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Döner: 6 Euro

Samstag, den 21. Mai 2022
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Alles wird teurer. Denn der Ukraine-Krieg ist mehr als der Kampf zwischen Russland und der Ukraine selbst. Der Krieg wird auch mit anderen Mitteln geführt – weltweit. Es ist der Kampf um Ruhstoffe. Die werden knapp und damit teuer. Oder sie bleiben ganz aus, was in Dritte-Welt-Ländern zunehmend katastrophal werden könnte.

Da sind das bei uns ja bislang eher Luxusprobleme – und dennoch fallen die Preissteigerungen natürlich mehr und mehr auf.
In meinem Oranienburger Supermarkt ist sogar die Billig-Margarine nicht mehr billig. Lag sie mal weit unter einem Euro, liegt sie inzwischen bei 1,20 Euro, und selbst das Sonderangebot der Marken-Margarine ist plötzlich preiswerter.
Im Oranienburger Zeitungsladen musste ich neulich feststellen, dass der “stern” auch schon wieder teurer geworden ist, er liegt nun bei 5,50 Euro. Die Tageszeitungen haben ihre Preise schon vor Wochen angehoben.

Am Donnerstagabend war ich in Kremmen schnell noch einen Döner essen. Ich zählte vorher mein Geld ab, ich hatte noch knapp 7 Euro in Bar dabei. Das sollte für einen Döner und eine Cola reichen.
Ähm, nein. Nicht mehr.
Denn der Döner kostet dort jetzt 6 Euro. Schwindelerregend. Pommes liegen knapp unter 4 Euro. Wahnsinn. Es blieb also beim Döner, ohne Getränk.

Und natürlich auch zu Hause wird’s teurer. Gerade erst habe ich freiwillig schon mal meinen Mietnebenkostenanteil um 20 Euro monatlich angehoben – damit Ende 2023 nicht die ganz böse Überraschung kommt.
Und so ziehen sich die Preiserhöhungen durch alle Bereiche des Lebens. Man müsste eigentlich mal genau Buch darüber führen, was man so alles ausgibt – und ob man vielleicht doch schon kräftig im Monatsminus ist.

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Bloß keine Ablenkung!

Samstag, den 7. Mai 2022
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Die Kremmener vermissen die immer wieder neu gestaltete Figur am Beginn des Schlossdamms. Es handelte sich um Strohballen, die alle paar Monate neu gestaltet wurden. Sie stand quasi als Willkommensgruß an der Straße, die in die Stadt führt. Mal begrüßte ein Rentier die Autofahrer, mal eine Biene.

Doch nun ist die Figur abgebaut. Was ziemlich traurig scheint, ist aber aus Sicht des Landesbetriebes Straßenwesen eine sehr gute Nachricht. Denn, wie wir Freitag in der MAZ gelernt haben, endlich werden wir Autofahrer nicht mehr von solchen Figuren am Straßenrand abgelenkt.
Der Landesbetrieb verlangte den Abbau, weil solche Werbeträger nicht näher als 20 Meter an der Straße stehen würfen. Sie würden nämlich eine Gefahr darstellen, hieß es vom Landesbetrieb. Wegen der drohenden Ablenkung!

Demnächst muss vermutlich die Tankstelle nebenan ihre Preistafel abbauen – lenkt total ab! Oder denken wir mal an die vielen braunen Hinweistafeln an den Autobahnen, die auf Sehenswürdigkeiten hinweisen – lenken total ab, weg damit! Überhaupt sollte zum Scheunenviertel hin eine große Sichtschutzwand aufgestellt werden – lenkt doch alles total ab!

Ja, die Regeln sind die Regeln. Manche Regeln erscheinen aber dennoch absolut albern.

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RTelenovela

Maskenfrei in Zeiten des Coronavirus

Donnerstag, den 28. April 2022
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Es ist bei einigen Leuten ein echter Streitfall. Soll man im Supermarkt oder anderen Geschäften noch eine Maske tragen? Seit einigen Wochen muss man keine mehr tragen – trotz hoher Inzidenzen. Aber weil sich die Zahl der Intensivpatienten in Grenzen hält, wird die Gefahr nicht mehr als hoch angesehen, und es werden die Schutzmaßnahmen zurückgefahren.

