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Bücher leihen ganz ohne Gebühren

Freitag, den 18. Januar 2019
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Anita Kißner leitet seit 2001 die Kremmener Bibliothek – Kooperationen mit Grundschulen

MAZ Oberhavel, 18.1.2019

Kremmen.
Neuerdings steht ein roter Wimpel draußen neben der Eingangstür. Ansonsten aber ist die Kremmener Bibliothek, obwohl sie mitten im Zentrum ist, erstaunlich versteckt. Sie ist in der Ruppiner Straße 6 zu finden, schräg gegenüber vom kleinen Postladen. Seit 2001 ist Anita Kißner die Chefin über etwa 11 000 Medien: Bücher, Zeitschriften, DVDs und CDs. Aufgeteilt auf das Haupthaus und die beiden Filialen in den Grundschulen in Kremmen und Beetz.
„Wir haben etwa 450 Mitglieder, davon sind etwa 130 Kinder“, sagt Anita Kißner. Gebühren oder ein Jahresbeitrag werden keine erhoben, wer sich etwas ausleiht, muss nichts dafür zahlen. „Was mich betrifft, könnten es noch vielmehr sein. Das vorhandene Angebot könnte noch besser genutzt werden. Die, die kommen, lesen aber gerne und leihen viel, viel aus.“ Ungefähr ein Drittel der Nutzer kommen aus den Kremmener Ortsteilen.

Aufmerksam macht Anita Kißner die Bibliothek vor allem über die Internetseite der Stadt und durch Artikel im Kremmen-Magazin. „Es existieren außerdem mit den Grundschulen Kooperationsvereinbarungen. Da finden Lesungen und Bastelnachmittage in den jeweiligen Einrichtungen statt. „Auch die neuen Oberschüler kommen in den 7. Klassen her. Es ist ganz wichtig, dass sie wissen, dass es uns gibt.“ Allerdings gibt die Bibliothekarin zu: „Es gibt bestimmte Altersgruppen, um die man kämpfen muss.“
Sie findet es „großartig, dass sich die Stadt die Bibliothek leisten will“, sagt sie. Die Kremmener lesen sehr gern Familiensagas. „Auch gern Romane, in denen Realität und Fantasie verbunden werden. Oder historische Fakten, die aufgearbeitet werden.“ Auch Gartenliteratur komme sehr gut an. „Und die Handarbeitszeitung. Da gibt es wieder einen richtigen Hype.“ Auch Reiseführer seien nach wie vor gefragt.
Wer sich aus den aktuellen Bestsellerlisten bedienen will, wird in der Kremmener Bibliothek sehr oft fündig. Falls nicht, kann es schnell in Oranienburg bestellt und nach Kremmen geschickt werden. Auch spezielle Fachbücher können über die Fernleihe nach Kremmen gelangen – für eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von 1,50 Euro.

Für Neuanschaffungen stehen Anita Kißner pro Jahr 7000 Euro zur Verfügung. Sie orientiert sich an Bestsellerlisten und Literaturpreisen – aber eben nicht nur. „Ich kenne meine Leser sehr gut“, sagt sie. „Ich gleiche ab, was hier gern gelesen wird.“ Hat sie von Reihen die ersten Bände, werden die Fortsetzungen gekauft. Gerade in Sachen Kinderliteratur müsse man sehen, „dass man da immer aktuell bleibt.“ Eigentlich ist es so, dass Bücher, die drei bis vier Jahre nicht mehr ausgeliehen werden, raus müssen. Natürlich aber gibt es Klassiker im Bestand, die schon länger ungelesen sind. Aber die würden dazu gehören, so Anita Kißner mit einem Lächeln. Wenn die Bücher raus müssen: „Wir haben einen Tisch, wo man schauen kann, was man noch braucht, auch spende ich Bücher an gemeinnützige Organisationen.“

In der Bibliothek hat sie eine Ecke eingerichtet, in der Kinder spielen können und die Möglichkeit haben, sich Bilderbücher anzusehen. „Ich würde mich freuen, wenn Eltern mit ihren Kindern einfach mal vorbeischauen.“ Die Bibliothek sei ein guter Aufenthaltsort. Die Kinder können spielen, Eltern in Büchern blättern, so Anita Kißner weiter.
Einziges Problem: Die Bibliothek ist nur über Treppen erreichbar, was für Ältere ein Manko sei. Ein Umzug in das Klubhaus am Markt mit barrierefrei erreichbaren Räumen ist derzeit nur Zukunftsmusik.

