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Play

Donnerstag, den 12. September 2019
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MI 11.09.2019 | 20.15 Uhr | Das Erste

Computerspielsucht – das ist ein wichtiges Thema, das durch die virtuellen Welten, in die man heutzutage eintauchen kann, noch mal eine ganz neue Bedeutung bekommen hat.
Deshalb ist es auch durchaus richtig, dass sich die öffentlich-rechtliche ARD mit diesem Thema befasst. Und dass der Film dazu sogar in der Primetime läuft – auch wenn es vermutlich schwierig ist, diese richtige Zielgruppe dafür zu finden.

In “Play” ging es am Mittwochabend um Jennifer (Emma Badling), die sowieso schon psychisch angeschlagen virtuelle Computerspiele für sich entdeckt. Sie taucht in diese Welten ab, spielt stundenlang. Alles andere funktioniert dafür nicht mehr. In der Schule läuft es mies, sie schläft kaum, hat Zoff mit ihren Eltern. Immerhin lernt sie in der virtuellen Welt einen Jungen kennen – der sie dann auch real treffen will.

Besonders Emma Badling spielt toll. Das macht den Film aber leider nicht spannender. Womit wir bei den Zielgruppen wären. Computerspieler finden es sicher ganz dufte, wie sie von der alten Tante ARD gezeigt bekommen, wie schlimm das doch alles ist. Das wollen die Jugendlichen bestimmt unbedingt sehen. Zumal die Story, um sie irgendwie aufregender zu machen, maßlos auf die Spitze getrieben worden ist. Das Mädchen wird immer labiler, rennt irgendwann weg, und es kommt zum Showdown.
Andererseits gibt es den Generationskonflikt, dass sich die Älteren – und gehöre ich da etwa auch schon dazu? – nicht für solche technischen Spielereien interessieren. Für die wird “Play” eher ein großes böhmisches Dorf gewesen sein.

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Verleugnung

Mittwoch, den 11. September 2019
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DI 10.09.2019 | 22.45 Uhr | Das Erste

Den Holocaust hat es nie gegeben? In Auschwitz starben gar nicht so viele Juden, wenn da überhaupt Juden starben? Es waren nur Arbeitslager? Der selbsternannte Historiker David Irving (Timothy Spall) behauptet das, und die US-Holocaust-Forscherin Deborah Lipstadt (Rachel Weisz) sagt, er sei ein Geschichtsfälscher. Irving geht in London vor Gericht, wo die Beweislast beim Beklagten liegt. Heißt: Sie und ihre Anwälte müssen den Holocaust beweisen.

Es ist ein sehr emotionaler Film, der am späten Dienstagabend im Ersten lief. “Verleumdung” handelt von einem Holocaust-Leugner, der von seiner Lüge nicht abweichen will. Und von Anwälten, die das Bewiesene beweisen müssen.
Das ist spannend, obwohl das Ende eigentlich klar sein muss.

Mit dem Film endete das “ARD-Sommerkino 2019”, aber dass “Verleugnung” nur in der späten Schiene am Dienstagabend läuft, ist schade. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hätte gut daran getan, diesen wichtigen Film zur Hauptsendezeit zu bringen.
Da jedoch lief am Montagabend im Sommerkino der Film “Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner”. Das klingt nicht nur belanglos, diese Beziehungskomödie war nicht nur belanglos, sondern auch noch überaus langweilig. Der hätte gut und gerne um 22.45 Uhr laufen können.
Herzschmerz vor Relevanz – die ARD sollte die Prioritäten andersrum setzen.

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KeineWochenShow

#138 – Einmal Grönland, bitte!

Sonntag, den 25. August 2019
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Auch diesmal gibt es eine etwas andere KeineWochenShow. Wir haben die Sendung am frühen Mittwochabend im Auto auf dem Weg von Oranienburg nach Kremmen aufgezeichnet. Wir waren auf dem Weg zu einer Inforadio-Talkshow im Kremmener Scheunenviertel. In den letzten Minuten sind wir dann auch dort vor Ort, und Moderator Dietmar Ringel hat einen kleinen spontanen Auftritt in unserer Sendung.

