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9 Tage wach

Donnerstag, den 19. März 2020
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SO 15.03.2020 | 20.15 Uhr | ProSieben

Ohne seine Drogen geht nichts mehr. Schon mit 14 hat Eric (Jannik Schümann) begonnen, Crystal Meth zu konsumieren. Er lebt bei seiner Mutter (Heike Makatsch) und seinem Stiefvater (Benno Fürmann) in einer sächsischen Kleinstadt. Er tanzt in den Clubs, ganze Nächte lang. Und irgendwann steht er vor Gericht, nachdem er geklaut hat und gewalttätig wurde. Das ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als er auf einer Schauspielschule angenommen wird. Er ist auf Bewährung frei, aber seine Drogensucht macht ihm sowohl mit seiner Freundin (Peri Baumeister) als auch auf der Schule immer mehr Schwierigkeiten. Er hat sich kaum noch im Griff.

Es geht bei “9 Tage wach” gar nicht mal darum, dass man gespannt ist, was kommt. Irgendwie weiß man, was kommt, wenn einen die Drogen im Griff haben. Aber dieser dramatische Film von Damian John Harper zeigt durchaus deutlich, was passiert, wenn man sich dermaßen abschießt. Eric wird aggressiv, sein Leben droht aus den Fugen zu geraten. Probleme zu Hause, Probleme auf der Schauspielschule, Probleme in seiner Beziehung.
Wie Jannik Schümann diesen von der Sucht durchfressenen jungen Mann spielt, ist fesselnd. Denn der Film ist relativ schonungslos – ob ein ein Happy End gibt, bleibt unklar.
“9 Tage wach” ist die filmische Umsetzung des Buches von Eric Steinfest. Der Schauspieler (“Gute Zeiten, schlechte Zeiten”) litt tatsächlich jahrelang unter seiner Drogensucht, und dieses Buch war gewissermaßen seine Lebensbeichte.

-> Der Film bei Joyn

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Isi & Ossi

Montag, den 17. Februar 2020
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SO 16.02.2020 | Netflix

Mal kurz in eigener Sache: Seit langer Zeit ist mein Lieblings-Burger-King in Berlin-Pankow an der Prenzlauer Promenade dicht. Zwischenzeitlich sah es so aus, als ob eine kleine Kette den Laden übernimmt. Wie sich aber rausstellte, handelte es sich um Dreharbeiten, wofür das Gebäude kurzzeitig wieder in einen Burgerladen verwandelt worden ist. Nämlich für den Film “Isi & Ossi”. Der spielt zwar eigentlich in Mannheim und Heidelberg – für den Burgerladen unternimmt der Zuschauer aber eine Undercover-Reise nach Berlin.
“Isi & Ossi” ist übrigens der erste offizielle deutsche Netflix-Film.

Isi (Lisa Vicari) kommt aus einem reichen Haus in Heidelberg. Ossi, eigentlich Oskar (Dennis Mojen) lebt mit seiner fast mittellosen Mutter in Mannheim, stammt aber ursprünglich aus Brandenburg.
Isi will von ihren Eltern weg, so ganz rebellisch, und fängt in Berlin in einer schäbigen Burgerbude an. Dort lernt sie Ossi kennen. Der will Boxer werden. Sie macht ihm den Vorschlag, so zu tun, als wären sie ein Paar – um ihre Eltern zu ärgern. Er will dafür 25.000 Euro. Aber natürlich kommt dann auch irgendwie die Liebe ins Spiel.

Um es kurz zu machen: “Isi & Ossi” ist nicht gut. Das liegt an der gewollt krassen Geschichte, die aber viel zu oft aufgesetzt wirkt. Da ist der Opa, der peinlicher Nazisprüche ablässt, was aber weder ernsthaft noch satirisch, sondern vor allem albern wirkt. In der Burgerbude von Isi arbeiten lauter dösige Menschen, und man kann sich das Schauspiel gar nicht ansehen, weil es so bescheuert, ohne lustig zu sein, ist.
Hauptproblem aber ist, dass man sich weder mit Isi noch mit Ossi irgendwie identifizieren kann. Irgendwie mochte ich sie nicht, und irgendwie mochte ich so richtig niemanden in diesem Film. Weil sie alle merkwürdige Dinge tun, und der Witz, wenn es ihn denn gibt, auf der Strecke bleibt.
Auch nicht gelungen ist dem Film, die Grenze zwischen Arm und Reich darzustellen – das Thema wird irgendwie oberflächlich angeschnitten, auf merkwürdig lachhafte Weise, die aber ebenfalls nicht zündet und schon gar keine Gesellschaftskritik ist.
Am Ende ist der Film eine Mischung aus lauer Liebeskomödie, öder Klamotte und manchmal seltsam billig wirkenden TV-Trash.