Dienstags 9 bis 12 und 14.30 bis 19 Uhr; donnerstags 9 bis 12 und 14.30 bis 18 Uhr in der Ruppiner Straße 6.

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Sein Berufswunsch: Lehrer

Freitag, den 11. Januar 2019
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Tobias Bathe (11) aus Staffelde ist Schülersprecher an der Kremmener Goethe-Grundschule – im August will er aufs Gymnasium

Kremmen.
Als er Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst getroffen hat – das fand er aufregend. „Es war toll, mal eine Person aus der Politik in Brandenburg zu treffen“, sagt Tobias Bathe. Der Elfjährige aus Staffelde ist seit 2017 der Schülersprecher an der Goethe-Grundschule in Kremmen.
Britta Ernst traf er, als die Ministerin Fördermittel für die Kremmener Schule übergeben hatte. „Es war ein schönes Gefühl, dass ich derjenige war, der ihr alles erzählen durfte.“ Als Schülersprecher erklärte er ihr, wofür die Fördermittel ausgegeben werden.

„Meine hauptsächliche Aufgabe ist es, Kontakt zu den Klassensprechern zu haben und auch die Klassensprecher-Sitzungen einzuberufen“, erzählt er. Außerdem bespricht er sich regelmäßig mit der Schulsozialarbeiterin. „Wenn was ansteht, dann frage ich sie nach ihrer Meinung – und sie mich.“ Auch mit den Lehrern bespricht er sich bei wichtigen Themen, die die Schule und die Kinder betreffen. Das klingt nach viel Verantwortung. „Ach, das ist schon in Ordnung“, sagt Tobias nach kurzem Überlegen. „Wenn man ein eingespieltes Team hat, dann geht das eigentlich ganz leicht.“ Und überhaupt – seine Schule findet er „eigentlich richtig gut“, wie er sagt. „Die Lehrer sind nett, und ich finde es toll, dass wir eine Schulsozialarbeiterin haben und immer zu ihr gehen können.“

Wenn man ihn nach seinen Lieblingsfächern fragt, überlegt er eine Weile. „Eigentlich mag ich alles, es kommt auf den Stoff an. Mathematik, Geografie, Geschichte, Naturwissenschaften, Sport. Wobei das aber nicht heißt, dass ich Sport kann“, ergänzt er und schmunzelt dann. Sport haben die Grundschüler seit einiger Zeit auch in der großen Stadtparkhalle, die kleine Halle ist seit dem vergangenen Jahr gesperrt. „Manchmal ist es da ziemlich voll, aber das funktioniert ganz gut.“

Seine Zeit an der Goethe-Grundschule läuft bald ab. Ab August will er auf das Gymnasium – am liebsten nach Velten. „Freunde von mir wollen da auch hin, und mein Bauchgefühl sagt mir, dass das eine sympathische Schule ist.“ Dass er die Kremmener bald verlässt, findet er schade. „Aber man ist auch aufgeregt, wie es auf der neuen Schule weitergeht.“
Sein momentaner Berufswunsch: Lehrer. „Weil ich Sachen gern erkläre und weil ich den Beruf vielseitig und interessant finde.“ Er kann sich vorstellen, sich dann auch auf dem Gymnasium schulisch zu engagieren. „Wobei man nicht immer eine hohe Stellung haben muss, um sich zu engagieren. Das können ja auch mal kleine Dinge sein.“

Ansonsten lernt Tobias Bathe Gitarre zu spielen. „Aber eigentlich nur so für mich“, sagt er und lächelt.

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Andreas Dalibor schließt den Q-Stall ab

Freitag, den 28. Dezember 2018
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Der Beetzer gibt seine Kinder- und Jugendwohngruppe auf und wird Sozialarbeiter in Berlin

MAZ Oberhavel, 28.12.2018

Beetz.
Es war fast ein bisschen Weihnachten in Familie. Am Sonntag kamen im Beetzer Q-Stall noch mal viele zusammen, die dort jahrelang gelebt haben. Andreas Dalibor hat noch mal seine Jungs um sich geschart, es gab Geschenke, es wurden Gedichte aufgesagt, aber vor allem wurde viel erzählt und gelacht. „Unsere Abschluss-Weihnachtsfeier“, sagt er. „Die war noch mal richtig traditionell.“