Und dennoch: Man muss sich erst dran gewöhnen. Als ich das erste Mal meinen Stammsupermarkt in Oranienburg betrat, da zog ich mir noch die Maske über. Aber ich würde sagen, weniger als die Hälfte der Menschen hatte auch noch eine Maske auf.
Jeder muss das selbst entscheiden, und das ist auch okay so.

Beim zweiten Mal habe ich die Maske dann weggelassen. Ich habe mich auch an die Anfangszeit des Coronavirus erinnert. In den ersten beiden Monaten herrschte auch noch keine Maskenpflicht, und dennoch hat alles ganz gut funktioniert – und Angst hatte ich auch nicht wirklich.
Deshalb habe ich mich durchaus gefragt: Was ist jetzt eigentlich anders? Ist der Supermarkt abends nicht allzu voll, kommt man den Leuten eh nicht besonders nah. Und selbst wenn, bleibt man ja nicht direkt neben ihnen stehen. Ein paar Sekunden seien ja durchaus nötig, um die Viren zu übertragen, heißt es.

Es ist eine Sache der Gewöhnung, fast schon ein psychisches Ding. Als ich neulich im Hofladen auf dem Spargelhof in Kremmen war, habe ich nicht mal dran gedacht, mich zu fragen, ob ich eine Maske aufsetze. Aber es waren auch so wenige Leute im Laden – das wäre albern gewesen.

Und es werden sichtbar auch weniger und weniger Leute, die Masken tragen. Wenn nicht im Herbst wieder eine problematische Variante auftauchen sollte, dann könnte sich die Sache mit den Masken eventuell erledigt haben.

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aRTikel

Kremmen schickt Hilfe

Freitag, den 11. März 2022
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Tanja Bienek gehört zu den Freiwilligen, die einen der Transporter in die Partnergemeinde Suchozebry bringen – dort kommen Ukraine-Flüchtlinge an – es wird weiter gesammelt

MAZ Oberhavel, 11.3.2022

Kremmen.
Es sind Eindrücke, die Tanja Bienek so schnell nicht vergessen wird. Die Kremmenerin war am vergangenen Wochenende in der polnischen Partnerstadt Suchozebry. Ihre Mission: Die zahlreichen Sachspenden, die zuvor in der Museumsscheune für die Flüchtlingshilfe zusammengekommen sind, mussten nach Polen transportiert werden. Tanja Bienek gehörte zu den Freiwilligen, die einen der Transporter steuerte.

„Ich kann nicht meine Hände in den Schoß legen“, sagte sie sich in der vergangenen Woche. Sie hatte Bürgermeister Sebastian Busse angeschrieben, ob sie irgendwie helfen könne. „Gebt mir einen Lkw, und ich fahre“, sagte sie. Zunächst half sie aber in der Museumsscheune mit. Wie berichtet, sind dort Sachspenden für die polnische Partnergemeinde gesammelt worden. In Suchozebry kommen inzwischen sehr viele Geflüchtete aus der Ukraine an, und die örtliche Feuerwehr hatte Kontakt mit den Kremmener Partnern aufgenommen.
Als der Spargelhof-Chef Malte Voigts mit einem kleinen Lkw an der Scheune auftauchte, aber keinen Fahrer für eine Polen-Tour hatte, meldete sie sich sofort. Am Sonnabendmorgen ging es los, Ramon Jaenisch vom Spargelhof war ihr Beifahrer. „Wir waren elf Stunden unterwegs“, erzählt Tanja Bienek. „Der Lkw war brechend voll.“ Paletten mit Getränken, Essen, Schlafsäcke, Isomatten, Hygieneartikel und mehr.

