80er war hier noch nichts. Als aber 1994 in Lillehammer und Umgebung die Olympischen Winterspiele stattfanden, wurden hier in Kvitfjell wohl einige der Skiwettbewerbe ausgetragen. Auf dem Skilift können bis zu 11000 Menschen pro Stunde befördert werden. In der letzten Wintersaison (Ende Oktober bis April) lagen bis 2 Meter Schnee. Wir hätten im Winter herkommen sollen.

Weiterfahrt nach Lillehammer, dem südlichen Ort von Gudbrandsdal. Hier kaufe ich mir erstmal Postkarten, die gar nicht mal so preiswert sind. Die Karten selbst kosten mehr als einen Euro, und auch die Briefmarken liegen bei etwa 1,20 Euro.
In der Fußgängerzone ist heute viel los gewesen. Wegen einer Art Rollerblades-Events waren in der Gågata viele Stände aufgebaut. Ein Chor sang Lieder, Mädchen wirbelten ihre Twirlingstäbe, vor einem Klamottenladen lief laute Musik. Das Flüsschen, das durch den Ort fließt, ist ein reißender Strom mit einem rauschenden
Wasserfall.
Nach dem Mittagessen und dem Besuch des Kunstmuseums von Lillehammer, ging es auch schon weiter, in die Berge. Für zwei Nächte ist das Nordseter Sportell unsere Heimstatt. Sportell, ja, das hat mit Sport zu tun. Auch wenn sich jetzt sicherlich einige fragen, was ich denn in einem Sportell zu suchen habe. Gute Frage.
Aber mal abgesehen davon, dass es bedeutet, dass es keinen Fahrstuhl hat und man sich das Bett alleine beziehen muss, ist es doch ein Highlight auf dieser Reise.
Ich betrete mein Zimmer. Boah, eine echte Küche. Ich sehe nach rechts. Boah, ein richtiges Wohnzimmer mit Couch, Kamin, Tisch, Sessel und Breitbildfernseher. Weiter nach hinten. Boah, ein Schlafzimmer. Und noch weiter. Boah, ein kleines Bad. Toll! Nun gut, dass kein klopapier da war – das ließ sich ändern. Und W-Lan gibts hier auch. Jetzt gerade sitze ich auf meiner Couch.
Also, wenn spontan jemand rumkommen will – in der Nacht zu Montag bin ich hier noch – einfach nach Nordseter kommen, gleich nebenan von Lillehammer.

Auf der Olympiaschanze Lysgårdsbakkene feierte so mancher Sportler große Erfolge. Bei unserem Besuch heute ging es auch Schlag auf Schlag. Nur dass auf den Schanzen (90 und 120 Meter) kein Schnee lag, sondern ein Wasserbelag. Ein doller geräusch, wenn die Springer an einem vorbeisausen.
Um besser sehen zu können, mussten wir von oben aus eine Treppe runterlaufen. Dummerweise aber auch wieder hoch: Fast 500 Stufen!! Nach Sauerstoff ringend und kurz vorm Koma taumelte ich in unseren Kleinbus zurück.

In Norwegen soll sich der eine oder andere Elch rumtreiben. Deshalb fuhren wir am Abend auf eine Elchsfari in die Berge.
Durch diese Berge führen Privatstraßen, für die wir eine Maut von 150 Kronen (20 Euro) berappen mussten. Im Winter ist hier alles dicht, dann führen hier Skiloipen entlang.
Peter, unser dänischer Fahrer und Elchauskenner meinte, von 25 Fahrten sei nur eine elchfrei geblieben, er könne trotzdem nichts garantieren.
Bis zu 980 Meter hoch in die Berge würde uns unser Weg führen, gestern Nacht seien schon -1 Grad gewesen. Die Elch habe keine Angst vor Autos, wenn wir einem begegnen sollten, müssten wir im Bus bleiben.
In Norwegen gebe es 200000 Elche, von denen jährlich 35000 bis 50000 geschossen würden. Etwa 10000 würden bei Unfall mit Autos oder der Bahn sterben. Während Olympia 1994 sei das ein echtes Problem gewesen: Alle 12 Minuten fuhr ein Zug von Oslo nach Lillehammer, 15000 norwegische Soldaten mussten Streckenposten an den Gleisen spielen. Ein Elch-Zug-Zusammenprall würde 30 Minuten Fahrtzeit kosten, das hätte ein Chaos ausgelöst. So aber sei nichts passiert. Am Tag vor der Olympia-Eröffnung seien in Lillehammers Hauptstraße drei Elche gesichtet worden und die Reporter hätten das für einen Gag gehalten. Es sei aber keiner gewesen.
So weit die Geschichten.
Wir fuhren also über die Berge. Eine weite Prärie mit Nadelbäumen, Wiesen und Hügeln. Aber kein Elch. Weit und breit.
Zwischenstopp. Mit Feldstechern beobachteten wir die Gegend. Nichts. Immer noch kein Elch. Nur Schafe, die hier überall frei rumlaufen, in diesen Tagen aber zurückgeholt werden.
Wir fuhren weiter. Und starrten raus. Links und rechts. Nervös, gespannt, ruhig. Peter hielt an, lugte durch seinen Feldstecher. Und nichts. Nichts. Nichts. Nur weites Feld.
Zwei Stunden Fahrt – kein Elch. Das ist dann wohl Fahrt Nr. 26 gewesen – und Nr. 2 ohne Elch. War aber trotzdem toll!
Bei Svartseta stoppten wir an eine Almhütte, in der Peters Frau für uns ein Abendbrot herrichtete.
Elchsafari ohne Elch? Nein. Nicht ganz. Auf dem Almhüttengrundstück stellte Peter einen zweiten Feldstecher auf, ein richtiges Fernrohr. Und da hinten – ganz in der Ferne, nur durchs Glas erkennbar: ein Elch. Ein fressender Elch.
Der Beweis. Es gibt sie. Irgendwo da draußen.
Vielleicht haben sie auch gerade Fußball gesehen – Norwegen spielte gerade gegen Island. Unterdessen meldeten uns unsere deutsche Korrespondentin per Handy das 1:0 für Deutschland gegen Liechtenstein. Ständchen: “Lu – kas – Po – dols – ki!!”
Nach dem Abendbrot dann der einstündige Rückweg durch die Dunkelheit nach Nordseter. Kein Elch im Scheinwerferlicht. Nur Insekten.

Vorschau auf morgen. Eher ruhig: das Freilichtmuseum Maihaugen, dann weiter nach Bjerkebæk, dem Anwesen der Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin Sigrid Undset. Dann haben wir Freizeit – Zeit zum Schwimmen? Mal sehen.