Zum Jahresende gibt der 60-Jährige seine Selbstständigkeit auf, die am 1. Januar 2000 begonnen hatte. Er schließt seine Kinder- und Jugendwohngruppe Q-Stall an der Beetzer Dorfstraße und wird stattdessen die Seite wechseln. Andreas Dalibor arbeitet ab 2019 im Jugendamt in Berlin-Reinickendorf im Allgemeinen Sozialen Dienst. „Da bin ich sehr gespannt drauf“, sagt er. „Ich habe ja in meinem Job ab und zu mal mit dem Jugendamt gestritten. Jetzt lerne ich mal die andere Seite kennen“, so der Diplom-Sozialpädagoge weiter. Der Zeitpunkt sei gerade gut. Eigentlich habe er schon vor fünf Jahren aufhören wollen, aber er wollte da niemanden rauswerfen. Vier Kinder sind jetzt noch in der Einrichtung, bis zu fünf haben dort immer gewohnt. Einer zieht nun in eine eigene Wohnung, einer zieht zurück zu den Eltern, einer zur Oma, nur für einen Jungen musste Dalibor eine andere Einrichtung suchen.
„Einen Teil der Möbel bekommen die Jugendlichen mit, den Rest gebe ich weg“, erzählt der Beetzer. Im Februar zieht eine neue Mieterin ein, er selbst bleibt auch dort wohnen.

Was bleibt, sind Erinnerungen. „Es waren vielleicht um die 30 bis 40 Kinder, die hier insgesamt gewohnt haben. Es sind ja ganz viele ganz lange geblieben, einer war zehn oder elf Jahre hier.“ Meistens sei es sehr harmonisch gewesen. „Ganz sporadisch habe ich zu fast allen noch Kontakt.“ Von der Nähe her sei es fast wie eine Familie gewesen. „Ich habe immer schon Bauchpädagogik gemacht, viel nach Gefühl gearbeitet, das war immer okay. Ich habe relativ enge Regeln. Wenn die Jungs sich darin gut bewegen, dann werden diese Regeln immer weiter gefasst. Natürlich immer im gesetzlichen Rahmen.“ Nur in zwei Fällen musste Dalibor kapitulieren. „Da habe ich gesagt: Das kann ich nicht. Bei einem ging es um Drogen. Ich habe nie einen aufgenommen, der raucht oder Drogen nimmt.“ Bei einem anderen Jungen gab es das Problem, dass er nie zur Schule ging, er musste in eine Einrichtung wechseln, in der die Schule integriert war.

24 Stunden, sieben Tage – das ist 2019 Geschichte. „Jetzt geht die Gesundheit vor“, sagt Andreas Dalibor. Neben seinem Job in Berlin will er sich weiterhin um das Kremmener Theater „Tiefste Provinz“ kümmern. Außerdem soll künftig sonntags von 14 bis 22 Uhr die „Kombüse 11“ im Scheunenviertel wieder öffnen – mit Snacks und Kartenvorverkauf. „Ein bisschen Partei muss auch sein.“ Andreas Dalibor ist Mitglied der SPD, sehr wahrscheinlich wird er bei der Kommunalwahl wieder für den Kreistag und diesmal auch für das Kremmener Stadtparlament antreten.

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Chronik Kremmen 2018

Donnerstag, den 27. Dezember 2018
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MAZ Oberhavel, 27.12.2018

Januar: ​Die Bäckerei Guse in Flatow begeht das 80.Jubiläum. +++ Erstmals erscheinen der Gemeindebrief der Kirche und das Kremmener Stadtmagazin als gemeinsames Heft. +++ Stefan Lux ist neuer Geschäftsführer im Kremmener Zweckverband. +++ Studenten der FH Potsdam zeigen ihre Ideen für die Klubhaus-Gestaltung. +++ Die Modellbahner in Kremmen bauen ihre alte Platte ab, um eine modernere zu bauen.

Februar: ​Das Dorv-Projekt in Sommerfeld gilt als gescheitert. Einen Dorfladen wird es dort vorerst nicht geben. +++ Elke Schwabe, Leiterin der Oberschule, beklagt dauerhaften Lehrermangel. +++ Im Wald bei Hohenbruch werden Sondermüll-Abfälle entdeckt. +++ Im Klubhaus öffnet der Krümelklub, dort treffen sich Eltern mit ihren Kleinkindern.

