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Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga

Samstag, den 27. Juni 2020
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FR 26.06.2020 | Netflix

Als Fan muss man da ganz tapfer sein: Erst wird der Eurovision Song Contest 2020 wegen des Coronavirus abgesagt. Und dann kommt Netflix mit einem ESC-Film daher, der gar nicht mal so gut ist.

Der kleine Lars aus Island entdeckt 1974 seine Liebe zum Eurovision Song Contest – in dem Moment, wo ABBA mit “Waterloo” auftritt. Er schwört sich und seiner Familie: Er wird dort mal auftreten.
Viel später. Lars (Will Farrell) und Sigrit (McAdams) stehen in ihrem kleinen Ort Húsavík in der Garage und machen Musik – sie wollen zum ESC, immer noch. Und der Zufall will es, dass sie tatsächlich zum isländischen Vorentscheid dürfen. Und der, nun ja, ähm, Zufall will es auch, dass sie tatsächlich zum Eurovision Song Contest reisen können.

So ganz ist eigentlich nicht klar, was dieser Film sein soll oder sein will. Eine Hommage? Eine Satire? Eine Persiflage? Was auch immer der Film sein will – er ist misslungen.
“Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga” ist am Freitag bei Netflix online und ist in Zusammenarbeit mit der EBU entstanden, die den ESC veranstaltet. Als einer der Produzenten wird auch ESC-Produzent Ja Ola Sand angegeben. Wenn also die EBU in diesem Film mit drin hängt, dann darf man ja eigentlich schon erwarten, dass der Film zumindest einigermaßen recherchiert ist.
Ist er nicht.
Nun fällt es wahrscheinlich nur Fans auf, dass es im ESC-Halbfinale gar keine Punktevergabe aus den Ländern gibt, und dass die Punktetafel, die im Film zu sehen ist, völlig sinnfrei ist, weil die meisten Ländern auf der Tafel null Punkte haben – was rein rechnerisch nicht geht. Dass Deutschland im Halbfinale dabei ist – was nie der Fall ist. Dass die Kommentatoren wie Radiosprecher wirken, weil sie kommentieren, was eh zu sehen ist. Natürlich ist das alles künstlerische Freiheit, aber dieser Film richtet sich ja augenscheinlich auch an die Fans des Spektakels, immerhin sollte der Film ja schon im Mai verfügbar sein, wenn der ESC stattgefunden hätte.
Aber auch sonst ist der Film unter der Regie von David Dobkin über weite Strecken einfach nur platt, die Gags meist bescheuert. Da nutzt es auch wenig, dass die Show-Inszenierungen recht ordentlich sind und einige der Songs ganz nett.

Beim echten ESC 2020 hätte ja übrigens Island tatsächlich eine große Chance gehabt, den Wettbewerb zu gewinnen. Und ob Will Farrell promomäßig in Rotterdam im Pausenprogramm aufgetreten wäre? Nun gut, es ist uns ja erspart geblieben. Wenn man doch noch was Gutes an der Show-Absage sehen will.

-> Der Film auf Netflix

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High in Punjab

Montag, den 1. Juni 2020
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SO 31.05.2020 | 23.00 Uhr | Zee.One

Ein junger Mann hockt sich auf den Boden, vor ihm liegen zwei tote Männer. Offenbar ermordet. Der junge Mann hat Tränen in den Augen, und er schaut – nein, er starrt – auf einen Mann gegenüber. Ist er der Mann, der die anderen Männer umgebracht hat? Dieser andere Mann jedenfalls starrt zurück, und die Kamera ist so dicht dran, dass nur noch das starrende Gesicht des Mannes zu sehen ist.
So endet der Film “High in Punjab”. Mit einem deprimierenden Augenblick, der aber vermutlich in Wirklichkeit in Bollywood ein Happy End ist.
“High in Punjab” ist ein Drama aus Indien aus dem Jahr 2016, das dort extrem erfolgreich war.

Allerdings hatte die Schlussszene des Films eine fast schon symbolische Bedeutung. Zwei Männer tot am Boden, einer, der weint, und einer, der starrt.
Es war auch die allerletzte Szene auf dem Sender Zee.One. Denn mit Filmende stellte der Sender seinen Betrieb ein.
Die toten Männer am Boden waren der sterbende Sender. Der starrende Mann war der Senderchef, der seinen Job los ist, der weinende Mann der Angestellte, der auch nichts mehr zu tun hat.
So viel Symbolik war selten – auch wenn es im Film vermutlich um was ganz anderes ging.

