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Carneval – Der Clown bringt den Tod

Montag, den 17. September 2018
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SA 15.09.2018 | 20.15 Uhr | Das Erste

Eine handfeste Schlägerei. Ein Mann drischt auf eine Frau ein. Immer wieder donnert er ihr eine. Und sie versucht, es ihm zurückzugeben. Es fließt Blut, es zerbricht Glas, es donnert ordentlich.
Wenig später sieht man einen Bodybuilder-Typen, wie er eine Frau ordentlich knallt. Sie genießt es nicht, es muss weh tun. Aber sie hat Glück, das Telefon klingelt, und der Typ unterbricht den Sex. Sie rollt sich zusammen, wegen der Schmerzen.

Nachtprogramm bei ProSieben? Nein, das ist die Sonnabendabend-Unterhaltung im Ersten. “Carneval – Der Clown bringt den Tod”, hieß der Thriller, der zur besten Sendezeit lief.
Ein Killerclown treibt sein Unwesen, und ein russischer Gewalttäter auch.

Dass es auch mal im Ersten härter zur Sache gehen kann, ist erst mal nicht schlimm. Dass so eine Gewaltorgie aber am Sonnabend zur besten Sendezeit laufen muss, da ist dann aber doch mindestens merkwürdig.
Wenn es beim “Tatort” mal härter zur Sache, wenn es mal total Psycho wird, dann machen sich Medienwächter und Sender in die Hose und verschieben den Film schnell mal auf 22 Uhr.
Diesen harten Thriller scheint man dagegen vollkommen in Ordnung gefunden zu haben. Solche filmischen Gewaltphantasien hätten aber auch ein FSK-16-Siegel verdient gehabt.

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Überraschungsevent (23): Überraschungsvorführung

Dienstag, den 11. September 2018
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(22) -> 18.8.2018

Der Startschuss fiel im April 2016. Einmal im Monat wollen wir uns gegenseitig überraschen. Und immer darf der andere nicht wissen, wo genau wir hingehen werden – erst vor Ort wird das Geheimnis gelüftet. Der Termin muss beim anderen natürlich abgefragt werden, alles andere nicht. Die Preisgrenze liegt bei 30 Euro. In diesem Monat durfte sie das Event planen, im Oktober bin ich dran.

Diesmal ging es zum Großplanetarium nach Berlin-Prenzlauer Berg. Allerdings nicht in den dortigen Saal, sondern ins Kino. Dort fand das Festival of Animation Berlin statt. Genauer: die Überraschungsvorführung – was natürlich zu unserer Reihe perfekt passt. Bei dem Kurzfilm-Special zeigte die Jury eigene Filme und solche, die die besonders mögen.
Nach einer kurzen Moderation ging es auch schon los – neun kurze Zeichentrickwerke.

Nun gut. Einige Filme, insbesondere die aus Belgien, waren ziemlich wunderlich oder langatmig. Aber es gab drei sehr gute Filme, die auch bei Youtube verfügbar sind:
“Dame mit Hund” (nur Trailer): Da geht es um einen Tag im Park. Eine Frau mit Hund geht spazieren, der Hund büxt aus. Man sieht quasi von unten nach oben und immer nur die Fußtapsen. Mal was anderes und sehr witzig.
“Flamingo Pride”: Ein Flamingo-CSD, bei dem einer ausschert und vom Trubel die Schnautze voll hat. Extrem lustig und auch sehr schön animiert.
“Our Wonderful Nature: Das gewöhnliche Chamäleon”: Es zeigt ein Chamäleon beim Futtern. Erst eine kleine Fliege, dann ein Schmetterling, und seine Gier wird immer größer. Wir haben sehr gelacht!

Schön wäre es gewesen, wenn wir zwischendurch noch etwas zu den Filmen erfahren hätten, sie liefen hintereinander weg. Eine Frage-und-Antwort-Runde (Q&A) kündigte man nuschelig für draußen an. Das war schade, denn so dauerte das Ganze gerade mal eine Stunde.
Na ja, man kann nicht alles haben.

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Heißer Sommer

Donnerstag, den 23. August 2018
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MO 20.08.2018 | 20.15 Uhr | mdr-Fernsehen

“Kinder ist das Wetter außer Rand und Band! Das gibt einen sagenhaften Sonnenbrand! Heißer Sommer, in diesem Jahr ist ein heißer Sommer, wie wunderbar!”