März: ​An der Goetheschule wird die Goethebüste gestohlen. +++ An der Gerhard-Henniger-Straße baut die Woba ein neues Haus. +++ Kämmerin Kathrin Schönrock geht, André Bröker ist ihr Nachfolger.  +++ Die alte Schulsporthalle wird geschlossen – nach einem Gefahrengutachten.

April: ​Die Feuerwehr in Staffelde feiert ihr 90. Jubiläum. +++ Danny See ist neuer Leiter der Jugendclubs.

Mai: ​Die Bushaltestellen am Markt fallen weg, die Busse halten nun am Schlossdamm. +++ Der Zoff bei der Flatower Feuerwehr wird beigelegt – zwischenmenschliche Probleme. +++ An der Wahl zum Bürgerhaushalt im Ortsteil Kremmen beteiligen sich nur 25 Leute.

Juni: ​Die Flatower Kita feierten ihren 30. Geburtstag. +++ In Sommerfeld öffnet im Alten Hof ein italienisches Lokal. +++ Lara Volgnandt ist neue Erntekönigin. +++ Die neue Kitasatzung wird beschlossen.

Juli​: Urteil im Brandstifterprozess. Robert U. bekommt viereinhalb Jahre Haft, Nico B. zwei Jahre auf Bewährung. Es ging um den Brandanschlag auf das Asylbewerberheim. +++ Die Sanierung der Groß-Ziethener Kirche beginnt. +++ Der wochenlange Schienenersatzverkehr beim Prignitzexpress nervt die Pendler. +++ Elke Schwabe geht in den Ruhestand. neue Leiterin der Oberschule wird Beatrix Scheeren. +++ Mehrere Torfbrände am Luchweg halten die Feuerwehr in Atem. +++ Auf dem Hof von Helmut Voigt in Beetz tummeln sich fünf Störche im Horst.

August: ​Die neue Rettungswache an der Gerhard-Henniger-Straße wird eingeweiht. +++ 2000 Menschen kommen zum Festival „Resist to Exist“. +++ Das Drescherfest in Staffelde ist erstmals am Alten Dorfkrug. +++ Rot-Weiß Flatow trauert um Heinrich Tober. +++ Die Geschenkescheune schließt.

September: ​In Ludwigsaue entsteht kein neues Wohngebiet. Entsprechende Gerüchte sorgten für Wirbel. +++ Die Polizei soll in die Räume der Papierwerkstatt ziehen. Das sorgt für Kritik. Später ist klar, dass die Polizei zur Woba zieht.

Oktober: ​Die Sommerfelder Kita ist saniert. +++ In Hohenbruch beginnen die Sanierungsarbeiten am Ruppiner Kanal. +++ Großfeuer: In der Kremmener Altstadt brennt das Dach eines Hauses ab. +++ Die Galeriescheune „Einfach schön“ schließt.

November: ​Diana Bielicke eröffnet im Scheunenviertel einen Friseurladen mit Café. +++ Ute Spiegel aus Sommerfeld nimmt am Casting für „The Voice of Germany“ teil, kommt aber nicht weiter. +++ In Flatow werden neue Meilensteine aufgestellt. +++ Kremmen muss eine Million Euro Gewerbesteuern zurückzahlen.

Dezember: ​Dagmar Kühling eröffnet in der Altstadt einen Friseurladen. +++ Erstmals findet in Flatow ein Weihnachtsmarkt statt.  +++ Zum Jahresende schließen „Meyhöfers Gasthaus“, „Die alte Lebkuchenfabrik“ und der Sportladen der Schönebergs in Kremmen. 

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Meyhöfers nehmen Abschied

Samstag, den 22. Dezember 2018
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Gaststätte in Kremmen schließt am zweiten Feiertag – Chef des Hauses bedankt sich bei den Kunden

MAZ Oberhavel, 22.12.2018

Kremmen.
Weihnachten wird es noch mal so richtig voll. Insgesamt vier Brunch-Durchgänge am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag wird es geben. „Das wird noch mal ein ordentlicher Ritt“, sagt Andy Meyhöfer. Dann ist Schluss. Am Nachmittag des 26. Dezember schließt „Meyhöfers Gasthaus“ in Kremmen. „Dann machen wir die Schotten dicht.“ Mit der Belegschaft wird es im Anschluss ein kleines Abschiedsfest geben. „Auch als Dankeschön für alle.“ Etwa 15 Leute werden kommen.