Diesmal geht es um die Tagesschau, von der einige fordern, die Produktion nach Leipzig zu verlegen. Außerdem sprechen wir über den Auftritt von Luke Mockridge im “ZDF-Fernsehgarten” und über Tarantinos neuen Film “Once upon a Time… in Hollywood”, der leider ziemlich und seltsam langweilig ist.
Trump kommt auch wieder vor, auch bahnfahrende Soldaten und noch vieles mehr – in KeineWochenShow #138 auf Youtube.

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Kidnapping Stella

Dienstag, den 23. Juli 2019
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MO 22.07.2019 | Netflix

Heutzutage weiß man nicht mehr so genau, ob es ein gutes Zeichen ist, wenn ein Film nicht im Kino startet und stattdessen gleich ins Fernsehen wandert.
Denn “Kidnapping Stella” sollte eigentlich im Mai einen Kinostart haben, der wurde dann jedoch gestrichen. Nun ist der Thriller bei Netflix zu sehen.
War der Film zu schlecht fürs Kino? Hat man geglaubt, dass er dort untergehen würde? Denn andererseits wird ein Start auf Netflix inzwischen auch schon stark beachtet, auch wenn er eventuell nicht so viele Zuschauer haben wird, wie ein erfolgreicher Kinofilm.

Stella (Jella Haase) wird von zwei jungen Männern von offener Straße gekidnappt. Sie wollen Lösegeld von ihrem reichen Vater und fesseln Stella auf einem Bett.
Während Vic (Clemens Schick) mit dem Vater Kontakt aufnimmt, kommt es jedoch zu einer Rangelei. Stella erkennt im zweiten Kidnapper ihren Ex-Freund Tom (Max von der Groeben).
Tom wird mehr und mehr unsicher. Soll er diesen Wahnsinn wirklich durchziehen?

“Kidnapping Stella” spielt sich tatsächlich nur zwischen den drei Menschen ab. So richtig Spannung will anfangs aber nicht aufkommen. Eine Entführung und die üblichen Verhandlungen. Interessanter wird es eigentlich erst, als es die Wendung gibt, dass Stella Tom erkennt und er ins Schleudern kommt. Im Folgenden hat der Film einige gute Momente – wenn er auch keine Thriller-Sternstunde ist. Dazu ist er dann doch zu herkömmlich und zu wenig originell.
Spannend an diesem Film sind die Darsteller. Denn Max von der Groeben kann sich endlich von seinem “Fack ju Göhte”-Image des ziemlich dümmlichen Typen befreien. In diesem Thriller spielt er ernsthaft und recht überzeugend. Ebenso Jella Haase, die sich ebenfalls mal von der dramatischen Seite zeigen kann.

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Schatz, nimm du sie!

Donnerstag, den 18. Juli 2019
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MO 15.07.2019 | 22.15 Uhr | ZDF

Man tut dem deutschen Film ja sehr viel Unrecht. Billig sehe er aus, die Schauspieler seien schlecht, die Storys seien bescheuert und doof.
Wie gesagt, der deutsche Film ist nicht so. Zumindest nicht immer.

Das ZDF aber hat am Montagabend gezeigt, dass dieses Klischee zumindest nicht komplett aus der Luft gegriffen ist. Denn im “Montagskino” hatte das Zweite einen Film im Programm, der leider zeigte, dass der deutsche Film in der Tat billig und bescheuert sein kann.
“Schatz, nimm du sie!” lief erstmals im Free-TV.

Toni (Carolin Kebekus) und Marc (Maxim Mehmet) wollen sich scheiden lassen, und das eigentlich total friedlich. Das ändert sich, als die Frage nach den Kindern aufkommt. Wer nimmt sie: Sie oder er? Und eigentlich wollen sie, dass der jeweils andere sie nimmt.
Die Gags sind flach, die Dialoge angestrengt lustig. Irgendwie wirken alle überdreht, alle wollen sie so unbedingt lustig sein, nichts wirkt real. In jeder Szene merkt, dass die spielen und nicht echt sind. Die Story nimmt irrwitzig-blöde Wege, und als Zuschauer ist man mehrfach kurz davor, sich ein bisschen zu schämen.
Besonders schade ist das für Maxim Mehmet, der eigentlich ein guter Schauspieler ist, aber ein schwaches Drehbuch kann auch er nicht rausreißen.

