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Le Jeu – Nichts zu verbergen

Donnerstag, den 9. Januar 2020
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MO 06.01.2020 | Netflix

(mit Spoiler!)

Vier Männer und drei Frauen und ein Spiel: Einen Abend lang werden die Handys auf den Tisch gelegt, und jede ankommende Nachricht muss vorgelesen werden, jedes ankommende Foto gezeigt, jedes Gespräch mit Lautsprecher geführt werden. Klar, dass an diesem Abend so manches Geheimnis offengelegt wird.
Der deutsche Film “Das perfekte Geheimnis”, u.a. mit Elyas M’Barek, Frederick Lau und Karoline Herfurth, war ein großer Erfolg in den Kinos.

Der Stoff ist allerdings nicht neu, er ist sogar schon mehrfach verfilmt worden. „Perfect Strangers“ heißt der Kinohit aus Italien aus dem Jahr 2016. Es folgten mehrere Remake in Europa.
Bei Netflix ist die 2018er-Variante “Le Jeu – Nichts zu verbergen” aus Frankreich zu sehen. Wer sich die ansieht, nachdem er die deutsche Version im Kino angeschaut hat, wird überrascht sein. Denn sie endet ganz anders als die deutsche Variante. Oder besser gesagt: Fast alle anderen Versionen haben ein anderes Ende als die deutsche von Bora Dagtekin.

Allerdings muss man sagen: Das Ende der deutschen Version hat mehr Charme. In “Nichts zu verbergen” kommt am Ende heraus, dass die Aktion gar nicht stattgefunden hat, dass sie alle gleich zu Beginn dagegen entschieden haben, das alles durchzuziehen. Der Zuschauer weiß aber: Was gezeigt wurde, stimmt. Alle behalten ihre schmutzigen, lustigen, tragischen oder auch nur kleinen Geheimnisse.
In “Das perfekte Geheimnis” war alles echt, am Ende haben sich alle gezofft, alle sind sie sauer aufeinander, es kommt raus, dass Geheimnisse unaufgedeckt blieben, aber schließlich vertragen sich die Jungs. Man kann das nach diesem tiefgehenden Streit als weit hergeholt finden, als rosarot gefärbt – aber ich finde das sehr positiv. Die Botschaft ist: Freunde können vergeben, sich helfen, einander beistehen.
Das Ende der französischen Version erscheint dagegen enttäuschend: Weil man als Zuschauer die ganze Zeit verarscht worden ist. Weil es doch irgendwie traurig ist, dass einige der Geheimnisse nicht ans Licht kamen, weil sie alle mit einem wahrscheinlich ähnlich schlechten Gefühl nach Hause gehen – oder ist es nur unser mieses Gefühl, diese Geheimnisse zu kennen?

An vielen Stellen wird Kritik geübt, dass die deutsche Fassung ein komplett anderes Ende hat als das Original und viele der anderen Remakes. Bora Dagtekins Entscheidung jedoch ist nachvollziehbar und führt die Handlung viel geradliniger zu Ende.

-> Der Film auf Netflix (mit Abo)

Hits: 103

RTelenovela

2019

Dienstag, den 31. Dezember 2019
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DIE BESTE PARTY
Thommis 40.

DAS BESTE KONZERT/EVENT
AnnenMayKantereit in Hannover
“Die Hand ist ein einsamer Jäger” in Berlin

DER BESTE SONG
Juju feat. Henning May: Vermissen
außerdem:
Bosse: Ich warte auf dich
NF: The Search
Provinz: Reicht dir das
8kids: Wir bleiben Kids
Tim Bendzko: Hoch
White Lies: Tokyo
Sarah Connor: Vincent
Max Herre feat. Veronika Fischer: Nachts
Kate Miller-Heidke: Zero Gravity

DAS BESTE ALBUM

DER BESTE FILM
Midsommar
außerdem:
Systemsprenger
Der Fall Collini

DER SCHLECHTESTE FILM
Pokémon: Meisterdetektiv Pikachu
außerdem:
Glass
Mein Bester & ich

BESTE TV-SENDUNG
Sense 8, Netflix
außerdem
Prince Charming, TV Now
Eurovision Song Contest 2019, Das Erste
Käthe und ich: Dornröschen, Das Erste
Druck – Staffel 3, Funk
Die Geschichte eines Abends, NDR

SCHLECHTESTE TV-SENDUNG
Tatort: Der höllische Heinz, Das Erste
außerdem
About you Awards – Die größten Social Media Stars 2019, ProSieben
Mein bester Streich: Prominent & reingelegt, ProSieben
Sorry für alles, ZDF
Goodbye Deutschland – Die Auswanderer: Laura und der Wendler, VOX
Der Bulle und das Biest, Sat.1

BESTER RADIOSENDER
radioeins

BESTES BUCH
Jan Weiler: Kühn hat Ärger
außerdem:
Ulrike Herwig: Das Leben ist manchmal woanders
Juan Moreno: Tausend Zeilen Lüge – Das System Relotius und der deutsche Journalismus

BESTER AUGENBLICK
Spaziergang durch die Lindenstraße (Video)

SCHLECHTESTER AUGENBLICK
Bad Segeberg: Auto kaputt.