„Wir wurden auf’s herzlichste empfangen“, so die Kremmenerin weiter. „Das Wochenende war vollbepackt mit Extremen.“ Die Leute dort seien Tag und Nacht beschäftigt, um das alles zu bewältigen. „Die sind alle so hilfsbereit.“ Es gebe einen großen Raum mit Kisten. „Die Landfrauen sind da die Chefs, die haben alles im Blick“, erzählt Tanja Bienek.
„Die schauen, wo was ist, sie sortieren, sie sind alle vernetzt.“ Für Verwunderung habe in Suchozebry der Umstand gesorgt, dass sie als Frau den Transporter gefahren habe. „Aber ich habe gesagt: Die anderen Frauen kommen aus dem Kriegsgebiet, ich fahre ,nur’ nach Polen.“
Mit dem Feuerwehrmann Julius, der gut Deutsch kann und das alles zwischen Suchozebry und Kremmen vermittelt hatte, konnte Tanja Bienek dann auch ein paar der Spenden direkt zu den Geflüchteten bringen. „Ich hatte Spielzeuge und Teddys mit, auch Schokolade. Ich wusste nicht, was mich erwartet.“ Die Kinder seien sehr dankbar gewesen. Ein Zehnjähriger sei mit gebrochenem Bein angekommen, seine Krücken habe er aber unterwegs verloren. „Das hat mich alles so mitgenommen. Uns geht es in Deutschland so gut. Ich bin da so dankbar und demütig geworden.“
Bemerkenswert sei auch die polnische Gastfreundschaft gewesen. „Sie haben uns mit Essen versorgt, es war der Wahnsinn, was sie da alles aufgefahren haben.“ Auch für die Übernachtung sei gesorgt gewesen. Die Leute dort würden aus Überzeugung helfen, so Tanja Bienek weiter. Sie wäre gerne noch länger geblieben.
„Wir sind weiter mit Julius in Suchozebry in Kontakt. Das ist dort alles perfekt organisiert, und er sagt uns, was noch gebraucht wird.“ Es gebe eine WhatsApp-Gruppe. „Julius hat immer aufgepasst, dass niemand verloren geht.“ Als sie mit ihrem Beifahrer wieder Richtung Kremmen unterwegs war, kam noch eine Sprachnachricht auf ihrem Handy an. Darin dankte Julius „von Herzen, dass ihr hier wart. Ihr seid bei uns jederzeit herzlich Willkommen.“ Und er hoffe, dass man bald über schönere Sachen im Leben sprechen könne. „Das war sehr ergreifend, da sind mir die Tränen gelaufen.“

Am Sonntagabend endete die Tour wieder in Kremmen. Die Benzinkosten und die Mautgelder seien übrigens vom Spargelhof übernommen worden. Tanja Bienek könne sich auch vorstellen, noch einmal mit einem Transport nach Polen aufzubrechen. „Wenn ich gebraucht werde, bin ich dabei“, so Tanja Bienek.

Und in der Tat geht die Sammlung in Kremmen in dieser Woche weiter – erneut ist die Museumsscheune im Scheunenviertel der Dreh- und Angelpunkt für die Kremmener Aktion. Wie Bürgermeister Sebastian Busse mitteilte, gebe es am Montag den nächsten Transport. Die Firma Albrecht Transporte GmbH habe ihm einen Sattelzug zugesagt und wolle die gesamten Kosten dafür übernehmen. Bis Sonntag werden jeweils von 10 bis 16 Uhr Sachspenden entgegengenommen. Gesucht werden auch stabile Kartons. Nicht mehr auf der Liste stehen jedoch jegliche Anziehsachen.

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aRTikel

Welle der Hilfsbereitschaft

Samstag, den 5. März 2022
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In Kremmen werden noch bis Sonntag Spenden für die polnische Partnergemeinde gesammelt – dort kommen Geflüchtete aus der Ukraine an

MAZ Oberhavel, 5.3.2022

Kremmen.
Die Bereitschaft, für Geflüchtete aus der Ukraine zu spenden, ist riesig. Bis Freitagvormittag haben weit mehr als 150 Menschen Sachspenden in der Kremmener Museumsscheune abgegeben. „Kleidung können wir aber leider nicht mehr annehmen“, sagte Andrea Busse, die die Aktion in Kremmen mitkoordiniert.