-> Trailer auf Youtube

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Weil du mir gehörst

Freitag, den 14. Februar 2020
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MI 12.02.2020 | 20.15 Uhr | Das Erste

Scheidung. Streit. Und wer denkt an das Kind?
Es gibt Fälle, das stellt sich genau diese Frage. Der Film “Weil du mir gehörst” zeigte am Mittwochabend im Ersten einen besonders erschütternden Fall, der einen als Zuschauer ratlos zurückließ.
Schon der Satz: “Weil du mir gehörst.” Der sitzt. Weil: Ums Kind scheint es gar nicht wirklich zu gehen.

Julia (Julia Koschitz) und Tom (Felix Klare) haben sich scheiden lassen. Beide haben sie das Sorgerecht für die kleine Anni (Lisa M. Trense).
Aber Julia möchte nicht mehr, dass Anni Kontakt zu ihrem Vater hat. Erst sorgt sie sich, weil sie eine Wunde am Art hat, sie war vorher auf dem Spielplatz gestürzt.
Irgendwann fängt Julia an, Spielchen zu spielen. Papa hat dich versetzt, heißt es dann. Obwohl Tom gar nichts davon weiß. Julia verleumdet Tom, sie lügt, später zieht sie mit Anni um, ohne dass Tom davon weiß. Sie will Anni kihm entziehen, mit allen Mitteln.

Dass Mütter das Kind dem Vater vorenthalten wollen, ist kein Einzelfall. Es wird nur wenig darüber gesprochen. Und als Zuschauer muss man hilflos, ohnmächtig zusehen, wie Julia ihre Tochter auf fiese Weise manipuliert und belügt. Anni glaubt ihrer Mutter. Immer wieder versucht sie, ihren Papa anzurufen. Anni weiß nicht, dass sie gar nicht mehr die Nummer des Vaters hat und stattdessen auf die Mailbox eines Handys spricht, das auch ihrer Mutter gehört. Perfide ist das! Und tatsächlich schafft Julia es, dass Anni für ihren Vater Hass empfindet – und Worte für ihren Vater findet, die für ein Kind ungewöhnlich erwachsen klingen. Tom ist machtlos, er kann nicht wirklich was tun.
Und so entlässt der Film die Zuschauer auch in völliger Ungewissheit.

Leider ist die anschließende Diskussion nicht im Fernsehen gelaufen – weder im Ersten, noch im Dritten des SWR, von dem der Film stammt, oder auf one -, sondern nur in der Mediathek. Dafür hätte durchaus mal Platz geschaffen werden können.
Dort monierte eine Expertin, dass der Film sehr einseitig gewesen sei, nur die Mutter als die Böse dargestellt worden sei. Damit hatte sie zwar recht. Aber der Film wollte ja mal genau so eine Situation zeigen, und er ist nicht dazu da, die Problematik als gleichberechtigten Rundumschlag darzustellen. Ein Vater, der auch in der Runde saß, brachte es auf den Punkt: Er habe es genauso erlebt.

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 12. Mai 2020)
-> Die Diskussion zum Film in der ARD-Mediathek

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RTelenovela

Neu im Programm: Parasite

Mittwoch, den 12. Februar 2020
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Ich muss ja zugeben, dass ich am Montagmorgen ziemlich perplex war: “Parasite” aus Korea hat bei den Oscars abgeräumt. Dass sich dieser Film gegen Meisterwerke wie “1917”, “Jojo Rabbit” oder “Marriage Story” durchsetzen konnte, hat mich sehr verwundert.
Aber zu meiner kleinen Tradition gehört es, wenn möglich, am Abend den Oscar-Gewinner im Kino zu sehen, falls ich das noch nicht getan habe. Und “Parasite” hat mich bislang irgendwie nicht so interessiert.

