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Käthe und ich: Dornröschen

Samstag, den 2. November 2019
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FR 01.11.2019 | 20.15 Uhr | Das Erste

Der Freitagabend im Ersten steht seit langem für den kitschigen Einstieg ins Wochenende. Doch das ist schon seit längerem kaum noch der Fall.
Die neue Reihe “Käthe und ich”, die am Freitag anlief, zeigte, dass Drama auch ohne Kitsch geht.

Käthe ist ein Hund. Genauer: eine Therapiehündin. Sie ist mit dem Psychologen Paul (Christoph Schechinger) unterwegs, und sie liebt ihr Herrchen. In der ersten Folge kümmerten sie sich um eine Komapatientin. Nach fünf Jahren ist sie erwacht. Ihr Mann hat inzwischen eine neue Frau, und die beiden wollen verhindern, dass die Tochter die wieder aufgewachte Mutter sieht. Christoph kümmert sich um diesen Fall, und bald kommt heraus, dass Christoph privat gerade einen ähnlichen Fall erlebt.

“Käthe und ich: Dornröschen” schafft, was das Nebenbeimedium Fernsehen nur selten schafft: Aus dem Nebenbei wurde sehr bald ein Film, der meine volle Aufmerksamkeit bekam. Nicht nur, dass der Hund Käthe ein wirklich herziges Tier ist, das ganz niedlich spielt (oder entsprechend dressiert worden ist), die Story war packend. Denn es ging um die Frage, ob das Leben der anderen weitergehen kann, wenn jemand im Koma liegt. Habe ich eine moralische Verpflichtung, zu “warten”? Zu verzichten? Und wie kann man Kinder mit so einer Sache konfrontieren?
Der Paukenschlag am Schluss sorgte dann noch für den besonderen Schauer – und hoffentlich geht es in Folge 2 so weiter.

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 1. Mai 2020)

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Die Ungewollten – Die Irrfahrt der St. Louis

Donnerstag, den 24. Oktober 2019
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MO 21.10.2019 | 20.15 Uhr | Das Erste

Die Meldungen hören wir in dieser Zeit immer wieder. Schiffe mit aufgenommenen Flüchtlingen an Bord dürfen keinen Hafen anlaufen, weil die Regierungen der entsprechenden Länder das verbieten.
Das ist kein neues Phänomen. 1939 gab es das schon mal.
Das Erste zeigte am Montagabend das Dokudrama “Die Ungewollten – Die Irrfahrt der St. Louis”.

Im Mai 1939 verlässt das Schiff “St. Louis” den Hamburger Hafen. An Bord sind 907 jüdische Flüchtlinge. Sie sollen nach Kuba gebracht werden. Doch als das Schif Havanna erreicht, wird bekannt, dass Kuba die Einreisepapiere für ungültig erklärt.
An Bord herrscht Frust. Und Wut auch. Und Angst. Das Schiff soll zurück nach Deutschland, aber in Deutschland haben die Nazis die Macht. Die Menschen an Bord haben dort alle Zelte abgebrochen, und sie müssen damit rechnen, ins KZ zu kommen.
Kapitän Gustav Schröder (Ulrich Noethen) erfährt auch erst in Havanna, dass auch er getäuscht worden ist. Er kämpft für seine Passagiere. Doch auch die USA und Kanada sagen ab. Schließlich geht es doch zurück nach Europa.

Dass Gustav Schröder in Deutschland weitgehend unbekannt ist, ist durchaus bemerkenswert. In der jüdischen Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem wird ihm seit 1993 gedankt.

Erstaunlich sind die Parallelen zu heute, und das 80 Jahre später. Auch wenn der Film selbst auf diese Parallelen nicht eingeht. Aber auch heute wollen viele Länder keine Flüchtlinge aufnehmen. Aus Angst vor Fremden, aus Angst, es gebe zu wenige Arbeitsplätze, auch aus rassistischen Gründen. Genau das erleben wir heute auch wieder, Flüchtlinge sind auf dem Mittelmeer, und es ist unklar, wo sie hinsollen. Das war damals beschämend, und das ist es heute auch wieder.

