aRTikel

Dreifacher Abschied im Sommer 2020

Samstag, den 5. Oktober 2019
Tags: , , ,

Die Kitaleiterinnen in Flatow, Hohenbruch und Sommerfeld erzählen über den nahenden Ruhestand

MAZ Oberhavel, 5.10.2019

Kremmen.
2020 wird an den Kitas in Flatow, Hohenbruch und Sommerfeld das Jahr der Abschiede. Im Sommer werden die Leiterinnen Kathrin Busse-Staufenbiel, Anita Hahn und Elke Schilling in den Ruhestand gehen.

Elke Schilling wird pünktlich zum 45. Dienstjubiläum gehen. Am 1. August 1975 trat sie nicht nur ihren Dienst an, sie wurde auch gleich Leiterin der Sommerfelder Kita. „Ein bisschen Wehmut ist immer dabei“, sagt sie. „Aber es überwiegt auch die Freude, dann mehr Zeit zu haben.“
Anita Hahn leitet die Hohenbrucher Kita seit 1979. Freut sie sich auf den Ruhestand? Sie überlegt. „Ich bin mir noch nicht so sicher“, sagt sie dann. „Einerseits freue ich mich, aber ich weiß nicht, ob ich absolut loslassen kann, man fühlt sich ja mit der Einrichtung sehr verbunden.“
„Ich werde auf alle Fälle mehr Zeit für mich haben“, sagt Kathrin Busse-Staufenbiel. Zeit für mehr Bewegung, ihren Mann, den Hund und natürlich die Enkel. „Mehr Zeit für die Familie und mich selber“, antwortet auch Elke Schilling auf die Frage, wie sie ihren Ruhestand nutzen will. Anita Hahn sieht das auch so.

Denn der Zeitfaktor ist für die drei Frauen wichtig. Alle drei arbeiten in ihrem verantwortungsvollen Job mehr als die Regelarbeitszeit es vorgibt. „Man ist in Gedanken immer bei seiner Verantwortung, die man hat“, sagt Kathrin Busse-Staufenbiel. „Das ist nicht nach 40 Stunden vorbei“, ergänzt Elke Schilling. „Man überlegt auch in der Freizeit immer wieder, wie man jedem gerecht werden kann.“ Hinzu kommen die üblichen Konferenzen. Am Dienstag erst trafen sich alle Kitaleiterinnen im Kremmener Rathaus zur Besprechung. „Viel Bürokratie“, sagt Elke Schilling. Sie hätte gern weniger davon, dafür mehr Zeit, sich um die Kinder ganz konkret zu kümmern.

Alle drei Frauen sind jahrzehntelang im Dienst, deshalb haben sie inzwischen auch mehrere Kindergenerationen in ihren Kitas betreut. „Man wird schon mal angesprochen“ , erzählt Elke Schilling. „Na, Tante Elke“, habe ihr mal ein Mann zugerufen. „Ich habe ihn aber nicht erkannt und meinte dann: Wenn du mir jetzt noch sagst, wer du bist …“ Als der Mann dann gelacht habe, habe sie auch gleich gewusst, wer er war. Kathrin Busse-Staufenbiel nickt und sagt: „Es ist immer eine große Freude, wenn wir jemanden wiedererkennen.“ Anita Hahn fügt hinzu: „Wir haben ja auch oft schon von den Kindern die Kinder bei uns.“
In den vielen Jahren haben sich aber auch die Kinder verändert, finden sie. „Sie sind selbstbewusster geworden“, sagt Kathrin Busse-Staufenbiel. „Aber auch aufgeschlossener und mitteilungsfreudiger. Ebenso fordernder, was die Aufgaben angeht.“ Elke Schilling stimmt ihr zu und erklärt: „Man muss konsequent sein, wenn es um Regeln geht. Kinder brauchen ihr Nest, ihre Zuneigung. Sie müssen wissen, wo sie hingehören.“
Aber auch die Arbeit mit den jeweiligen Kollegen ist allen drei sehr wichtig. „Wenn ich meine Kollegen nicht gehabt hätte, wäre gar nichts gelaufen“, sagt Elke Schilling. Zusammenhalt sei ihr sehr wichtig. „Den wollen wir auch an die jüngere Generation weitergeben.“ Anita Hahn lächelt und ergänzt: „Ohne die Kollegen und die Eltern wäre ich überhaupt nichts.“

