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Zur Kommunalwahl ist Schluss

Dienstag, den 12. März 2019
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Detlef Reckin ist Kremmener Stadtverordnetenvorsteher – im Mai zieht er sich aus der Politik zurück

MAZ Oranienburg, 12.3.2019

Kremmen.
Stichtag: 23. Mai. An diesem Abend leitet Detlef Reckin (SPD) in Kremmen seine letzte Stadtverordnetenversammlung (SVV). Er tritt zur Kommunalwahl drei Tage später nicht mehr an. Er macht Schluss mit der Politik. Seit ungefähr einem halben Jahr stehe sein Beschluss fest, erzählte er gestern. „Ich finde, es ist Zeit, dass die jungen Menschen jetzt die Verantwortung übernehmen“, sagt er. „Und wenn man das will, wird es eben auch Zeit, dass sich ein paar Ältere zurückziehen.“ Man könne auch helfen, ohne weiter in der ersten Reihe zu stehen, so der 64-Jährige weiter.

Schon im Nachwendejahr 1990 wurde er Mitglied des Kremmener Stadtparlamentes. Er gehörte zu den Gründungsleuten des SPD-Ortsvereins in der Stadt. 1994 zog er sich erst mal zurück und kam 2008 in die Stadtpolitik zurück. Seitdem ist er auch der Vorsitzende der Runde im Rathaus.

„Es gibt zwischendurch immer mal Querelen in der SVV, da ist es wichtig, die einzelnen Gruppen zusammenzuhalten und die Querelen möglichst im Vorfeld zu lösen“, sagt er über seinen Stil als Vorsitzender. „Eigentlich wollen ja alle dasselbe, aber jeder beansprucht die Ideen für sich.“ Ihm selbst gehe es dabei weniger um Parteien, sondern um die Menschen. „Es gibt fantastische Menschen wie Rainer Tietz, der sich einsetzt. Da kann ich doch nicht sagen, das ist ein Linker, das geht nicht.“
Als Vorsitzender des Parlamentes moderiert er, und er wolle dabei neutral bleiben. Manchmal müsse er sich da ein wenig beherrschen. „Es gab Momente, da hätte ich gerne losgeledert“, sagt er und lächelt.

Entscheidungen würden selten in der SVV getroffen, so Detlef Reckin. „Das passiert eher in den Ausschüssen oder in den Ortsbeiräten. Die sind alle öffentlich, und jeder, der sich einbringen möchte, hat dort die Möglichkeit, sich einzumischen. Da kann man die Bürger wirklich einbinden. Aber das passiert für mich noch viel zu wenig.“ Zur SVV zu kommen und dann rumzumeckern, da sei es eigentlich oft schon zu spät, sagt der Kremmener. Er ermuntert die Bürger immer wieder, sich an die Ausschüsse zu wenden oder an die Abgeordneten, die sie bei der Kommunalwahl gewählt haben.

Seit dem 1. Mai 2018 ist Detlef Reckin offiziell Rentner. Einen kleinen Job hat er noch auf dem Spargelhof und repräsentiert Kremmen auf Messen. Auch mit der Erntekönigin ist er auf diversen Veranstaltungen unterwegs – aber auch diese Arbeit endet in diesem Jahr. Dann will er ein neues Kapitel in seinem Leben aufschlagen.
Mit seiner Frau Heiderose will er dann mit dem Wohnmobil auf Reisen gehen. „Wir sind schon dabei, Touren zu planen.“ Schweden, Dänemark, Norwegen, die französische Küste und Südspanien – aber auch Kurztrips durch Deutschland. Auch für die Enkel bleibt dann mehr Zeit. „Wenn andere erzählen, dass sie in ein Loch gefallen sind, dann kann ich das nicht bestätigen“, sagt der künftige Ruheständler. „Alles private ist bei uns bisher immer zu kurz gekommen, das ändert sich dann.“

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Der singende Dachdecker aus Kremmen

Dienstag, den 26. Februar 2019
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Werner Marzahn feiert heute seinen 80. Geburtstag – der Kremmener hat lange Zeit dafür gesorgt, dass die Dächer in der Stadt schöner aussehen

