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Aladdin

Sonntag, den 29. November 2020
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SA 28.11.2020 | 20.15 Uhr | Disney Channel

Wer an den Disney-Streifen “Aladdin” von 1992 denkt, dem ist sicherlich vor allem Dschinni im Gedächtnis geblieben. Denn oft sind es in den Zeichentrickfilmen die lustigen Nebenfiguren, die die ganz große Bühne bekommen haben.

Aladdin soll für den Großwesir eine Wunderlampe stehlen, damit der die Macht an sich reißen kann. Doch für Aladdin kommt alles anders. Er lernt eine Prinzessin kennen, einen sehr intelligenten fliegenden Teppich und den Flaschengeist Dschinni.

Im Original wird der blaue Dschninni von Robin Williams gesprochen, und die deutsche Synchronisation übernahm seine damaligen “Stammstimme” Peer Augustinski. Und das absolut genial.
Nicht nur weil Dschinni die besten Slapstickeinlagen mit Verwandlungen und Grimassen bekommen hat, sondern auch weil Augustinski sie im Deutschen so wunderbar umgesetzt hat. Immerhin war Peer Augustinski ein oft unterschätzter Entertainer. Das sorgte auch dafür, dass damals auch viele Erwachsene Spaß an “Aladdin” hatten, denn die vielen Anspielungen von Dschinni haben Kinder oft gar nicht verstanden.

Am Sonnabendabend lief der Klassiker noch mal auf dem Disney Channel, und der Film machte nicht den Eindruck, als sei er schon fast 30 Jahre alt.

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Einer wie Erika

Freitag, den 27. November 2020
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MI 25.11.2020 | 20.45 Uhr | Das Erste

Die Skiläuferin Erika Schinegger aus Österreich wird 1966 Weltmeisterin in der Abfahrt. Und eigentlich war klar, dass sie 1968 an den Olympischen Spielen teilnehmen wird. Sie war ein gefeierter Star, dass sie eine Medaille holt, schien völlig klar.
Der Schock kommt kurz vor Olympia. Bei einem Routinetest wird festgestellt: Erika ist ein Mann. Ihr Körper ist männlich. Für den Skiverband ist das ein Skandal, und es wird von Erika verlangt, dass sie sich operieren lässt, um eine “richtige” Frau zu werden.
Erika kann es nicht fassen, aber sie – er nimmt sein Schicksal in die Hand.

Das Drama “Einer wie Erika” am Mittwochabend im Ersten erzählte eine wahre Geschichte. Erika Schinegger heißt heute Erik. Damals wurde festgestellt, dass bei ihm die männlichen Geschlechtsorgane zwar da waren, aber nach innen wuchsen. Der Skiverband verlangte tatsächlich eine OP zur Frau, aber Erik wollte es anders.
Markus Freistätter spielt Erik(a), und es ist berührend mitanzusehen, wie er nach und nach feststellt, was mit ihm los ist. Zu sehen ist aber auch, wie haarsträubend der Umgang der Funktionäre mit dem Fall war. Leugnen, unterdrücken, erpressen – widerliche alte Männer wollten nicht einsehen, was nicht zu ändern ist und stattdessen das Leben eines Menschen ruinieren.

Erik Schinegger heiratete später übrigens, bekam eine Tochter und betreibt eine Skischule.

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 2. Dezember 2020)

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Gott

Mittwoch, den 25. November 2020
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MO 23.11.2020 | 20.15 Uhr | Das Erste

Das Thema war schwierig, der Film dennoch eine Wohltat. Denn er bot etwas, was auch in einer Zeit mit vielen Talkshows oft kaum noch möglich ist: ein ganz konzentrierten Austausch von Meinungen.

In Berlin verhandelt der Ehtikrat. Richard Gärtner ist 78, und er will sterben. Seine Frau ist tot, nun will er selbst auch nicht mehr weiterleben. Seine Hausärztin weigert sich, ihm das tödliche Medikament zu geben.
Hat sie damit recht? Oder hat der Senior das Recht, sich das Leben zu nehmen? Egal aus welchen Gründen?

Der gut 90 Minuten Film besteht ausschließlich aus der Verhandlung. “Gott”, nach einem Theaterstück von Ferdinand von Schirach, lief am Montagabend zur besten Sendezeit im Ersten.
Am Zeitpunkt der Ausstrahlung gab es teilweise Kritik. Angesichts dessen, dass in Pflegeheimen Menschen wegen des Coronavirus sterben, sei es unglücklich, nun über Sterbehilfe zu diskutieren.
Den Vorwurf aber kann man der ARD nicht machen. Aktuelle Probleme können nicht zwingend dafür sorgen, andere Probleme beiseite zu schieben, weil sie eventuell jetzt unangenehmer sein könnten als sonst. Und bei der Sterbehilfe geht es um ein wichtiges Thema.

