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Politik ist sein Hobby

Donnerstag, den 18. Juli 2019
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Der Sommerfelder Reiner Tietz (80) von den Linken ist Kremmens ältester Stadtverordneter

MAZ Oranienburg, 18.7.2019

Sommerfeld.
Auf seinem Schreibtisch liegt ein Foto, auf dem steht: „Reiner, es ist besser, wenn du jetzt gehst.“ Er lächelt verschmitzt. Denn eigentlich hat Reiner Tietz genau das nicht vor: zu gehen. Der 80-jährige Sommerfelder hat noch einiges zu tun. Er ist Stadtverordneter in Kremmen, lange saß er im Sommerfelder Ortsbeirat. Er engagiert sich bei den Linken und in der Willkommensinitiative in Kremmen.
„Ja, zahlreiche Dinge habe ich schon zurückgefahren und mich ein wenig zurückgezogen“, sagt er. Aber gleichzeitig gibt es noch Projekte in Kremmen und den Ortsteilen, die er weiterverfolgen möchte. Wenn er aber auf sein Leben zurückblickt, dann sagt er: „Ich bin nicht unzufrieden mit meinem Lebenswerk.“ Auch wenn es in seinem Leben einen einschneidenden Bruch gab.

Reiner Tietz ist Magdeburger, er selbst sagt „Machteburger“. 1938 ist er dort geboren. „Wir haben direkt in der Stadt gewohnt, in einem alten Mietshaus.“ Sein Vater war Drogist, arbeitete in einem Chemiebetrieb, die Mutter war Kindergärtnerin. Er begann eine Berufsausbildung zum Chemiefacharbeiter und studierte später in Leipzig Ingenieur-Ökonomie-Chemie. „Ich kam dann ins Chemiewerk nach Coswig.“ Er betreute Brennöfen für Düngemittel und Schwefelsäureherstellung. „Das war mein Ding.“ Gleichzeitig zog es ihn aber in die Politik. Er war FDJ-Sekretär. Er wurde in Coswig Stadtverordneter, ging dann nach Berlin zur Parteihochschule. „Da studiert man Marxismus-Leninismus.“ Reiner Tietz lächelt wieder. „Die politische Arbeit hat mir Spaß gemacht.“ 1966 machte er sein Staatsexamen, war dann jahrelang im Zentralrat der FDJ. Er beschäftigte sich bald mit dem Staatsrecht und wurde 1975 Direktor des Staatsverlages. „Das war der Verlag in der DDR für juristische Literatur und populärwissenschaftliche Literatur.“
Die DDR habe ein ausgefeiltes, einfaches Rechtssystem gehabt. „Wir legten Wert darauf, dass die Bürger Bescheid wussten. Es ging uns um die Propagierung des sozialistischen Rechts – bis zur Wende.“ Die war für ihn ein Einschnitt. „Wir haben versucht, die Sache zu erhalten. Aber uns war klar, dass das nicht mehr möglich war. Dann setzte ein tiefgehender Lernprozess ein, auch bei mir persönlich. Wir haben eklatante Fehler gemacht und zu spät umgesteuert“, sagt er zum Umbruch 1989/90. Es sei zwar die Mitwirkung der Bürger propagiert, aber oft nicht wirklich umgesetzt worden.

Er hat den Wechsel von der SED zur PDS und nun zur Linken mitgemacht. „Wir mussten umlernen. Wir mussten überlegen, wie wir den Kern einer gerechten Gesellschaft vertiefen, deshalb bin ich Linker geblieben.“ Zur Wende war er 52. „Ich war auf dem Höhepunkt meines Schaffens.“
Er musste den Betrieb, den Staatsverlag, über die Runden bringen. „Es war klar, dass es keinen zweiten Staatsverlag geben würde, in der Bundesrepublik gab es ja schon einen.“ Bis 1991 war er Direktor bei dem Verlag, danach wechselte er zum Freiburger Haufe-Verlag, der in Berlin eine Außenstelle hatte. Bis 1996 war er dort. Ein Jahr lang war er arbeitslos, dann ist er in Rente gegangen.