Hits: 101

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Das kalte Herz

Donnerstag, den 19. Dezember 2019
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SO 15.12.2019 | 0.35 Uhr (Mo.) | Das Erste

2016 kam die wunderbare Neuverfilmung des Märchens “Das kalte Herz” in die Kinos. Ein Märchen für ältere Leute, der er erst ab 12 Jahren freigegeben ist. Für Kinder ist er eher düster.
Ein Film, den man einem Feiertag auf einem öffentlich-rechtlichen Sender gern mal um 20.15 Uhr ausstrahlen könnte.

Außer, die ARD besitzt die Rechte daran. Die ARD hat für die Free-TV-Premiere des Märchens einen besonders exclusiven Sendeplatz gefunden: In der Nacht zu Montag um 0.35 Uhr. Mitten in der Nacht.
Wer dort die Zielgruppe dieses Films sein soll, weiß bei der ARD vermutlich niemand so genau. Dieser Sendeplatz ist eine Frechheit und eine Ohrfeige für die Macher des Films, und auch eine Ohrfeige für die Zuschauer.

Immerhin ist der Film einen Monat lang in der Mediathek verfügbar. Wenigstens etwas.

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 15. Januar 2020)

Hits: 86

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Schattenmoor

Montag, den 16. Dezember 2019
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MI 11.12.2019 | 20.15 Uhr | ProSieben

Sieben Jahre hat es gedauert, bis ProSieben mal wieder einen eigenen Spielfilm produzieren ließ und nun am Mittwoch auch ausstrahlte.
Aber in diesen sieben Jahren hat sich viel geändert. Beim jungen Publikum haben die Streamingdienste dem Fernsehen den Rang abgelaufen. Ein Sender wie ProSieben bekommt das sehr deutlich zu spüren. Und deshalb müssen sich die Sender auch etwas einfallen lassen, um ihre Sendungen auf anderen Wegen den Leuten nahe zu bringen.

“Schattenmoor” ist da ein gutes Beispiel. Die Fernsehpremiere am Mittwochabend war da schon fast der letzte Baustein der Verwertungskette. Aber eben nur fast.
Denn weite Teile des Films sind schon als Serienepisoden auf Joyn zu sehen gewesen. So konnte also schon Spannung aufgebaut werden – bis zum Höhepunkt. Denn der allerletzte Teil, des Rätsels Lösung, das war dann erst in der Ausstrahlung auf ProSieben zu sehen.
Ziemlich clever – übermäßig hoch war die Einschaltquote dennoch nicht.

Es geht um Emma, die Angst hat, den Verstand zu verlieren. Sie erlebt seltsame Dinge, und sie weiß nicht, ob es sich um eine große Verschwörung oder um einen Spuk handelt.
Gedreht wurde unter anderem im Briesetal mit seinem imposanten Wald und den geheimnisvollen Gewässern. Das aber führt auch nicht dazu, dass so richtige Spannung aufkommt. Über weite Strecken wirkt “Schattenmoor” dann doch nur wie Teeniehorror.

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Käthe und ich: Dornröschen

Samstag, den 2. November 2019
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FR 01.11.2019 | 20.15 Uhr | Das Erste

Der Freitagabend im Ersten steht seit langem für den kitschigen Einstieg ins Wochenende. Doch das ist schon seit längerem kaum noch der Fall.
Die neue Reihe “Käthe und ich”, die am Freitag anlief, zeigte, dass Drama auch ohne Kitsch geht.

Käthe ist ein Hund. Genauer: eine Therapiehündin. Sie ist mit dem Psychologen Paul (Christoph Schechinger) unterwegs, und sie liebt ihr Herrchen. In der ersten Folge kümmerten sie sich um eine Komapatientin. Nach fünf Jahren ist sie erwacht. Ihr Mann hat inzwischen eine neue Frau, und die beiden wollen verhindern, dass die Tochter die wieder aufgewachte Mutter sieht. Christoph kümmert sich um diesen Fall, und bald kommt heraus, dass Christoph privat gerade einen ähnlichen Fall erlebt.

“Käthe und ich: Dornröschen” schafft, was das Nebenbeimedium Fernsehen nur selten schafft: Aus dem Nebenbei wurde sehr bald ein Film, der meine volle Aufmerksamkeit bekam. Nicht nur, dass der Hund Käthe ein wirklich herziges Tier ist, das ganz niedlich spielt (oder entsprechend dressiert worden ist), die Story war packend. Denn es ging um die Frage, ob das Leben der anderen weitergehen kann, wenn jemand im Koma liegt. Habe ich eine moralische Verpflichtung, zu “warten”? Zu verzichten? Und wie kann man Kinder mit so einer Sache konfrontieren?
Der Paukenschlag am Schluss sorgte dann noch für den besonderen Schauer – und hoffentlich geht es in Folge 2 so weiter.