Alle drei sind inzwischen 60 Jahre und älter. Da fällt einiges schon schwerer. „Der Lärm“, sagt Kathrin Busse-Staufenbiel. „Die täglichen Aufgaben fallen schwerer“, sagt Anita Hahn. „Ich merke, ich bin am Abend ganz schön k.o, das war vor zehn Jahren noch nicht so.“
Wie sie ihren letzten Arbeitstag verbringen werden, ist noch nicht klar. „Da habe ich noch nicht drüber nachgedacht“, so Kathrin Busse-Staufenbiel. „Da möchte ich noch nicht dran denken“, sagt Anita Hahn. „Da wird es sicher Tränen geben“, vermutet Elke Schilling. „Aber da gebe ich einen aus.“

Hits: 116

RTelenovela

Ein Hoch auf die Technik (56): Luft! Ich brauche Luft!

Freitag, den 27. September 2019
Tags: ,

(55) -> 8.8.2019

An immer mehr Tankstellen muss man auch schon für Luft bezahlen, auch in Kremmen. Dafür haben sie sich aber einen tollen Automaten angeschafft, der auch ordentlich Rabatz macht.
Allerdings muss man sich erst mal ausführlich die Gebrauchsanweisung durchlesen. Hätte ich es mal am Anfang getan.

Ich parkte seitlich am Automaten, ich schon das 1-Euro-Stück rein, und schon bollerte das Gerät los. Wie eine Diesel-Lok, die auf der Stelle steht. Dann zog ich den Schlauch raus, der aber so am Gerät befestigt ist, dass, wenn man den Schlauch loslässt, er sich fix selbstständig wieder einrollt. Man darf das Ding also keineswegs loslassen.

Das seitliche Parken erwies sich auch als schwierig. Denn der Schlauch ist relativ unelastisch, er droht auf dem Autoblech entlangzuschleifen. Also muss man das Ding biegen. Ich hockte mich hin, damit der Schlauch unterhalb der Motorhaube entlangläuft. Nicht so einfach. Ich erreichte das Ventil auf der automatenabgeneigten Seite und setzte die Pumpe aufs Ventil. Was ich nciht bedacht hatte: Ich hätte schon vorher einstellen müssen, wie viel Bar ich brauche. Also wieder zurück, Schlauch raus – denn wenn die Pumpe auf dem Ventil sitzt, kann man am Automaten keine Werte verstellen.

Irgendwann klappte das alles. Vor dem Auto hockend kriegte ich das Luftpumpen dann doch noch hin, und am Ende war klar, dass man den Euro auch für das abwechslungsreiche Technik-Entertainment bezahlt.

Hits: 129

aRTikel

Yule Zebe liebt das Spiel mit dem Feuer

Samstag, den 21. September 2019
Tags: , ,

Der 29-jährige Beetzer begeistert die Zuschauer mit Flammen – schon als Jugendlicher beginnt er zu üben – hauptberuflich arbeitet er mit dem Spargel

Beetz.
Seine Eltern sagen, er habe schon als Kind eine große Affinität zum Feuer gehabt. Yule Zebe lächelt, als er das erzählt. Denn das Spiel mit dem Feuer ist für den 29-Jährigen aus Beetz ein großes Hobby geworden.

Die Kremmener kennen ihn vermutlich vom Spargelhof. Dort arbeitet er als Betriebsleiter Spargel und kümmert sich um den Anbau und die Ernte des Gemüses. Ende Juli trat er allerdings in einer anderen Rolle auf – nämlich mit seiner Feuershow beim Festival „Feuer und Flamme für Kremmen“ im Scheunenviertel. Er zeigte seine Qualitäten als Feuerspucker, er wirbelte das Feuer an Kugeln durch die Luft und sorgte damit beim Publikum für Erstaunen und Freude.

