aRTikel

Landwirtschaft mitten im Luch

Donnerstag, den 25. Oktober 2018
Tags: , , , ,

Familie Petri wohnt und arbeitet in Moorhof bei Kremmen – die Heuernte bringt Geld ein

MAZ Oberhavel, 25.10.2018

Moorhof.
Janz weit draußen. Wer auf dem Hof der Petris steht, der weiß, was damit gemeint ist. Sie wohnen in Moorhof. Das liegt mitten im Luch, nordwestlich von Kremmen, knappe zwei Kilometer von Linumhorst entfernt. Sebastian Petri ist jetzt 34, seit zwei Jahren lebt er dort mit seiner Frau Juliane (33). Er ist dort aufgewachsen, es ist sein Elternhaus. Inzwischen haben die beiden ein Kind. Jakob ist zehn Monate alt. Die Eltern haben eigene Räume.
War klar, dass Sebastian wieder zurück auf den Hof kommt? „Jein“, sagt er. „Es stand fest, dass meine Eltern irgendwann hier aufhören werden zu arbeiten. Und dass sie es schön finden würden, wenn es hier irgendwie weitergeht.“ Dass er die Landwirtschaft im Nebenerwerb betreiben werde, das sei ihm immer klar gewesen. Aber 2016 hatte das junge Paar entschieden, aus der Berliner Hektik komplett raus nach Moorhof zu ziehen. „Ich finde es angenehm“, sagt Juliane Petri. Sie arbeitet in Berlin-Neukölln als Ausbilderin im Rehabereich. Gerade ist sie aber in Elternzeit. „Das genieße ich.“ Für sie ist Moorhof ihr Zuhause – für ihren Mann und ihre Schwiegereltern auch der Arbeitsort.

Am Morgen geht es für Sebastian Petri aufs Feld raus. Sich um die Tiere kümmern – die Familie hat 140 Kühe und 22 Wasserbüffel, außerdem Pferde, Hühner und Gänse. „Ich schaue, ob es den Tieren gut geht“, erzählt der Landwirt. Im Winter müssen die Kühe zugefüttert werden, im Sommer kommen sie in der Regel selbst klar. Dazu kommen: mähen und pressen. Denn in der Hauptsache leben die jungen Petris vom Handel mit Heu, die Eltern von der Tierhaltung. 86 Hektar Land gehören Sebastian Petri, der Großteil befindet sich bei Hakenberg und nahe Wall.

Den trockenen Sommer erlebte er als durchwachsen. „Wir haben Flächen, wo wir normalerweise 250 bis 280 Rundballen Stroh haben, dieses Jahr sind es 27.“ Aber auf den naturnahen Flächen, in der Nähe der Moore, da habe er keine Ertragseinbrüche gehabt. „Deswegen haben wir letztlich keine Heuknappheit, aber die Qualität des Heus ist durchaus schlechter.“ 2017 stand dagegen auf den Flächen überall das Wasser. Da war es dann auch schon mal etwas schwieriger, überhaupt aus dem Luch wegzukommen.

Was sich Sebastian Petri auf die Fahnen geschrieben hat, ist der Naturschutz. Gemeinsam mit Kremmener Landwirten wollte er sich darum kümmern, die Moore wieder feuchter zu bekommen. „Das wäre gut für die CO2-Reduzierung“, sagt Sebastian Petri. „Leider wurde die Info über das Förderprogramm von Landesebene nicht auf die Kreisebene weitergegeben.“ Dort hänge das Projekt in der Schwebe, bedauert er. Bekämen sie die Förderung, könnten sie Staumarken setzen, um den Moorkörper im Luch feucht zu halten. „Er muss feucht sein, um Wasser aufnehmen zu können. Damit kann auch ein Torfbrand unterbunden werden.“ Er verweist auf die Brände, die im Spätsommer nördlich von Kremmen immer wieder aufgeflammt waren. Allein in diesem Jahr betrage der Moorverlust etwa zwei Zentimeter. „Das ist wahnsinnig viel. Da verändern sich schon die Strukturen der Gräser.“ Auch die Errichtung eines Biomasseheizkraftwerkes ist ihm ein Anliegen. „Man könnte dort Wärme aus Heu erzeugen.“ Das Problem sei allerdings die daraus entstehende Asche. Die werde immer als schädlich angesehen, sei aber in diesem Fall ein „einwandfreier Dünger. Die könnte man wieder auf die Flächen auftragen“, sagt der Landwirt.
Gescheitert ist letzteres Projekt bislang an den Investitionskosten. Die Idee, dass sich die Stadt Kremmen beteiligt, ein Wärmenetz zwischen den Wohnblöcken an der Ruppiner Chaussee und dem Schulgelände aufzubauen, kam nicht zustande. „Alleine können wir das nicht stemmen“, so der 34-Jährige.