Die Gaststätte am Kremmener Ortsausgang ist eine Institution. Viele Familienfeiern und Vereinstreffen haben im vergangenen Vierteljahrhundert dort stattgefunden. Die Hausmannskost wurde geschätzt. Dass der Laden dicht macht, weil keiner mehr kommt, das kann man nun wirklich nicht behaupten. Dass nun Schluss ist, hat andere Gründe.

„Meine Mutter geht in den Ruhestand“, sagt Andy Meyhöfer. „Sie hat das damals hier ins Leben gerufen, sie ist die gute Seele des Hauses.“ Christine Meyhöfer ist nun 65. Es sei schwer bis unmöglich, neues Personal zu finden. Allein mit seiner Angestellten Janine Degenhardt schafft er das alles nicht. „Ich hatte seit 2004 keinen Urlaub mehr. Ich bin auch leer.“ Sein Tag beginnt um 4.30 Uhr, er fährt zum Großmarkt, dann der Restaurantbetrieb, am Abend noch die Büroarbeit. „Kein Wochenende, keine Feiertage“, sagt der 43-Jährige. Freunde? Familie? Zu wenig Zeit. „Und das kann auf Dauer auch nicht sein.“ Reich werde man damit schon gar nicht.

„Deshalb ist das auch eine Befreiung“, sagt er, „diese ganzen Verpflichtungen und diese Verantwortung los zu sein.“ Andererseits sei gerade in den vergangenen Wochen so viel zu tun gewesen wie selten zuvor. „Die Gäste wollen ein letztes Mal kommen, sie verabschieden sich liebevoll und herzlich, da kullern ganz oft die Tränen. Da kommt man schon noch mal ins Grübeln und Nachdenken. Da erkennt man erst mal den Stellenwert, den man mit dem Haus hier hat.“ Es habe so viele Familienfeiern gegeben, „die einfach auch total schön waren, wo wir den Gästen einen unvergesslichen Tag bereiten durften.“

Aber die Entscheidung steht. Zwar gebe es Interessenten für das Haus, „es ist aber nichts spruchreif.“ Ob später wieder ein Lokal an der Stelle öffnet oder was ganz anderes daraus werde, sei noch völlig offen. Klar ist, dass Meyhöfers wegziehen. Auch was Andy Meyhöfer beruflich machen wird, stehe noch nicht fest. „Aber auf jeden Fall nichts mehr mit Gastro.“ Seit 1996 ist Andy Meyhöfers Teil des Familienbetriebes. Vier Jahre zuvor begann er seine Lehre. 2012 übernahm er den Betrieb von seiner Mutter.

Wichtig ist ihm eines: „Ich möchte Dankeschön sagen an alle Gäste, an all die Leute, die einmal oder oft bei uns waren. Ohne die Gäste wären wir nicht, was wir sind.“ Er stockt und schluckt. „Das ist gerade ein bisschen schwierig. Es ist schade, dass man für so viele Leute nicht mehr da sein kann.“

Weihnachten steht an – ein letztes Mal arbeiten. „Danach stelle ich mir eine kleine Auszeit vor“, sagt Andy Meyhöfer. Im Januar stehen aber noch diverse Behördengänge an. „Ich hoffe, dann kehrt ein bisschen Ruhe ein.“ Davor könnte der zweite Weihnachtsfeiertag aber noch mal für emotionale Momente sorgen.

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2000 schnelle Stoßwellen

Freitag, den 14. Dezember 2018
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In der Kremmener Physiotherapie-Praxis behandelt Jonas Wolf seine Patienten mit einem speziellen Gerät – Heilung von chronischen Muskelstörungen möglich

MAZ Oberhavel, 14.12.2018

Kremmen.
2000 Stöße innerhalb von wenigen Minuten. Direkt auf die Haut, direkt in den Körper. Anfangs nicht zwingend angenehm – aber es soll helfen.

„Als Physiotherapeut will man ja immer das Bestmögliche rausholen bei einer Behandlung“, sagt Jonas Wolf. Er arbeitet in der Praxis von Beate Pleger in Kremmen. „Bei chronischen Sehnenreizungen kommt man aber an seine Grenzen.“ Allerdings kann Jonas Wolf seit einigen Wochen mit einem Gerät arbeiten, das es in der Region nur sehr selten in einer Physiotherapie-Praxis gibt. „Wir arbeiten mit der radialen Stoßwelle“, erzählt er.

