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Neues aus der Welt

Dienstag, den 16. Februar 2021
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SA 13.02.2021 | Netflix

Tom Hanks gibt den Claus Kleber. So wie heutzutage Claus Kleber jeden Tag die Nachrichten überbringt und erklärt, macht das auch Tom Hanks in seinem neuen Film. Nur 150 Jahre zuvor.

Im Jahre 1870 ist der Wilde Westen der USA wirklich noch sehr wild. Jefferson Kyle Kidd (Tom Hanks) reist von Ort zu Ort und verliest Nachrichten. Er hat die aktuellen Zeitungen dabei und sucht sich die Meldungen raus, die die Leute interessieren könnten und liest sie ihnen vor. Wie eine große Nachrichtenshow, zu der die Leute angeströmt kommen.
Auf einer dieser Reisen trifft er mitten im Nirgendwo ein kleines Mädchen. Er versteht sie nicht, sie versteht ihn nicht. Aber in ihren Unterlagen steht, dass sie Johanna (Helena Zengel) heißt. Ihre Eltern sind tot, sie lebte stattdessen mehrere Jahre bei den Kiowa. Nun soll sie zu ihrer Tante nach San Antonio. Eigentlich kann Jefferson mit Kindern nichts anfangen – aber dann kümmert er sich doch um das Mädchen, und es beginnt ein Roadtrip und gefährliche Gegenden und dreckige Städte.

“Neues aus der Welt” sollte eigentlich im Kino laufen, und das wäre auch der Ort, wo dieser Film als erstes hingehört hätte. Nun ist er auf Netflix gestartet.
Regisseur Paul Greengrass nimmt den Zuschauer mit auf eine abenteuerliche und beschwerliche Reise. Denn es sind nicht nur die Sprachhindernisse, die Johanna und ihr Begleiter überwinden müssen. Es lauern auch größere Gefahren. Spannend sind so einige Parallelen zum Leben 150 Jahre danach. Kidd ist Nachrichtenüberbringer, und manchmal muss er das Leuten klarmachen, wenn er Nachrichten überbringt, die ihnen nicht gefallen – er ist nur der Überbringer. Andererseits fasst Kidd irgendwann den Mut und mischt sich durch die Auswahl der Nachrichten dann doch ins Geschehen ein. Auch werden Themen wie Rassismus und Emanzipation angesprochen, die 1870 noch ganz andere Stellenwerte (also, keine) hatten.
Der Film bietet hochgradig spannende Momente, er fasziniert und er rührt auch. Dafür sorgen vor allem die beiden Hauptdarsteller. Tom Hanks spielt den Mann, der sich mehr und mehr seiner Verantwortung bewusst wird. Und Helena Zengel (“Systemsprenger”) aus Deutschland könnte mit diesem Werk ihren internationalen Durchbruch feiern. Denn ihre Mimik, ihre Gesten spielt sie ganz hervorragend. Nicht umsonst ist sie dafür für den Golden Globe nominiert.

-> Trailer und Film auf Netflix

Hits: 161

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Für immer Sommer 90

Freitag, den 8. Januar 2021
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MI 06.01.2021 | 20.20 Uhr | Das Erste

Seit der Wende hat Andy Brettschneider (Charly Hübner) Karriere gemacht. Er ist Investmentbanker in der Frankfurter Finanzwelt. Ihm geht es finanziell richtig gut, er ist alleinstehend, so steht also auch dem nächsten Karrieresprung nichts im Weg.
Bis dieser Brief kommt. Anonym verfasst. In diesem Schreiben wird ihm vorgeworfen, im Sommer 1990 bei einer Party eine junge Frau vergewaltigt zu haben.
Andy weiß: Es geht um eine Sommerparty unter Freunden, im Jahr der Wiedervereinigung, in der Zeit der Fußball-WM. Er weiß auch: Er hatte dort in den Büschen Sex. Aber eine Vergewaltigung?
Er setzt sich ins Auto und reist quer durch Deutschland, um seine Freunde von damals zu besuchen. Freunde, die er jetzt 30 Jahre nicht gesehen hat.