Anders als bei den meisten Sammelaktionen gehen die Spenden allerdings nicht an die polnisch-ukrainische Grenze, sondern in die polnische Partnergemeinde Suchozebry. Dort kommen vermehrt Geflüchtete aus der Ukraine an, und es gab daraufhin eine Anfrage an die Stadt Kremmen, ob geholfen werden kann. „Der Kontakt kam über die Feuerwehr in unserer Partnergemeinde zustande“, so Andrea Busse am Freitagvormittag. „Sie bereiten sich gerade intensiv auf die Aufnahme von Geflüchteten vor.“ Daraufhin startete der Aufruf in Kremmen – und viele kommen und helfen. Noch bis zum Sonntag können Sachspenden in der Museumsscheune im Scheunenviertel abgegeben werden – dann sei erst mal Schluss, wie Andrea Busse weiter erklärte.

Die Helfenden kommen aus Kremmen selbst, aus Flatow, aber auch aus Oberkrämer, Linum oder Falkensee. „Richtige Hilfe ist besser als symbolische Hilfe“, sagt Dirk Jöhling aus Schwante, als er am Freitag diverse Waren nach Kremmen bringt. „Gerade eben gekauft“, so der Ortsvorsteher.
Cordula Riepel-Papke aus Flatow kommt mit einer ganzen Autoladung – und es ist nicht die erste. „Ich habe einen Anruf in meinem WhatsApp-Status.“ Sie habe viel Unterstützung bekommen, auch vom Temnitzhof in Walsleben gab es Waren.
Andrea Müller aus Vehlefanz hat den Spendenaufruf auf Facebook gelesen. Sie ist gekommen, „weil ich auch einen materiellen Beitrag leisten wollte“, erzählte sie. „Ich weiß, wie groß die Dringlichkeit ist. Das ist jetzt eine Ausnahmesituation.“ Sie brachte Windeln mit, auch Schlafsäcke.

Im Laufe der vergangenen Tage und noch bis Sonntag sind insgesamt 15 Helfende in verschiedenen Schichten in der Museumsscheune im Einsatz. Denn alle abgegebenen Waren müssen in der Scheune zunächst sortiert werden. „Abgegeben wurden viele Babysachen, Pflegetücher, Cremes, Nuckel, Spielzeuge, Konserven, Süßigkeiten, Duschgel, Zahnbürsten und vieles mehr“, so Andrea Busse. „Es ist überwältigend. Viele Leute scheinen die Läden leerzukaufen und bringen die Waren dann zu den Anlaufstellen.“ In der Tat waren einige Regale in den Lebensmittelmärkten am Freitag leerer als sonst.
„Wir müssen das nach Kategorien sortieren“, erklärt Andrea Busse. „Das macht es den Leuten vor Ort in Suchozebry einfacher.“ Spielzeug, Medikamente, Lebensmittel, Hygieneartikel und mehr werden zusammengefasst und entsprechend beschildert. „Manche Kartons sind liebevoll verpackt. Das ist lieb gemeint, aber hilft an der Stelle leider nicht“, erklärt die Kremmenerin. Denn gespendet werde in diesem Fall nicht an Einzelpersonen, sondern an bestimmte Stellen, die dann alles an die Menschen verteilen würden.

Von Kremmen aus sind an diesem Wochenende gleich mehrere Transporte geplant. Der Unternehmer Björn Rasenack stellt drei Transporter, Bodo Kamrad einen Transporter mit Anhänger. Sven Wedemeyer holt zudem Spenden aus den Sommerfelder Sana-Kliniken ab. Schon am heutigen Sonnabend geht es los, am Sonntag folgt dann die nächste Fahrt in Richtung Polen.

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Die Aufnahme startet jetzt!

Samstag, den 12. Februar 2022
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Was technische Dinge angeht, bin ich ja relativ konservativ. Neuerungen finde ich oft nicht so toll, wenn ich sie dann habe oder umgesetzt habe, dann aber bin ich begeistert oder merke zumindest, dass diese Neuerung vieles erleichtert.
So auch im Job. Wenn ich auf Terminen auftauche, habe ich immer noch meinen Stift und mein Schreibbuch dabei. Das funktioniert eigentlich ganz gut, aber gerade bei Interviews, die dann auch genau so im Wortlaut erscheinen sollen, ist das Mitschreiben auf Dauer anstrengend.