Eine Stoßwelle sendet kurze Schallimpulse von sehr hoher Energie, sie wirkt immer von außen in den Körper ein“, erklärt er. Zum Beispiel beim so genannten Tennisarm. Jonas Wolf fühlt die erkrankten Muskel. Dann nimmt er das Gerät, schaltet es ein und setzt es direkt an die Stelle, die weh tut. Nach etwa 300 Stößen, die von dem Gerät ausgehen, setzt er kurz ab und legt es an einer danebenliegenden Stelle wieder auf. Bis am Ende 2000 solcher Stöße erreicht werden – auf dem Display wird der Countdown runter gezählt.
„Der Schall dringt ein“, erklärt Jonas Wolf. Dadurch soll der Stoffwechsel verbessert werden, es soll eine Mikrozirkulation auf Zellebene angeregt werden. Oder salopp gesagt: Der Körper bekomme gesagt, dass er das Problem in den Griff kriegen müsse, es werde ein Reiz auf die Struktur ausgeübt, der Körper fange dadurch an, verstärkt zu arbeiten. Die ganze Prozedur dauert nur wenige Minuten – muss aber im Abstand von ein paar Tagen mehrfach wiederholt werden, bis es zur Heilung kommt. Das Ganze hat allerdings einen Haken: Die Krankenkassen bezahlen die Behandlung nicht. „Da wollen sie nicht ran“, sagt Jonas Wolf. Die Patienten müssen selbst in die Tasche greifen.

Heidrun Kattner aus Flatow gehört zu seinen Kundinnen. Die Lehrerin lässt sich in der Praxis ihren Fersensporn mit der radialen Stoßwelle behandeln. „Es ist am Anfang ein sehr unangenehmes Gefühl gewesen, dass muss man schon sagen“, erzählt sie. Aber inzwischen hatte sie fünf Behandlungseinheiten, und sie spüre, dass es inzwischen nicht mehr so schlimm sei und ein Erfolg in Sichtweite sei. „Häufig sind das Patienten mit langen Leidensgeschichten“, sagt Jonas Wolf. „Der Leidensdruck ist da groß.“ Wichtig sei, dass der Patient ganz am Ende wieder schmerzfrei sei.
Heidrun Kattner hatte das Fersensporn-Problem bereits am anderen Fuß, und es war eine langwierige Angelegenheit. „Diesmal wollte ich nicht ewig warten, und dann ist es mir das Geld auch wert“, erzählte sie.

Seit zwölf Jahren ist Jonas Wolf Physiotherapeut, seit zehn Jahren arbeitet er in der Kremmener Praxis, in der insgesamt 20 Leute beschäftigt sind. Die Größe der Firma habe die Anschaffung des Gerätes möglich gemacht, sagt er. Ob sich die Kosten amortisieren, sei nicht klar. Zumal ja längst nicht alle Patienten mit der Stoßwelle behandelt würden. Heidrun Kattner jedenfalls ist zufrieden. „Beim ersten Mal habe ich gesagt, da gehe ich nie wieder hin. Aber es ist definitiv so, dass es von Mal zu Mal besser wird“, erzählt sie.

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Landwirtschaft mitten im Luch

Donnerstag, den 25. Oktober 2018
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Familie Petri wohnt und arbeitet in Moorhof bei Kremmen – die Heuernte bringt Geld ein

MAZ Oberhavel, 25.10.2018

Moorhof.
Janz weit draußen. Wer auf dem Hof der Petris steht, der weiß, was damit gemeint ist. Sie wohnen in Moorhof. Das liegt mitten im Luch, nordwestlich von Kremmen, knappe zwei Kilometer von Linumhorst entfernt. Sebastian Petri ist jetzt 34, seit zwei Jahren lebt er dort mit seiner Frau Juliane (33). Er ist dort aufgewachsen, es ist sein Elternhaus. Inzwischen haben die beiden ein Kind. Jakob ist zehn Monate alt. Die Eltern haben eigene Räume.
War klar, dass Sebastian wieder zurück auf den Hof kommt? „Jein“, sagt er. „Es stand fest, dass meine Eltern irgendwann hier aufhören werden zu arbeiten. Und dass sie es schön finden würden, wenn es hier irgendwie weitergeht.“ Dass er die Landwirtschaft im Nebenerwerb betreiben werde, das sei ihm immer klar gewesen. Aber 2016 hatte das junge Paar entschieden, aus der Berliner Hektik komplett raus nach Moorhof zu ziehen. „Ich finde es angenehm“, sagt Juliane Petri. Sie arbeitet in Berlin-Neukölln als Ausbilderin im Rehabereich. Gerade ist sie aber in Elternzeit. „Das genieße ich.“ Für sie ist Moorhof ihr Zuhause – für ihren Mann und ihre Schwiegereltern auch der Arbeitsort.