Die Petris betreiben einen kleinen Familienbetrieb – da muss am Ende jeder mit anpacken. Wenn seine Mutter irgendwann aufhört zu arbeiten, dann muss seine Frau Juliane Petri in den Landwirtschaftsbetrieb einsteigen. Der Plan steht schon fest. Sie gibt dann ihren Job in Berlin auf. „Nächstes Jahr mache ich erst mal den Traktorführerschein“, sagt sie. „Da habe ich ein bisschen Manschetten.“ Bis dahin kümmert sie sich aber erst mal um den kleinen Jakob.

aRTikel

Sie ist nicht nur zur Sprechzeit für die Kremmener da

Donnerstag, den 4. Oktober 2018
Tags:

Diana Bethke ist seit 1997 Revierpolizistin – mindestens einmal pro Woche lässt sie sich in allen Ortsteilen blicken – Ermittlungen, Gespräche, Schulwegsicherung

MAZ Oberhavel, 4.10.2018

Kremmen.
Sprechstunde ist immer dienstags von 16 bis 18 Uhr. Was aber nicht bedeutet, dass das Büro der Kremmener Revierpolizistin Diana Bethke sonst leer steht. „In diesen Sprechstunden bin ich auf jeden Fall hier“, sagt die 50-Jährige. Ansonsten nutze sie das Büro, das sich derzeit noch im Rathaus befindet, jeden Tag.

Seit Oktober 1997 ist Diana Bethke für Kremmen und die Ortsteile zuständig. „Ich wurde damals angesprochen, ob ich in den Revierbereich wechseln möchte“, erinnert sie sich. Da sie auch in Kremmen wohnt, passte das gut. „Ich lebe sehr gerne hier, und da hat es sich angeboten.“ Sie findet es wichtig, dass die Menschen auch vor Ort einen Ansprechpartner haben. „Manchmal haben sie nur einfache Fragen, dafür wollen sie nicht extra nach Oranienburg ins Präsidium fahren.“

So etwas wie einen normalen Tagesablauf kennt Diana Bethke nicht. „Oftmals fange ich den Tag aber mit der Schulwegsicherung an“, erzählt sie. Die dunkle Jahreszeit naht, da richte sich das Augenmerk wieder verstärkt auf die Beleuchtung am Fahrrad. Sie ermittelt zu Straftaten oder Unfallfluchten, fährt Streife. „Dann gibt es auch die Tage, an denen wir Geschwindigkeitskontrollen durchführen.“ Im Büro stehen danach meist Schreibarbeiten an. „Deshalb ist nicht jeder Tag gleich.“ Sie sei relativ frei in der Einteilung ihres Arbeitstages. Hin und wieder wird sie zu Sondereinsätzen gerufen – zum Beispiel bei Staatsbesuchen auf Schloss Meseberg bei Gransee.
„Wir haben relativ wenig Kriminalität bei uns“, sagt Diana Bethke. „Wir haben Kriminalität, aber im Vergleich zu anderen Orten ist es wenig.“ Es gebe auch keine entsprechenden Schwerpunkte in Kremmen oder in den Ortsteilen.

Seit 1990 ist sie Polizistin. „Ich möchte auch nichts anderes mehr machen“, sagt sie. Mit 21 hatte sie sich für den Polizeidienst entschieden. „Ich mag den Kontakt zu den Bürgern. Wenn man geholfen hat, dann kommt ein Dank, und dann hat man wohl nicht alles falsch gemacht.“ Auch die Arbeit mit Kindern sei immer sehr abwechslungsreich. Allerdings fällt ihr auf, dass sich die Leute in den vergangenen Jahren durchaus verändert haben. „Sie sind oft nicht mehr so geduldig, alles muss immer gleich passieren.“