Das ist kein aktueller Kommentar zum Sommer 2018. Auch wenn er zutreffend ist. Das ist ein Textzitat aus dem Song “Heißer Sommer” – und auch aus dem gleichnamigen Filmmusical. Gesungen wird das Lied von Chris Doerk und Frank Schöbel.
Und das kann man sicherlich sagen: Zumindest in Ostdeutschland ist “Heißer Sommer” Kult. Der Film feiert in diesem Jahr sein 50. Jubiläum. Im Juni 1968 ist uraufgeführt worden.

Am Montagabend lief der Film mal wieder im mdr-Fernsehen. Die Story ist eigentlich ziemlich dünn und albern. Aber es ging eher um den Spaß, um die Lieder, um das Zusammenspiel von Schöbel, Doerk und den anderen. Und natürlich um das damals auf Rügen festgehaltene Urlaubsgefühl.

Heißer Sommer – auch nächstes Jahr?

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Lola rennt seit 20 Jahren

Mittwoch, den 22. August 2018
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Es ist immer wieder schön, alte Filme mal wieder auf der großen Kinoleinwand zu sehen. Natürlich nur alte Filme, die man schon immer gut fand. 2017 habe ich mal wieder “Dirty Dancing” im Kino gesehen, und auch “Die Legende von Paul und Paula” war mal wieder ein Erlebnis. Denn auf der Kinoleinwand hat man immer noch mal den Blick für spezielle Dinge, die einem im Fernsehen gar nicht so auffallen.

Im Zoopalast in Berlin gab es neulich eine Sondervorführung von “Lola rennt”. Erstmals ins Kino kam er am 20,. August 1998. Da ist er mir noch durch die Lappen gegangen. Ich habe ihn erst 1999 im Oranienburger “Kino für Kenner” gesehen – und war begeistert.
Diesmal war Regisseur Tom Tykwer vor Ort, er erzählte etwas über die Entstehungsgeschichte des Films und darüber, dass die Produktionsfirma X-Filme damals unbedingt einen Erfolg brauchte, damit es nicht zur Pleite kam.

“Lola rennt” durch das Berlin des Jahres 1997. Man sieht, wie runtergekommen die Stadt teilweise noch ist. Wie am Potsdamer Platz gebaut wird. Franka Potente rennt durch Mitte, durch Kreuzberg und durch den Friedrichshain. Anschlussfehler inklusive – aber das ließ sich gar nicht anders machen, wie Tom Tykwer erzählte.
Schade und unangebracht war das Bashing der Öffentlich-Rechtlichen. Tom Tykwer ätzte, dass von den Sender ja wenig zu erwarten sei – dabei sind es ARD und ZDF die haufenweise Kohle in den deutschen Film stecken. Und es ist auch die ARD, die viel Kohle in sein Megaprojekt “Babylon Berlin” gesteckt hat, und ob viele Leute zusehen, wird auch davon abhängen, ob die Serie wirklich gut ist. Immerhin konnte bis jetzt nur die Pay-TV-Elite und die Medienleute das Werk bestaunen. Also: abwarten.

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Schubert in Love

Montag, den 20. August 2018
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DO 16.08.2018 | 0.35 Uhr (Fr.) | Das Erste

Comedians. Auf der Bühne sind sie meistens ganz lustig. Oder wenn sie einen Gastauftritt in einer Show haben. Aber tragen Comedians auch einen ganzen Film?

Im Ersten lief am sehr späten Donnerstagabend die Komödie “Schubert in Love” – mit Olaf Schiubert, dem Mann mit dem schulterfreien Pullover.
Im Film geht es überraschenderweise um Olaf Schubert. Er ist der letzte Spross in der Schubert-Dynastie. Er engagiert sich. Für ein Musical, gegen Rassismus – eines aber fehlt in seinem Leben: ein Kind. Der strenge Vater (Mario Adorf) macht langsam Druck. Tatsächlich findet Olaf eine Frau, aber so ganz ist ihm noch nicht klar, dass es bei Frauen nicht nur um die Nachwuchsproduktion geht.