„Ich hatte schon früh Lust, selber was damit zu machen“, erzählt er. „Feuer hat etwas sehr Urtümliches, Warmes, gleichzeitig auch was Mächtiges und Bedrohliches.“ Mit 14 Jahren kaufte er sich Pois. Ein Poi ist ein Ball am Ende einer Kette, den man herumschleudert. „Ich habe dann im Garten geübt. Da hat man ja eine steile Lernkurve, ansonsten verbrennt man sich.“ Später begann er mit Fackeln zu arbeiten. Und auch das Feuerspucken wollte er lernen. „Ich habe Texte dazu gelesen und geübt. Erst mit Wasser.“ Entweder verwenden Feuerspucker eine Flüssigkeit oder Pulver. „Ich arbeite mit Flüssigkeit“, sagt Yule Zebe. Das ergibt eine schönere Flamme.“ Man müsse diese Flüssigkeit, ein Feuerspuckfluid, stark ausstoßen, so dass sich eine große Wolke ergebe. „Das Zeug ist mehr oder weniger geschmacksneutral.“ Wichtig sei der Wind. Gegenwind könnte die Flamme zurückstoßen. „Und man sollte es nicht einatmen.“
Auch immer gern gesehen: die Funkenpois. „Die sind technisch nicht anspruchsvoll, dafür aber effektvoll“, sagt der 29-Jährige. „Die sollte man so schnell wie möglich drehen, sie sprühen Funken, das sieht aus wie ein Riesenrad.“
Seinen allerersten Auftritt als Feuerkünstler hatte er in Wunsiedel in Oberfranken. „Das war auf einer Chorfahrt, ich war da als Betreuer mit.“ Inzwischen tritt er 15 bis 20 Mal pro Jahr auf. „Oft zur Weihnachtszeit, aber auch bei Hochzeiten oder Firmenfeiern.“ Nicht immer ist alles glattgegangen. „Einmal hat sich eine heiße Kette ums Handgelenk gelegt.“ Auch bei einer Fackeljonglage hat er sich einmal verbrannt. „Da habe ich am falschen Ende zugegriffen.“ Bart und Haare sind auch schon mal angekokelt worden.

Yule Zebe stammt aus Berlin, seit 2016 lebt er mit seiner Frau in Beetz. Mit ihr hat er drei Kinder. Er studierte in Hessen ökologische Agrarwissenschaften, später absolvierte er eine Ausbildung auf einem Schulbauernhof. „Mein Ziel war eine eigene Landwirtschaft, ein eigener Hof.“ Davon hat er sich mittlerweile mehr oder weniger verabschiedet. „So was ist heute sehr schwierig“, sagt er. Nach Beetz kamen er und seine Frau, weil beide ihren Familien, er hat sechs Geschwister, nah sein wollten. In der Großstadt aber wollten sie nicht mehr leben.

Für Hobbys neben dem Job auf dem Spargelhof und der Feuershow bleibt nur wenig Zeit – zudem ist er erst kürzlich zum dritten Mal Vater geworden. Die beiden anderen Kinder sind sechs und drei. Ansonsten betreibt er modernes Survival: Buschcraften. Das ist das Handwerken in der Natur, aber auch das Handwerk in der Natur zu bestehen. „Draußen sein und leben können.“ Sehr selten bleibt noch Zeit zum Klettern. „Wobei das ja in Brandenburg eher schwierig ist.“ Während seine Frau in Beetz als Tagesmutter arbeiten will, arbeitet Yule Zebe seit 2016 auf dem Spargelhof in Kremmen. Er fing als Standbetreuer an und stieg recht schnell zum Spargel-Betriebsleiter auf. Jetzt, im Herbst, hat er da etwas mehr Freiräume als zur Hochsaison.

-> Im Internet: laubrausch.info

Hits: 120

KeineWochenShow

#138 – Einmal Grönland, bitte!

Sonntag, den 25. August 2019
Tags: , , , ,

Auch diesmal gibt es eine etwas andere KeineWochenShow. Wir haben die Sendung am frühen Mittwochabend im Auto auf dem Weg von Oranienburg nach Kremmen aufgezeichnet. Wir waren auf dem Weg zu einer Inforadio-Talkshow im Kremmener Scheunenviertel. In den letzten Minuten sind wir dann auch dort vor Ort, und Moderator Dietmar Ringel hat einen kleinen spontanen Auftritt in unserer Sendung.

Diesmal geht es um die Tagesschau, von der einige fordern, die Produktion nach Leipzig zu verlegen. Außerdem sprechen wir über den Auftritt von Luke Mockridge im “ZDF-Fernsehgarten” und über Tarantinos neuen Film “Once upon a Time… in Hollywood”, der leider ziemlich und seltsam langweilig ist.
Trump kommt auch wieder vor, auch bahnfahrende Soldaten und noch vieles mehr – in KeineWochenShow #138 auf Youtube.