-> Das Dokudrama in der ARD-Mediathek (bis 20. November 2019)

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Grüne Hochzeit

Freitag, den 20. September 2019
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MO 16.09.2019 | 23.05 Uhr | mdr-Fernsehen

Susanne und Robert verlieben sich, sie werden ein Paar. Als sie schwanger ist, beschließen sie, zu heiraten. Das ist nicht ganz einfach, denn Robert ist 18, Susanne ist 17. Aber sie können sich durchsetzen, und sie heiraten tatsächlich. Sie richten sich eine Wohnung ein, es ist die große Liebe. Es sind Zwillinge. Erst ist Robert geschockt, dann beginnt das Paar, sich um die Kleinen zu kümmern. Das ist nicht immer einfach, oft zermürbend. Und irgendwann geht es los: Susanne und Robert zoffen sich, sie haben sich nur noch wenig zu sagen, und Robert lernt eines Tages eine andere kennen. Ist die junge Ehe noch zu retten?

Der mdr zeigte am Montagabend “Grüne Hochzeit”, gedreht 1988 in der DDR, im Mai 1989 hatte er seine Premiere im Kino. “Grüne Hochzeit” gehört auch 30 Jahre danach noch immer zu den sehr sehenswerten DDR-Spielfilmen.
Ziemlich ideologiefrei und erstaunlich offen erzählt der Film die Geschichte eines Paares. Davon, wie sie kämpfen müssen. Wie sie mit ihren beiden Kindern erstaunlich alleine gelassen werden. Es geht um Schwarzarbeit, wie sie in der DDR immer wieder üblich war, aber eher selten in Filmen thematisiert worden ist. Und ums Fremdgehen und um Freiheit, wobei man sich als Zuschauer nie sicher ist, auf wessen Seite man eigentlich stehen soll.

Anja Kling spielte Susanne, und heute weiß man, dass sie bis heute eine vielbeschäftigte Schauspielerin ist. Marc Lubosch spielte Robert, er ist heute nicht mehr als Schauspieler tätig. Das fällt übrigens oft auf in DDR-Filmen – dass junge Leute auf tolle Weise eine Hauptrolle verkörpert haben, später aber nie mehr im Film auftauchten. Lubosch spielte wohl ab und zu noch kleinere Sachen, arbeitet jetzt aber hinter den Kulissen.

“Grüne Hochzeit” ist 31 Jahre alt, aber eigentlich ist er immer noch aktuell. Sehenswert ist er, weil er auch 2019 noch erstaunlich modern wirkt.

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Play

Donnerstag, den 12. September 2019
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MI 11.09.2019 | 20.15 Uhr | Das Erste

Computerspielsucht – das ist ein wichtiges Thema, das durch die virtuellen Welten, in die man heutzutage eintauchen kann, noch mal eine ganz neue Bedeutung bekommen hat.
Deshalb ist es auch durchaus richtig, dass sich die öffentlich-rechtliche ARD mit diesem Thema befasst. Und dass der Film dazu sogar in der Primetime läuft – auch wenn es vermutlich schwierig ist, diese richtige Zielgruppe dafür zu finden.

In “Play” ging es am Mittwochabend um Jennifer (Emma Badling), die sowieso schon psychisch angeschlagen virtuelle Computerspiele für sich entdeckt. Sie taucht in diese Welten ab, spielt stundenlang. Alles andere funktioniert dafür nicht mehr. In der Schule läuft es mies, sie schläft kaum, hat Zoff mit ihren Eltern. Immerhin lernt sie in der virtuellen Welt einen Jungen kennen – der sie dann auch real treffen will.

Besonders Emma Badling spielt toll. Das macht den Film aber leider nicht spannender. Womit wir bei den Zielgruppen wären. Computerspieler finden es sicher ganz dufte, wie sie von der alten Tante ARD gezeigt bekommen, wie schlimm das doch alles ist. Das wollen die Jugendlichen bestimmt unbedingt sehen. Zumal die Story, um sie irgendwie aufregender zu machen, maßlos auf die Spitze getrieben worden ist. Das Mädchen wird immer labiler, rennt irgendwann weg, und es kommt zum Showdown.
Andererseits gibt es den Generationskonflikt, dass sich die Älteren – und gehöre ich da etwa auch schon dazu? – nicht für solche technischen Spielereien interessieren. Für die wird “Play” eher ein großes böhmisches Dorf gewesen sein.

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Verleugnung

Mittwoch, den 11. September 2019
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DI 10.09.2019 | 22.45 Uhr | Das Erste

Den Holocaust hat es nie gegeben? In Auschwitz starben gar nicht so viele Juden, wenn da überhaupt Juden starben? Es waren nur Arbeitslager? Der selbsternannte Historiker David Irving (Timothy Spall) behauptet das, und die US-Holocaust-Forscherin Deborah Lipstadt (Rachel Weisz) sagt, er sei ein Geschichtsfälscher. Irving geht in London vor Gericht, wo die Beweislast beim Beklagten liegt. Heißt: Sie und ihre Anwälte müssen den Holocaust beweisen.