Sie versucht, mindestens einmal pro Woche sich in allen Ortsteilen blicken zu lassen. „Oft habe ich einen Anlass, da lang zu fahren, aber dann ergibt sich auch viel Neues im Gespräch mit den Leuten.“ Bei gravierenden Problemen schreitet sie ein – oder gibt im Ordnungsamt Bescheid, wenn zum Beispiel ein Schild schief hängt.
Es gebe durchaus einen Unterschied zwischen Stadt und Land, sagt die 50-Jährige. „Die Mentalität ist eine andere, hier ist es familiärer und freundschaftlicher. Aber es gibt auch weitere Wege.“

Das Rathaus in Kremmen als Standort ihres Büros findet sie komfortabel. „Ordnungsamt, Bürgermeister – der Kontakt ist auf kurzem Weg möglich“, sagt sie. Aber auch wenn der geplante Umzug in die Berliner Straße tatsächlich stattfinde, sei das kein großes Problem. „Wichtig ist, dass wir in Kremmen bleiben.“ Auch dass das neue Büro nur über Treppen erreichbar sei, sieht Diana Bethke nicht als großes Hindernis. „Da gibt es immer Lösungen. Wir können auch zu den Leuten hinfahren. Es soll an den drei Stufen nicht scheitern“, findet sie.

Auch privat engagiert sie sich für Kremmen. Beruflich muss sie beispielsweise den Erntezug absichern. Privat ist sie Mitglied im Erntefestkomitee und kümmert sich um das Sponsoring. Im Sportverein macht sie in der Frauensportgruppe beim Fitness mit.
Geht es nach ihr, dann macht Diana Bethke den Job bis zum Pensionseintritt. „Ich mache das hier mit Herzblut“, sagt sie, und nach 21 Jahren ist sie in Kremmen ein durchaus bekanntes Gesicht.

aRTikel

„An allererster Stelle steht die Kita“

Freitag, den 28. September 2018
Tags: , ,

Kremmens Bürgermeister Sebastian Busse über Bauvorhaben, Punkfestival und Entertainerqualitäten

MAZ Oberhavel, 28.9.2018

Kremmen.
In unserer Reihe „MAZ zu Hause in … Kremmen“ äußert sich Bürgermeister Sebastian Busse zu aktuellen Themen.

Sie sind jetzt anderthalb Jahre im Amt. Macht’s noch Spaß?
Sebastian Busse: Ja, definitiv. Ich habe noch nicht einmal drüber nachgedacht, dass ich lieber weniger Verantwortung gehabt hätte.

Am Wochenende hat man Sie bei der Hüttengaudi ausgelassen singen hören. Zeigen Sie da auch mal Ihre andere Seite?
Das bin ich einfach. So war ich früher schon, jetzt ist es aber so, dass ich eine öffentliche Person bin. Früher hätte das niemanden interessiert, wenn ich da auf der Bühne gestanden hätte. An mir ist ein kleiner Entertainer verloren gegangen.

Auf Kremmen kommen ein paar dicke Finanzbrocken zu. Kita-Anbau, Schulkomplex, Feuerwehr-Anbau, Klubhaus-Sanierung. Was muss als erstes angepackt werden?
An allererster Stelle steht ganz klar die Kita. Wir wollen, dass sich Kremmen weiterentwickelt, es werden neue Wohngebiete erschlossen, zum Beispiel in Staffelde, wo gerade kräftig gebaut wird. In den nächsten zwölf bis 18 Monaten entstehen 40 neue Wohneinheiten, am Ziegeleiweg in Kremmen gut 50 Wohneinheiten. Wir müssen dafür sorgen, dass wir Plätze in den Kitas und Schulen schaffen.

Bei der Kita herrscht Einigkeit unter den Stadtverordneten. Nicht so beim Schulkomplex. Es gibt die Forderung, nochmal prüfen zu lassen, ob die alte Schulsporthalle nicht doch saniert werden kann. Überrascht Sie das?
Ja. Ich lasse mich gern eines Besseren belehren, wenn wir jemanden finden, der sagt, er baut uns das und garantiert uns 30 Jahre Standzeit. Wir reden von 750 000 Euro, ohne Fördermittel zu bekommen. Grundsätzlich hoffe ich, dass wir das andere Ziel weiterverfolgen können – also den Abriss der Halle und den Bau eines Gebäudes mit Turnraum und zusätzlichen Klassenzimmern.

