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Sea Of Love (2): Ein Funke hätte genügt

Montag, den 18. Juli 2011
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(1) -> 17.7.2011

Anders kann es nicht gewesen sein: Der Veranstalter rief seinen Praktikanten zu sich und sagte: Du, morgen fängt doch das Sea Of Love an, organisier das doch mal und mache es so komplizioert wie möglich!
Als wir am Sonnabendvormittag in unserem Zelt erwachen, knallt nicht nur die Sonne gnadenlos drauf – das “Sea Of Love”-Festival hat auch schon seinen ersten Polizeieinsatz erlebt. Wegen der chaotischen Einlassszenen an der Messehalle, rief der Veranstalter die Polizei.

Unser Plan für den Tag: die Innenstadt von Freiburg besuchen. Dort in ein Café, und dort auf die Toilette. Ich habe keine Lust, mich stundenlang am Klohäuschen anzustellen. Denn natürlich herrscht auch dort wieder Chaos.
Laut unseren Unterlagen fährt in die Stadt ein Shuttlebus. Wo, das ist die Frage. Aus den Hinweisen auf den wenigen Schildern werden wir nicht schlauer. Wir fragen einen Ordner, der mitten auf dem Weg rumsteht. Der zuckt mit den Schultern: Shuttlebus in die Innenstadt? Da weiß er nix von. Fragt mal den Typen da vorne. Wir fragten den Typen da vorne. Von einem Shuttlebus in die Innenstadt weiß er nichts. So was gibt es nicht, sagt er. Wir sind uns da aber ganz sicher. Wir sollen mal da lang gehen, da fahren alle Shuttlebusse.

An der Bushaltestelle stand eine riesige Menschentraube. Wir fragten einen Ordner… ach, lassen wir das. Kein Ordner wusste was über einen Innenstadt-Shuttlebus, und überhaupt, was wollen wir denn in der Innenstadt?
Schließlich nahmen wir den Linienbus.

Freiburg hat eine sehr schöne Innenstadt. An den Straßenrändern fließen kleine Bächlein, am Münster war eine Hochzeit, und bei der Bursen-Galerie haben sie irgendwie einen Buchstaben zu viel angebracht. Ach ja, und im Café waren wir auch – und so weiter.

Unterdessen fanden wir heraus: Vom Hauptbahnhof aus fährt der Festivalshuttle. Erkannt haben wir das nicht etwa an entsprechenden Schildern. Es gibt keine Schilder. Wir erkennen ihn an der Menschenmasse, die dort wartet. Und daran, dass plötzlich ein Bus mit der Aufschrift “Sonderfahrt” auftaucht.
Wir also nichts wie rein. Wir wollen noch mal zum Zelt, bevor wir dann weiter zum Festivalgelände weiterfahren.

Der Bus fährt los. Er ist voll. Es ist eng. Es ist heiß. Die Fahrt führt … am Campinggelände vorbei. Wäre ja auch so einfach gewesen. Also: Planänderung. Weiter geht’s zum Festivalgelände.
Der Bus fährt. Und fährt. Und fährt.
Als wir am Vormittag an der Linienbushaltestelle standen, liefen an uns einige Leute vorbei, die zum Festivalgelände laufen wollten. Man habe ihnen gesagt, es gehe immer die Straße lang, am Ikea vorbei.
Der Bus fährt immer noch. Zehn Minuten. Elf. Zwölf. Inzwischen sind wir auf einer Schnellstraße. Wir befürchten, dass das Konzert in der Schweiz stattfindet. Die fahrt will nicht enden.

Die Fahrt endet in Hochdorf. Ein Ortsteil eines Ortsteils von Freiburg. 15 Minuten vom Messegelände entfernt. Wie lange läuft man denn da? Was für ein Irrsinn.
Wir verlassen den Bus und laufen durchs Dorf. Wir laufen weiter durch einen Tunnel. Habe Duisburg im Kopf. Tunnel sind irgendwie doof. Weiter geht’s über eine schmale Feldstraße. Immer weiter. Rechtskurve. Linkskurve. Wandertag.

Wir erreichen das Festivalgelände am Tunisee. Vor dem Eingang gibt’s was zu Essen und zu trinken. Nichts davon darf man jedoch mit reinnehmen. Alle Getränke werden den Leuten abgenommen. Gnadenlos. Nach anderen Dingen werden die Gäste nicht kontrolliert. Hauptsache die Getränke. Schließlich will der Veranstalter Geld verdienen.
Auf den anderen Seeseite stehen die Bühnen. Eine steht in einem Zelt, die Befestigungen auf dem Boden sind echte Stolperfallen. Komsich, was der Tüv in Baden-Württemberg so alles freigibt.