MAZ Oberhavel, 26.2.2019

Kremmen.
Das wird ein Fest! Etwa 60 Leute werden kommen, um einen Mann zu feiern, der viel dafür getan hat, dass Kremmen einen schönen Anblick bietet. Dachdeckermeister Werner Marzahn ist heute 80 Jahre alt geworden. Freunde, Bekannte und natürlich die Familie kommen am Nachmittag in die Bikerscheune.
Wer durch Kremmen spaziert, der wird so einige Dächer entdecken, die Werner Marzahn und seine Leute gedeckt haben. Die Kremmener Nikolaikirche gehörte 1990 zu den größten Aufträgen. „Acht Wochen haben wir damals für das Dach gebraucht“, erzählt er. „Auch den ganzen Markt rauf und runter.“ In Kremmen und drumherum war er aktiv.

Geboren ist Werner Marzahn am 26. Februar 1939 in Nauen, aufgewachsen ist er in Perwenitz. „Meine Eltern waren Kleinbauern“, erzählt er. Er hatte zwei Geschwister, er war der Jüngste. 1945 kam er zur Schule. „Ich kann nicht sagen, dass ich ein schlechter Schüler war“, sagt er und lächelt. Nach der 8. Klasse beginnt er bei der Lokomotivbau Elektrotechnischen Werken (LEW) in Hennigsdorf eine Lehre als Blechschlosser. Den Gesellenbrief bekam er zu seinem 18. Geburtstag. „Die Arbeit hat mir Spaß gemacht.“ Dass er wie seine Eltern Bauer wird, stand nicht zur Debatte. „Mein Bruder sollte die Landwirtschaft vom Vater übernehmen.“ Bis 1963 arbeitete er bei den LEW. Im selben Jahr heiratete er Marie-Luise, die von allen Marlies genannt wird. Vier Wochen nach der Hochzeit muss er zur Armee nach Eggesin. „Anderthalb Jahre. Die waren das Schlimmste.“
Danach stand Werner Marzahn vor einer Entscheidung fürs Leben. Soll er zurück ins Werk oder soll er in die Firma seines Schwiegervaters Werner Sandow einsteigen? Er entschloss sich umzusatteln. Er wurde Dachdecker, machte 1969 in Potsdam die Meisterprüfung.
Ein halbes Jahr später übernahm er die Firma, die es bereits seit 1890 gibt. „Aufträge waren da, Material haben wir bekommen, das lief alles in geordneten Verhältnissen“, erinnert er sich. Fünf bis sechs Leute hatte er damals. So richtig los ging es dann aber mit der Wende. „Alle haben ihre Dächer neu machen lassen.“ Viele Aufträge hatte er zu dieser Zeit auch im früheren West-Berlin. Bis zu 16 Angestellte hatte er zu dieser Zeit.
2003 gab er den Betrieb an seinen Schwiegersohn ab. Seitdem ist Jörg Schmidtsdorf der Chef, seit 1986 war er bereits in der Firma. Werner Marzahn ist nun Rentner. „Ich bin körperlich noch ganz fit“, sagt er. Er muss immer mal wieder seine Frau Marlies zum Arzt fahren. Außerdem engagiert er sich in der Kirchengemeinde. Bis vor zwei Jahren spielte er im Posaunenchor mit. Außerdem war er 51 Jahre lang Mitglied im LEW-Blasorchester. Er war Trompeter. „Die Musik hat mich ausgelastet“, sagt er. Zu DDR-Zeiten spielte er oft auf Hochzeiten. „Er war der singende Dachdeckermeister“, sagt seine Frau Marlies und lacht.

Die beiden haben viel gesehen von der Welt. Sie waren in Neuseeland, Australien, Amerika, Südafrika, in London, Paris, Moskau und St. Petersburg. Indien und China haben sie ausgelassen. „Zu groß, zu viele Menschen. Aber von den Reisen zehrt man jetzt“, sagt Marlies Marzahn. Jetzt ist Werner 80 geworden. Für ihn zählt jetzt vor allem eines: „Gesund bleiben“.