Deshalb war das Interview mit der Bundespräsidentinkandidatin Stefanie Gebauer in Kremmen nicht nur inhaltlich spannend, sondern auch besonders, weil ich es erstmals komplett mit dem Handy mitgeschnitten und dafür nicht mitgeschrieben habe.
Natürlich muss man vorher ankündigen, dass man ein Gespräch aufzeichnen will, und das Gegenüber muss dem auch zustimmen.

So legten wir also los. Und das war ganz spannend. Denn in dem Moment, in der die Aufnahme startete, änderte sich sowohl mein als auch ihr Tonfall. Redeten wir bisher noch recht locker miteinander, wurde es nun plötzlich sehr offiziell – ähnlich, wie wenn man das Gespräch mit einer Kamera aufzeichnen will, dann spricht man ja in der Regel auch anders, als wenn man locker plaudert. Weil ich nicht mitschreiben musste, konnte ich mich noch mehr auf das Gesagte konzentrieren. Andererseits hatte ich das Gefühl, dass ich viel schneller meine Fragen abarbeiten konnte (wobei ich in dem Fall keine Fragen aufgeschrieben hatte). Nach gut zwölf Minuten waren wir durch, und ich hatte irgendwie das Gefühl: Das ging ja fix. Andererseits hätte das Mitschreiben ja das Gespräch verlangsamt.

Das Aufschreiben des Interviews ging dann auch erstaunlich fix und einfach. Am Ende ist für mich klar: Bei Interviews, die auch als Interview veröffentlicht werden sollen, ist das Mitschneiden besser als das Mitschreiben. Etwas anderes ist es, wenn aus dem Gespräch ein Bericht, eine Reportage, ein Porträt werden soll – weil man das nicht von vorne bis hinten runterschreibt, sondern sich von verschiedenen Gesprächsmomenten leiten lässt und die Inhalte ganz anders zusammenmontiert.

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Ziel: 18 plus x Stimmen

Mittwoch, den 9. Februar 2022
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Stefanie Gebauer ist promovierte Astrophysikerin und Vorsitzende der Kremmener Stadtverordnetenversammlung – sie stellt sich am Sonntag der Bundespräsidentenwahl

MAZ Oberhavel, 9.2.2022

Kremmen.
Bei der Bundespräsidentenwahl am Sonntag in Berlin geht sie für die Freien Wähler ins Rennen. Im Interview spricht die Kremmenerin Stefanie Gebauer (41) über die Kandidatur und was sie damit erreichen will.

Sie wollen Bundespräsidentin werden. Das ist ja nicht irgendein Amt. Wie kommt man darauf?
Stefanie Gebauer: Ich wurde gefragt, ob ich die Kandidatur machen würde. Ich habe spontan Ja gesagt, mir trotzdem eine kurze Bedenkzeit geben lassen und dann final zugesagt.

Wer hat Sie gefragt?
Peter Vida, der Vorsitzende der BVB/Freie Wähler, hatte mich angerufen und mich gefragt, ob ich das machen möchte, da hat mein Bauchgefühl Ja gesagt.

Was erhoffen Sie sich davon? Realistisch betrachtet, haben Sie ja keine Chance.
Ich bin ja kein Fantast. Wir wissen ja alle, dass am 13. Februar fest steht, dass Frank-Walter Steinmeier Bundespräsident sein wird, aber es geht darum, die Fahne hochzuhalten als junger Mensch und auch als Frau. Zu sagen, traut euch was. Frauen soll Mut gemacht werden, Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen. Das ist eine für mich starke Motivation.

Mussten Sie lange überlegen?
Nein. Mein Credo ist, das habe ich in der vergangenen Zeit gelernt, alles was man in den ersten zehn Sekunden aus dem Bauch heraus entscheiden kann, sollte man tun. Das erste Gefühl sollte dann die Entscheidung ableiten.