Der Bühnenmoderator entschuldigt sich für die Panne beim Einchecken am Freitagabend. Man habe einfach nicht damit gerechnet, dass schon am ersten Tag so viele Leute anreisen würden. Er meint das ernst. Tja, blöde Sache. Da kommen doch die ganzen bescheuerten Leute schon am ersten Tag zum Festival. So was aber auch. Darauf kommt ja nun wirklich niemand.
Zweite Ansage: Wer zu den Abendveranstaltungen in der Messehalle will, muss entweder früh los oder ein Garantieticket für 3,50 Euro kaufen. Sonst kommt man nicht rein. Unser teures Festivalticket ist also für den Arsch. Ich weiß schon jetzt, dass wir Underworld in der kommenden Nacht nicht erleben werden. Wir entschließen uns, dem Veranstalter für sein Versagen keine weiteren 3,50 Euro in den rachen zu schmeißen. Die Behauptung, dass man doch gewusst haben muss, dass das Festivalticket nicht für die Nachtkonzerte gilt, ist Unsinn. Schließlich warb man mit Moby und Underworld, ohne darauf einzugehen, wann und wo die beiden Acts auftreten.

Unterdessen trat Paul Kalkbrenner auf. Er stellte sich an den Pult und legte los. Leider muss ich sagen: Ich finde den Typen und seine Musik unfassbar langweilig. Seelenloses Gehämmere. Erst als “Sky And Sand” erklingt, sein großer Hit, jubeln alle.

Ich will was trinken. Neben der Bühne steht eines der Zelte. Ich bestelle ein Radler, halte den 10-Euro-Schein hin. Ich habe das Glas fast in der Hand, da meint die Frau, sie nehme kein Bargeld, ich brauche die Wertkarte, und die gibt’s da hinten. Und schon bedient sie den nächsten.
Ich möchte kotzen. Von Wertkarten wusste ich nichts. Den Fyler, wo das drin steht, habe ich nie gesehen.
Erst will ich mich weigern und durstig bleiben. Später entschließe ich mich, mir doch die Wertkarte zu holen. Sie kostet 10 Euro. Was für eine Schikane. Wer am Ende noch Geld übrig hat, bekommt es irgendwo am Eingang zurück. Wahrscheinlich in der Hoffnung, dass die Leute das Restgeld sausen lassen.
Ich kaufe eine Cola und ein Spezi für je 4 Euro. Das ist happig. Es kommen je 1 Euro Pfand hinzu. Die 10 Euro sind also weg. Ich bekomme zwei Pfandmarken. Die muss ich mitabgeben, wenn ich die Flaschen zurückbringe.
Ich trinke aus, und will die Flaschen wegbringen. Ich reiche die Flaschen rüber, die Pfandmarken auch. Der Mann hinterm Tresen nimmt sie und reicht mit Pfandchips. Die könne ich entweder wieder einlösen oder ich bekomme das Bargeld am Ausgang. Ich fasse es nicht. Offenbar soll alles so kompliziert wie möglich sein, damit die Leute möglichst überall abgezockt werden können. Ich schmeiße ihm seine scheiß Pfandchips auf den Tresen und gehe.
Wer übrigens was Essen will, der muss bar bezahlen. Denn an den Imbissen werden die Wertmarken nicht akzeptiert.

Bevor Moby um 21.30 Uhr auftreten sollte, gab’s die nächste Ansage: Die Garantietickets für die Nachtkonzerte an der Messe würden nun verschenkt, hieß es. man bekomme sie am Eingang.
Das Kalkül: Die Leute sollen schon jetzt nach und nach loslaufen, damit nicht 20.000 Leute auf einmal zum Bus gehen. Außerdem haben vermutlich eher wenige Leute die zusätzlichen 3,50 Euro bezahlen wollen.

Moby. Der Hammer. Da kann man nichts sagen. Moby ist das einzige wirkliche Highlight des Wochenendes. Leider spielt er nur knapp 80 Minuten, dafür aber ausschließlich ältere Hits des Albums “Play”. Eine geile Party.

Sie endet um 22.55 Uhr. Das ist der Moment, wo zehntausende Leute aufbrechen. Und nur mit den Shuttlebussen will der Veranstalter die vielen, vielen Leute zur Messe fahren. Zum laufen ist es zu weit. Und wir haben auch keinen blassen Schimmer, wo wir hinlaufen müssten.