Bis 1998 war er Berliner – eigentlich. Denn schon Anfang der 70er-Jahre entdeckte er Sommerfeld. Wegen einer Lungenkrankheit war er damals drei Monate in der Klinik und erkundete das Dorf. Er lernte den Nutzer des Grundstücks kennen, auf dem er heute lebt. „Wir blieben auch danach lange in Verbindung. Als er ins Altersheim ging, haben wir uns um das Grundstück beworben.“ Familie Tietz bekam den Zuschlag und hatte nun ein Gartengrundstück. Nach der Wende konnte sie es kaufen und baute dort ab 1997 ihr Haus. „Vorher waren wir in Berlin-Marzahn in einem kleineren Plattenbau.“ Ein günstiger Kredit machte es möglich – sie bauten in Sommerfeld ihr neues Heim und zogen ganz raus ins Dorf.

Ziemlich schnell begann dann seine politische Arbeit in Oberhavel. „Damals gab es in Sommerfeld noch eine Gemeindevertretung, da waren zwei oder drei Linke drin, die habe ich unterstützt.“ Bald wuchs er in die politische Arbeit rein, war von 1998 bis 2002 im Kreisvorstand der Linken in Oberhavel, von 2000 bis 2002 Vorsitzender. 2003 wurde er Abgeordneter des Kreistages und in der Kremmener Stadtverordnetenversammlung.
„Es war mir wichtig, weil ich dokumentieren wollte, dass ein Sozialist in der Lage ist, für die Leute etwas zu tun.“ Musste er sich für seine Vergangenheit je rechtfertigen? „Nicht direkt.“ Er schmunzelt. „Aber es gibt von manchen Leuten indirekte Spitzen“, sagt er. „Aber ich höre darüber hinweg.“

Kremmen ist ihm wichtig. „So wesentlich hat sich nichts verändert, und das ist gut.“ Man müsse die langfristige Entwicklung der Stadt im Auge behalten. „Es muss mehr Wirtschaftsansiedlung passieren.“ Mehr Wirtschaft bedeutet mehr Einwohner, „daran reiht sich die Bildungslandschaft.“ Die Schule müsse in Trägerschaft der Stadt Kremmen bleiben, so Reiner Tietz. Dazu der Neubau für die Feuerwehr, „und der Straßenzustand muss verbessert werden.“ Beim Klubhaus müsse eine Entscheidung fallen, die machbar sei. Aus seiner Sicht müsse ein Investor her.
Wenn man ihn fragt, ob noch Zeit für Hobbys ist, schmunzelt er wieder. Alles, was er mache – das seien seine Hobbys. Außer vielleicht noch: sein Grundstück. „Das will ja in Ordnung gehalten werden.“ Er ist seit 1968 verheiratet, hat drei Kinder und zwei Enkelkinder. Anfang des Jahres musste er entscheiden, ob er weiter machen wolle in der Politik. „Meine Frau hätte es lieber gesehen, wenn ich ausgestiegen wäre“, sagt er. Aber andere hatten ihm signalisiert, dass er weiter gebraucht werde. Das freut ihn. Rückblickend sagt er: „Ich habe nicht sinnlos gearbeitet. Es gab einen starken Einschnitt nach der Wende, aber ich habe auch danach nicht den Kopf hängen lassen.“ Das will er auch weiterhin nicht tun.

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Eine Gartenidylle am Stadtrand

Mittwoch, den 17. Juli 2019
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Katrin Sprenger und Jan Kühling bieten in Kremmen „Kunst und Beeren“ – Café hat Luch-Blick

MAZ Oranienburg, 16.7.2019

Kremmen.
Was für eine Aussicht! Wer sich ins Wiesencafé „Luchblick“ setzt, bekommt genau das: einen Blick ins Luch, ins freie Feld. In der Ferne stehen die Kühe – und da ganz hinten kann man sogar die Straße nach Hohenbruch sehen.