Das Faszinierende an “Gott”: 90 Minuten ging es nur darum, Menschen zuzuhören. Ihren Argumenten dafür oder dagegen zu lauschen. Es äußerten sich Vertreter des Staates, es ging um die Gesetzteslage, es ging um den religiösen Standpunkt, um den Standpunkt des Betroffenen. Monologe, Dialoge. Jeder konnte ausreden, es gab keine Tumulte. Einer nach dem anderen.
Und der Zuschauer dazwischen, der sich Gedanken machen konnte, welche Argumente schlüssig sind und welche vielleicht nicht. Ganz am Ende hatten die Zuschauer die Möglichkeit abzustimmen: Sollte Richard Gärtner das Medikament bekommen? Gut 70 Prozent stimmten dafür.

Die Diskussion ist deshalb so spannend und schwierig, weil es in “Gott” nicht um einen schwerkranken Mann ging. Er war nicht unmittelbar dem Tode geweiht. Der Mann wollte einfach nicht mehr.
Das Gesetz jedoch macht keinen Unterschied, ob der, um den es geht, schwerkrank, todkrank oder gesund ist. So hätte ich vermutlich im konkreten Fall mit Nein gestimmt, im Fall eines schwer- oder todkranken Menschen wohl eher mit Ja. Und vielleicht gab es ja auch unter den Zuschauern vor dem Fernseher entsprechende Diskussionen.

Eigentlich war die folgende Diskussion bei “hart aber fair” deshalb vollkommen überflüssig, denn im Film selbst war ja alles schon gesagt.

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 23. Dezember 2020)

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Ökozid

Samstag, den 21. November 2020
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MI 18.11.2020 | 20.15 Uhr | Das Erste

Berlin, 2034. Der Internationale Gerichtshof muss umziehen. Den Haag hat gerade eine verheerende Sturmflut erlebt, und in Berlin-Tegel ist nun ein großes Zelt für die Verhandlung des Jahrhunderts aufgestellt worden.
31 Staaten des globalen Südens klagen gegen die Bundesrepublik Deutschland. Es geht um Länder wie Bangladesch oder Somalia, die mit den Folgen der Erderwärmungen zu kämpfen haben. Auf der Anklagebank sitzt auch die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel, ihr Vorgänger Gerhard Schröder weilt dagegen in der russischen Förderation und kann (oder will?) nicht kommen.
Wer hat Schuld an den Umweltschäden? Wer muss dafür geradestehen? Für Deutschland geht es um Milliarden, letztlich um Billionen.

Im Ersten gab es am Mittwochabend im Rahmen der ARD-Themenwoche “#WieLeben” mal wieder ein Gedankenspiel: Was passiert, wenn Staaten die Nationen anklagen, die in den 90ern oder 2000ern noch die Macht gehabt hätten, etwas am Klimawandel zu ändern?
An Deutschland soll im Film “Ökozid” ein Exempel statuiert werden. Denn wenn das Gericht Deutschland schuldig spricht, dann wollen die Staaten auch die USA, Russland oder China anklagen.
Der Film ist so spannend wie niederschmetternd. Denn Punkt für Punkt zählt die Anklage auf, an welchen Punkten die Politik (und die Menschen) versagt haben – das wird auch mit Originalausschnitten von damals dokumentiert. Wo haben Lobbyisten ganze Arbeit geleistet, wo war die Politik eingeknickt, um ihre eigene Macht zu sichern?
Dabei lässt der Film auch nicht aus, welche Machtspiele im Hintergrund dieses Prozesses stattfinden.
Gleichzeitig macht “Ökozid” aber auch ohnmächtig, weil man als Zuschauer – als einfacher Bürger – das wahrscheinliche richtige Gefühl hat, als kleines Licht nichts ausrichten kann.

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 18. Februar 2021)

Hits: 129

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Das fliegende Klassenzimmer

Samstag, den 12. September 2020
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MO 07.09.2020 | 20.15 Uhr | arte

Beim Thomanerchor in Leipzig geht es ja echt drunter und drüber! Da rennen die mitten aus der Probe, um sich mit anderen Kindern zu prügeln. Da schwänzen sie die Fernsehaufzeichnung eines Auftritts, weil sie noch was klären müssen. Und als sie dann doch auftauchen, sind sie total verdreckt.
Macht aber eigentlich alles nix. Denn geprobt wird sowieso nie.