Wir laufen im Dunkeln zurück übers Feld. Dann stockt’s. Die Masse staut sich an einer Kreuzung. Die Masse muss durch den engen Tunnel. Immer mehr Leute kommen von hinten. Die Masse drückt. Wir entschließen uns, auf die Weide nebenan auszuweichen. von dort aus beobachten wir das Chaos. Ordner sind nicht zu sehen.
Neben uns steht Anja. Anja und ihr Mann waren vor einem Jahr bei der Love Parade in Duisburg. Sie waren im dortigen Tunnel. Und nun stehen sie wieder vor einem Tunnel, und wieder drängen Menschenmassen durch.
Anja erzählt, dass sie auf einem anderen Campingplatz untergebracht sind, weil der eigentliche überfüllt war. Der Ticketpreis ist der Gleiche. Toiletten gab es zunächst nicht.
Wer plant so etwas? Was sind das für Dilletanten? Wir sind entsetzt. Und niemand da, der was macht.
Die ersten Leute klettern durch die Büsche den Hügel hinauf zur Autobahn. Oben, an der A5, taucht Polizei auf. Wie es heißt, laufen da schon die Vorbereitungen zur Vollsperrung der Autobahn. Die Leute werden wieder nach unten geführt.
Wir auch bei der Love Parade liegen Bauzäune am Wegesrand. Schlimme Stolperfallen. Ein Funke, irgendein Zwischenfall hätte genügt, um…

Nach und nach zwängt sich die Masse durch den schmalen Tunnel. Auch wir laufen irgendwann los. Am Tunneleingang ist eine Sperre aufgebaut. Polizisten regeln den Durchgang. Warum es keine Lautsprecherdurchsagen gab, ist unklar. Das hätte die Situation entschärft.
Mit einem mulmigen Gefühl laufen wir durch den unbeleuchteten Tunnel – und stehen bald im nächsten Stau. Diesmal am Shuttlebus. Tatsächlich ist es das Konzept, die tausenden Menschen mit Bussen zur Messe zu fahren. Zwei Stunden dauert es insgesamt, bis wir im Bus sind.

Auf dem Zeltplatz herrscht reges Treiben. Überall sind die Organisationspannen die großen Themen. Eher zufällig entdecken wir, dass am Rand des Geländes ein zweites Toilettenhaus steht. Nirgendwo war das ausgeschildert.
Und was wäre eigentlich gewesen, wenn irgendwo ein Brand ausgebrochen wäre? Hier und da hängen Feuerlöscher an den Laternen. Einige sind unbenutzbar, wie sich herausstellt. Kontrolliert werden sie offenbar nicht.

Underworld, der zweite Act, weswegen wir überhaupt nach Freiburg kamen, findet ohne uns statt. Ohne das Garantieticket gibt es keinen Einlass. Unser Festivalbändchen ist wertlos. Wie wir später erfahren, ist die Halle halbleer, als Underworld auftritt. Es ist zum kotzen.

Sonntag. Es regnet. Es regnet stark. Wir wollen abreisen. Das haben wir schon am Vortag beschlossen, ich wollte keinesfalls noch einmal auf das Festivalgelände kutschiert werden. Auch wenn da Tiesto und David Guetta angekündigt waren. Ich hatte schlicht keinen Bock mehr auf den Dillettantenstadl.
Im Regen bauten wir ab, ich holte das Auto vom aufgeweichten, schlammigen Parkplatz. Die Ausfahrt ist aufgeweicht, fast fahre ich mich fest.
Zum Einpacken darf man nicht auf den Parkplatz des Campinggeländes, vor dem Tor herrscht erneutes Chaos.

Wir verlassen das beschissenste Festival aller Zeiten. “Sea Of Love” war der größte anzunehmende Reinfall.
Die Polizei und die Stadt machen dem Veranstalter unterdessen schwere Vorwürfe. Auflagen seien nicht erfüllt worden, Sperren standen an falschen Stellen. Es gab zu wenige Ordner, die von nichts wussten. Es gab kein Trinkwasser, vom Ticket- und Campingchaos gar nicht zu sprechen. Das ganze Festival habe am Sonnabend kurz vor dem Abbruch gestanden, so schrieb die Badische Zeitung. Auch, dass die Zusammenarbeit mit dem Veranstalter nicht fortgesetzt werde. Allerdings – das Freiburger Ordnungsamt hat bei dem Festival wohl auch alle Augen zugedrückt…