Katrin Sprenger und Jan Kühling betreiben am Kremmener Stadtrand den Hof „Kunst und Beeren“. Es ist ein idyllischer Ort der Ruhe, der Natur und der Ideen. Direkt am Rhinkanal gelegen, können sich die Besucher einerseits in der Antik- und Kunsthandwerkscheune umsehen, durch den Beerengarten laufen und Früchte pflücken oder sich eben ins Café im Grünen setzen und einfach nur genießen.
„Ich bin Norddeutscher und komme vom Bauernhof“, erzählt Jan Kühling. Der 48-Jährige stammt aus Rechterfeld südwestlich von Bremen. „Und hier denkt man auch, man ist im Norden. Wir blicken aufs Feld, haben den Kanal im Rücken, Kremmen selbst ist auch total schön.“ Seit 2011 hat er den Hof. Das Paar kennt sich seit drei Jahren, „und seit drei Jahren wird es hier auch immer hübscher“, sagt Jan Kühling und lächelt. Er brauchte einfach mal Ruhe. Er arbeitet als Entwicklungshelfer, ist viel unterwegs. Katrin Sprenger stammt aus Berlin-Pankow, hat dort auch noch immer ein Haus. „Wir sind ein Ost-West-Gespann“, sagt sie.

Wer sich in der Antik- und Kunsthandwerksscheune umsieht, wird viel entdecken, was Katrin Sprenger selbst hergestellt hat. Dazu gehören putzige Kühlschrankmagneten, Vasen und vieles mehr. Dort gibt es aber auch Fruchtaufstriche aus Quitten, Maibeeren oder Felsenbirnen sowie diverse Fruchtschnäpse, die Jan Kühling selbst herstellt – natürlich aus Früchten aus dem eigenen Garten und unter der Marke „KremmBerry“.

Im grünen Beerengarten im hinteren Teil des Grundstückes gibt es 27 verschiedene Beerensorten plus mehrere alte Obstsorten zu entdecken: Himbeeren, Johannisbeeren, Blaubeeren, Weintrauben, Aronia, Mispeln, dazu Birnen und Kirschen und einiges mehr. Wer möchte, kann dort auch Kinder frei rumlaufen lassen, denn das Gelände ist eingezäunt. „Ich finde es schön, wenn die Leute Spaß haben“, sagt Jan Kühling. „Sie sollen natürlich nicht 50 Kilo ernten, es geht um das Entdecken und Naschen.“ In Zukunft könnte es zudem ein Kinderbeet geben. „Auch wollen wir noch in Richtung Events gehen, um zu zeigen, wie man Weine herstellt. Später eine Ausstellung oder kleine Konzerte.“

Der Lieblingsort von Katrin Sprenger und Jan Kühling ist aber die Plattform des Wiesencafés mit dem Ausblick auf das freie Feld. Dort können die Besucher etwas trinken und ein paar Kleinigkeiten essen. Es gibt Salate, einen norddeutschen Pannekoken (Eierkuchen), eine Garten-Quiche sowie Suppen und Kuchen je nach Saison.
Vor zwei Wochen war die „ruhige Eröffnung“. „Wir wollen noch lernen, und wir sind ja auch nur zwei Leute“, sagt Jan Kühling. „Nächstes Jahr machen wir dann die große Eröffnung“, ergänzt Katrin Springer. Wobei sie klarstellen, dass ihr „Kunst und Beeren“-Hof keinesfalls ein Massentourismus-Projekt werden soll. Am Café stehen zum Beispiel eine Bank und zwei Tische. Sehr viel mehr – wenn überhaupt – sollen es nicht werden. Hinter den Büschen gibt es noch ein paar Sonnenliegen. Im Großen und Ganzen soll die Idylle weiter bestehen bleiben. „Es soll alles schön natürlich bleiben.“ Eine Idylle, die sie aber mit den Besuchern teilen wollen. „Die Leute sind unglaublich freundlich und hilfsbereit“, sagt die 50-Jährige.

Das Gelände macht aber auch viel Arbeit. Momentan ist der Hof freitags bis sonntags von 12 bis 20 Uhr geöffnet – bis Oktober. Morgens kümmert sich Jan Kühling um Beete und Wiesen, wässern, mähen, Pflegen. Eventuell kommen im nächsten Jahr noch ein paar Tiere dazu. Dann ist die Naturidylle perfekt.