Eine Sanierung der alten Halle wäre nicht preiswerter?
Auf keinen Fall. Wenn ich jetzt eine Planung habe, die 2,3 Millionen Euro kostet und wir bekommen eventuell 75 Prozent Fördermittel, dann bin ich bei 600 000 Euro Eigenkosten. Die Sanierung würde 750 000 Euro kosten – ohne Fördermittel, und wir haben keine weiteren Klassenräume.

Auch bei der Feuerwehr in Kremmen muss investiert werden. Wie groß ist denn der Handlungsbedarf?
Die Kameraden rennen sich da gegenseitig um. Die müssen sich zwischen den Fahrzeugen umziehen. Im Gefahrenabwehrbedarfsplan wird seit vielen Jahren gefordert, dass dort etwas passieren muss. Das Konzept, im hinteren Bereich anzubauen, wäre top. Und wir würden einen Teil vom Altbau erhalten, für Werkstatt und Lager.

Für die Sanierung des Klubhauses schlagen Sie eine Minimallösung vor. Wird da in den nächsten drei bis vier Jahren überhaupt was passieren?
Das Klubhaus ist ein Luxusprojekt. Wir wissen, dass wir das wollen und müssen es auch, weil Fördermittel dran hängen. Wir müssen aber realistisch sein und überlegen, was wir im Klubhaus machen wollen. Klar, unsere Einwohner sind scharf darauf, mal wieder Veranstaltungen dort zu haben oder eine Einschulungsfeier. Dafür sollten wir das Minimalprinzip anwenden, den Saal mit Bühne und Anbau für die Barrierefreiheit. Der Denkmalschutz muss mit an den Tisch kommen. Ich muss aber auch sagen, dass wir ein kleines Bauamt haben und viele, viele Projekte. Wir müssen mit etwas beginnen, aber dann richtig und das abschließen und nicht fünf Sachen auf einmal.

Bei einigen Kremmenern umstritten ist auch immer noch das Asylbewerberheim in der Berliner Straße. Warum finden Sie es besser, wenn der Landkreis Oberhavel das Objekt auch weiterhin dafür mietet?
Da geht es um die Wirtschaftlichkeitsrechnung. Mit der Mietzeit von drei Jahren konnten wir 1,5 Millionen Euro vom Kredit mit insgesamt 3,2 Millionen abzahlen. Der restliche Kredit selbst läuft aber über 20 Jahre. Die Einnahmen, die wir akquirieren, kommen aber auch der Stadt zugute. Wir können sie in anderen sozialen Projekten einsetzen. Deswegen ist das positiv, und ich verteidige das ganz klar. Ich wünsche mir, dass der Landkreis die Option auf Verlängerung zieht.

Wie ist denn die Flüchtlingssituation in Kremmen?
Die, die sich integrieren wollen, die integrieren wir. Wir haben dort zwei gute Sozialarbeiter, die für die Leute zuständig sind. Es gibt wenig Polizeieinsätze. Immer mal wieder, aber sehr überschaubar. Ich wünsche mir, dass es so ruhig bleibt.

Erleben Sie manchmal im Freundeskreis entsprechende Diskussionen?
Bisher noch nicht.

Das Punkfestival „Resist to Exist“ fand dieses Jahr mit Sondergenehmigung statt. Für 2019 wird wohl ein Bebauungsplan benötigt. Befürworten Sie das Fest und unterstützen die Veranstalter?
Dieses Jahr war ich im Urlaub, aber im Jahr davor habe ich das verfolgt. Alles weitere entscheiden die Abgeordneten, aber es ist noch nichts da, die Veranstalter hätten schon längst handeln müssen. Wenn ich nach dem Fest mit der Polizei spreche, dann haben die Einsätze ein sehr kleines prozentuales Gewicht. Wenn die Leute einfach feiern, wenn sie sich benehmen, ist das gut. Mit Einkaufswagen durch die Stadt fahren oder am Brunnen auf dem Markt zu duschen, ist aber eine Unart, die brauchen wir hier nicht.

