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Das fliegende Klassenzimmer

Samstag, den 12. September 2020
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MO 07.09.2020 | 20.15 Uhr | arte

Beim Thomanerchor in Leipzig geht es ja echt drunter und drüber! Da rennen die mitten aus der Probe, um sich mit anderen Kindern zu prügeln. Da schwänzen sie die Fernsehaufzeichnung eines Auftritts, weil sie noch was klären müssen. Und als sie dann doch auftauchen, sind sie total verdreckt.
Macht aber eigentlich alles nix. Denn geprobt wird sowieso nie.

Woher ich dieses erschütternde Insiderwissen über den Thomanerchor habe? Lief neulich bei arte!
War aber ein Film. Fiktion. Am Montagabend zeigte arte zur besten Sendezeit “Das fliegende Klassenzimmer” von 2002. In der damaligen Neuverfilmung des Erich-Kästner-Stoffs waren die Thomaner in Leipzig gewissermaßen die Kulisse für die Komödie.
Dass sich der Chor nie darüber beschwert hat, wie schlecht er hier wegkommt, verwundert fast ein bisschen. 2020 hätte es vermutlich schon Petitionen gehagelt.

Aber davon mal abgesehen: Auch 18 Jahre später ist “Das fliegende Klassenzimmer” extrem sehenswert. Nicht nur, weil hier Frederick Lau als angehender Teenie in einer seiner ersten Rollen zu sehen ist. Ulrich Noethen spielt den verständnisvollen Chorleiter, der selbst mit seiner Vergangenheit als Chormitglied in der Jugend hadert.
Der Film ist so gut wie zeitlos. Denn er steht auch heute noch für Werte, die wichtig, richtig und gut sind. Zusammenhalt. Hilf den Schwächeren. Sei für deine Freunde da. Überlege, was wichtig für dich und dein Umfeld ist. Kämpfe für deine Ziele.
Schön, dass arte solche Filme – eigentlich ist es ja eher ein Jugendfilm – auch mal zur besten Sendezeit ausstrahlt. Er hat 18 Jahre später nichts von seinem Charme verloren.

-> Der Film in der arte-Mediathek (bis 13. September 2020)

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Eine Almhütte für zwei

Freitag, den 11. September 2020
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SA 05.09.2020 | 20.15 Uhr | Das Erste

Leonard (Tom Beck) ist Bauer auf der Alm, und wie man so uncharmant sagt: Er ist nicht sehr Helle. Lange ist er alleine in seinem Haus, aber unterstützt von seinen Nachbarn aus dem Dorf.
Als die junge, geistig behinderte Beate (Anna Draxler) mit ihren Eltern Urlaub im Dorf macht, lernen sich die beiden kennen – und ziemlich schnell, sehr schnell auch lieben. Nach der ersten Nacht ist Beate schwanger, und das Entsetzen bei den Eltern ist groß. Wie sollen denn die beiden ein Kind aufziehen? Sie wirken geistig doch selbst noch wie Kinder, sagen sie.
Und dann ist da auch noch die Heitlquelle, die bei den Nachbarn die Eurozeichen in den Augen erscheinen lassen und die Leonards Existenz kosten könnte.

“Eine Almhütte für zwei” heiß der Film, der am Sonnabend im Ersten zur besten Sendezeit gelaufen ist. Das Blödeste am Film war dabei übrigens der lapidare und ziemlich schmonzettige Titel. Was wirkt wie ein öder Heimatfilm, hat es in Wirklichkeit durchaus in sich. Denn es geht um die spannende Frage, was man geistig zurückgeblieben Erwachsenen eigentlich zutrauen kann und sollte. Für alle Beteiligten ging es darum, eventuell umzudenken und zu schauen, was machbar ist.
Tom Beck und Anna Draxler spielten das Paar auf wunderschöne Weise. Die beiden im Film waren zwar nicht sehr helle, aber liebevoll und herzensgut.

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 5. Oktober 2020)

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BalletBoyz: Young Men

Sonntag, den 9. August 2020
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DI 04.08.2020 | 2.20 Uhr (Mi.) | arte

Das sieht man auch nicht alle Tage: Es ist Krieg, und auf dem Schlachtfeld tanzen die Krieger im Gleichklang ein Ballett. Auf arte gab es in der Nacht zu Mittwoch einen Kriegsfilm – aber so ganz anders, als man das gewohnt ist. Der Titel sagt es schon: “BalletBoyz: Young Men”.

Frankreich, um 1900, auf einem Feld in irgendeinem Krieg. Männer kämpfen. Männer leiden.
Das ist im Grunde schon die, nun ja, Handlung.
Der Film soll das Schicksal dieser jungen Männer im Krieg zeigen, aber eigentlich tanzen sie nur künstlerisch. Was jetzt natürlich auch nicht so schlecht aussieht. Es handelt sich um die Tänzer der BalletBoyz, einer Tanztruppe aus London. Ihre Bühnenchoreographie „Young Men“ kann man normalerweise im Theater sehen, und vermutlich macht das alles live in einem Theater mit Blick auf eine Bühne mehr her, als ein Film, wo das alles ein bisschen gewöhnungsbedürftig wirkt.