Am Morgen geht es für Sebastian Petri aufs Feld raus. Sich um die Tiere kümmern – die Familie hat 140 Kühe und 22 Wasserbüffel, außerdem Pferde, Hühner und Gänse. „Ich schaue, ob es den Tieren gut geht“, erzählt der Landwirt. Im Winter müssen die Kühe zugefüttert werden, im Sommer kommen sie in der Regel selbst klar. Dazu kommen: mähen und pressen. Denn in der Hauptsache leben die jungen Petris vom Handel mit Heu, die Eltern von der Tierhaltung. 86 Hektar Land gehören Sebastian Petri, der Großteil befindet sich bei Hakenberg und nahe Wall.

Den trockenen Sommer erlebte er als durchwachsen. „Wir haben Flächen, wo wir normalerweise 250 bis 280 Rundballen Stroh haben, dieses Jahr sind es 27.“ Aber auf den naturnahen Flächen, in der Nähe der Moore, da habe er keine Ertragseinbrüche gehabt. „Deswegen haben wir letztlich keine Heuknappheit, aber die Qualität des Heus ist durchaus schlechter.“ 2017 stand dagegen auf den Flächen überall das Wasser. Da war es dann auch schon mal etwas schwieriger, überhaupt aus dem Luch wegzukommen.

Was sich Sebastian Petri auf die Fahnen geschrieben hat, ist der Naturschutz. Gemeinsam mit Kremmener Landwirten wollte er sich darum kümmern, die Moore wieder feuchter zu bekommen. „Das wäre gut für die CO2-Reduzierung“, sagt Sebastian Petri. „Leider wurde die Info über das Förderprogramm von Landesebene nicht auf die Kreisebene weitergegeben.“ Dort hänge das Projekt in der Schwebe, bedauert er. Bekämen sie die Förderung, könnten sie Staumarken setzen, um den Moorkörper im Luch feucht zu halten. „Er muss feucht sein, um Wasser aufnehmen zu können. Damit kann auch ein Torfbrand unterbunden werden.“ Er verweist auf die Brände, die im Spätsommer nördlich von Kremmen immer wieder aufgeflammt waren. Allein in diesem Jahr betrage der Moorverlust etwa zwei Zentimeter. „Das ist wahnsinnig viel. Da verändern sich schon die Strukturen der Gräser.“ Auch die Errichtung eines Biomasseheizkraftwerkes ist ihm ein Anliegen. „Man könnte dort Wärme aus Heu erzeugen.“ Das Problem sei allerdings die daraus entstehende Asche. Die werde immer als schädlich angesehen, sei aber in diesem Fall ein „einwandfreier Dünger. Die könnte man wieder auf die Flächen auftragen“, sagt der Landwirt.
Gescheitert ist letzteres Projekt bislang an den Investitionskosten. Die Idee, dass sich die Stadt Kremmen beteiligt, ein Wärmenetz zwischen den Wohnblöcken an der Ruppiner Chaussee und dem Schulgelände aufzubauen, kam nicht zustande. „Alleine können wir das nicht stemmen“, so der 34-Jährige.

Die Petris betreiben einen kleinen Familienbetrieb – da muss am Ende jeder mit anpacken. Wenn seine Mutter irgendwann aufhört zu arbeiten, dann muss seine Frau Juliane Petri in den Landwirtschaftsbetrieb einsteigen. Der Plan steht schon fest. Sie gibt dann ihren Job in Berlin auf. „Nächstes Jahr mache ich erst mal den Traktorführerschein“, sagt sie. „Da habe ich ein bisschen Manschetten.“ Bis dahin kümmert sie sich aber erst mal um den kleinen Jakob.

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