2017 sorgte der Schutthaufen auf einem Privatgelände vor Kremmen für Wirbel. Tut sich da was?
Nachdem ich Nachrichten bekommen habe, dass dort Feuer gemacht worden, bin ich dort gewesen. Es war nur ein kleines Lagerfeuer – aber bei 30 Grad und Trockenheit. Der Besitzer der Fläche hat mir die Schriftstücke vom Landesumweltamt gezeigt, da steht alles drin, wie er es immer gesagt hat. Er hat die Auflage, Jahr für Jahr etwas vom Haufen abzutragen. Das muss er auch nachweisen. Nach Aussagen vom Inhaber entfernt er regelmäßig Containerladungen, ich werde es weiter kritisch beobachten.

Momentan gibt es immer wieder Meldungen, dass Gaststätten im Ort schließen. Sehen Sie das mit Sorge?
Das sind alles private Dinge, wir können nur Rahmenbedingungen schaffen. Von der Lebkuchenfabrik habe ich leider nur aus der Zeitung erfahren. Klar ist das traurig, aber sie werden ihre Gründe haben. Bei Meyhöfer war ich einer der ersten, der es wusste. Da konnte ich keine Hilfe mehr anbieten, da stand alles schon fest. Aber ich habe die Hoffnung, dass es da geeignete, neue Bewerber gibt.

Kommt da vielleicht wieder das Klubhaus ins Spiel? Schließlich fehlt dann ja auch ein Veranstaltungssaal.
Das Klubhaus wird keine Gastronomie im Tagesgeschäft. Kein Konzept sieht das vor. Eher für Veranstaltungen am Wochenende, aber dafür brauchen wir natürlich auch vernünftige Caterer. 

aRTikel

In der ganzen Welt unterwegs

Donnerstag, den 27. September 2018
Tags: , ,

Der Sonnenklar-TV-Moderator Ulf-Dieter Kunstmann lebt seit 18 Jahren in Amalienfelde

MAZ Oranienburg, 27.9.2018

Amalienfelde.
Eigentlich sollte Amalienfelde nur eine Zwischenstation sein. Doch nun lebt Ulf-Dieter Kunstmann mit seiner Frau schon 18 Jahre lang dort. „Wir haben damals in Frohnau gewohnt, wir wollten ein Stückchen weiter raus“, erzählt der Moderator des Reiseshoppingsenders Sonnenklar TV. Sie sind auf das Haus gestoßen – damals ein Rohbau, der versteigert werden sollte. „Es war Liebe auf den ersten Blick.“ Drei Tage später gehörte das Haus ihnen „Wir haben noch mal viel Geld und Arbeit reingesteckt.“

Mitunter mehr als vier Stunden steht Ulf-Dieter Kunstmann – oder UDK, wie ihn Freunde und Kollegen nennen – live vor der Kamera. Er bietet Reisen an in viele Länder Europas und der Welt, und er weiß, wovon er spricht. Ist er in einem Land oder in einem Gebiet im Urlaub, in dem sich in der Nähe auch ein Hotel befindet, das von Sonnenklar TV als Ziel angeboten wird, schnappt er sich Kamera und Mikro und schaut sich dort um.

Ursprünglich stammt Ulf-Dieter Kunstmann aus Münster. Er hat zunächst Hotelkaufmann gelernt. „Ich wollte aber immer was mit Unterhaltung machen, und da war mir Münster zu eng.“ Schon während der Ausbildung nahm er Jobs an, zum Beispiel als DJ in einer Tanzschule. Er ging dann nach Berlin, arbeitete im Kempinski-Hotel und hat dort viele Leute kennengelernt. Kurzzeitig verkaufte er Versicherungen. „Da habe ich gut verdient und dachte mir: Jetzt machst du was mit Künstlern.“ Er gründete eine Künstleragentur, organisierte Konzerte, schwenkte später zu Galas und Festen um. Zwischendurch gehören ihm mehrere Discos, Café und Bistros. „Aber ich habe gemerkt: Mir fehlt was. Ich wollte moderieren.“