-> Der Hof befindet sich in Kremmen, Am Kanal 16. Infos im Internet: www.kunst-beeren.de

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Mit 20 Jahren schon Fraktionschef

Donnerstag, den 4. Juli 2019
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Lukas Neumann ist neu in der Kremmener Kommunalpolitik und spielt bereits eine führende Rolle

MAZ Oranienburg, 4.7.2019

Kremmen.
Das ist mal ein Aufstieg. Lukas Neumann ist mit seinen 20 Jahren nicht nur der jüngste Kommunalpolitiker in Kremmen. Gleich mit seinem Einstieg ist er schon zum Fraktionschef der CDU gewählt worden und ist somit Nachfolger von Frank Bommert. „Er steht mir da aber zur Seite“, sagt Lukas Neumann. „Er ist ja unglaublich erfahren, ich verstehe mich sehr gut mit ihm und bin da guter Dinge. Die Leute unterstützen mich.“
Ein bisschen aufgeregt sei er dennoch gewesen, als er vergangene Woche in seiner ersten Stadtverordnetenversammlung das Wort für seine Fraktion ergreifen durfte. „Ich bin Ansprechperson und spreche im Namen der Fraktion.“

In die CDU eingetreten ist er Ende 2017. „Überall wird gemeckert, aber keiner ändert was.“ Er aber hat Lust und Zeit etwas zu verändern, sagt er. Er will hören, was die Menschen sagen und will sie, wo er das kann, unterstützen. Als es darum ging, wo er sich politisch engagieren könnte, „habe ich mich überall schlau gemacht. Bei der Jungen Union habe ich mich am wohlsten gefühlt.“ Wichtig sei ihm gewesen, dass es auch einen Kreisverband gibt. „Mir war ein familiäres Umfeld wichtig.“ In Kremmen drängt er auf eine enge Zusammenarbeit der Stadtverordneten mit der Verwaltung. „Als noch ein anderer Bürgermeister da war, hat das schlecht bis gar nicht funktioniert“, sagt Lukas Neumann. Auch der Draht zu den Ortsbeiräten müsse wieder enger werden. „In Staffelde soll ein neues Wohngebiet entstehen, da müssen wir uns gut verständigen.“ Dass die CDU in Beetz im Ortsbeirat nicht vertreten ist, bedauert er.

„Der Schulausbau ist ein ganz großer Punkt in Kremmen. Die Stadt soll und wird wachsen.“ Wenn Wohngebiete entstehen, müsse aber auch der Schulstandort vergrößert werden. Auch der Stadtpark steht auf seiner Liste. „Der ist wunderschön, aber er braucht Pflege.“ Jetzt wirke er klein und dunkel. „Ein weiterer Punkt ist das Klubhaus.“ Dass im Festsaal wieder Events wie der Karneval stattfinden, sieht er aber nicht. „Da würde die Kapazität nicht mehr ausreichen“, so Lukas Neumann. Zu bedenken sei aber, dass Kremmen kein Gemeindezentrum habe, im Gegensatz zu allen Ortsteilen. „Einen kleinen Hotspot wünscht sich jeder.“

In die höhere Politik will er übrigens eher nicht. „Ich bin kein Überambitionierter, der gleich in den Bundestag strebt“, sagt er. „Ich mache Politik für Kremmen.“ Der Kreistag wäre aber noch denkbar – aber vielleicht in 20 Jahren, so Lukas Neumann mit einem Schmunzeln.

Dass er als Nachrücker für Sebastian Busse ins Stadtparlament gekommen ist, stört ihn nicht. Busse stand zur Wahl, hat als Bürgermeister aber das Stadtverordnetenmandat wie erwartet nicht angenommen. „Die CDU hat nichts verbrecherisches getan.“ Er gibt aber auch zu, dass es ein „zweischneidiges Schwert“ sei. „Aber die Leute, die meckern, haben mich sowieso nicht gewählt.“

Lukas Neumann ist Student. Er beschäftigt sich in Potsdam mit dem Bauingenieurswesen. „Ich pendele jeden Tag.“ Mit dem Auto fährt er 45 Minuten, mit der Bahn wäre er sehr viel länger unterwegs. „Das ist total unattraktiv.“ Er wolle in Kremmen wohnen bleiben. Am Haus seiner Eltern wolle er sich eine separate Wohnung ausbauen. Überhaupt: das Bauen. „Ich baue unglaublich gerne“, sagt er. Renovieren, sanieren, oft gemeinsam mit dem Vater. Da spielt die Politik dann mal keine Rolle.