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 1. Mai 2020)

Hits: 89

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Die Ungewollten – Die Irrfahrt der St. Louis

Donnerstag, den 24. Oktober 2019
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MO 21.10.2019 | 20.15 Uhr | Das Erste

Die Meldungen hören wir in dieser Zeit immer wieder. Schiffe mit aufgenommenen Flüchtlingen an Bord dürfen keinen Hafen anlaufen, weil die Regierungen der entsprechenden Länder das verbieten.
Das ist kein neues Phänomen. 1939 gab es das schon mal.
Das Erste zeigte am Montagabend das Dokudrama “Die Ungewollten – Die Irrfahrt der St. Louis”.

Im Mai 1939 verlässt das Schiff “St. Louis” den Hamburger Hafen. An Bord sind 907 jüdische Flüchtlinge. Sie sollen nach Kuba gebracht werden. Doch als das Schif Havanna erreicht, wird bekannt, dass Kuba die Einreisepapiere für ungültig erklärt.
An Bord herrscht Frust. Und Wut auch. Und Angst. Das Schiff soll zurück nach Deutschland, aber in Deutschland haben die Nazis die Macht. Die Menschen an Bord haben dort alle Zelte abgebrochen, und sie müssen damit rechnen, ins KZ zu kommen.
Kapitän Gustav Schröder (Ulrich Noethen) erfährt auch erst in Havanna, dass auch er getäuscht worden ist. Er kämpft für seine Passagiere. Doch auch die USA und Kanada sagen ab. Schließlich geht es doch zurück nach Europa.

Dass Gustav Schröder in Deutschland weitgehend unbekannt ist, ist durchaus bemerkenswert. In der jüdischen Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem wird ihm seit 1993 gedankt.

Erstaunlich sind die Parallelen zu heute, und das 80 Jahre später. Auch wenn der Film selbst auf diese Parallelen nicht eingeht. Aber auch heute wollen viele Länder keine Flüchtlinge aufnehmen. Aus Angst vor Fremden, aus Angst, es gebe zu wenige Arbeitsplätze, auch aus rassistischen Gründen. Genau das erleben wir heute auch wieder, Flüchtlinge sind auf dem Mittelmeer, und es ist unklar, wo sie hinsollen. Das war damals beschämend, und das ist es heute auch wieder.

-> Das Dokudrama in der ARD-Mediathek (bis 20. November 2019)

Hits: 106

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Grüne Hochzeit

Freitag, den 20. September 2019
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MO 16.09.2019 | 23.05 Uhr | mdr-Fernsehen

Susanne und Robert verlieben sich, sie werden ein Paar. Als sie schwanger ist, beschließen sie, zu heiraten. Das ist nicht ganz einfach, denn Robert ist 18, Susanne ist 17. Aber sie können sich durchsetzen, und sie heiraten tatsächlich. Sie richten sich eine Wohnung ein, es ist die große Liebe. Es sind Zwillinge. Erst ist Robert geschockt, dann beginnt das Paar, sich um die Kleinen zu kümmern. Das ist nicht immer einfach, oft zermürbend. Und irgendwann geht es los: Susanne und Robert zoffen sich, sie haben sich nur noch wenig zu sagen, und Robert lernt eines Tages eine andere kennen. Ist die junge Ehe noch zu retten?

Der mdr zeigte am Montagabend “Grüne Hochzeit”, gedreht 1988 in der DDR, im Mai 1989 hatte er seine Premiere im Kino. “Grüne Hochzeit” gehört auch 30 Jahre danach noch immer zu den sehr sehenswerten DDR-Spielfilmen.
Ziemlich ideologiefrei und erstaunlich offen erzählt der Film die Geschichte eines Paares. Davon, wie sie kämpfen müssen. Wie sie mit ihren beiden Kindern erstaunlich alleine gelassen werden. Es geht um Schwarzarbeit, wie sie in der DDR immer wieder üblich war, aber eher selten in Filmen thematisiert worden ist. Und ums Fremdgehen und um Freiheit, wobei man sich als Zuschauer nie sicher ist, auf wessen Seite man eigentlich stehen soll.

Anja Kling spielte Susanne, und heute weiß man, dass sie bis heute eine vielbeschäftigte Schauspielerin ist. Marc Lubosch spielte Robert, er ist heute nicht mehr als Schauspieler tätig. Das fällt übrigens oft auf in DDR-Filmen – dass junge Leute auf tolle Weise eine Hauptrolle verkörpert haben, später aber nie mehr im Film auftauchten. Lubosch spielte wohl ab und zu noch kleinere Sachen, arbeitet jetzt aber hinter den Kulissen.

“Grüne Hochzeit” ist 31 Jahre alt, aber eigentlich ist er immer noch aktuell. Sehenswert ist er, weil er auch 2019 noch erstaunlich modern wirkt.

Hits: 121