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Sea Of Love (1): Willkommen im Stau

Sonntag, den 17. Juli 2011
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Eigentlich hatte ich nach meinem letzten Festival, 2005 im Taubertal, gesagt, dass ich so was nie wieder machen würde. Obwohl es damals gar nicht so schlecht war. Nun aber kündigten sich Moby und Underworld für “Sea Of Love” in Freiburg an. Und da beide Acts in diesem Jahr keine Deutschlandtour machen, war das die große Möglichkeit: Beide auf einem Festival. Also war klar: Das wird nun doch mein nächstes Festival.
Aber da ahnte ich ja auch noch nicht, was es für ein Desaster werden würde.

17.15 Uhr. Wir erreichen Freiburg. In unseren Unterlagen stand, wir würden das Messegelände über die A5-Abfahrt Freiburg-Mitte erreichen. Und blöd, wie wir sind, halten wir uns daran.
Wir fahren am Ikea-Baumarkt vorbei, der Verkehr wird dichter. Und dann: Stillstand.
17.20 Uhr. Immer noch Stillstand. Es sieht zunächst aus, als ob weiter vorn ein Unfall passiert ist.
17.30 Uhr. Ein paar Meter weiter konnten wir inzwischen schon fahren. Vielleicht 40. Inzwischen stehen viele Leute auf der Straße, und es ist klar: Sie alle wollen zum “Sea Of Love”-Festival.
Der Stau steht auf zwei Spuren, später verengt er sich auf eine Spur.

Es ist 20 Uhr, als wir das Festival-Gelände erreichen. Aus einer Spur werden vier.
Um auf das Campinggelände fahren zu dürfen, muss jeder eine bestimmte Prozedur durchlaufen. Ich habe schon gekotzt, als ich mir das alles vorher durchgelesen habe. Schon da war mir klar: Das wird kompliziert.
Bei Vorlage des Tickets gibt’s ein Bändchen, außerdem noch das Bändchen für die Camper, zusätzlich zwei Müllbeutel gegen 10 Euro Pfand und Zeltheringe für weitere 10 Euro.
Jeder muss das Bändchen persönlich abholen – auch der Fahrer des Autos. Dafür ist vor dem großen Zufahrtstor ein kleiner Parkplatz angelegt. Ist ja klar, dass das zum Megastau führt.

Das Bändchen gibt es in einer der Messehallen. Zu erkennen ist sie daran, dass da ganz viele Leute vor einem geschlossenen Tor haben. Ein Hinweisschild fehlt. Man stellt sich da einfach mal hin. Dann öffnet sich tatsächlich das Tor, die Masse zwängt sich rein. Fiele jemand hin, wäre es der perfekte Beginn einer Massenpanik.
Dann läuft man weiter in einer der Hallen. Hinten sind mehrere “Check in”-Schalter, vorne ein kleiner Tisch, an dem zwei Frauen sitzen. Da gibt’s die Bändchen – habe ich nur zufällig mitbekommen. Ein Hinweisschild fehlt.

Es ist 20.45 Uhr, als wir endlich auf dem Zeltplatz angekommen sind. Dreieinhalb Stunden. Was für ein Scheiß.
Bis 21.30 Uhr müssen wir mit dem Auto wieder den Platz verlassen haben, ansonsten gibt es die 50 Euro Pfand nicht zurück, die wir bei der Zufahrt blechen mussten.
Schnell haben wir einen Platz fürs Zelt und alles ausgepackt.
Der Campingplatz ist eine große Schotterfläche, auf der im gewissen Abstand, Rollteppiche verlegt wurden. Da sollen die Zelte drauf stehen.