“Für immer Sommer 90” heißt der Film von Lars Jessen. Das Besondere: Zwar gab es ein Drehbuch. Das gab aber nur die grobe Geschichte wider. Ansonsten ist improvisiert worden. Dass das funktioniert liegt an so wunderbaren Schauspielerin wie Charly Hübner, Lisa Maria Potthoff, Walfriede Schmitt und anderen.
Genau 30 Jahre nach der eigentlich so lockeren Party, im Sommer 2020, macht sich Andy auf den Weg in seine Vergangenheit. Von allen, die er besucht, muss er sich anhören lassen: Wo warst du die ganze Zeit? Warum hast du dich nie gemeldet? Was haben wir dir angetan?
Höhe- oder Tiefpunkt(!) ist der Besuch bei seinem besten Freund, wo sich die Gegensätze besonders zeigen. Der eine war lange in Bundeswehr-Auslandseinsätzen und ist nun seelisch am Ende – und der andere, der ihn im Stich gelassen hat.
Besonders das letzte Viertel ist packend, weil es zwischen den beiden ehemaligen Freunden auf eine bedrohliche Art knistert, es brodelt regelrecht im Inneren.
Interessant ist zudem, dass der Film, ohne es besonders zu thematisieren, in diesem Sommer 2020 die Coronaregeln zeigt. Weil das eben in diesem Sommer so war und er in diesem Sommer spielt. Ellenbogengruß, keine Umarmungen, die kleinen Unsicherheiten bei Begegnungen…

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 10. April 2021)

Hits: 202

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Ferdinand von Schirach: Feinde

Dienstag, den 5. Januar 2021
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SO 03.01.2021 | 20.15 Uhr | Das Erste / one / Dritte Programme

Ein Film, zwei Blickwinkel, elf Sender. Die ARD ist ja eher selten wirklich experimentierfreudig, aber am Sonntagabend hat sie es mal wieder gewagt.

Ein junges Mädchen wird entführt. Der Entführer fordert von der reichen Familien viel Geld für die Freilassung. Kommissar Nadler ermittelt und fokussiert sich auf das Umfeld der Familie. Sicherheitsmann Kelz wird verhört, und Nadler ist sich sicher: Kelz hat das Mädchen entführt. Weil aber Kelz nichts zugibt und auch nicht sagt, wo das Mädchen ist, greift er zu drastischen Mitteln.
Strafverteidiger Biegler muss sich vor seiner Frau rechtfertigen, weil er Kelz verteidigen wird. In der ausführlichen Befragung seines Mandanten bringt er Ungeheuerliches ans Licht.

Das Thema von “Ferdinand von Schirach: Feinde” ist extrem spannend. Denn der Zuschauer war bei der Entführung dabei, und man kann ziemlich sicher sein, dass Kelz ein Täter ist. Ziemlich. Aber nicht hundertprozentig.
Nadler foltert Kelz während des Polizeiverhörs, um ein Geständnis zu erpressen. Ist diese Art der Folter legitim? Sind alle Mittel recht, um ein Mädchen aus ihrer Gefangenschaft zu befreien?
Die Antwort ist sehr eindeutig, denn der Strafverteidiger nimmt Nadler während der Gerichtsverhandlung regelrecht auseinander. Nadler hatte keine Beweise, die Spurensicherung war quasi nicht vorhanden, es war lediglich ein Gefühl, dass Kelz es gewesen sei. Dass Nadler Kelz gefoltert hat, fliegt dem Ermittler um die Ohren.

Bjarne Mädel spielt in “Feinde” den Ermittler Nadler, und das macht er hervorragend. Einmal mehr zeigt er, dass er ein fantastischer Schauspieler ist. Ebenso aber Klaus Maria Brandauer, der den Strafverteidiger spielt.

Es gibt zwei Versionen dieses Films. In Version 1 geht es vor allem um die Sichtweise des Ermittlers. Der Zuschauer ist dabei, wenn Nadler zunächst im Dunkeln tappt und später beim Verhör, das dann eskaliert. Diese Version lief im Ersten.
In Version 2 verfolgen wir, wie Strafverteidiger Biegler arbeitet, wie er hadert und sich dann seiner Aufgabe widmet, wie er schließlich Kelz verhört und auf die Tatsache der Folter stößt. Die erstengut 15 Minuten sind deckungsgleich, die letzten 25 Minuten auch – zumindest fast. Denn im Prozess ist die Kameraführung vor allem auf Biegler fokussiert, und am Ende erfährt der Zuschauer auch mehr über die Urteilsbegründung, während in Version 1 der Zuschauer mit Nadler relativ zügig nach der Urteilsverkündung den Saal verlässt. Version 2 lief bei one und in allen neun Dritten Programmen.