Hits: 202

KeineWochenShow

#135 – Der Wind streift nach Ost

Sonntag, den 4. August 2019
Tags: ,

Falls ihr letzte Woche zugeschaut habt, dann erinnert ihr euch vielleicht noch an die Postkarte aus Warnemünde, die Thommi allerdings noch nicht abgeschickt hatte.
Nur so viel: Er hat sie immer noch nicht abgeschickt. Aber in dieser Woche wird unmittelbar gehandelt!

Gehandelt werden musste auch vergangenen Sonntag, als der “ZDF-Fernsehgarten” evakuliert werden musste. Wir sprechen über eine unfreiwillige Fernseh-Sternstunde. Für keinen eine Sternstunde ist dagegen der Streit um das Punkfestival “Resist to Exist”, das nun tatsächlich nicht in Kremmen stattfindet.
Ganz unlustig dagegen wird es, wenn wir den Mord auf dem Frankfurter Hauptbahnhof ansprechen.

Das und noch mehr seht ihr in KeineWochenShow #135 auf Youtube.

Hits: 147

aRTikel

Andreas Dalibor verlässt die SPD

Samstag, den 3. August 2019
Tags: , , ,

Der Beetzer will weiter Ortspolitik machen – auch das Festival “Feuer und Flamme für Kremmen” wird es nicht mehr geben

MAZ Oberhavel, 3.8.2019

Kremmen.
Andreas Dalibor ist aus der SPD ausgetreten. Das bestätigte der 61-jährige Beetzer der MAZ am Freitag auf Nachfrage. Und auch das Umsonst-und-draußen-Festival „Feuer und Flamme für Kremmen“, das erst am vergangenen Wochenende stattgefunden hatte, wird es nicht mehr geben.

„Weil ich mit verschiedenen Sachen aufhöre“, begründete Andreas Dalibor seine Entscheidungen. Seinen Entschluss, die SPD zu verlassen, hatte er bereits vor einer Woche umgesetzt, wie er nun sagte. Dass er die Sozialdemokraten verlasse, habe mit der „Bundespolitik ein Stück weit mehr als mit der Kreispolitik zu tun“, sagte er. Allerdings sei der Streit um das Punkfestival „Resist to Exist“ in Kremmen – das nun in Berlin-Marzahn stattfindet – das Tröpfchen gewesen, dass das Fass zum Überlaufen gebracht habe. Er habe sich da von seiner Partei – auch Landrat Ludger Weskamp ist in der SPD – mehr Unterstützung gewünscht. „Aber die Bundespolitik momentan ist durchaus der größere Hammer.“ Eigentlich wollte er seinen Austritt gar nicht so publik machen, am Freitag wussten auch innerparteilich nur wenige davon, aber dennoch ist die Nachricht intern offenbar doch durchgesickert. „Ich wollte die Punkfestgeschichte erst mal sacken lassen und nicht so schmollig rüberkommen.“ Er sei nie der große SPD-tätige gewesen, sagte er. „Ich war ja auch im Kreistag immer eher einer der Stillen. Aber ich finde es gut, wenn ein paar Leute mal ins Nachdenken geraten.“ Er sei im Herzen immer noch bei Regine Hildebrandt und Willy Brandt, ergänzte er.

In der Kremmener Politik will er sich jedoch weiter engagieren. „Je nachdem, was die Kollegen im Ortsverein sagen“, so Andreas Dalibor weiter. „Kann ja sein, dass die das nicht gut finden.“ Dalibor ist in der Fraktion der SPD-UWG/LGU im Kremmener Stadtparlament der Vorsitzende.

Dass das Event „Feuer und Flamme für Kremmen“ am 27. Juli letztmals stattgefunden hat, darüber hatte er seine Mitstreiter bereits am Donnerstag informiert. „Die fanden es natürlich schade“, sagte Andreas Dalibor. Wenn sich aber jemand anderes den Hut aufsetzen würde, dann würde er das Equipment zur Verfügung stellen. „Es hat großen Spaß gemacht, aber es war auch eine große Belastung, gerade in den Wochen davor.“ Die Sicherheitsauflagen würden immer umfangreicher werden, „was sicher auch eine Folge der Punkgeschichte ist“, glaubt er. Und grundsätzlich: „Ich will jetzt einfach etwas kürzer treten.“
Dennoch habe das Festival „Feuer und Flamme“ am vergangenen Sonnabend einen schönen Nebeneffekt gehabt, so Dalibor. Auch wenn es wegen des Punkevents unterschiedliche Meinungen gegeben habe, dort hätten alle an einem Strang gezogen – vom Bürgermeister, bis zu den Leuten am Bierwagen und am Grill. Politik habe da keine Rolle gespielt.