“Olaf in Love” ist leider nur schwer erträglich. Funktioniert Olaf Schubert auf der Bühne ganz gut (wenn man ihn denn mag), wirkt sein Schauspiel im Film erstaunlich steif. Die Gags sind schal und mitunter doof. Die Dialoge sind hölzern, das Timing stimmt nicht.
Warum gelingt es eigentlich so oft nicht, für Comedians gute Filme zu stricken? “Schubert in Love” ist leider kein guter Film.

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Tatort: Die Musik stirbt zuletzt

Donnerstag, den 9. August 2018
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SO 05.08.2018 | 20.15 Uhr | Das Erste

Es war 2015 eines der deutschen Kino-Ereignisse: der Film “Victoria”, der weit mehr als zwei Stunden ohne einen einzigen Schnitt auskam. Der Zuschauer begleitete die Protagonisten auf ihren Wegen, und es dauerte eben so lange, wie es dauerte.
So was versuchte der “Tatort” am Sonntagabend auch wieder.

Auch der “Tatort” aus Luzern in der Schweiz kam fast 90 Minuten lang ohne Schnitt aus. Während eines Benefizkonzertes kommt es zu mehreren Zwischenfällen, und Kontaktgifte spielen dabei eine Rolle. Die Kommissare, die während des Konzertes schon ihre Ermittlungen beginnen, tappen zunächst im Dunkeln.

Weil es ja keine Schnitte gab, musste die Kamera die ganze Zeit alle wichtigen Leute begleiten. Wir verfolgten sie auf den Fluren, begleiteten die Menschen in Räume, gingen zusammen auf die Konzertbühne oder in den Zuschauerraum.
Nur leider war der Fall nur mäßig spannend, und dass der Film ohne Schnitt auskam, merkte man interessanterweise kaum. Ob das ein Vor- oder Nachteil ist, kann ich nicht sagen.

Interessanter ist dann wohl auch die Herstellungsgeschichte des Films “Die Musik stirbt zuletzt”. Denn er wurde an vier Tagen je einmal komplett durchgedreht. Zweimal auf Deutsch, zweimal in Schweizerdeutsch. Im Ersten lief die bessere der deutschen Versionen, im SF1 in der Schweiz die bessere schweizer Version.
Dass der Film in Deutschland so miese Quoten hatte (wobei 4,6 Millionen Zuschauer zum Beispiel bei RTL oder Sat.1 immer noch für Jubel sorgen würden), lag ganz sicher auch am hochsommerlichen Wetter. Dass der “Tatort” schon Anfang August aus der Sommerpause zurückkehrt, ist fast schon Verschwendung. Aber dass die Reihe immer noch für Experimente offen ist, kann nur gut sein.

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Tschick

Freitag, den 27. Juli 2018
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DI 24.07.2018 | 22.45 Uhr | Das Erste

“Tschick”, der Film über zwei Jugendliche, die einen Road Trip mit einem geklauten Auto unternehmen, gehörte zu den besten Filmen des Jahres 2016. Um so schöner, dass er nun erstmals auch im Free-TV zu sehen war. Er lief am Dienstagabend im Ersten. Um 22.45 Uhr.

Mal wieder vergräbt die ARD eine Filmperle im Nachtprogramm. Was umso schlimmer ist, weil es sich ja vor allem um einen Jugendfilm handelt. Dass dafür um 20.15 Uhr kein Platz gewesen soll, das ist kaum zu glauben.
Dabei läuft gerade im Ersten das Sommerkino – immer montags um 20.15 Uhr und dienstags um 22.45 Uhr. Nach welchen Kriterien die Filme auf den Primetime- oder Nachtsendeplatz gelegt sind, ist nicht bekannt.
Dass aber ein Flop wie “Professor Love” mit Pierce Brosnan eine 20.15-Uhr-Ausstrahlung verdient hat und der deutsche, preisgekrönte Film “Tschick” nicht – das ist bedauerlich, um es mal milde auszudrücken.

Ja, sicher, nun kann man sagen, dass die ARD eher ältere Zuseher erreicht – und dass die vielleicht Brosnan dem Jugendfilm vorziehen, aber man kann doch zumindest mal versuchen, die Jugend an die gute alte Tante ARD zu binden.
Dass man den Film jederzeit (bis 31. Juli 2018) in der Mediathek oder auch am Sonnabend, 28. Juli, um 21.45 Uhr bei one sehen kann, sorgt da wenig Trost. Denn es geht da auch um nichts weniger als Wertschätzung.