In der Nacht zu Pfingstmontag ist Zee.One gestorben. Und vermutlich werden es nur wenige Menschen mitbekommen haben. Denn seit dem Sendestart am 28. Juli 2016 bekam das Programm kaum Aufmerksamkeit. Mehr als 0,1 Prozent Marktanteil im Monatsdurchschnitt waren nicht drin, meistens waren es nicht messbare 0,0-Werte.
Die Verantwortlichen des Senders haben sich da mehr versprochen, und das vielleicht auch zurecht. Denn Bollywood hat weltweit Erfolg. Die Filme aus Indien haben ihre Fans. Allerdings hat vermutlich schon der Sendername Zee.One nicht gerade dazu beigetragen, die Menschen auf sich aufmerksam zu machen. Der Bollywood-Aspekt kam nie zur Geltung, und in der öffentlichen Wahrnehmung kam der Sender schlicht nie vor.

Die Coronakrise und die sinkenden Werbeeinnahmen bereiteten Zee.One das ganz schnelle Ende. Noch am Sonnabend lief bei Zee.One ein Programmtrailer für ein Film am 8. Juni. Aber vermutlich die die Coronakrise nur beschleunigt, was sowieso nicht zu retten war.

-> Der Film in der Bolly.Thek

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Berlin Berlin – Der Kinofilm

Freitag, den 22. Mai 2020
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DO 21.05.2020 | Netflix

“Berlin Berlin – Der Kinofilm” ist nun doch kein Kinofilm. Das Film-Comeback der ARD-Serie, die von 2002 bis 2005 lief, musste ausfallen. Wegen des Coronavirus sind Mitte März die Kinos geschlossen worden, der Kinostart war somit erst mal hinfällig. Nun wird der Film stattdessen bei Netflix ausgestrahlt.
Ein Gutes hat das Ganze ja: Ich muss mich jetzt nicht darüber ärgern, viel Geld für diesen Film ausgegeben zu haben. Und dem Film bleibt erspart, auf der Liste der Flops des Jahres zu erscheinen.

Lolle (Felicitas Woll) will heiraten. Doch als sie mit Hart (Matthias Klimsa) vor dem Traualter steht, taucht plötzlich ihr Ex Sven (Jan Sosniok) wieder auf. Sie ergreift die Flucht, rastet total aus – und landet am Ende vor Gericht. Sie muss 40 Sozialstunden ableisten. Dort, an einer Schule, Dana (Janina Uhse) kennen, und nach einer durchzechten Nacht sind sie plötzlich im Harz. Der Rückweg nach Berlin wird eine aufregende Reise.

Also, was man aufregend nennt. Mal abgesehen davon, dass Logik für die Drehbuchschreiber vermutlich nicht zum wichtigsten Punkt gehörte, der für sie zu beachten war. Der Film wirkt wie eine lose Ansammlung von bedingt lustigen Comedyszenen. Einige Szenen sind erschreckend schlecht gespielt und wirken wie in einer Vorabendserie (ups!), für die das Budget eher klein gehalten wird und wo man nicht gelungene Szenen aus Zeitgründen nicht noch mal drehen kann. Wer die Serie von damals nicht kennt, für den wird dieser Filmaufguss 15 Jahre danach schlicht egal sein. Aber auch für Fans hat er – abgesehen vom Wiedersehen mit damals beliebten Rollen – erstaunlich wenig zu bieten. So dauert dieser Film auch nur 80 Minuten. Mehr musste es auch wirklich nicht sein.
Im Kino wäre das vermutlich 1/10 Punkten.