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Suppen im Glas und Fingerfood sind der Renner

Dienstag, den 19. Februar 2019
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Die Fleischerei Hohensee in der Kremmener Dammstraße hat sich auf den Partyservice spezialisiert – Bianka und Andreas Hendrichs leiten das Geschäft

MAZ Oberhavel, 19.2.2019

Kremmen.
Die Fliesen stammen original aus den 50ern. Die Einrichtung ist auch urig. „Wir hatten nicht das Gefühl, dass hier was Neues und Modernes reinpasst“, sagt Bianka Hendrichs. Wer in der Fleischerei Hohensee in der Kremmener Dammstraße steht, der wird rein äußerlich um Jahrzehnte zurückgeworfen. Ein Ort zum Umschauen und Wohlfühlen.

Auch wenn sie weiterhin so heißt – eine Fleischerei im bekannten Sinn ist der Laden in der Altstadt schon seit 2013 nicht mehr. Stattdessen führen Bianka Hendrichs, ihr Mann Andreas sowie ihre Eltern Barbara und Gunder Hohensee das Geschäft vor allem als Partyservice. „Die klassische Fleischerei hat sich nicht mehr gelohnt“, erzählt Bianka Hendrichs. „Wir sind ja relativ abgelegen, und eine Fleischerei braucht ein sehr großes Sortiment. Der Aufwand für eine Frischetheke ist sehr hoch“, so die 50-Jährige weiter.
Der Partyservice zog unterdessen immer mehr Kunden an. „Deshalb ist uns der Wechsel auch nicht schwergefallen. Er war ein Risiko, aber er war es wert. Wir konnten dann mehr Kundenwünsche realisieren.“ Auch wenn die Fleischerei offiziell am Sonntag und Montag ruht, „haben wir eigentlich sieben Tage pro Woche Arbeit.“ Sonntags muss schon mal Geschirr abgeholt werden, und auch am Montag sind mitunter regelmäßige Firmenkunden zu beliefern. „Wir hängen das aber nicht an die große Glocke. Wenn der Bedarf da ist, dann ist das eben so. Richtig frei haben wir nicht.“ Immerhin gönnen sie sich drei Wochen Urlaub im Jahr – im Herbst und nach Weihnachten.

Gegründet wurde die Fleischerei Hohensee 1985. Allerdings gab es auch davor schon in dem Laden eine Fleischerei. „Damals ist mein Papa hierher zum Schlachten gekommen“, erzählt Bianka Hendrichs. 2007 hat sie die Firma von den Eltern übernommen, 2009 ist auch ihr Mann Andreas miteingestiegen. Noch heute gehören Barbara und Gunder Hohensee zum Team. Vom 77-Jährigen stammen beispielsweise die hausgemachte Salami und Schinken oder die Leberwurst im Glas. „So lange Papa noch Lust und Kraft hat, macht er das“, sagt Bianka Hendrichs. „Das ist eine schöne Tradition, ich persönlich habe aber nicht die Zeit dazu, das wird es also irgendwann leider nicht mehr geben.“

Ansonsten sind die Büfetts die Spezialität der Fleischerei Hohensee. „Am beliebtesten ist das Fingerfood.“ Das gab es zum Beispiel Anfang Februar beim Kremmener Neujahrsempfang in der Stadtparkhalle. Mini-Schnitzel, Lachsspieße, Tomate-Mozarella-Spieße, kleine Bulettchen und vieles mehr. Es gibt aber auch belegte Brötchen oder Mittagessen. Sehr gefragt: Eintöpfe, Frikassee oder Rouladen im Glas. Die kann man immer noch ganz normal in der Fleischerei kaufen.