Er heuerte beim ersten deutschen Reisesender Via 1 an, wurde dort Chefmoderator. „Es war ein tolles Team. Aber keiner wusste, wie das geht, es war Neuland.“ Im Oktober 2001 meldete Via 1 Insolvenz an. Er erfuhr im Mallorca-Urlaub davon. Zwei Tage später kam der nächste Anruf, ob er bei „Sonnenklar“ moderieren will. Das Casting war live on Air – und der Beginn seiner Karriere bei dem Sender, dessen bekanntestes Gesicht er bis heute ist. Dazu reist er nach München.
Dort ist er in der Regel sieben Tage pro Monat auf Sendung – eine Woche lang täglich in verschiedenen Schichten mehr als vier Stunden live. Und das ohne Teleprompter. Seine Informationen hat er auf einem Tablet, das vor ihm liegt, natürlich muss er sich auch auf seine Fernsehauftritte vorbereiten. „Das ist unterschiedlich. Es gibt Länder, die jeden Tag vorkommen, da muss ich nicht groß recherchieren, da schaue ich mir die Fakten zu den Hotels an. Aber wenn wir zum Beispiel eine neue Nepal-Rundreise im Programm haben, da dauert die Vorbereitung schon mal zwei Stunden, weil man ja nicht jede Ecke kennt.“ Die unruhigen Zeiten mit Anschlägen und Terror schlagen sich auf den Reisemarkt kaum nieder, sagt er. „Die Leute vergessen schneller, und sie wissen, es kann überall was passieren.“ Er selbst würde gern mal auf die Komoren. „Das schwirrt mir seit vielen Jahren im Kopf herum.“ Ansonsten liebt er Florida oder auch mal den Ausflug an die Ostsee.

Neben den Reiseshopping-Sendungen steht er aber auch hin und wieder an den Roten Teppichen, um Promis über Reisethemen zu befragen. Dort traf er unter anderem Abba-Star Benny Andersson oder auch Dieter Hallervorden. Diese Interviews laufen immer mal wieder zwischen den Live-Sendungen von Sonnenklar TV.

Zu Hause, in Amalienfelde, kommt aber auch der Hotelkaufmann in ihm noch mal durch. Ulf-Dieter Kunstmann vermietet dort eine Ferienwohnung mit Wohnzimmer, Schlafzimmer, Bad und Küche. Im Sommer ist sie meistens ausgebucht – und nicht nur von Berlin-Touristen. Auch Hochzeitsgäste buchen sich dort ein – oder Leute, die wissen wollen, wo denn UDK so wohnt. Mit ihnen kommt er dann auch gern mal ins Gespräch.

„Kremmen ist inzwischen mein Zuhause geworden“, sagt er. „Wir kommen hier zur Ruhe.“ Auch beim Erntefest neulich war er, er besucht hin und wieder den Spargelhof und schätzt die Genüsse im Coldehörn im Scheunenviertel. „Und Amalienfelde ist noch mal eine kleine Welt für sich.“

Bei Sonnenklar TV ist Ulf-Dieter Kunstmann voraussichtlich am Sonntag, 7. Oktober, ab 19 Uhr wieder live auf Sendung.

RTelenovela

Calliope oder: Ich bin von vorgestern!

Freitag, den 21. September 2018
Tags: ,

Ein großes Fragezeichen. Ich habe mich am Donnerstag sehr unwissend und alt gefühlt. Die Sechstklässler der Kremmener Goethe-Grundschule haben Calliope geschenkt bekommen. Und wenn du jetzt fragst, was das sein soll, dann antworte ich: Willkommen im Club!

Minutenlang beobachtete ich, wie die Kinder die sternförmigen Dinger auspackten, die ihnen die Bundestagsabgeordnete Anke Domscheit-Berg geschenkt hatte. Sie setzten die Batterien ein, und schon blinkte da irgendwas.
Ich stand da und guckte nur blöd, weil ich keinen blassen Schimmer hatte, was die da machen und was das für ein Gerät sein soll – nämlich ein Minicomputer, den man selber programmieren kann.

Dazu muss ich sagen, dass ich in Informatik nie eine Leuchte war, meine Noten waren verheeren, ich kann mich da sehr dunkel an eine Null-Punkte-Klausur erinnern. Heute bin ich froh, wenn meine Technik so funktioniert, wie sie das soll.
Aber wenn dann Kinder auf mich zukommen und fragen, wie sie denn mit dem Dingsbums Dieses oder Jenes machen sollen und ich nicht mal die Frage verstehe, dann fühlt man sich wirklich verdammt alt und von vorgestern.