Ich schaute also nach, wann und wo der Film zu sehen sein wird. Am Sonnabend war ich im “Filmkunst 66”. Dort lief “Parasite” im kleinen Saal und war lange vor Filmbeginn ausverkauft. Auch das hatte mich schon gewundert. Im großen Saal lief “Das Vorspiel”, und da war es lange nicht so voll.

Im Cinemaxx am Potsdamer Platz sollte er um 19.45 Uhr in einem der kleinen Säle laufen. Eine gute Zeit. Doch als ich am Ticket-Automaten stand: der Schock. Der Film war nicht gelistet. Sollte er etwa ausfallen. Auf der großen Anzeigewand war der Film plötzlich für 22.15 Uhr angekündigt.
Na toll. So lange warten?
Ich ging also zum Verkaufstresen, der zum Glück am späten Nachmittag ganz leer war. Die Frau an der Kasse musste sich auch erst mal telefonisch erkundigen, wie denn das nun mit “Parasite” ist. Die Antwort: Programmänderung. Der Film zog in einen großen Saal, da aber erst 20.15 Uhr.
Das nenne ich mal eine sinnvolle Programmänderung, denn tatsächlich war der Film gut besucht. Der kleine Saal hätte da sicherlich nicht ausgereicht.

Wir ich den Film fand, steht demnächst im Kinobereich des Blogs.

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Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding

Montag, den 10. Februar 2020
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FR 07.02.2020 | 3.55 Uhr (Sa.) | Tele 5

3.55 Uhr. Das ist ja wirklich eine miese Startzeit. In der Nacht zum Sonnabend zeigte Tele 5 um kurz vor vier in der Nacht die deutsche Komödie “Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding”.
Ein Ganove muss für einen anderen Ganoven Geld beschaffen.

Verpasst? Keine Sorge. Tele 5 zeigt den Film am nächsten Freitag noch mal, dann um 2.15 Uhr. Und am Freitag danach noch mal. Dann sogar schon um 0.05 Uhr. Und am Freitag danach noch mal. Dann um 0.40 Uhr.
Wie auch vom Freitag der vergangenen Woche, und auch am Freitag in der Woche davor. Und in der Woche davor auch. Und…

Zuschauer von Tele 5 haben seit einem halben Jahr ein Déjà-vu. Denn seit Ende August 2019 läuft “Bang Boom Bang” jeden Freitag. Inzwischen also gute 25-mal. Und ein Ende ist nicht abzusehen.
Dabei geht es nicht um die Frage, ob die Leute von Tele 5 die Zuschauer für bescheuert halten. Es handelt sich um eine Jubiläumsaktion. Im August 2019 wurde der Film 20 Jahre, und deshalb sendet Tele 5 ihn ein Jahr lang (!) jeden (!!) Freitag (!!!) am späten Abend oder in der Nacht.

So was muss man sich auch erst mal trauen. Aber die bei Tele 5 machen das einfach.
Es ist also noch ein bisschen Zeit, falls du den Film noch sehen möchtest. Bis August immer am Freitag.

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Verbotene Liebe

Montag, den 10. Februar 2020
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FR 07.02.2020 | 22.30 Uhr | rbb

Der Titel “Verbotene Liebe” ist seit der ARD-Seifenoper ein wenig verbraucht. Dabei steckt hinter diesem Titel auch ein sehr sehenswerter und kontroverser Film aus der Endzeit der DDR.
Denn bei dieser verbotenen Liebe geht es um ein wirklich ernstes Thema, das auf sehr interessante Weise umgesetzt worden ist. Er wurde 1989 von der Defa gedreht und hatte nach dem Mauerfall im April 1990 Premiere.
Am Freitagabend lief er im rbb in der “Retro”-Reihe.