Die gebürtige Hennigsdorferin lebte lange in Velten. „Inzwischen wohnen wir aber hier in Kremmen alle zusammen.“ Eigentlich ist Bianka Hendrichs gelernte Schneiderin. Als die Eltern aber zu ihr sagten, dass sie sie brauchen, stieg sie in die Firma ein. „Man wächst da rein.“ Und sie hat Spaß an der Arbeit, sagt sie. Wenn größere Aufträge anstehen, „dann wissen wir, wen wir anrufen können. Solche Termine stehen ja oft lange vorher fest.“

Werbung macht die Familie kaum. Auch durch die Mundpropaganda haben sie sehr gut zu tun. Und gute zehn Jahre lang will Bianka Hendrichs das auch weiter machen.

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KeineWochenShow

#111 – Aufrecht gehn, arme Greta!

Sonntag, den 17. Februar 2019
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Schnapszahl-Sendung! Ausgabe #111 von KeineWochenShow! Diesmal geht es um diverse Menschen, die einem aus verschiedenen Gründen sehr leid tun können.
Der CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak zum Beispiel. Der kann einem wirklich leid tun, weil er einer Jugendlichen erklären will, warum sie zu doof für den Umweltschutz ist.
Oder Karl-Heinz Rummenigge, der die Champions League wieder im Free-TV haben will, weil seine Sponsoren keine Reichweite mehr bekommen. Ohje!
Oder Hinrich Lührssen, weil er nun doch nicht mehr Teil der AfD sein will. Wer er ja vorher nicht ahnen konnte…

Außerdem geht es um Bosse und Bjarne Mädel in Kremmen, um den Besuch bei einer fröhlichen Frauenrunde in Beetz und um den Gesangsabschied von Mary Roos. Das und mehr in Folge #111 von KeineWochenShow auf Youtube.

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Abschied auf Raten

Donnerstag, den 31. Januar 2019
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Reinhard Augustin hat am Freitag nach 42 Jahren seinen offiziell letzten Tag als Lehrer in Kremmen – einmal in der Woche wird er trotzdem noch unterrichten

MAZ Oberhavel, 31.1.2019

Kremmen.
Wenn Reinhard Augustin im Schulhaus die Treppen hoch läuft, dann sieht das sehr dynamisch aus. „Die machen das extra, dass ich ganz oben unterrichten muss“, sagt er scherzhaft und lacht. Er ist 62, aber das merkt man ihm nicht an. Dass er am morgigen Freitag seinen letzten Tag an der Kremmener Goethe-Grundschule hat, ist da kaum zu glauben.

„Ich bin Lehrer seit 1977“, erzählt er. „Ich bin das geworden, weil ich gerne mit Kindern gearbeitet habe.“ Sein gesamtes Berufsleben verbrachte er in der Region. Nachdem er seinen Zehnte-Klasse-Abschluss hatte, studierte er vier Jahre lang am Institut für Lehrerbildung in Potsdam. „Deutsch und Mathematik waren Pflicht, außerdem noch Werken.“ Am Ende des Studiengangs ist er gefragt worden, wo er denn hin möchte. „Ich hatte keinen Wunsch.“ Als Vertreter des damaligen Kreises Oranienburg zum Auswahltermin kamen, war er dabei. Heimerzieher wollte er aber nicht werden. „Haben Sie keine Lehrerstelle?“, fragte er. Es gab eine – in Flatow und Staffelde. „Da bin ich bis 2000 geblieben.“
Er hat seine Lehrerstelle in dem Dorf geliebt, sagt er. „Wir waren ein kleines Kollegium, familiär, stressfrei, wir hatten keine Klingel.“ Wenn er Heimatkunde unterrichtete, „brauchten wir nur raus, um uns Getreidearten anzusehen.“ Kamen er und die Kinder am Maisfeld vorbei, „haben wir uns welche abgebrochen und gegessen. Ich bin überall mit den Kindern rein, und das war schön.“