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Gitarrenbauer mit eigener Werkstatt

Mittwoch, den 26. Juni 2019
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Tobias Hergt und Ulf Gruber leben in Kremmen ihr Hobby aus – bald wollen sie einen Kurs anbieten

MAZ Oberhavel, 26.2.2019

Kremmen.
Tobias Hergt macht seit mehr als 40 Jahren Musik. Am liebsten spielt der 47-jährige Berliner auf der Akustikgitarre. Er wollte sich immer mal eine Neue kaufen, „aber das war mir zu teuer.“ Er begann, sich näher damit zu beschäftigen, und irgendwann war klar: Er kann sich eine Gitarre auch selber bauen. Mehrere Jahre lang betrieb er in Berlin-Charlottenburg eine Gitarrenbauwerkstatt. Als klar war, dass er dort raus muss, begann er neue Räume zu suchen – und fand sie in Kremmen.
Gemeinsam mit Ulf Gruber betreibt er nun in der Grabenstraße eine neue Gitarrenbauwerkstatt – als reines Hobby, nicht als Gewerbe. „Bisher nur für uns selbst“, so Tobias Hergt. Um das Geldverdienen gehe es dabei noch nicht. „Wir müssten auch richtig viel Aufwand betreiben, damit wir richtig gute Gitarren bauen. Zumal es ja große Firmen gibt, die das zu anderen Preisen machen können.“
Vor zwei Jahren sind sie in ihre Räume in Kremmen gezogen. „Vieles entstand Stück für Stück“, erzählt Ulf Gruber. Der 53-Jährige aus Beetz arbeitet als Musiklehrer an der Kremmener Goethe-Oberschule. „Wir sind oft am Wochenende hier oder auch nach Feierabend. Für mich ist das hier ein echter Ruhepol, das hat fast etwas Therapeutisches.“ Zehn Gitarren haben sie bereits gebaut, jede ist ein Unikat. „Natürlich nur als Hobbyisten“, sagt Ulf Gruber. „Für meinen Prototyp habe ich lange gebraucht, vielleicht ein dreiviertel Jahr. Ich habe da viel von Tobi gelernt.“

Die beiden kennen sich seit dem Jahr 2000. „Tobi hat mir immer von seinen Projekten erzählt.“ Ursprünglich hatten sie den Plan, gemeinsam mit Kindern Instrumente zu bauen. „Wir haben in unseren Familien ja beide Kinder, und der beste Weg, den Musikern den Weg zur Musik zu zeigen, ist, ein Instrument zu bauen“, erzählt Ulf Gruber. „Zumal wir beide ja eine große Affinität zum Selbermachen haben“, ergänzt Tobias Hergt, der ansonsten Softwareentwickler ist.

Was aber macht denn eine gute, selbstgebaute Gitarre aus? „Wenn du sie selber baust, kannst du sie nach deinen persönlichen Vorstellungen bauen“, so Ulf Gruber. Die Bespielbarkeit spiele aber natürlich die entscheidende Rolle. „Wenn du ein Instrument baust, baust du ein Stück deiner Seele mit rein. Du hörst den ersten Ton, und das ist unbeschreiblich.“ Tobias Hergt erzählt vom Besuch bei der Musikmesse. „Da habe ich nicht eine Klampfe gefunden, die ich haben wollte. Meine sind besser.“

Auf lange Sicht wollen sie ihr Wissen in Kremmen weitergeben und in ihrer Gitarrenwerkstatt Workshops anbieten. Wann es so weit sein könnte, ist aber noch offen. „Wir denken an einen zweiwöchigen Kurs“, sagt Ulf Gruber. Das sei auch wie zwei Wochen Urlaub, und danach habe man ein eigenes Instrument. Zudem könnten die Teilnehmer in der Zeit Kremmen kennenlernen. „Wir haben ja hier ein großes touristisches Angebot. Die Tiefste Provinz, der Spargelhof, der See, die Möglichkeit sind groß.“ Ein Ziel sei es zudem, CITES-frei zu bauen. Auf der CITES-Liste stehen gefährdete Gehölze. „Das Holz muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen, man muss die Kette nachweisen, wo es herkommt“, erklärt Ulf Gruber. Ahorn, Fichte, aber auch andere Holzarten seien möglich.
Vielleicht schon im Herbst könnte so ein Kurs stattfinden. Wenn nicht zwei Wochen, dann vielleicht an den Wochenenden. „Wir hoffen, es gibt mehr Leute, die so ticken wie wir“, sagt Tobias Hergt. Wenn es so weit ist, wollen sie informieren.