Das Experiment: Die beiden Filme laufen parallel, und der Zuschauer kann entscheiden, aus welcher Sicht er das Ganze sehen will. Oder er konnte hin- und herschalten, um zwischendurch zu schauen, was der Strafverteidiger ermittelt.
Ich habe das probiert und habe gezappt. Gut ist, dass man tatsächlich nicht nennenswert etwas in den jeweils anderen Versionen verpasst hat. Allerdings verliefen die Handlungen nicht immer wirklich parallel. So gab es in Version 1 ein Zusammentreffen von Nadler und Biegler, das aber da nicht gleichzeitig in Version 2 gab.
Andererseits gab es in Version 1 die Folterszenen, während Kelz in Version 2 die Szenen schilderte und der Anwalt darauf reagierte. Das war ein spannender Gegensatz, der auch nur so unmittelbar funktioniert.
Wer dagegen die beiden Filme hintereinander sah – weil viele den Eindruck hatten, es habe sich um einen zweiten Teil gehandelt – sah dagegen viele Doppelungen, die dann langweilig erschienen.

Version 1 im Ersten. Version 2 auf one, im WDR, NDR, radiobremen tv, BR, SWR, SR. hr, mdr und im rbb. Ein Film auf zehn Sendern. War das wirklich nötig? Die ARD hielt das offenbar für nötig, und sicherlich ist dabei zu bedenken, dass wahrscheinlich nicht jeder Fernsehzuschauer wirklich jedes Dritte Programm und one empfängt. Es heißt, dass über DVB-T nur bestimmte Dritte zu empfangen sind. Um also sicherzustellen, dass wirklich alle Zuschauer am kompletten Experiment teilnehmen können, wurde der Film also durchgeschaltet.
Ob es grundsätzlich den zweiten Film gebracht hätte, ist eine andere Sache. Das Experiment war spannend, aber mit 120 statt 90 Minuten Länge hätte man auch alles erzählen können. Was dann aber vermutlich wieder weniger Aufmerksamkeit bekommen hätte, weil es dann eben nur ein Film im Ersten gewesen wäre.

Der Umgang mit dem Experiment in der ARD war jedoch lausig. Man hat den Zuschauer mit den Filmen leider sehr allein gelassen. Man hat sich darauf verlassen, dass alle vorher informiert waren, was denn da jetzt passiert.
Nicht nur, dass der Film in den meisten Dritten nicht zeitgleich mit dem Film im Ersten startete, sondern schon etwas früher. Er startete ohne Info an die Zuschauer.
Eigentlich hätten alle elf Sender zu Beginn wirklich zusammengeschaltet werden müssen. Ein(e) Ansager(in) (ja, sowas gibt es ja leider nicht mehr) hätte den Zuschauern erklären müssen, was jetzt passiert und was die Zuschauer machen können. Auch während des Films hätte es ab und zu Einblendungen geben müssen. An bestimmten Stellen hätte man “Umschalthilfen” geben können, in dem man sagt, was gerade in der anderen Version passiert. Dazu hätte man während des Films vielleicht zwei oder drei Punkte schaffen müssen, wo sich die Storys kreuzen und man dem Zuschauer das durch entsprechende Einblendungen sagen können.
Aber die Mühe hat man sich dann leider nicht gemacht, so wirkte das ganze wie eine gute Idee, die man aber nicht zu Ende gedacht hat.

Fast elf Millionen Menschen haben am Sonntagabend zur Primetime einen der beiden Filme gesehen. Das ist ein Erfolg, und solche Experimente könnte es gern mal wieder geben. Dann aber bitte noch mehr durchdacht.

-> Die Filme in der ARD-Mediathek (bis 3. April 2021)

Hits: 187

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Your Name engraved herein

Montag, den 4. Januar 2021
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SA 02.01.2021 | Netflix

1987 wird der am Ende des chinesischen Bürgerkriegs in Taiwan verhängte Ausnahmezustand nach fast 40 Jahren beendet. Im Mai 2019 wurde in Taiwan die Ehe für alle legalisiert – als erstes Land in Asien.
Es sind zwei Daten, die wichtig für diesen Film sind.
„Your Name Engraved Herein“ (so viel wie: “Dein Name ist hier eingraviert”) von Liu Kuang-Hui entführt den Zuschauer nach Taiwan, in das Jahr 1987.

