RTelenovela

Vermisste Abstandsregeln in Zeiten des Coronavirus

Samstag, den 20. Juni 2020
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Kennst du das? Wenn du einen Raum betrittst und sich gleich so ein Unwohlsein einstellt? So ging es mir am Donnerstagabend im Zelt auf dem Spargelhof in Kremmen. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) kam zum 14. Spargelgespräch, organisiert von der CDU in Kremmen.

Als die Ministerin ankommt, hält sie relativ diszipliniert Abstand. Begrüßung höchstens mit dem Ellenbogen. Dann ging es ins Zelt. Dort standen die Tische dicht an dicht. Sicherheitsabstand? War da was? Ist das Coronavirus in der Sommerpause, und alle Regeln gleich mit?
Allein am Presse-Vierertisch saßen fünf Leute, eine Journalistin trug eine Gesichtsmaske, als einzige im Raum. Rücken an Rücken, wenige Zentimeter dahinter saßen schon die nächsten Leute. Ich stand abseits davon, ich wollte mich keinesfalls dort hinsetzen, auch nicht mit einer Maske,. die ich auch dabei hatte, aber nicht aufsetzte.

In ihrer Rede ging Julia Klöckner sogar noch auf die aktuellen Corona-Sicherheitsregeln ein. Was Corona für Veränderungen mit sich gebracht hat. Es sei noch nicht vorbei, sagte sie, und sie verwies auf die 1,50 Meter Sicherheitsabstand, und da blickte sie in die Runde, und eigentlich hätte ihr da was auffallen können.
Hinter den Kulissen herrschte teilweise leichter Unmut über die Tischordnung, die im normalen Restaurantbetrieb anders aussehe. Weil ich ja hinten stand, bekam ich das mit. Als Julia Klöckner locker-flockig über die Abstandsregeln sprach, war das Gemurmel hinten groß.

Später hieß es, dass man sich bei der Platzierung der Leute bemüht habe, dass Leute aus einem Haushalt oder Zusammenarbeitende zusammen am Tisch sitzen. An den großen Promitischen allerdings saßen längst nicht nur zwei Haushalte. Und überhaupt bringt das ja nichts, wenn der Nachbar so dicht dran steht, dass man Rücken an Rücken sitzt.

Es geht nicht darum, dass das Virus hierzulande momentan kaum Bedeutung hat – wahrscheinlich ist die Ansteckungsgefahr momentan nicht so hoch. Andererseits: Wer weiß das schon genau? Viele der Leute reisen sicherlich in der Gegend rum, und es reicht ja schon eine Person, die das Virus hat und es schön im Zelt hätte verteilen können.
Es geht vor allem um das Symbol. Wir halten alle Abstände, wo es geht. Wir arbeiten teilweise immer noch im Homeoffice, wir halten Abstand an der Schlange im Supermarkt, viele Eltern mussten mit geschlossenen Schulen und Kitas klarkommen. Auch heute heißt es auch in der Kita: Abstand! Wir halten auch Abstand zu anderen Tischen in den Lokalen. Die Politiker predigen: Haltet Abstand! Und was machen Politiker? Halten keinen Abstand. Sitzen eng an eng an den Tischen und feiern.

Sie bedienen absolut das Klischee, dass „die da oben“ sich nicht an das halten, was sie anderen vorgeben. Wie lässig wäre es gewesen, hätte Julia Klöckner vor ihrer Rede gesagt: „So, jetzt lasst uns hier erst mal die Tische umräumen, so geht das hier nicht.“ Hat sie aber nicht, stattdessen machte sie einen Witz darüber. Sehr uncool.

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ORA aktuell

Coronavirus: Bus 823 fährt 2020 nicht

Freitag, den 5. Juni 2020
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Die Tourismusbuslinie 823 fährt 2020 nicht. Das teilte Peter Leys (BfO), der Bürgermeister von Oberkrämer, am Donnerstag der Märkischen Allgemeinen mit.
Der Bus verbindet Oranienburg mit Sommerswalde, Schwante und Kremmen. Wegen der unklaren Finanzlage als Folge des Coronavirus könne der Bus in diesem Jahr nicht bezahlt werden, so Leys. Die Kommunen Oberkrämer, Kremmen und Oranienburg sowie Gewerbetreibende an der Strecke gaben Geld für den Betrieb der Linie, die am Wochenende und an Feiertagen unterwegs war.
2021 soll die Linie wieder eingesetzt werden.