-> Trailer und Film auf Netflix

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Lang lebe die Königin

Freitag, den 1. Mai 2020
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MI 29.04.2020 | 20.35 Uhr | Das Erste

Rose stirbt. Sie liegt in ihrem Klinikbett. Und dann liegt sie da, im ihren Sarg, und ihre Tochter Nina malt der Toten noch die Fußnägel schwarz.
Hannelore Elsner hat diese bedrückenden Szenen im März 2019 gespielt. Und sie sind noch bedrückender, wenn man weiß, dass es nicht nur die letzten Szenen waren, die sie für den Film gedreht hat. Sondern auch die letzten, die sie überhaupt gedreht hat.
Danach meldete sich krank. Tage danach wurde dem Team mitgeteilt, dass sie nicht ans Set zuückkehren könne. Weitere Tage danach ist sie gestorben.
Eine große Schauspieler hat die Bühne verlassen.

Der Film “Lang lebe die Königin” war allerdings mit dem Dreh der Todesszenen nicht abgedreht. Es fehlten noch fünf weitere Szenen, die Hannelore Elsner noch hätte drehen müssen.
Das Team entschied: Wir wollen weiterdrehen. Fünf Schauspielerinnen spielten als Hommage an ihre verstorbene Kollegin je eine der Szenen.
Und wer das nicht wusste, fragte sich, wieso Gisela Schneeberger plötzlich als Ehefrau und Mutter angesprochen worden ist, wo doch gerade noch Hannelore Elsner zu sehen war.
So passierte es während des Films immer wieder, dass die Rolle plötzlich neu besetzt war. Mit dabei waren auch Hannelore Hoger, Iris Berben, Judy Winter und Eva Mattes.

Diese Hommage macht diesen Film – der ansonsten dann doch ziemlich herkömmlich ist – zu etwas Besonderem.

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 29. Juli 2020)

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Der Deutsche Filmpreis 2020

Samstag, den 25. April 2020
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FR 24.04.2020 | 22.35 Uhr | Das Erste

Bitte, liebes deutsches Fernsehen! Gebt Edin Hasanovic eine Show! Lasst ihn irgendwas moderieren. Konzipiert ihm eine Late-Night-Show. Der kann das!
Bewiesen hat er das am Freitagabend bei der Lola 2020. Nahezu allein. Und live.

Der Deutsche Filmpreis 2020 hätte eine rauschende Party sein sollen. Denn immerhin fand die Preisverleihung zum 70. Mal statt. Und tatsächlich hatte Moderator Edin Hasanovic – im Hauptberuf Schauspieler – eine kleine Torte dabei. Es gab nur keinen Applaus. Weil es kein Publikum gab. Und keine Nominierten im Saal.
Das Coronavirus machte auch der Lola 2020 einen Strich durch die Rechnung. Allerdings hat die Deutsche Filmakademie die Show trotzdem nicht abgesagt – und das war eine gute Entscheidung.

Edin Hasanovic führte allein durch die Show. Einige Laudatoren waren vor Ort. Auch hatte er einen DJ zur Seite, der hin und wieder Musik einspielte.
Die meisten Laudatoren, alle Nominierten und dementsprechend alle Preisträger sind via Internet zugeschaltet worden. Auch einige Musiker wurden per Videoschalte dazugeholt. Da klappte meistens gut, manchmal nicht so. Aber darauf kam es nicht so sehr an.

Denn diese Show zeigte: Da waren unheimlich viele Leute, die für ihre Sache brennen. Die da mit ganzem Herzen dabei sind. Denen es wichtig war, diesen Abend zu veranstalten.
Und die das Kino vermissen und lieben. So wie ich. Ich liebe das Kino, und ich vermisse das Kino, und wenn ich mir vorstelle, dass die Kinos eventuell erst im August wieder öffnen, ist das ein extrem trauriger Gedanke.
Und eben Edin Hasanovic, der es auf erstaunliche Weise schaffte, locker und unterhaltsam durch den Abend zu führen. Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn ohne Publikum, ohne Reaktionen, muss die Performance, müssen die Texte sitzen, und auch mit Pannen muss man irgendwie umgehen, selbst diese Klippen umschiffte er gekonnt. Der Mann ist ein echter Entertainer, der immer noch unterschätzt zu sein scheint.

Als großer Sieger ging an diesem Abend der hervorragende Film “Systemsprenger” hervor. Ein bedrückender und beeindruckender Film über eine Neunjährige mit großen psychischen Problemen. Bei Netflix kann man ihn sich derzeit anschauen.