Georg (Hans-Peter Dahm) ist 16, Barbara (Julia Brendler) ist 12. Sie sind Nachbarn, und sie verlieben sich ineinander. Ja, es ist Liebe. Aber sie ist verboten, denn Barbara ist nach dem Gesetz ein Kind. Und als Georg 18 ist, wird er von Barbaras Vater angezeigt. Es kommt zum Prozess – und zur Belastungsprobe für die Menschen im Dorf, in der Kleinstadt, an der Schule. Hält man zu Georg? Ist die Liebe wirklich auch moralisch verboten, wenn sie von beiden Seiten kommt? Kann man wirklich sagen, dass Georg Barbara missbraucht hat?

“Verbotene Liebe” gehört zu den ganz starken Filmen aus der DDR. Eindringliche Bilder, großartige Schauspieler, untermalt mit einer unter die Haut gehenden Musik. Dazu geschliffene Dialog, es gibt Momente, da hängt man den Schauspielern an den Lippen.
Und: Der Film wertet nicht. Das Urteil ist dem Zuschauer überlassen. Er soll sich selbst Gedanken machen, ob es in Ordnung ist, dass Georg und Barbara sich lieben. Wir hören beide Seiten, Zustimmung und Ablehnung. Es wird sehr deutlich, dass dieser Fall kein einfacher ist. Es gibt kein Gut und Böse.

-> Trailer auf Youtube

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Le Jeu – Nichts zu verbergen

Donnerstag, den 9. Januar 2020
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MO 06.01.2020 | Netflix

(mit Spoiler!)

Vier Männer und drei Frauen und ein Spiel: Einen Abend lang werden die Handys auf den Tisch gelegt, und jede ankommende Nachricht muss vorgelesen werden, jedes ankommende Foto gezeigt, jedes Gespräch mit Lautsprecher geführt werden. Klar, dass an diesem Abend so manches Geheimnis offengelegt wird.
Der deutsche Film “Das perfekte Geheimnis”, u.a. mit Elyas M’Barek, Frederick Lau und Karoline Herfurth, war ein großer Erfolg in den Kinos.

Der Stoff ist allerdings nicht neu, er ist sogar schon mehrfach verfilmt worden. „Perfect Strangers“ heißt der Kinohit aus Italien aus dem Jahr 2016. Es folgten mehrere Remake in Europa.
Bei Netflix ist die 2018er-Variante “Le Jeu – Nichts zu verbergen” aus Frankreich zu sehen. Wer sich die ansieht, nachdem er die deutsche Version im Kino angeschaut hat, wird überrascht sein. Denn sie endet ganz anders als die deutsche Variante. Oder besser gesagt: Fast alle anderen Versionen haben ein anderes Ende als die deutsche von Bora Dagtekin.

Allerdings muss man sagen: Das Ende der deutschen Version hat mehr Charme. In “Nichts zu verbergen” kommt am Ende heraus, dass die Aktion gar nicht stattgefunden hat, dass sie alle gleich zu Beginn dagegen entschieden haben, das alles durchzuziehen. Der Zuschauer weiß aber: Was gezeigt wurde, stimmt. Alle behalten ihre schmutzigen, lustigen, tragischen oder auch nur kleinen Geheimnisse.
In “Das perfekte Geheimnis” war alles echt, am Ende haben sich alle gezofft, alle sind sie sauer aufeinander, es kommt raus, dass Geheimnisse unaufgedeckt blieben, aber schließlich vertragen sich die Jungs. Man kann das nach diesem tiefgehenden Streit als weit hergeholt finden, als rosarot gefärbt – aber ich finde das sehr positiv. Die Botschaft ist: Freunde können vergeben, sich helfen, einander beistehen.
Das Ende der französischen Version erscheint dagegen enttäuschend: Weil man als Zuschauer die ganze Zeit verarscht worden ist. Weil es doch irgendwie traurig ist, dass einige der Geheimnisse nicht ans Licht kamen, weil sie alle mit einem wahrscheinlich ähnlich schlechten Gefühl nach Hause gehen – oder ist es nur unser mieses Gefühl, diese Geheimnisse zu kennen?

An vielen Stellen wird Kritik geübt, dass die deutsche Fassung ein komplett anderes Ende hat als das Original und viele der anderen Remakes. Bora Dagtekins Entscheidung jedoch ist nachvollziehbar und führt die Handlung viel geradliniger zu Ende.

-> Der Film auf Netflix (mit Abo)

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