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Ein Jahr für Kremmen unterwegs

Freitag, den 14. Juni 2019
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Am Sonntag wird auf dem Spargelhof die Nachfolgerin von Lara Volgnandt vorgestellt –die 18-Jährige erzählt, was sie in den vergangenen zwölf Monaten erlebt hat

MAZ Oberhavel, 14.6.2019

Kremmen.
So schnell vergeht ein Jahr. Mitte Juni 2018 ist die Kremmener Erntekönigin Lara Volgnandt gekrönt worden. Nun steht schon ihre Nachfolgerin in den Startlöchern – am Sonntag soll sie auf dem Spargelhof vorgestellt werden. Aber bis Ende August ist die 18-Jährige noch in Amt und Würden.
„Ich empfehle eigentlich jedem, das mal zu machen“, sagte Lara Volgnandt am Donnerstag. „Das ist echt viel wert.“ Sie habe in den vergangenen zwölf Monaten viel gesehen und erlebt und viele Menschen kennengelernt. Angefangen hat auch bei ihr alles mit der Krönung. „Das war sehr aufregend.“ Alle hätten sie angesehen. „Aber damit habe ich mich sehr wohl gefühlt.“ Kein Wunder, denn sie steht auch so öfter mal auf der Bühne. Sie tanzt bei den Roten Funken im Kremmener Karneval-Club.
Sie hatte gerade ihr Fachabitur in der Tasche. Sie arbeitet momentan in der Gastronomie auf dem Spargelhof. Detlef Reckin, der auch dort arbeitet, hatte sie eines Tages gefragt, ob sie sich den Job vorstellen konnte. „Ich musste eigentlich nicht lange überlegen.“ Es kam ihr sogar ganz recht, denn sie hatte im Jahr nach dem Abi genügend Zeit, die vielen Termine wahrzunehmen.

Die größten Veranstaltungen, an denen sie teilgenommen hatte, waren die Internationale Grüne Woche in Berlin und die Brandenburgische Landwirtschaftsausstellung (BraLa) in Paaren im Glien. In Berlin stand sie mehrfach mit Landrat Ludger Weskamp auf der Bühne. „Und ich saß auch in der Kutsche in der Tierhalle“, erzählt sie. Es ging später von Stand zu Stand. Lächeln und winken – das sei auf solchen Ausstellungen immer wichtig. „Aber das fällt mir eigentlich leicht“, sagt die Erntekönigin. „Ich habe da keine Scheu.“
Bei der BraLa hatten Kremmen und Oberkrämer auch einen Stand, an dem sie präsent war. „Dort wurde ich auch interviewt“, erzählt sie. Auch mit einem Trecker war sie dort unterwegs. Ebenfalls ein Höhepunkt war ihre „Hauptveranstaltung“, das Erntefest in Kremmen. „Ich saß in der Kutsche mit dem Bürgermeister und dem Oranienburger Kurfürstenpaar.“
Eine der weitesten Reisen unternahm sie nach Thüringen. „In Lauscha waren wir beim Kugelmarkt. Dort wurde die Glasprinzessin gekrönt. Sie hat uns gezeigt, wie die Weihnachtskugeln hergestellt werden.“ Am lustigsten sei der Tag gewesen, wo in Oranienburg das Fotoshooting für den Gesundheitstag stattfand. „Wir hatten wirklich viel Spaß. Wir konnten rumalbern und alles für den Tag planen.“ Das besondere: Als Kremmener Erntekönigin war sie Pate für diese Veranstaltung. „Als ich mich da das erste Mal so groß auf einem Plakat gesehen habe, da habe ich mich kurz erschreckt“, erzählt sie. „Aber ich fand es schon auch cool.“

Ein paar Termine hat sie noch zu absolvieren. Am Sonnabend besucht sie zur Brandenburger Landpartie das Erdbeerfest in Schwante. Am Sonntag ist sie beim Tourismustag auf dem Kremmener Spargelhof, wo auch ihre Nachfolgerin vorgestellt wird. „Sie ist eine würdige Nachfolgerin“, sagt Lara Volgnandt. Wer es ist, darf sie noch nicht verraten.