2000 wechselte er nach Kremmen, die Schule in Flatow gab es nicht mehr. „Das war schon ungewohnt, der Ablauf hier war ein bisschen anders.“ Aber er hat sich eingewöhnt. „Ich gehe mit einem lachenden und weinenden Auge.“ Einerseits könne er jetzt alles aufarbeiten, was er bislang nicht geschafft hat. Es bleibt wieder mehr Zeit zum Lesen, für Musicals und zum Reisen. Kuba und Vietnam stehen noch auf seiner Liste. Und er muss nicht mehr jeden Tag die 55 Kilometer vom Prenzlauer Berg nach Kremmen.
Andererseits: „Es fällt mir schwer, nicht mehr als Lehrer tätig zu sein. Ich weiß nicht, wie viele Schüler ich unterrichtet habe, aber ich werde das vermissen. Und mein Kollegium, das wie eine zweite Familie für mich geworden ist.“

„Mit Herrn Augustin verlässt ein wahres Urgestein unsere Schule“, sagt Annette Borchert, die Leiterin der Goethe-Grundschule. „Er stand über 40 Jahre vor der Klasse und war während dieser Zeit Lehrer mit Leib und Seele. Er gilt als ein strenger Lehrer mit speziellem Witz und Humor, wofür ihn viele Schüler lieben, für andere stellte er auch eine Herausforderung dar.“ Im Kollegium sei er oft der einzige Mann gewesen, „und es war Ehrensache für ihn seine Damen zum Frauentag jährlich mit einer anderen Überraschung zu erfreuen.“ Sie erinnert sich, dass es am 11. 11. immer Pfannkuchen gab sowie immer liebevoll gestaltete Geburtstagstische. Er habe die Pausen im Lehrerzimmer mit Späßen aufgelockert. „Er ist ein zuverlässiger Kollege, der immer bereit war zu helfen.“

Ganz weg sein wird Reinhard Augustin nicht. Ursprünglich hat er ein Sabaticaljahr geplant. „Das ist ein Freistellungsjahr“, sagt er. Mehrere Jahre lang bekam er weniger Gehalt, um dieses freie Jahr anzusparen. Dass es nun am Ende seiner Laufbahn liegt, war so nicht zwingend geplant. „Viele gehen dann länger ins Ausland.“ Das wird er erst mal nicht. Denn einmal pro Woche wird er weiter nach Kremmen kommen. Donnerstags unterrichtet er Englisch als Begegnungssprache. „Wir mussten im Schulamt nachfragen, ob das überhaupt geht.“
Wahrscheinlich im Februar 2020 geht Reinhard Augustin dann endgültig in Pension. Allerdings habe er „bereits angekündigt, dass er jeder Zeit bereit ist, und wenn Not an Mann ist zu unterstützen“, weiß Schulleiterin Annette Borchert. „Ich glaube nicht, dass sie Nein sagt“, meint der 62-Jährige und lächelt. „Da habe ich ja auch wieder neue Kräfte.“ Bis er 65 werde, könne er auf jeden Fall noch ein bisschen was tun.

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Ab jetzt bestimmt der Sohn

Freitag, den 25. Januar 2019
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Generationswechsel in Wolfslake – René Hoffmann hat zum neuen Jahrdie Autowerkstatt von seinem Vater Fred übernommen

MAZ Oberhavel, 25.1.2019

Wolfslake.
In echten Familienbetrieben kommt es irgendwann zum Generationswechsel. Hoffmanns in Wolfslake haben ihn zum neuen Jahr über die Bühne gebracht. Neuer Chef beim „Auto Service Wolfslake“ ist René Hoffmann. Der 24-Jährige hat die Firma von seinem Vater Fred übernommen.
„Ich weiß ja, wie es hier gelaufen ist, ich bin ja kein Fremder. Deshalb bin ich da nicht mit Angst rangegangen“, sagt René Hoffmann. „Ich lasse jetzt alles auf mich zukommen.“ Die Kunden wurden informiert, die Resonanz war groß. „Das hat uns sehr gefreut“, erzählt Fred Hoffmann und lächelt. „Wir waren erstaunt, wie viele uns geschrieben haben, das war richtig überwältigend, da kann man nur Dankeschön sagen.“