aRTikel

Beatrix Scheeren erforscht noch den Ist-Zustand

Dienstag, den 11. September 2018
Tags: , ,

Die Kremmener Goethe-Oberschule hat eine neue Chefin – Sie lobt die familiäre Atmosphäre im Haus – Zum Ausgleich singt sie im Chor

MAZ Oberhavel, 11.9.2018

Kremmen.
Es ist im laufenden Betrieb die vierte Woche als neue Chefin der Kremmener Goethe-Oberschule. „Ich bin noch dabei, den Ist-Zustand hier zu erforschen“, sagt Beatrix Scheeren. Ob es irgendwelche Veränderungen geben wird, weiß sie noch nicht. „Es ist nicht mein Stil, hier jetzt mit dem Hammer reinzubrechen“, so die 48-Jährige. Die Schlüsselgewalt über das Haus bekam sie bereits am 1. August. „Das war ein schönes Gefühl.“ Sie gehe gern durch Schulhäuser, auch während des Unterrichtes. „Die Geräuschkulisse finde ich spannend.“

Es ist das erste Mal, dass sie als Schulleiterin arbeitet. Ursprünglich kommt Beatrix Scheeren aus dem Kyritzer Raum. „Als ich mein Abitur in Kyritz gemacht habe, da war schon klar, dass ich Lehrerin werden möchte. Auch weil ich selber in der Grundschule ganz tolle Lehrer hatte.“ Schon als Kind habe sie ganz oft Schule gespielt. „Wenn es darum ging, Gedichte aufzusagen, habe ich mich als erstes gemeldet. Ich habe nie Probleme gehabt, vor einer größeren Gruppe zu stehen.“
In Rostock studierte sie Germanistik und Anglistik, später kamen zwei weitere Studienjahre in Potsdam dazu. Auch in Latein ließ sie sich ausbilden. „Ich hätte auch gut Mathe-Lehrerin werden können“, sagt sie. „Alles, was Struktur hat, liegt mir sehr. Mathe und Latein hängen da dicht zusammen.“
Später machte sie ihr Referendariat an einer Kyritzer Oberschule, später arbeitete sie am Oberstufenzentrum in Wittenberge und kümmerte sich dort um die Berufsbildung. 18 Jahre gab sie Deutsch und Englisch in allen Berufsbereichen. In der Biochemie und der Technologie nahm sie Prüfungen ab, sie saß im Prüfungsausschuss für Ostprignitz-Ruppin und die Prignitz.
„Dann habe ich meinen Mann kennengelernt.“ Es folgte der Umzug nach Hennigsdorf. Sie lebt im Ortsteil Nieder Neuendorf.„Ich habe schweren Herzens die Schule gewechselt“, erinnert sie sich. Sie lehrte zwei Jahre an der Albert-Schweitzer-Schule in Hennigsdorf. Das Schulamt versetzte sie dann an die Käthe-Kollwitz-Schule nach Mühlenbeck. Sie erfuhr, dass in Kremmen die Stelle in der Schulleitung ausgeschrieben ist.

„Ich kannte die Schule schon“, sagt Beatrix Scheeren. Und für sie war sowieso klar: Wenn sie Schulleiterin werden will, dann an einer Oberschule. „Hier herrscht eine sehr familiäre Atmosphäre. Hier kennt jeder Lehrer jeden Schüler. Es gibt kurze Wege, das ist von Vorteil. Die Schüler identifizieren sich hier ganz anders mit der Schule als in größeren Häusern.“ Das Lehrerteam in Kremmen sei jung oder jung geblieben.
Der erste Schultag war deshalb auch für sie etwas besonderes. „Aufgeregt war ich auf jeden Fall“, sagt sie. „Ich komme ja schließlich nicht aus dem Kollegium.“ Der Empfang sei sehr schön gewesen. „Ich habe eine Schultüte bekommen, das hat mir den Einstieg erleichtert.“ Ihre Vorgängerin Elke Schwabe hat ihr Unterstützung zugesagt.

Was ihr in der Goethe-Oberschule gefalle, sind die Räume. „Die sind gemütlich. Jeder Kollege hat einen Raum und deshalb auch ein Interesse, wie er gestaltet wird.“ Dass Grund- und Oberschule sich ein Haus teilen, sei ein Vorteil. „Die Kinder profitieren, denn sie kennen beim Wechsel schon das Gebäude und haben eine Bindung dazu, und sie kennen eventuell auch schon die Lehrer.