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Der Papagei

Sonntag, den 9. Juni 2019
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FR 07.06.2019 | 22.45 Uhr | rbb

Die NSDU verkauft sich als Heimatpartei. Als die Partei, die den Menschen Gutes will. Dabei besteht die NSDU eher aus Hetzern, die ganz andere Ziele mit Deutschland haben.
So richtig gut läuft es noch nicht, bei der Wahl will die NDSU aber unbedingt die 5-Prozent-Hürde schaffen.
Ein PR-Mann der Partei trifft auf seinen alten Freund Did, ein arbeitsloser Schauspieler. Es gelingt ihm, dass er sich in den Dienst der NSDU stellt und die Leute zur Partei lockt. Dass Did zwar mit Parteien nichts am Hut hat, aber trotzdem von den rechtsextremen Parolen fasziniert ist, das fällt ihm auch irgendwann selbst auf. Aber da ist es fast schon zu spät…

Im Film “Der Papagei” geht es um ein brandaktuelles Thema: nämlich darum, wie Rechtspopulisten die Menschen zu sich locken. Mit welchen Mitteln und mit welchen Tricks sie arbeiten.
Das Bemerkenswerte: Der Film ist von 1992.

Der rbb zeigte “Der Papagei” am späten Freitagabend im Rahmen eines Harald-Juhnke-Abends zu dessen 90. Geburtstag. Auch 27 Jahre nach der Erstausstrahlung scheint diese Satire in vielen Teilen aktuell zu sein – und hellseherisch.
Im Film sucht die NSDU nach Aufmerksamkeit und Skandalen. So wird während eines Wahlkampfauftrittes ein Überfall auf den Spitzenmann fingiert. Das sorgt für Aufmerksamkeit, ist aber eine Lüge. Auch dass es geheime Geldgeber gibt, dass Intrigen gesponnen werden und die politischen Gegner verächtlich gemacht werden.

Dass wir 2019 offenbar weiter sind und tiefer im rechtsextremen Sumpf stecken als 1992, sieht man daran, dass die Aufdeckung von Finanziers der Rechten für Aufregung sorgt. Heute sorgt das ja schon fast für Schulterzucken.

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Alfons Zitterbacke

Samstag, den 4. Mai 2019
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MI 01.05.2019 | 9.40 Uhr | mdr-Fernsehen

Es gibt Mythen und Kults, bei denen man sich fragt, wieso die das eigentlich sind. Gerade läuft in den Kinos die Neuverfilmung von “Alfons Zitterbacke” nach den bekannten DDR-Jugendbüchern. Diese 2019er-Version wird gerne mit dem Film von 1966 verglichen. Damals hat die DEFA das Buch schon mal verfilmt.
Am Maifeiertag zeigte das mdr-Fernsehen am Vormittag die frühe “Alfons Zitterbacke”-Version. Und wer sich die angesehen hat, der wird merken: Nicht alles war früher besser.

Während sich die Macher 2019 noch eine Geschichte um die einzelnen Storys um Alfons ausgedacht haben, war der Film von 1966 eine relativ stupide Abfolge von Kurzgeschichten. Er hat nicht mal eine richtige Einführung. Er beginnt damit, dass Alfons und seine Freundin auf einem Rummel spielen und in der Geisterbahn für Stress sorgen. Es gibt aber wie im neuen Film auch schon die Sprungturm-Geschichte, bei der Alfons bei “Köpper” gezeigt bekommt und natürlich diverse Schulgeschichten.
Aber alles viel biederer, fast schon dröge erzählt. Der Film kommt fast ohne zusätzliche Musiken aus, die Inszenierung erscheint simpel.
1966 war das vermutlich dennoch ein großes Ding. 2019 ist das leider nur noch ein laues Lüftchen, und umso mehr kann man sich über die tolle Neuverfilmung freuen.

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