Aber ist eben Kunst. Kriegskunst, in diesem Fall.

-> Die Sendung auf arte.tv (bis 1. November 2020)

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Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga

Samstag, den 27. Juni 2020
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FR 26.06.2020 | Netflix

Als Fan muss man da ganz tapfer sein: Erst wird der Eurovision Song Contest 2020 wegen des Coronavirus abgesagt. Und dann kommt Netflix mit einem ESC-Film daher, der gar nicht mal so gut ist.

Der kleine Lars aus Island entdeckt 1974 seine Liebe zum Eurovision Song Contest – in dem Moment, wo ABBA mit “Waterloo” auftritt. Er schwört sich und seiner Familie: Er wird dort mal auftreten.
Viel später. Lars (Will Farrell) und Sigrit (McAdams) stehen in ihrem kleinen Ort Húsavík in der Garage und machen Musik – sie wollen zum ESC, immer noch. Und der Zufall will es, dass sie tatsächlich zum isländischen Vorentscheid dürfen. Und der, nun ja, ähm, Zufall will es auch, dass sie tatsächlich zum Eurovision Song Contest reisen können.

So ganz ist eigentlich nicht klar, was dieser Film sein soll oder sein will. Eine Hommage? Eine Satire? Eine Persiflage? Was auch immer der Film sein will – er ist misslungen.
“Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga” ist am Freitag bei Netflix online und ist in Zusammenarbeit mit der EBU entstanden, die den ESC veranstaltet. Als einer der Produzenten wird auch ESC-Produzent Ja Ola Sand angegeben. Wenn also die EBU in diesem Film mit drin hängt, dann darf man ja eigentlich schon erwarten, dass der Film zumindest einigermaßen recherchiert ist.
Ist er nicht.
Nun fällt es wahrscheinlich nur Fans auf, dass es im ESC-Halbfinale gar keine Punktevergabe aus den Ländern gibt, und dass die Punktetafel, die im Film zu sehen ist, völlig sinnfrei ist, weil die meisten Ländern auf der Tafel null Punkte haben – was rein rechnerisch nicht geht. Dass Deutschland im Halbfinale dabei ist – was nie der Fall ist. Dass die Kommentatoren wie Radiosprecher wirken, weil sie kommentieren, was eh zu sehen ist. Natürlich ist das alles künstlerische Freiheit, aber dieser Film richtet sich ja augenscheinlich auch an die Fans des Spektakels, immerhin sollte der Film ja schon im Mai verfügbar sein, wenn der ESC stattgefunden hätte.
Aber auch sonst ist der Film unter der Regie von David Dobkin über weite Strecken einfach nur platt, die Gags meist bescheuert. Da nutzt es auch wenig, dass die Show-Inszenierungen recht ordentlich sind und einige der Songs ganz nett.

Beim echten ESC 2020 hätte ja übrigens Island tatsächlich eine große Chance gehabt, den Wettbewerb zu gewinnen. Und ob Will Farrell promomäßig in Rotterdam im Pausenprogramm aufgetreten wäre? Nun gut, es ist uns ja erspart geblieben. Wenn man doch noch was Gutes an der Show-Absage sehen will.

-> Der Film auf Netflix

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High in Punjab

Montag, den 1. Juni 2020
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SO 31.05.2020 | 23.00 Uhr | Zee.One

Ein junger Mann hockt sich auf den Boden, vor ihm liegen zwei tote Männer. Offenbar ermordet. Der junge Mann hat Tränen in den Augen, und er schaut – nein, er starrt – auf einen Mann gegenüber. Ist er der Mann, der die anderen Männer umgebracht hat? Dieser andere Mann jedenfalls starrt zurück, und die Kamera ist so dicht dran, dass nur noch das starrende Gesicht des Mannes zu sehen ist.
So endet der Film “High in Punjab”. Mit einem deprimierenden Augenblick, der aber vermutlich in Wirklichkeit in Bollywood ein Happy End ist.
“High in Punjab” ist ein Drama aus Indien aus dem Jahr 2016, das dort extrem erfolgreich war.

Allerdings hatte die Schlussszene des Films eine fast schon symbolische Bedeutung. Zwei Männer tot am Boden, einer, der weint, und einer, der starrt.
Es war auch die allerletzte Szene auf dem Sender Zee.One. Denn mit Filmende stellte der Sender seinen Betrieb ein.
Die toten Männer am Boden waren der sterbende Sender. Der starrende Mann war der Senderchef, der seinen Job los ist, der weinende Mann der Angestellte, der auch nichts mehr zu tun hat.
So viel Symbolik war selten – auch wenn es im Film vermutlich um was ganz anderes ging.