Auch wenn er kürzer treten will, sein Theater „Tiefste Provinz“ in Kremmen ist davon nicht betroffen. Das will er auch weiterhin im Scheunenviertel betreiben.

Hits: 130

aRTikel

Weskamp bedauert Festival-Absage

Donnerstag, den 1. August 2019
Tags: , , ,

Landrat äußert sich zum Streit um „Resist to Exist“ in Kremmen und zum Vorwurf der Willkür

MAZ Oberhavel, 1.8.2019

Oberhavel.
Der Streit dauerte rund 16 Monate, und ob er zu Ende ist, ist noch nicht bekannt. Das Punkfestival „Resist to Exist“ findet in diesem Jahr nicht in Kremmen, sondern in Berlin-Marzahn statt. Das Thema hat für viel Unfrieden gesorgt, besonders in Kremmen scheint ein Riss durch die Gesellschaft zu gehen – die, die bedauern, dass das Event nicht dort stattfindet. Und die, die applaudieren.
Einer hat bislang geschwiegen, und das sorgte in den vergangenen Wochen mindestens für Verwunderung: Landrat Ludger Weskamp (SPD) hat sich zurückgehalten – bis jetzt. Die MAZ bat ihn um eine Stellungnahme, schließlich kam es nun zum Gespräch in seinem Büro.

Hat er sich vorstellen können, dass sich die Diskussion so hochschaukelt? Die Antwort ist kurz: „Nein.“ Dass er bislang schwieg, begründet er. „Wie oft habe ich mich in den vergangenen vier Jahren zu baurechtlichen Fragen geäußert? Nie.“ Es gebe in seinem Haus drei Bereiche, in denen er von seinem Weisungsrecht niemals Gebrauch mache, „weil sie eine besondere Funktion haben: die Bauaufsicht, die Kommunalaufsicht und die Vergabestelle.“ Das seien sensible Bereiche, von denen er klare Stellungnahmen zur Rechtslage erwarte. „Natürlich habe ich bei meinen Fachleuten im Haus mehrfach den Sachstand hinterfragt. Aber trotzdem ist und bleibt es immer eine fachliche Entscheidung – keine politische“, so Weskamp. Konkret zu den Vorgängen um das Punkfestival „Resist to Exist“ auf Flächen am Oranienburger Weg in Kremmen, erklärt er, was auch in den Pressemitteilungen der Kreisverwaltung schon stand. Im April 2018 sei den Veranstaltern mitgeteilt worden, dass sie eine Baugenehmigung für die Fläche bräuchten. Allerdings habe es im vergangenen Jahr noch eine Abwägung gegeben – das Festival konnte dennoch stattfinden, immer mit dem Hinweis der Bauaufsicht, dass das 2019 so nicht mehr möglich sei.
Es handele sich um eine Nutzungsänderung auf dieser Fläche, auch wenn es jedes Jahr nur drei Tage seien. Dass es dafür in Brandenburg für derartige Fälle keine klaren Regelungen gebe, sei „sehr unglücklich.“ Deshalb sei er, so Ludger Weskamp, der Landtagsabgeordneten Isabelle Vandré (Linke) dankbar, dass sie auf eine gesetzliche Änderung im Landtag dränge. Der neue Landtag nach der Wahl im September sei gefragt, an den entsprechenden Verordnungen zu arbeiten. „Wir haben eine Rechtslage, die nicht eindeutig ist.“
Der Landrat weist darauf hin: „Das Bauordnungsamt hat eine Genehmigung nie verweigert, es gab nie einen Antrag auf Genehmigung.“ Bis zu diesem Punkt sei man nie gekommen. Es habe dagegen Erstaunen darüber gegeben, dass es seitens der Veranstalter keine Bewegungen gegeben habe.