Chang Jia-Han (Edward Chen) hat sich geprügelt. Und jetzt sitzt er bei Father Oliver (Fabio Grangeon), der wissen will, weshalb er sich geprügelt hat.
Es ging um Liebe.
Wang Po-te (Tseng Jing-Hua), genannt “Birdy” trifft in der Schule auf Chang Jia-Han, genannt “A-Han”. In den Orchesterproben werfen sie sich immer mal ein Lächeln zu, und irgendwas ist da. Aber selbst, wenn da was ist – dann darf das nicht sein in einem Land, das immer noch Homosexualität verfolgt. Dennoch kommen sie sich näher, und als der eine homophob bepöbelt und verprügelt wird, schreitet er andere ein.
1988 reisen sie nach Tapipeh. Präsident Chiang Ching-kuo ist gestorben, und alle Schüler dürfen in die Hauptstadt reisen, um seiner zu gedenken. Sie erleben dort eine schöne Zeit und Nähe – und werden aber auch Zeuge von einem Angriff auf einen Aktivisten. Er hielt ein Transparent hoch: „Ehe ist ein Menschenrecht! Homosexualität ist keine Krankheit!“ Ein Fingerzeig, vorsichtig zu sein.
Sie sind enge Freunde – aber auch ein Paar? A-Han hätte das gern, Birdy vermutlich auch, aber er traut sich noch weniger, verleugnet, dass da vielleicht mehr als Freundschaft ist.

“Your Name engraved herein” ist das Motto dieses Films. Denn der Name des anderen bleibt wohl immer im Gedächtnis, selbst als sie sich später aus den Augen verlieren.
Dieser Film ist bittersüß, und ob es überhaupt ein Happy-End gibt, darüber wird der Zuschauer lange im Unklaren gelassen. Denn natürlich kann es hier kein einfaches Ende geben, in einem Land, wo es nicht gibt, was nicht sein darf.
Das ist an einigen Stellen ziemlich melodramatisch, manchmal zehrt es an den Nerven, weil die beiden umeinander kreisen, ohne Nägel mit Köpfen zu machen. Aber dann gibt es auch wieder die Stellen, die einfach nur schön sind – wenn sie im Kino herumalbern oder sich am Meer treffen.
Ein gewaltiger Film, zeitweise kitschig – aber so ganz anders kitschig als die üblichen westlichen Filme an dieser Stelle wohl wären…

-> Trailer auf Netflix

Hits: 154

RTelenovela

2020

Donnerstag, den 31. Dezember 2020
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DIE BESTE PARTY
Abi98-Treffen in Germendorf

DAS BESTE KONZERT/EVENT
Sido in der Waldbühne in Berlin

DER BESTE SONG
Diodato: Fai Rumore
außerdem:
AnnenMayKantereit: Ausgehen
Provinz: Diego Maradona
Neelix & Durs: The Day we meet
NF: Paid my Dues
Mahmood: Rapide
AaRON: Ultrarêve
AnnenMayKantereit & Rundfunktanzorchester Ehrenfeld: Vergangenheit &
Gegenwart

Kicker Dibs: Draußen regnet’s
Clueso: Flugmodus

DAS BESTE ALBUM
Provinz: Wir bauten uns Amerika

DER BESTE FILM
1917
außerdem:
Narziss und Goldmund
Corpus Christi

DER SCHLECHTESTE FILM
Ein verborgenes Leben
außerdem:
Einsam Zweisam
7 Minutes

BESTE TV-SENDUNG
Tatort: Das fleißige Lieschen, Das Erste
außerdem
Rita, Netflix
Sex Education – Staffel 2, Netflix
Tennis live: US Open 2020, Finale: Zverev – Thiem, Eurosport 1
Sandmann für Erwachsene, rbb
Sløborn, zdf neo

SCHLECHTESTE TV-SENDUNG
Balls – Für Geld mach ich alles, ProSieben
außerdem
Deine Hochzeit – Live!, RTL zwei
MTV EMA 2020, MTV
Das große Sat.1 Promiboxen, Sat.1
Täglich frisch geröstet, TV Now
Eurovision Song Contest 2020: Unser Lied für Rotterdam, one

BESTER RADIOSENDER
radioeins

BESTES BUCH
Axel Ranisch: Nackt über Berlin
außerdem:
Katharina Peters: Fischermord
Ángel Herygar: Sag allen, dass du mich liebst

BESTER AUGENBLICK
Neujahr in Travemünde

SCHLECHTESTER AUGENBLICK
Lindenstraße: Abschied nach fast 35 Jahren

Hits: 234

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Louis van Beethoven

Sonntag, den 27. Dezember 2020
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FR 25.12.2020 | 20.15 Uhr | Das Erste

Erlebt man leider auch in der ARD viel zu selten: ein Biopic über einen Komponisten zur besten Sendezeit. Aber an Feiertagen leistet man sich so was dann doch mal.
Hintergrund ist der 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven, der ja durch die Pandemie kaum begangen werden konnte. Immerhin gibt es nun diesen Film im Ersten: “Louis van Beethoven” lief am Abend des 1. Weihnachtsfeiertages.
Und irgendwie will man das ja kaum glauben, dass der große deutsche Komponist in seiner Jugend einen leicht dreckigen rheinländischen Slang hat.