Weg ist Fred Hoffmann ja auch nicht. Ein paar Stunden hilft er noch in der Werkstatt neben der Speedwaybahn aus. Mit ihm hat auch alles anfangen, in den späten 80er-Jahren. Warum er an Autos schrauben wolle, habe ihn sein Lehrmeister in Velten damals gefragt: „Ich habe gesagt: Weil mein Vater das so will.“ Fred Hoffmann muss grinsen, wenn er das erzählt. „Der Beginn lief nicht so gut.“ Er habe anfangs überhaupt keine Ahnung gehabt, aber er habe sich reingekämpft. Er schloss seine Lehre ab, machte später seinen Meister, arbeitete in der Werkstatt des Volkseigenen Betriebes Stadt-Gemeinde-Wirtschaft in Velten und dann für den Fuhrpark der Kremmener Milchproduktion.
Die Firma – Vorläufer der Milchviehanlage – war es dann auch, die in Wolfslake 1988 die Werkstatt errichten ließ. Dort sollte Fred Hoffmann die Autos reparieren. Ein Jahr später fiel die Mauer, ein weiteres Jahr danach wurde die Firma in Kremmen liquidiert. Die Zukunft der Wolfslaker Werkstatt war unsicher. „Mach du dich doch selbstständig, hieß es dann“, erinnert sich Fred Hoffmann. „Ich wollte das erst gar nicht.“ Er entschied sich dann doch dafür. Am 1. April 1991 wurde er Chef seiner eigenen Firma.
Der Anfang war schwierig. „Wir waren ein Jahr ohne Telefon. Und wir hatten Glück, dass wir am Anfang noch viele Trabis und Wartburgs reparieren konnten.“ Alles andere hatte er sich nach und nach draufgeschafft. Er kaufte die Werkstatt, um keine Pacht mehr zahlen zu müssen, später auch das Grundstück. Die Firma lief.

René Hoffmann hat sich anfangs gar nicht so sehr für die Autoschrauberei interessiert – eine kleine Parallele zwischen Vater und Sohn. Erst mit dem Führerschein stieg auch das Interesse daran. 2013 machte er sein Abi am Hennigsdorfer Puschkin-Gymnasium und begann gleich danach seine Lehre in der eigenen Familienwerkstatt. „Viele haben uns davon abgeraten, dass er in der eigenen Firma lernt“, erinnert sich Vater Fred. „Aber es hat gut funktioniert.“ Im März 2016 war René sogar Azubi des Monats, ausgezeichnet von der Handwerkskammer.
Zu diesem Zeitpunkt war schon klar, dass er mal die Firma vom Vater übernehmen wird – und zwar schon recht bald. „Sonst wären wir nicht mehr hier“, sagt Fred Hoffmann. „Wenn René nicht gesagt hätte, dass er übernimmt, hätten wir 2018 zugemacht.“ Stattdessen ist noch mal investiert worden.
Am 30. November 2018 hatte der junge Mann seinen Meister geschafft, und nur einen Monat später erfolgte die Geschäftsübernahme. „Er ist intensiv und konzentriert dabei“, sagt Fred Hoffmann. „Seine Ruhe hat er von seiner Mutter geerbt“, sagt er und lächelt. Er selbst sei durchaus aufbrausender, schiebt er nach.

„Vater ist jederzeit für mich da“, sagt der neue Chef. „Das Wissen des Altmeister ist total wertvoll.“ In Notlagen könne er sich auf seinen Vater verlassen. Dennoch will er über kurz oder lang noch jemanden einstellen. Allerdings gilt: „Wenn du eine Arbeitskraft brauchst, musst du sie dir ranziehen.“ Deshalb will er sich bald nach einem Azubi umsehen.

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Bücher leihen ganz ohne Gebühren

Freitag, den 18. Januar 2019
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Anita Kißner leitet seit 2001 die Kremmener Bibliothek – Kooperationen mit Grundschulen