Immer wieder ist dem Bauamt unter der Leitung von Oliver Grützmacher – der auch CDU-Chef in Kremmen ist – Willkür vorgeworfen worden. Die kulturpolitische Sprecherin der Grünen, Marie Luise von Halem, kritisierte die restriktive Haltung des Landratsamtes Oberhavel, wie sie sagte. „Gute Beispiele wie das jährliche Festival ,Nation of Gondwana’ in Grünefeld zeigen, dass die Kooperation zwischen Veranstaltern und Genehmigungsbehörden sowie zwischen Festivalbesuchern und Ortsbewohnern auf eine Art und Weise gelingen kann, die für alle von Vorteil ist. Davon gilt es zu lernen“, so Marie Luise von Halem.
Ludger Weskamp weist die Anschuldigung der Willkür zurück. „Einen härteren Vorwurf kann man einem Verwaltungsmitarbeiter nicht machen“, sagt er. Parteipolitik dürfe keine Rolle spielen, und sie spiele auch keine Rolle, so Weskamp weiter. Die Lage spitzte sich am Ende zu, zeitlich wurde es immer enger, da das Event ja schon am Freitag beginnen soll. „Ich glaube nicht, dass die Veranstalter das vorsätzlich gemacht haben. Sie waren sicher, dass sie vor Gericht Recht bekommen.“ Sie seien dann aber in eine zeitliche Drucksituation geraten. „Ich finde es positiv, wenn solche Veranstaltungen stattfinden“, sagt er. „Egal, welche Musikrichtung es ist, egal ob Punk, Schlager, Metal oder Klassik. Wir wollen solche Veranstaltungen in Oberhavel, aber die Spielregeln müssen eingehalten werden. Gesetze können nicht umgangen werden, auch wenn es um eine gute Sache geht.“

Die Veranstalter reichten schließlich bei der Stadt Kremmen einen Antrag ein – sie wollten nun ein Volksfest, beziehungsweise einen Spezialmarkt veranstalten. „Es ist sehr schwierig, von der Stadt Kremmen zu erwarten, so etwas kurzfristig zu genehmigen.“ Es habe sich weiterhin um die Unterlagen für ein Festival gehandelt. „Es hätte Veränderungen bedürft. Nur das Wort zu ändern, ist ein bisschen zu wenig.“
In Kremmen kochen die Emotionen recht hoch. Bürgermeister Sebastian Busse (CDU), der über den Volksfest-Antrag zu entscheiden hatte und ihn ablehnte, stand und steht unter Druck. Die Veranstalter von „Resist to Exist“ werfen ihm Parteipolitik vor. Busse spricht von Hassreden und bösen Mails. Landrat Ludger Weskamp hofft, dass sich die Emotionen bald wieder legen. „Die Kremmener müssen es schaffen, da wieder anders ins Gespräch zu kommen.“ Hassmails und Hassreden dürften dagegen niemals geduldet werden. „Ich bin dafür, da konsequent Haltung zu zeigen und die strafrechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen.“ In der Kreisverwaltung würden Beleidigungen und Angriffe gegen Mitarbeiter immer zur Anzeige gebracht.

Wie geht es jetzt weiter mit entsprechenden Veranstaltungen? „Wir werden uns Gedanken machen müssen, Örtlichkeiten zu schaffen, wo so was geht“, sagt der Landrat. Im Ziegeleipark in Mildenberg kommt demnächst zum zweiten Mal der Chaos-Computer-Club zu einer großen Veranstaltung zusammen. Auch in Mildenberg bedarf es aber zukünftig bei solchen regelmäßigen Veranstaltungen und Events entsprechende Genehmigungen – wie auch in Kremmen. Es müsse somit darum gehen, entsprechende Flächen weiterzuentwickeln, damit Events dieser Art dort eine Zukunft haben.
Dass es mit Veranstaltungen ganz allgemein in Oberhavel Probleme geben würde, sieht er nicht. Findet in Kremmen das Erntefest statt, dann ist es ein Volksfest, und das im Scheunenviertel, das dafür auch gedacht sei. Um nur ein Beispiel zu nennen.

Ob für 2020 seitens des Alternati-Vereins ein weiterer Versuch unternommen wird, das Festival in Kremmen durchzuführen, ist unklar. Aus den Kreisen heißt es, man werde nach einem Standort außerhalb Brandenburgs suchen, offiziell ist aber nichts. „Aber wenn ihr 2020 was in Kremmen vorhabt, dann meldet euch“, ist der Rat von Ludger Weskamp. Ein Bauantrag müsse noch 2019 gestellt werden. Aber, und das betonte der Verein, immer wieder, sei genau das Problem: Zu teuer, zu umständlich und unklar.

Hits: 165