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aRTikel

Die Lage ist bedrohlich

Donnerstag, den 7. Mai 2020
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Das Kremmener Fitnessstudio „Die Acht“ ist seit März geschlossen – ob Betreiberin Manuela Piesche durchhält, ist derzeit vollkommen offen

MAZ Oranienburg, 7.5.2020

Kremmen.
Plötzlich war Schluss. Mitte März musste das Kremmener Fitnessstudio „Die Acht“ in der Berliner Straße schließen. Die Sicherheitsvorkehrungen, die landes- und bundesweit in Kraft traten, sorgen bei Manuela Piesche für tiefe Sorgenfalten. „Es läuft ja alles weiter, ich muss Miete zahlen, habe Stromkosten im Laden und zu Hause auch“, sagte sie am Mittwoch. „Es ist eine doppelte Belastung für mich.“ Ohne einen kulanten Vermieter würde das schon jetzt nicht mehr funktionieren, wie sie erzählte. „Ich bin auf ihn zugegangen. Ihm habe ich viel zu verdanken.“
Auch die Kunden würden ihr beistehen. „Ich bin aber auch niemandem böse, wenn er nach der Krise sagt, er kann es sich nicht mehr leisten. Aber viele hoffen, dass es weitergeht.“ Allerdings hat Manuela Piesche mit ihrem Fitnessstudio momentan keine Einnahmen. Die Kunden, die bei ihr einen Jahresvertrag abgeschlossen haben, bekommen die Gebühren monatlich vom Konto abgezogen. Weil aber jetzt alles geschlossen ist, zieht die Betreiberin auch keine Gebühren ab. Aber Spenden seien möglich. „Es gibt vielleicht ja Leute, die sagen, weil sie möchten, dass der Club erhalten bleibt.“ Aber sie könne es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren, jetzt Gebühren abzuziehen, wenn dafür keine Leistung erbracht werde.

Dass sie ihren Club „Die Acht“ schließen musste, kann sie nur bedingt nachvollziehen. „Weil mein Fitnessstudio mit allen anderen über einen Kamm geschert wird.“ Aus ihrer Sicht wäre ein Weiterbetrieb möglich gewesen – wenn auch mit strengen Auflagen. „Man kann zum Beispiel Zeiten für die Besucher festlegen. Oder einen Maskenzwang, wie er ja woanders auch gehandhabt wird. Desinfektion ist bei uns sowieso Gang und Gebe.“ Das Zirkeltraining, das sie in Kremmen anbiete, sei sowieso was anderes als normales Hanteltraining. „Wenn zwei Kunden mit dem Training durch sind, würde sofort desinfiziert werden.“

Für Manuela Piesche sind das jetzt bittere Wochen. „Da versucht man, vier Jahre lang auf alles zu verzichten, um sich etwas aufzubauen, und dann passiert so was.“ Wie lange sie noch durchhält, ist derzeit vollkommen offen. „Eigentlich noch einen Monat“, sagte sie. Die Sommersaison sei sowieso schwerer, weil da weniger Leute trainieren, und die Frühlingssaison, wo mehr neue Kunden kommen, die fehle ihr jetzt. Wenn die erzwungene Aus-Zeit noch länger dauere, dann könne es in Kremmen nicht mehr weitergehen.

Ganz verzichten müssen die Nutzer des Fitnessstudios auf das Training nicht. Auf dem Youtube-Kanal „Die Acht“ hat Manuela Piesche einige Übungsvideos hochgeladen. „Aber die ersetzten natürlich nicht den sozialen Kontakt, und solche Videos gibt es ja außerdem jetzt sehr viele.“ Sport sei wichtig, auch und gerade jetzt. „Gerade für die Lungenkranken, die sich nicht aufraffen können, alleine draußen zu laufen, für die wäre das Training jetzt sehr wichtig“, so Manuela Piesche weiter.

Einen Plan B hat die Unternehmerin derzeit nicht. „Ich lasse es auf mich zukommen“, sagte sie am Mittwoch. Sie versuche, positiv zu denken und das Wetter und die Zeit mit der Familie zu genießen – auch wenn es schwer sei, abzuschalten.

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RTelenovela

Kommunalpolitik in Zeiten des Coronavirus

Freitag, den 24. April 2020
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Auch mein Job spielt sich momentan ganz anders ab als sonst. Normalerweise treffe ich ja viele Leute. Ich besuche Menschen, ich schaue mir Firmen an, ich besuche Sitzungen. Und dann schreibe ich darüber.
Momentan telefoniere ich sehr viel. Ich rufe Leute, rede mit ihnen, sehe sie aber nicht. Das funktioniert auch, ist aber alles andere als optimal. Und ich hoffe, dass sich da bald was ändert.