21 Uhr. Ich fahre mit dem Auto vom Zeltplatz, frage eine Ordnerin, wo ich denn mit dem Auto nun hin muss. Sie: Gleicht hier vorne ist der Parkplatz, das sei gerade geändert worden. Ich frage sie, ob das ihr Ernst sei, dann hätten wir uns ja einiges erspart. Also parke ich das Auto auf dem Platz vor der Campinganlage.
Und die 50 Euro? Wo bekomme ich die wieder, wenn ich ja nun nicht vom Platz gefahren bin?
Ich frage die Ordnerin. Sie weiß nichts davon, ich solle mal den Mann dahinten fragen. Ich frage den Mann dahinten. Er weiß nichts davon, ich solle mal den Typ da vorne fragen. Ich frage den Typ da vorne. Er weiß nichts davon, der Parkplatz sei außerhalb des Geländes. Ich sage, die Ordnerin da hinten habe das aber anders gesagt. Er weieß nichts davon, ich solle mal den typ dahinten fragen. Ich sage, dass ich den Typ dahinten schon gefragt habe.
Um es kurz machen: Es stehen diverse Ordner auf dem Gelände, und keiner weiß etwas. Keiner kennt die Regeln, falls es Neue gibt, werden sie nicht kommuniziert. Funkgeräte haben die meisten von ihnen sowieso nicht.
Das Ende vom Lied: Ich muss doch mit dem Auto runter vom Gelände. Ich bin stinksauer. Die Stimmung auf dem Gelände ist allgemein sehr angespannt. Die Leute schreien mittlerweile die nichtswissenden Ordner an.

Der Parkplatz befindet sich auf einem Acker etwa zwei Kilometer vom Messegelände entfernt. Die Mühe, den Rasen zu mähen, hat man sich nicht angemacht. Wozu auch? Die Hauptstraßen auf dem Acker sind notdürftig mit irgendwelchem Sand planiert. Falls es regnen sollte, wird der zum Schlamm.

22.15 Uhr. Ich komme wieder auf dem Zeltplatz an. Dort gibt es eine weitere Diskussion. Eine Ordnerin hat unseren Platz abgemessen. Auf dem Teppich stehen uns vier Meter der Fläche zu. Heißt: Neben unserem Zelt ist noch Platz. Und das ist gut so. Zwei weitere Ordner tauchen auf: Die Zelte würden viel zu weit auseinander stehen, die müssen zusammengeschoben werden. Wir lehnen das ab, der Platz stehe uns zu. Wer uns das denn gesagt habe, fragt der eine Ordner. Wir zeigen auf die andere Frau. Der Ordner sagt, da gehe er mal hin und komme dann wieder. Er kam nicht wieder.

22.30 Uhr. Fünf Stunden, nachdem wir Freiburg befahren haben, sind wir endlich fertig. Der gesamte Campingplatz ist extrem mies beschildert. Um nicht zu sagen: Schilder fehlen fast komplett. Immer wieder irren Autos durch die Menge, weil sie die Ausfahrt nicht finden.
Vor dem Toilettenhaus steht eine lange Schlange – bei den Männern und den Frauen. Die Kapazität reicht nicht aus. Nicht wenige pissen sonstwo hin.

Unterdessen herrscht vor der Messehalle der nächste Aufruhr. Um 22.40 Uhr ist die Halle scheinbar immer noch dicht, jedenfalls kommt keiner rein. “Aufmachen, aufmachen!”, skandiert die Masse.
In der Messehalle findet die “Sea Of Love @ Night” statt. Gegen 23 Uhr steht der DJ Mogwai auf dem Programm. den wollten wir eigentlich noch sehen. Also warten wir noch ein wenig am Zelt.
Rund um uns herum diskutieren die Leute über die schockierend beschissene Organisation der Ankunft. Noch immer warten Autos vor dem Tor.

23.30 Uhr. Wir laufen zur Messehalle. Zäune versperren den Zugang zum Gelände. Einige Leute reißen einen Zaun um, Ordner kommen angerannt und schreien die Jugendlichen zusammen, fast kommt es zur Schlägerei.
Ein paar Meter weiter ist ein weiteres Loch im Bauzaun, wir schlüpfen durch, der Zugang zur Halle ist uns sicher.
Drinnen ist Mogwai gerade an den Reglern, und es ist ein schöner Beginn des Festivals – zumindest was den musikalischen Teil angeht.

Als wir gegen 1.40 Uhr die Halle wieder verlassen, ist sie angeriegelt. es kommt keiner mehr rein. Angeblich wegen Überlastung. dabei war es drinnen noch gar nicht so voll.
Wir laufen zum Zelt, um uns herum wuselt es noch munter. Und immer wieder die Gespräche – wie krank diese Organisation hier doch ist.
Recht haben sie. es ist ein Graus. Es ist dilletantisch. Es wirkt, als sei der Beginn des Festivals ganz plötzlich über die Veranstalter hereingebrochen. Es wirkt, als würden die wenigen Ordner nicht mal wissen, wo sie sich eigentlich befinden. Sie können nur die wenigsten Fragen der Leute beantworten.
Ich lege mir Ohrstöpsel an und schlafe bald ein. Und hoffe darauf, dass es nur ein Fehlstart war und alles besser wird.