Es ist ein sehr emotionaler Film, der am späten Dienstagabend im Ersten lief. “Verleumdung” handelt von einem Holocaust-Leugner, der von seiner Lüge nicht abweichen will. Und von Anwälten, die das Bewiesene beweisen müssen.
Das ist spannend, obwohl das Ende eigentlich klar sein muss.

Mit dem Film endete das “ARD-Sommerkino 2019”, aber dass “Verleugnung” nur in der späten Schiene am Dienstagabend läuft, ist schade. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hätte gut daran getan, diesen wichtigen Film zur Hauptsendezeit zu bringen.
Da jedoch lief am Montagabend im Sommerkino der Film “Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner”. Das klingt nicht nur belanglos, diese Beziehungskomödie war nicht nur belanglos, sondern auch noch überaus langweilig. Der hätte gut und gerne um 22.45 Uhr laufen können.
Herzschmerz vor Relevanz – die ARD sollte die Prioritäten andersrum setzen.

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KeineWochenShow

#138 – Einmal Grönland, bitte!

Sonntag, den 25. August 2019
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Auch diesmal gibt es eine etwas andere KeineWochenShow. Wir haben die Sendung am frühen Mittwochabend im Auto auf dem Weg von Oranienburg nach Kremmen aufgezeichnet. Wir waren auf dem Weg zu einer Inforadio-Talkshow im Kremmener Scheunenviertel. In den letzten Minuten sind wir dann auch dort vor Ort, und Moderator Dietmar Ringel hat einen kleinen spontanen Auftritt in unserer Sendung.

Diesmal geht es um die Tagesschau, von der einige fordern, die Produktion nach Leipzig zu verlegen. Außerdem sprechen wir über den Auftritt von Luke Mockridge im “ZDF-Fernsehgarten” und über Tarantinos neuen Film “Once upon a Time… in Hollywood”, der leider ziemlich und seltsam langweilig ist.
Trump kommt auch wieder vor, auch bahnfahrende Soldaten und noch vieles mehr – in KeineWochenShow #138 auf Youtube.

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Kidnapping Stella

Dienstag, den 23. Juli 2019
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MO 22.07.2019 | Netflix

Heutzutage weiß man nicht mehr so genau, ob es ein gutes Zeichen ist, wenn ein Film nicht im Kino startet und stattdessen gleich ins Fernsehen wandert.
Denn “Kidnapping Stella” sollte eigentlich im Mai einen Kinostart haben, der wurde dann jedoch gestrichen. Nun ist der Thriller bei Netflix zu sehen.
War der Film zu schlecht fürs Kino? Hat man geglaubt, dass er dort untergehen würde? Denn andererseits wird ein Start auf Netflix inzwischen auch schon stark beachtet, auch wenn er eventuell nicht so viele Zuschauer haben wird, wie ein erfolgreicher Kinofilm.

Stella (Jella Haase) wird von zwei jungen Männern von offener Straße gekidnappt. Sie wollen Lösegeld von ihrem reichen Vater und fesseln Stella auf einem Bett.
Während Vic (Clemens Schick) mit dem Vater Kontakt aufnimmt, kommt es jedoch zu einer Rangelei. Stella erkennt im zweiten Kidnapper ihren Ex-Freund Tom (Max von der Groeben).
Tom wird mehr und mehr unsicher. Soll er diesen Wahnsinn wirklich durchziehen?

“Kidnapping Stella” spielt sich tatsächlich nur zwischen den drei Menschen ab. So richtig Spannung will anfangs aber nicht aufkommen. Eine Entführung und die üblichen Verhandlungen. Interessanter wird es eigentlich erst, als es die Wendung gibt, dass Stella Tom erkennt und er ins Schleudern kommt. Im Folgenden hat der Film einige gute Momente – wenn er auch keine Thriller-Sternstunde ist. Dazu ist er dann doch zu herkömmlich und zu wenig originell.
Spannend an diesem Film sind die Darsteller. Denn Max von der Groeben kann sich endlich von seinem “Fack ju Göhte”-Image des ziemlich dümmlichen Typen befreien. In diesem Thriller spielt er ernsthaft und recht überzeugend. Ebenso Jella Haase, die sich ebenfalls mal von der dramatischen Seite zeigen kann.

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