MAZ Oberhavel, 18.1.2019

Kremmen.
Neuerdings steht ein roter Wimpel draußen neben der Eingangstür. Ansonsten aber ist die Kremmener Bibliothek, obwohl sie mitten im Zentrum ist, erstaunlich versteckt. Sie ist in der Ruppiner Straße 6 zu finden, schräg gegenüber vom kleinen Postladen. Seit 2001 ist Anita Kißner die Chefin über etwa 11 000 Medien: Bücher, Zeitschriften, DVDs und CDs. Aufgeteilt auf das Haupthaus und die beiden Filialen in den Grundschulen in Kremmen und Beetz.
„Wir haben etwa 450 Mitglieder, davon sind etwa 130 Kinder“, sagt Anita Kißner. Gebühren oder ein Jahresbeitrag werden keine erhoben, wer sich etwas ausleiht, muss nichts dafür zahlen. „Was mich betrifft, könnten es noch vielmehr sein. Das vorhandene Angebot könnte noch besser genutzt werden. Die, die kommen, lesen aber gerne und leihen viel, viel aus.“ Ungefähr ein Drittel der Nutzer kommen aus den Kremmener Ortsteilen.

Aufmerksam macht Anita Kißner die Bibliothek vor allem über die Internetseite der Stadt und durch Artikel im Kremmen-Magazin. „Es existieren außerdem mit den Grundschulen Kooperationsvereinbarungen. Da finden Lesungen und Bastelnachmittage in den jeweiligen Einrichtungen statt. „Auch die neuen Oberschüler kommen in den 7. Klassen her. Es ist ganz wichtig, dass sie wissen, dass es uns gibt.“ Allerdings gibt die Bibliothekarin zu: „Es gibt bestimmte Altersgruppen, um die man kämpfen muss.“
Sie findet es „großartig, dass sich die Stadt die Bibliothek leisten will“, sagt sie. Die Kremmener lesen sehr gern Familiensagas. „Auch gern Romane, in denen Realität und Fantasie verbunden werden. Oder historische Fakten, die aufgearbeitet werden.“ Auch Gartenliteratur komme sehr gut an. „Und die Handarbeitszeitung. Da gibt es wieder einen richtigen Hype.“ Auch Reiseführer seien nach wie vor gefragt.
Wer sich aus den aktuellen Bestsellerlisten bedienen will, wird in der Kremmener Bibliothek sehr oft fündig. Falls nicht, kann es schnell in Oranienburg bestellt und nach Kremmen geschickt werden. Auch spezielle Fachbücher können über die Fernleihe nach Kremmen gelangen – für eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von 1,50 Euro.

Für Neuanschaffungen stehen Anita Kißner pro Jahr 7000 Euro zur Verfügung. Sie orientiert sich an Bestsellerlisten und Literaturpreisen – aber eben nicht nur. „Ich kenne meine Leser sehr gut“, sagt sie. „Ich gleiche ab, was hier gern gelesen wird.“ Hat sie von Reihen die ersten Bände, werden die Fortsetzungen gekauft. Gerade in Sachen Kinderliteratur müsse man sehen, „dass man da immer aktuell bleibt.“ Eigentlich ist es so, dass Bücher, die drei bis vier Jahre nicht mehr ausgeliehen werden, raus müssen. Natürlich aber gibt es Klassiker im Bestand, die schon länger ungelesen sind. Aber die würden dazu gehören, so Anita Kißner mit einem Lächeln. Wenn die Bücher raus müssen: „Wir haben einen Tisch, wo man schauen kann, was man noch braucht, auch spende ich Bücher an gemeinnützige Organisationen.“

In der Bibliothek hat sie eine Ecke eingerichtet, in der Kinder spielen können und die Möglichkeit haben, sich Bilderbücher anzusehen. „Ich würde mich freuen, wenn Eltern mit ihren Kindern einfach mal vorbeischauen.“ Die Bibliothek sei ein guter Aufenthaltsort. Die Kinder können spielen, Eltern in Büchern blättern, so Anita Kißner weiter.
Einziges Problem: Die Bibliothek ist nur über Treppen erreichbar, was für Ältere ein Manko sei. Ein Umzug in das Klubhaus am Markt mit barrierefrei erreichbaren Räumen ist derzeit nur Zukunftsmusik.

Dienstags 9 bis 12 und 14.30 bis 19 Uhr; donnerstags 9 bis 12 und 14.30 bis 18 Uhr in der Ruppiner Straße 6.

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