In der Nacht zu Pfingstmontag ist Zee.One gestorben. Und vermutlich werden es nur wenige Menschen mitbekommen haben. Denn seit dem Sendestart am 28. Juli 2016 bekam das Programm kaum Aufmerksamkeit. Mehr als 0,1 Prozent Marktanteil im Monatsdurchschnitt waren nicht drin, meistens waren es nicht messbare 0,0-Werte.
Die Verantwortlichen des Senders haben sich da mehr versprochen, und das vielleicht auch zurecht. Denn Bollywood hat weltweit Erfolg. Die Filme aus Indien haben ihre Fans. Allerdings hat vermutlich schon der Sendername Zee.One nicht gerade dazu beigetragen, die Menschen auf sich aufmerksam zu machen. Der Bollywood-Aspekt kam nie zur Geltung, und in der öffentlichen Wahrnehmung kam der Sender schlicht nie vor.

Die Coronakrise und die sinkenden Werbeeinnahmen bereiteten Zee.One das ganz schnelle Ende. Noch am Sonnabend lief bei Zee.One ein Programmtrailer für ein Film am 8. Juni. Aber vermutlich die die Coronakrise nur beschleunigt, was sowieso nicht zu retten war.

-> Der Film in der Bolly.Thek

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Berlin Berlin – Der Kinofilm

Freitag, den 22. Mai 2020
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DO 21.05.2020 | Netflix

“Berlin Berlin – Der Kinofilm” ist nun doch kein Kinofilm. Das Film-Comeback der ARD-Serie, die von 2002 bis 2005 lief, musste ausfallen. Wegen des Coronavirus sind Mitte März die Kinos geschlossen worden, der Kinostart war somit erst mal hinfällig. Nun wird der Film stattdessen bei Netflix ausgestrahlt.
Ein Gutes hat das Ganze ja: Ich muss mich jetzt nicht darüber ärgern, viel Geld für diesen Film ausgegeben zu haben. Und dem Film bleibt erspart, auf der Liste der Flops des Jahres zu erscheinen.

Lolle (Felicitas Woll) will heiraten. Doch als sie mit Hart (Matthias Klimsa) vor dem Traualter steht, taucht plötzlich ihr Ex Sven (Jan Sosniok) wieder auf. Sie ergreift die Flucht, rastet total aus – und landet am Ende vor Gericht. Sie muss 40 Sozialstunden ableisten. Dort, an einer Schule, Dana (Janina Uhse) kennen, und nach einer durchzechten Nacht sind sie plötzlich im Harz. Der Rückweg nach Berlin wird eine aufregende Reise.

Also, was man aufregend nennt. Mal abgesehen davon, dass Logik für die Drehbuchschreiber vermutlich nicht zum wichtigsten Punkt gehörte, der für sie zu beachten war. Der Film wirkt wie eine lose Ansammlung von bedingt lustigen Comedyszenen. Einige Szenen sind erschreckend schlecht gespielt und wirken wie in einer Vorabendserie (ups!), für die das Budget eher klein gehalten wird und wo man nicht gelungene Szenen aus Zeitgründen nicht noch mal drehen kann. Wer die Serie von damals nicht kennt, für den wird dieser Filmaufguss 15 Jahre danach schlicht egal sein. Aber auch für Fans hat er – abgesehen vom Wiedersehen mit damals beliebten Rollen – erstaunlich wenig zu bieten. So dauert dieser Film auch nur 80 Minuten. Mehr musste es auch wirklich nicht sein.
Im Kino wäre das vermutlich 1/10 Punkten.

-> Trailer und Film auf Netflix

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Lang lebe die Königin

Freitag, den 1. Mai 2020
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MI 29.04.2020 | 20.35 Uhr | Das Erste

Rose stirbt. Sie liegt in ihrem Klinikbett. Und dann liegt sie da, im ihren Sarg, und ihre Tochter Nina malt der Toten noch die Fußnägel schwarz.
Hannelore Elsner hat diese bedrückenden Szenen im März 2019 gespielt. Und sie sind noch bedrückender, wenn man weiß, dass es nicht nur die letzten Szenen waren, die sie für den Film gedreht hat. Sondern auch die letzten, die sie überhaupt gedreht hat.
Danach meldete sich krank. Tage danach wurde dem Team mitgeteilt, dass sie nicht ans Set zuückkehren könne. Weitere Tage danach ist sie gestorben.
Eine große Schauspieler hat die Bühne verlassen.

Der Film “Lang lebe die Königin” war allerdings mit dem Dreh der Todesszenen nicht abgedreht. Es fehlten noch fünf weitere Szenen, die Hannelore Elsner noch hätte drehen müssen.
Das Team entschied: Wir wollen weiterdrehen. Fünf Schauspielerinnen spielten als Hommage an ihre verstorbene Kollegin je eine der Szenen.
Und wer das nicht wusste, fragte sich, wieso Gisela Schneeberger plötzlich als Ehefrau und Mutter angesprochen worden ist, wo doch gerade noch Hannelore Elsner zu sehen war.
So passierte es während des Films immer wieder, dass die Rolle plötzlich neu besetzt war. Mit dabei waren auch Hannelore Hoger, Iris Berben, Judy Winter und Eva Mattes.

Diese Hommage macht diesen Film – der ansonsten dann doch ziemlich herkömmlich ist – zu etwas Besonderem.

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 29. Juli 2020)

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