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Wirtschaft

Samstag, den 27. September 2003
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FR 26.09.2003, 20.30 Uhr, TV Südbaden

Im Südwesten sind die Stadtverordnetenversammlungen zurzeit nicht uninteressant. Der Lokalsender TV Südbaden aus Freiburg berichtete am Freitag in der Sendung „Wirtschaft“ über eine Beratung darüber, ob denn ein Puff (die Ausdrucksweise war ein wenig vornehmer) an der Freiburger Tullastraße (da hab ich doch glatt beim nur halben Hinhören ein P gehört!) angesiedelt werden könne. Tja, das ist doch mal ein Thema, über das die Parlamentarier sicher gern diskutieren. Obwohl natürlich niemand von ihnen jemals ein solches Etablissement besuchen würde. Erstaunlich ist auch, dass TV Südbaden den Beitrag verschämt in seiner Wirtschaftssendung gezeigt hat. Schließlich war das Thema ja wesentlich feuchter als die sonstigen Wirtschaftsbeiträge.

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ZAPPER VOR ORT: Bundesliga – Energie Cottbus

Montag, den 19. Februar 2001
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SA 17.02.2001, Cottbus, Stadion der Freundschaft

Energie Cottbus spielt seit Beginn dieser Saison ganz oben, in der 1. Fußball-Bundesliga, mit, neben Hertha BSC als einziger Verein aus unserer Region. Da sollte man doch wenigstens einmal im Cottbuser „Stadion der Freundschaft” gewesen sein, um die Mannschaft anzufeuern (wer weiß, ob die in der Saison 2001/02 immer noch erstklassig spielen).
Nun gut, das Stadion ist nicht sehr groß, Sitzplätze sind da äußerst rar. So hatten wir also das Vergnügen, die etwas mehr als 90 Minuten stehend zu verbringen. Aber was soll’s, wer weiß, wie lange Cottbus noch …, ach, das hatten wir ja schon.
Gleich zu Beginn haben wir die Fans von „Energie” kennen gelernt. Echt sympathisch die Jungs, obwohl die bestimmt gefroren haben, angesichts der sehr wenigen Haare auf dem Kopf. Aber die braungrünen Jacken haben bestimmt ein bisschen Wärme gespendet. Oder die Schlachtrufe. Die von der gegnerischen Mannschaft aus Freiburg waren ja sowieso alles Idioten und Arschlöcher. Nun gut, wie lange hat man schon noch die Möglichkeit, bei einem …, ich wiederhole mich.
Aber es ist doch erstaunlich, dass die nicht wenigen Ausländer im Cottbuser Team so von den „kopffreien” Fans angenommenwerden …
Anpfiff. Glaube ich. Denn ich sehe nicht wirklich viel vom Spielfeld. Falls Freiburg „die Pille versenken” sollte, bekomme ich das gar nicht mit. Darüber, dass der Schiedsrichter aber eine „schwule Sau” ist, informieren mich die Cottbuser Fans recht schnell. Und sobald die Freiburger Fans einige Anfeuerungsrufe skandierten, gab es ein „Schnauze, ihr Idioten!” als Antwort. Aber egal, wer weiß, wie lange …. schon klar, oder?!
Halbzeit. 0:0. Wahnsinn. Kein Tor. Und es ist kalt. Sehr kalt. Meine Füße? Spüre ich kaum noch.
Das 0:1 von Freiburg in der 50. Minute hätte ich fast nicht mitbekommen, denn in diesem Moment wurde es recht still im „Stadion der Freundschaft”. Selbst die optimistischsten Fans sahen das Spiel bereits jetzt verloren.
Wenigstens hatte ich jetzt, in der 2. Halbzeit, den vollen Blick auf die Spielfläche. Das, was ich da sah, war allerdings, zumindest für Cottbus, nicht wirklich sehenswert. Zwar spielte sich fast das gesamte Geschehen vor dem Freiburger Tor ab, für Cottbus kam aber nix bei raus. Selbst bei dem Elfmeter nicht. Was für Puschen! Also echt! Von dem 0:2 kurz vor dem Schlusspfiff nicht zu reden.
Nach dem Abpfiff schwenkte ein vor mir stehender Cottbus-Fan eine rote Fahne mit der Aufschrift „Hier spielt der Osten”. Richtig, aber wer weiß, wie lange das noch in der 1. Liga sein wird.

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