Auch die Kommunalpolitik ruhte wegen der Coronavirus-Krise. Bis zum Donnerstag, da fand in Kremmen mal wieder eine Stadtverordnetenversammlung statt.
Aber da auch da: Alles anders als sonst. Die Stadtverordneten trafen sich diesmal nicht im Rathaus, sondern in der Stadtparkhalle. Wegen der Sicherheitsmaßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus mussten größere Abstände eingehalten werden. Das war im Rathaussaal nicht möglich.

Bevor ich die Halle betrat, legte ich mir meine Maske an, aber ich merkte schnell, dass ich der einzige war. Auch für die Presse standen zwei Tische für je einen Vertreter am Rand. Ich ging noch schnell einmal rum, um Fotos zu machen. Immerhin muss man so eine außergewöhnliche Sitzung auf Fotos festhalten.
Jeder Stadtverordnete saß an einem eigenen Tisch. Jede Fraktion hatte zudem ein eigenes Mikrofon. Was ja eigentlich auch nicht den Hygieneregeln entspricht, aber mehr Mikros gab es sicherlich nicht.
Wer an der U-förmigen Tisch-Gruppierung ganz hinten saß, brauchte fast schon ein Fernglas, um Bürgermeister Sebastian Busse und die Stadtverordnetenvorsteherin Stefanie Gebauer am Kopfende zu erkennen. Diskussionen funktionierten nur mit Mikro.

Das hat alles auch so funktioniert. Die Sitzung verlief, abgesehen von den Umständen, relativ normal. Denkwürdig war dieser Abend aber dennoch.

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KeineWochenShow

#170 – Corontäne

Sonntag, den 5. April 2020
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Es ist unsere dritte Corona-Spezial-Sendung. Zum dritten Mal unterm Carport statt in unserem Studio-Keller. Die Ereignisse rund um das Coronavirus dominieren auch diese 170. Ausgabe.
Wir reichen den letzte Woche “vergessenen” Beitrag mit dem Balkongesang nach. Außerdem diskutieren wir darüber, ob und wie die Bundesliga fortgesetzt werden kann. Ob eine Handy-App sinnvoll wäre, um zum Coronavirus zu informieren. Und was eigentlich mit den Kitagebühren für die Kinder ist, die noch in die Kita können – auch darüber wird nämlich diskutiert.
Außerdem gibt es einen Beitrag aus Bärenklau, wo mehrere Damen Gesichtsmasken nähen – zwei davon gehen mit, und dafür gibt es Geld für einen guten Zweck. In einem zweiten Beitrag wird der Spargel-Drive-In auf dem Spargelhof Kremmen getestet.

Darüber hinaus sprechen wir aber auch über die allerletzte Folge der “Lindenstraße” nach mehr als 34 Jahren. Und über den abgesagten Eurovision Song Contest 2020 und die zwei angekündigten Ersatz-Events.
Das alles und mehr in KeineWochenShow #170 auf Youtube.

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Spargel essen in Zeiten des Coronavirus

Freitag, den 3. April 2020
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Auch der Spargelhof in Kremmen darf in der Zeit des Coronavirus sein Restaurant nicht eröffnen. Und die Spargelsaison hat bereits begonnen. Normalerweise hätte ich um diese Zeit jetzt das erste Mal im Restaurant gesessen, und ich hätte Spargel mit Kartoffeln, Rührei und Sauce Hollandaise bestellt.
Entfällt erst mal. Zumindest vor Ort. In Kremmen aber hatte sie eine Idee. Seit Mittwoch gibt es auf dem Spargelhof einen Drive-In. Dazu fährt man auf das Gelände, und gleich auf dem vorderen Parkplatz ist eine kleine Einbahnstraße eingerichtet. Folgt man ihr, gelangt man zu einem Zelt mit dem Spargelverkauf.
Dort bekommt man die Spargelgerichte, die es sonst im Restaurant gegeben hätte. Meine Rührei-Variante gibt es zwar leider nicht, aber ich bestellte Spargel mit Schnitzel und Kartoffeln, dazu die Sauce Hollandaise.
Ich bezahlte und fuhr dann zum zweiten Fenster, dort bekam ich dann, was ich bestellt hatte.
In einer Art Papp-Behälter war das Essen, die Soße war in einem separaten Becher.

Aber würde das Essen warm bleiben, die ich zu Hause bin? Ich brauche 20 bis 25 Minuten, erst dann konnte ich losessen. Es heißt, die Leute vom Spargelhof haben das getestet, haben das Essen 30 Minuten eingepackt in der Schale gelassen und dann probiert – es soll immer noch geschmeckt haben.