Die Wahl ist schon am Sonntag, es wird eine stressige Woche. Was passiert jetzt alles?
Das stimmt. Dienstag war die Bundespressekonferenz in Berlin. Vorher noch einige Videoaufnahmen vor dem Schloss Bellevue für das Kampagnenvideo. Später geht es dann nach München, um dort am Mittwoch in der Landtagsfraktion vorstellig zu werden, auch noch ein paar Termine draußen. Donnerstag geht es nach Mainz, um dort die Fraktion der Freien Wähler zu besuchen. Dann ist noch ein Termin im Ahrtal geplant. Freitag stehen noch Termine hier in Brandenburg an. Sonntag ist die Wahl.

Was sind die Botschaften, die Sie überbringen wollen?
Die Botschaft soll sein, dass ich als bodenständige Frau den Kontakt zu den Bürgern suche. Da ich ja nicht Teil dieser Politikblase in Berlin bin, möchte ich den Menschen zeigen: Es kann auch jemand sein, der von unten kommt, der auch als Frau bodenständig genug ist, mitten im Leben steht. Ich sehe mich als Brückenbauer zwischen den Generationen. Ich habe eine kleine Tochter, ich habe meine Eltern und stehe genau in der Mitte. Das ist ein Vorteil in der heutigen Zeit, um die Risse und Gräben in der Gesellschaft zu überwinden.

Haben Sie bei Frank-Walter Steinmeier den Eindruck, dass er das weniger macht?
Das steht mir nicht zu, zu bewerten. Aber wir wissen alle, seine Vita ist ein jahrzehntelanger Politikbetrieb. Das verkörpere ich gerade nicht.

Was würden Sie anders machen?
Wir machen am Freitag die Bürgerpressekonferenz, wo ich mich abends um 20.15 Uhr über die sozialen Medien den Fragen der Bürger stelle. Das war ein Manko, wo Steinmeier mitgeteilt hat, ja, er will noch mal. Da konnte die Presse keine Fragen stellen. Das kann man schon kritisieren. Ich denke, ich würde mehr mit den Bürgern agieren. Nicht aus dem Schloss heraus, sondern rausgehen.

Wie wird der Sonntag ablaufen?
Konkret weiß ich das noch nicht, das wird sich ergeben. Ich hoffe, dass ich meinen Mann mitnehmen kann.

Was glauben Sie, wie viele Stimmen Sie bekommen können?
Die Freien Wähler haben 18 Stimmen. Ich würde mich wirklich sehr darüber freuen, wenn man 18 plus x Stimmen erreichen könnte, weil jede Stimme mehr bestätigt einen ja dann schon.

Sie sind Vorsitzende der Stadtverordneten in Kremmen. Was bedeutet Ihnen Ihr Ehrenamt?
Wir haben in Deutschland etwa 16 Millionen Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, davon sind eine Million Menschen bei der Freiwilligen Feuerwehr, und jeder, der sich nicht nur für sein Eigeninteresse interessiert, sondern für die Allgemeinheit, ist lobenswert. Das sind die Grundpfeiler unserer Gesellschaft. Stadtverordnete zu sein, ist auch ein Ehrenamt, und ich bin noch aktiv in diversen Vereinen. Das erfüllt mich, mir macht das Freude, Menschen zu helfen.

Was ist Ihr wichtigstes Ehrenamt?
Für mich sind die Feuerwehr und ihr Förderverein sehr wichtig. Menschen, die für andere, ohne nachzudenken, ihr Leben riskieren, sind schon sehr bemerkenswert.

Sie wollten in den Bundestag, jetzt die Kandidatur zur Bundespräsidentin. Gibt es weitere Ambitionen?
Es geht ja nicht darum, ob man gewählt wird oder nicht. Auch nicht gewählt zu werden, ist für mich kein Scheitern. Wir werden sehen, wo der Weg mich jetzt hinführt. Sicherlich stehen 2024 wieder diverse Wahlen ins Haus. Einmal die Landtagswahlen, dann die Kommunalwahlen, wir haben auch die Bürgermeisterwahl hier in Kremmen.

Wenn man als Bundespräsidentin kandidiert, hat man dann noch Lust darauf, Stadtverordnete zu sein?
Natürlich! Gerade hier vor Ort kann man ja was bewegen. Und hier vor Ort sind wir ja genau das, was die Freien Wähler ausmacht. Dicht am Bürger.

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