Die vielen Termine seien gut planbar gewesen, sagt die 18-Jährige. „Man bekommt ja rechtzeitig Bescheid, und ich hatte schon früh eine Liste mit den festen Terminen.“ Sie will bald eine Ausbildung bei Audi in Berlin beginnen und Automobilkauffrau werden. „Ein Freund hat das gelernt, und ich fand das interessant.“ Nach Berlin wird sie allerdings nicht ziehen, bekräftigt sie. „Nein, ich werde in Kremmen bleiben.“

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RTelenovela

B273 überklebt

Donnerstag, den 6. Juni 2019
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Bundesstraßen werden nicht mehr gebraucht. Sie werden an vielen Stellen zu Landesstraßen herabgestuft. Es heißt, weil diese Bundesstraßen als Parallelen zu Autobahnen nicht mehr gebraucht werden. Dazu gehört aber auch, dass sich nun das Land Brandenburg darum kümmern muss, wenn dort Schlaglöcher entstehen. Der Bund ist dann fein raus.

Seit Anfang 2015 ist die B273 im Bereich zwischen Oranienburg – der B96-Querung – und Staffelde – der A24-Querung – zur L170 abgestuft worden. Wer also durch Germendorf, Sommerswalde, Schwante, Kremmen und Staffelde fährt, ist auf einer Landesstraße unterwegs.
Viele sprechen allerdings immer noch von der B273, auch mitunter die Polizei in ihren Polizeiberichten.

Es hat jedoch auch vier Jahre gedauert, bis endlich mal die Ausschilderung der Strecke verändert worden ist. Bis 2019 hinein standen in Schwante immer noch Hinweise auf die B273. Ebenso in Kremmen an den Wegweisern.
Mehr als vier Jahre hat es offenbar gedauert, bis das mal jemandem aufgefallen ist. Denn seit kurzem sind sämtliche B273-Hinweise in diesem Bereich auf den Schildern abgeklebt.
Die B273 ist nun also auch im Straßenbild in diesem Bereich bloß nur noch eine Erinnerung.

Es ist aber eh nicht mehr viel übrig von der B273. Immerhin ist sie auch zwischen Nauen und Potsdam unterbrochen. Eigentlich macht so eine lückenhafte Bundesstraße nur wenig Sinn. Aber darauf kommt es vermutlich nicht mehr an – wie man auch an der immer wieder unterbrochenen B96-Straßenführung sieht.

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KeineWochenShow

#126 – Meinungen! Noch nicht reguliert!

Sonntag, den 2. Juni 2019
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Es sind bewegte Zeiten. In der 126. Ausgabe unserer KeineWochenShow besprechen wir die Ergebnisse der Kommunal- und Europawahl. Und natürlich, wie die CDU mit dem Rezo-Video umgegangen ist und welche Auswirkungen es vermutlich auf die Wahlergebnisse hatte. Und natürlich über Annegret Kramp-Karrenbauer und ihre Anmerkungen zu Meinungsmache im Wahlkampf.

Um das noch zu vertiefen, haben wir Kontakt mit Frank Bommert aufgenommen. Er ist CDU-Landtagsabgeordneter in Brandenburg und Vorsitzender der CDU in Oberhavel. Wir haben ihn gefragt, ob er sich einem Interview rund um die Folgen des Rezo-Videos stellen würde. Er sagte zu, und nur vier Stunden später trafen wir uns auf dem Spargelhof in Kremmen.
Wie er das Thema einschätzt und auch was er zu den Reaktionen seiner Partei sagt, seht ihr im etwas mehr als 10-minütigen Gespräch innerhalb unserer Sendung.

Außerdem schauen wir noch mal auf Österreich, reden über Pittiplatsch und einiges mehr – in KeineWochenShow #126 auf Youtube.

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