Woher ich dieses erschütternde Insiderwissen über den Thomanerchor habe? Lief neulich bei arte!
War aber ein Film. Fiktion. Am Montagabend zeigte arte zur besten Sendezeit “Das fliegende Klassenzimmer” von 2002. In der damaligen Neuverfilmung des Erich-Kästner-Stoffs waren die Thomaner in Leipzig gewissermaßen die Kulisse für die Komödie.
Dass sich der Chor nie darüber beschwert hat, wie schlecht er hier wegkommt, verwundert fast ein bisschen. 2020 hätte es vermutlich schon Petitionen gehagelt.

Aber davon mal abgesehen: Auch 18 Jahre später ist “Das fliegende Klassenzimmer” extrem sehenswert. Nicht nur, weil hier Frederick Lau als angehender Teenie in einer seiner ersten Rollen zu sehen ist. Ulrich Noethen spielt den verständnisvollen Chorleiter, der selbst mit seiner Vergangenheit als Chormitglied in der Jugend hadert.
Der Film ist so gut wie zeitlos. Denn er steht auch heute noch für Werte, die wichtig, richtig und gut sind. Zusammenhalt. Hilf den Schwächeren. Sei für deine Freunde da. Überlege, was wichtig für dich und dein Umfeld ist. Kämpfe für deine Ziele.
Schön, dass arte solche Filme – eigentlich ist es ja eher ein Jugendfilm – auch mal zur besten Sendezeit ausstrahlt. Er hat 18 Jahre später nichts von seinem Charme verloren.

-> Der Film in der arte-Mediathek (bis 13. September 2020)

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Eine Almhütte für zwei

Freitag, den 11. September 2020
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SA 05.09.2020 | 20.15 Uhr | Das Erste

Leonard (Tom Beck) ist Bauer auf der Alm, und wie man so uncharmant sagt: Er ist nicht sehr Helle. Lange ist er alleine in seinem Haus, aber unterstützt von seinen Nachbarn aus dem Dorf.
Als die junge, geistig behinderte Beate (Anna Draxler) mit ihren Eltern Urlaub im Dorf macht, lernen sich die beiden kennen – und ziemlich schnell, sehr schnell auch lieben. Nach der ersten Nacht ist Beate schwanger, und das Entsetzen bei den Eltern ist groß. Wie sollen denn die beiden ein Kind aufziehen? Sie wirken geistig doch selbst noch wie Kinder, sagen sie.
Und dann ist da auch noch die Heitlquelle, die bei den Nachbarn die Eurozeichen in den Augen erscheinen lassen und die Leonards Existenz kosten könnte.

“Eine Almhütte für zwei” heiß der Film, der am Sonnabend im Ersten zur besten Sendezeit gelaufen ist. Das Blödeste am Film war dabei übrigens der lapidare und ziemlich schmonzettige Titel. Was wirkt wie ein öder Heimatfilm, hat es in Wirklichkeit durchaus in sich. Denn es geht um die spannende Frage, was man geistig zurückgeblieben Erwachsenen eigentlich zutrauen kann und sollte. Für alle Beteiligten ging es darum, eventuell umzudenken und zu schauen, was machbar ist.
Tom Beck und Anna Draxler spielten das Paar auf wunderschöne Weise. Die beiden im Film waren zwar nicht sehr helle, aber liebevoll und herzensgut.

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 5. Oktober 2020)

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BalletBoyz: Young Men

Sonntag, den 9. August 2020
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DI 04.08.2020 | 2.20 Uhr (Mi.) | arte

Das sieht man auch nicht alle Tage: Es ist Krieg, und auf dem Schlachtfeld tanzen die Krieger im Gleichklang ein Ballett. Auf arte gab es in der Nacht zu Mittwoch einen Kriegsfilm – aber so ganz anders, als man das gewohnt ist. Der Titel sagt es schon: “BalletBoyz: Young Men”.

Frankreich, um 1900, auf einem Feld in irgendeinem Krieg. Männer kämpfen. Männer leiden.
Das ist im Grunde schon die, nun ja, Handlung.
Der Film soll das Schicksal dieser jungen Männer im Krieg zeigen, aber eigentlich tanzen sie nur künstlerisch. Was jetzt natürlich auch nicht so schlecht aussieht. Es handelt sich um die Tänzer der BalletBoyz, einer Tanztruppe aus London. Ihre Bühnenchoreographie „Young Men“ kann man normalerweise im Theater sehen, und vermutlich macht das alles live in einem Theater mit Blick auf eine Bühne mehr her, als ein Film, wo das alles ein bisschen gewöhnungsbedürftig wirkt.

Aber ist eben Kunst. Kriegskunst, in diesem Fall.

-> Die Sendung auf arte.tv (bis 1. November 2020)

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