Zu Hause packte ich dann auch alles aus. Es sah alles noch gut aus. Das kann man ja zum Beispiel von den eingepackten Pommes aus dem Imbiss nicht sagen – die sind schon nach drei Minuten labbrig.
Aber der Spargel war immer noch warm, er war nicht zu fest und auch nicht zu weich. Dazu immer noch annehmbar warme Kartoffeln, ebenso das Schnitzel. Die Sauce Hollandaise war oberflächlich war bisschen fest geworden, aber letztlich war auch die qualitativ noch gut.

Das Experiment funktioniert also. Zumindest dann, wenn man den Spargel und den Rest nicht selbst kochen will. Denn natürlich gibt es ja auch noch die Stände, an denen der Spargel normal verkauft wird – da natürlich ungekocht.

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Trauer um Ulf Gruber

Freitag, den 13. März 2020
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Der Beetzer stirbt mit nur 54 Jahren – ein engagierter Feuerwehrmann, Musiker und Lehrer der Goethe-Oberschule in Kremmen

MAZ Oberhavel, 13.3.2020

Beetz.
Man sagt ja oft, jemand werde mitten aus dem Leben gerissen. Im Fall von Ulf Gruber lässt sich überspitzt sagen: Er hatte noch lange nicht vor, zu gehen. Aber es kam anders. Der 54-jährige Beetzer ist in der Nacht zu Donnerstag nach längerer Krankheit verstorben.

„Wir verlieren einen engagierten Bürger“, sagte Kremmens Bürgermeister Sebastian Busse am Donnerstag. Ihn hat die Nachricht vom Tod Ulf Grubers sehr bestürzt. „Ein sympathischer Mensch, der Beetzer Dorfgeschichte mitgelebt hat.“

Ulf Gruber war Musiker, durch und durch. Erst vor drei Jahren eröffnete er mit einem Partner eine Gitarrenwerkstatt in der Altstadt in Kremmen. Dort wollte er auch Kurse anbieten. An der Kremmener Goethe-Oberschule arbeitete er als Musiklehrer. Er gestaltete gemeinsam mit seinen Schülern den Musikraum der Schule – erst vor acht Wochen zeigte er ihn stolz den Besuchern des „Tages der offenen Tür“. Dem MAZ-Reporter sagte er, er sei sich sehr sicher, dass er seine gesundheitliche Krise schaffen würde – und genau diesen Eindruck machte er auch. Ulf Gruber blieb immer ein Optimist, ging gleichzeitig aber immer offensiv mit dem Stand seiner Krankheit um – eben weil er so überzeugt davon war, dass alles gut gehe.
Auch trat er selbst als Musiker auf. Sei es bei Open Stages in der „Kombüse 11“ in Kremmen, beim Bandwettbewerb in der Stadtparkhalle oder bei „Feuer und Flamme für Kremmen“.

„Das tut mir sehr, sehr leid, das ist wirklich ein Hammer“, sagte am Donnerstag ein sehr betrübter Andreas Dalibor. „Er war ja zwischenzeitlich auch ein Mitmusiker von uns“, erzählte er. Auch hat Ulf Gruber eine Zeit lang das Theaterbistro im Scheunenviertel betrieben. „Ich bin sehr bestürzt, wie schnell das jetzt gegangen ist.“

Beatrix Scheeren, die Leiterin der Goethe-Oberschule, in der er arbeitete, kündigte an, sich später noch an die Presse zu wenden.

Trauer herrscht auch bei der Kremmener Feuerwehr. Ulf Gruber war Mitglied der Feuerwehr in Beetz-Sommerfeld. Auf der Facebookseite der Wehr Staffelde/Groß-Ziethen erschien am Donnerstag eine Kerze als Zeichen der Trauer. „Er war ein wichtiger Bestandteil von uns“, sagte Sommerfelds Wehrführer Holger Henschel. „Er hat damals auch angefangen, das Kinderfest in Beetz für uns zu organisieren. Er war immer, gerade was Veranstaltungen angeht, für uns da.“ Auch am Einsatz- und Ausbildungsdienst habe er immer teilgenommen – bis zum Schluss. „Vor zwei Wochen haben wir uns noch unterhalten, dass er bald wieder durchstarten kann.“ Ähnlich erinnert sich Bürgermeister Busse. Die Zuversicht habe ihn nie verlassen. Und doch kam es dann anders. Beetz und Kremmen verlieren einen fröhlichen Menschen voller Tatendrang.

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