Neben der Arbeit bleibt wenig Zeit für Hobbys. „Ich singe im Leo-Wistuba-Chor in Hennigsdorf“, sagt Beatrix Scheeren. „Einmal in der Woche dienstags sind Proben, ich versuche, es dorthin zu schaffen.“ Sportlich wird es, wenn die Nieder Neuendorferin beim Nordic Walking mit ihrem Mann unterwegs ist.

aRTikel

Weihnachten ist Schluss: Meyhöfers Gasthaus schließt

Freitag, den 17. August 2018
Tags: ,

In Kremmen könnte eine fast 170 Jahre lange Tradition enden –Familie will das Anwesen verkaufen – es fehlt an neuem Personal

MAZ Oberhavel, 17.8.2018

Kremmen.
Der zweite Weihnachtsfeiertag nimmt in diesem Jahr in Kremmen ein trauriges Ende. Der 26. Dezember ist der Tag, an dem „Meyhöfers Gasthaus“ das letzte Mal geöffnet hat. Die Wirtsleute geben ihr Geschäft, das sich Am Kanal 6 befindet, zum Jahresende auf. Meyhöfers wollen das Haus verkaufen, auf einem Immobilienportal im Internet befindet sich ein entsprechendes Angebot.
Eigentlich seien die Gästezahlen gut gewesen, sagte Andy Meyhöfer in einem Gespräch mit der MAZ. Dass die Gaststätte am Kremmener Stadtrand trotzdem schließt, habe andere Gründe. Zum einen geht seine Mutter, die immer Teil des Gasthauses gewesen ist, im kommenden Jahr in Rente. „Sie ist die gute Seele des Hauses.“ Zum anderen sei es aber immer schwieriger geworden, neues Personal zu finden. „Es herrscht Nachwuchsmangel“, so Andy Meyhöfer. Mehrfach hatte er inseriert und nach neuen Leuten gesucht. „Das fängt schon bei Reinigungskräften an, auch da ist es sehr schwierig“, so der Gastwirt.

Über den zweiten Weihnachtsfeiertag hinaus werde es keine Gastronomie mehr in den Räumen geben. „Sollte sich bis zum Jahresende kein Käufer finden, dann könnten wir auch vermieten“, so Andy Meyhöfer weiter. Es müsse auch nicht zwingend wieder eine Gastronomie auf das Gelände ziehen. Er könne sich vorstellen, dass auch eine Physiotherapie-Praxis oder etwas ganz anderes in das heutige Gasthaus einzieht. Möglich sei auch eine Nutzung als Wohnungen.

Das Aus von „Meyhöfers Gasthaus“ ist für die Kremmener durchaus bitter. Immer wieder ist der große Saal für private und öffentliche Veranstaltungen genutzt worden. Schon seit 1850 gibt es an dieser Stelle eine Gaststätte. Um 1900 brannte das damalige Haus jedoch ab. Auf den Kellergewölben ist es 1903 wieder aufgebaut worden – jedoch etwas größer und im victorianischen Stil. Es bekam den Namen „Hartwigs Ruh“, später dann „Bruno Hartwigs Gasthaus“. Auf dem Anwesen wurde auch Landwirtschaft sowie ein Kohlen- und Saatguthandel betrieben. Sogar eine Tankstelle gab es vor dem Haus.
Hartwig starb Ende der 50er-Jahre, seine Frau war dann – wie viele Betriebe in der DDR – gezwungen, an den Konsum zu verpachten. Familie Meyhöfer kaufte das Anwesen Ende der 60er. In den 70ern und 80ern arbeitete dort der Wirt Assen Arsow („Assi“). Die „Gaststätte am Kanal“ erlebte damals seine große Discozeit. Zwei Jahre nach der Wende schloss das Wirtshaus, der Wirt übernahm eine Kneipe in Flatow.
Erst am 2. April 1995 ging es weiter, die Familie Meyhöfer eröffnete nach längeren Renovierungsmaßnahmen ,,Meyhöfers Gasthaus“. Nach fast 24 Jahren endet also diese Ära – vielleicht sogar die fast 170-jährige Gaststättentradition. Und was wird aus Andy Meyhöfer, dem jetzigen Wirt? „Das wird sich noch finden“, sagte er.