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Tatort: Die Guten und die Bösen

Dienstag, den 21. April 2020
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SO 19.04.2020 | 20.20 Uhr | Das Erste

Nach dem “Tatort”-Krimiknaller von Ostermontag dachte man sich bei der ARD offenbar, dass nun auch endlich wieder mal eine richtige Printe ausgestrahlt werden muss. Schließlich sollen sich die “Tatort”-Fans nicht an zu viele richtig gute Filme gewöhnen.
Also lief am Sonntagabend “Die Guten und die Bösen” vom hr aus Frankfurt/Main. Und leider war schon nach zehn Minuten klar, wie riesig der Qualitätsunterschied der beiden Filme war.

Während am Ostermontag im “Tatort” aus Saarbrücken schon nach wenigen Augenblicken klar war, dass dort Spannung herrscht, dass man sich richtig Mühe gegeben hatte, war ich mir diesmal nach zehn Minuten überhaupt nicht sicher, ob der Kriminalfall überhaupt schon begonnen hat.
Stattdessen sahen wir Kriminalisten, sich sich besoffen. Und so ein bisschen daherlaberten. Und dazu noch (in ihrer vorletzten Rolle) Hannelore Elsner, die bedeutungsschwanger in irgendwelchen alten Akten umherblätterte.
Selten so dröge unterhalten worden.

Später passiert dann in einer Hütte doch noch ein Mord, und der Polizist Matzerath gesteht auch sogleich. Und so wird dann ewig über die Vorgeschichte gesprochen und … dann hatte ich wirklich was Besseres zu tun.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie hoch die Qualitätsunterschiede in der “Tatort”-Reihe sind. An diesem Sonntag herrschte jedenfalls die totale Langeweile.

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 19. Oktober 2020)

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Tatort: Das fleißige Lieschen

Dienstag, den 14. April 2020
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MO 13.04.2020 | 20.15 Uhr | Das Erste

Das Saarland beglückte uns am Ostermontagabend nicht nur mit einem neuen “Tatort”-Ermittlerteam. Sondern auch mit dem besten “Tatort” seit langem.

Vladimir Burlakov spielt Kommissar Leo Höller. Er bekommt einen neuen Kollegen, Adam (Daniel Sträßer). Allerdings: Die beiden kennen sich, und sie kennen sich gut. Sie waren als Jugendliche gute Freunde. Aber es ist etwas vorgefallen, und es dauerte 15 Jahre, bis sie sich nun wiedersahen. Adam hat sich nach Saarbrücken versetzen lassen.
Diese Vergangenheit holt die beiden auch bei ihrem ersten gemeinsamen Fall ein. Erik Hofer wurde ermordet. Der Enkel des Firmenpatriarchen Bernhard Hofer sollte eigentlich die Firma übernehmen.
Verdächtige gibt es viele. War es der zweite Enkel, der vom Großvater böse ausgebootet wurde, weil er ihn für unfähig hält? Oder war es der Großvater selbst? Oder der Pförtner von der Firmenschranke?
Die Lösung führt über die schmerzvolle Firmengeschichte mit Zwangsarbeitern im Zweiten Weltkrieg und Bernhard, der damals nicht zimperlich war. Und über einen Hund, der offenbar beim Mord dabei war.

Dieser “Tatort” hatte alles, was ein guter Krimi braucht. Die Ermittlungen waren spannend, weil sehr lange völlig unklar blieb, wer den Mord begangen hat. Viele Vermutungen, aber lange keine Lösung. Dazu die erschütternde Nebengeschichte um die beiden Kommissare selbst, die als Jugendliche einiges mitmachten. Alles eingetaucht in einen flirrenden Soundtrack, der den Puls steigen ließ.
Dazu tolle Hauptdarsteller, die ihre Unsicherheiten untereinander, mit Adams Familie und mit dem Fall selbst toll darstellten. Dieter Schaad (94!) spielte den Firmenpatriarchen, den alten vom Leben gezeichneten und verbitterten Mann, dem im wahrsten Sinne des Wortes das Herz bricht.
Dieser Film war eine emotionale Achterbahnfahrt, die noch einige Minuten nach Ende nachwirkte, und dass es nun Monate dauern wird, bis es Teil 2 zu sehen gibt, ist echt bedauerlich.

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 13. Oktober 2020)

Hits: 194