Der Film von Niki Stein zeigt Beethoven als Achtjährigen, als Jugendlichen und als alten, griesgrämigen Mann. Ausgehend vom alten Beethoven springt die Handlung immer wieder zurück. Wir sind dabei bei den Jugendjahren in Bonn bis zur endgültigen Abreise nach Wien im Jahre 1792 – beim alten Beethoven reicht der Film bis zur letzten Reise nach Gneixendorf zum Bruder Johann – und der Rückreise, die zur Krankheit und zum Tode führt.

Der Achtjährige entpuppt sich bald als Wunderkind. Colin Pütz spielt den Jungen, und er macht es wunderbar. Auch weil er selbst offenbar sehr gut Klavier spielt. Sein Lehrer Christian Gotthold Neefe (Ulrich Noethen) erkennt, was der Junge drauf hat.
Anselm Bresgott spielt den jugendlichen Beethoven, der ein wenig ungehobelt erscheint, und irgendwie erscheint das ganz putzig. Aber er muss sich bereits durchsetzen – gegen Menschen aus höherem Stand, die das auch raushängen lassen. Gleichzeitig hat er aber auch Förderer, die wissen, dass ihm eine große Zukunft bevorsteht – und die ihn auch zu weiteren Kompositionen ermutigen.

“Louis von Beethoven” lässt viel aus dem Leben des Komponisten weg, anderes wird hinzugedichtet – so hat es das “Klavierduell” zwischen Mozart und Beethoven wohl nicht gegeben.
Den alten Beethoven spielt Tobias Moretti. Von seiner Taubheit genervt und vom Leben gezeichnet, scheint er vom restlichen Leben um ihn herum geradezu abgegrenzt. Wie es zur Taubheit kam und warum er wurde, wie er im Film war, erfährt man leider nicht. Vermutlich hätte das auch einen guten Zweiteiler abgegeben.
So lässt der Film einige Fragen offen, aber spannend und unterhaltsam ist er aber dennoch.

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 24. Januar 2021)

Hits: 147

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Schneewittchen am See

Donnerstag, den 24. Dezember 2020
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SO 20.12.2020 | 20.15 Uhr | ZDF

Der Sonntagabend im ZDF soll das Herz erwärmen, und es soll nicht so aufregend sein, wie gleichzeitig im Ersten, wo am “Tatort” ermittelt wird. Hirn auf Durchzug schalten – das scheint das Motto zu sein. Deshalb brauchte auch “Schneewittchen am See” keine wirklich nennenswerte Geschichte. Hauptsache schön.

Smilla ist vor Jahren Bödes widerfahren. Ihre Mutter ist bei einem Unfall gestorben, und Smilla war dabei und musste alles mitansehen. Ihr Vater betreibt das Lokal “Schneewittchen am See” – Kulisse dafür war die Seelodge in Kremmen -, aber Smilla kann dort nicht als Köchin arbeiten. Wegen der Erinnerungen an ihre Mutter. Küchenchefin Regina will aber eigentlich auch nicht, dass Smilla dort wieder anfängt, denn dann wäre sie selbst arbeitslos. Smilla zieht stattdessen zu einer Freundin.

Das klingt, nun ja, dramatisch, wird im ZDF am Sonntagabend aber verkitscht bis zum Geht-nicht-mehr. Alles ist in romantisches Licht getaucht, immer blendet die Sonne ins Bild. Und während Smilla sich ihre Gedanken macht und immer wieder sehr traurig ist, sieht man wieder Landschaften, und alles plätschert unaufgeregt vor sich hin. Die Dialoge sind hölzern, sie werden hölzern vorgetragen, und eigentlich ist der Stoff in 20 Minuten erzählt. Der Film hat aber 88 Minuten Sendezeit zu füllen, und so muss sich über alles mögliche noch Gedanken gemacht werden und völlig irrelevanten Nebengeschichten eröffnet werden.

Wer “Schneewittchen am See” sieht, wird wissen, warum das junge Publikum sich vom Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen abwendet. Die Story öde und altbacken, das Drehbuch extrem mau und Bilder, die kitschig sein sollen, das aber nicht wirklich schaffen. Ein Film zum Abgewöhnen.

-> Der Film in der ZDF-Mediathek (bis 28. November 2021)

Hits: 159